What is a JSON feed? Learn more

JSON Feed Viewer

Browse through the showcased feeds, or enter a feed URL below.

Now supporting RSS and Atom feeds thanks to Andrew Chilton's feed2json.org service

CURRENT FEED

der ballreiter

Blog de fútbol.

JSON


Meadowbank.

Permalink - Posted on 2017-12-13 19:00

Im Oktober 2016 besuchte die Besatzung dieses kleinen Blogs das Meadowbank Stadium in Edinburgh, in dem in bis Sommer 2017 der Viertligist Edinburgh City FC kickte. Aktuell wird das für die Commonwealth Games 1970 errichtet Multisportstadion abgerissen und neu gebaut. Alan McCredie hat zum Abschied von diesem schönen alten Bau eine Photostory erstellt: »TALES FROM THE MEADOW BANK«.


Ungefährdeter Heimsieg: FC Basel vs FC St. Gallen 3:0 – 9.12.2017

Permalink - Posted on 2017-12-13 11:40

FC Basel vs FC St. Gallen 3:0

Lange nicht mehr im Joggeli beim FC Basel gewesen! Also ging es mit der Eisenbahn (im Südwesten lag noch kein Schnee, ergo konnten noch Züge fahren…) über die Deutsch-Schweizer Grenze hinüber in die drittgrößte Stadt der Schweiz. Im Topspiel der Schweizer Super League besiegte der Serienmeister FCB den FC St. Gallen mit 3:0.

Anlässlich dieses Besuchs im Joggeli soll auch ein Blick auf den durchaus erstaunlichen Umbruch beim FC Basel geworfen werden. Dieser hatte zu Beginn der Saison zu (für Basler Verhältnisse) ungewohnten Schwächen geführt, entwickelte sich aber im weiteren Verlauf der Runde zu einer Erfolgsgeschichte. Nicht zuletzt dank einer großartigen Champions-League-Gruppenphase…

Der FC Basel im Umbruchsjahr

Zur Geschichte und dem Stadion (der St. Jakob-Park, genannt »Joggeli«) des FC Basel gab es in diesem kleinen Fußballblog schon einiges beim Erstbesuch im Juli 2015 zu lesen, so dass wir uns hier nicht wiederholen müssen.

Wie erwähnt: Im Sommer gab es beim FC Basel einen großen Umbruch, ohne dass es einen äußeren Anlass gegeben hätte. Normalerweise werden Umbrüche bei Fußballklubs immer dann ausgerufen, wenn es krisenhafte Entwicklungen und/oder das Verpassen sportlicher Ziele gibt und die Verantwortlichen davongejagd werden.

Nicht so bei den »Bebbi«. Das langjährige Erfolgsduo, Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz, verließ »freiwillig« den Klub. Nachfolger als Präsident (und Mehrheitsaktionär des Klubs) wurde Bernhard Burgener, im Hauptberuf als Medienunternehmer tätig (u.a. bei Constantin). Neuer Sportdirektor wurde Marco Streller, ex-Spieler des FC Basel.

Auch Trainer Urs Fischer, der in der letzten Saison immerhin das Double aus Meisterschaft und Pokal holte, musste gehen und wurde durch den ex-Profi Raphael Wicky, wie Streller noch bestens aus seiner aktiven Zeit in der Bundesliga bekannt, ersetzt. Wicky war vorher nur als TV-Experte und Nachwuchstrainer des FC Basel tätig. Seine erste Trainerstation im Profibereich ist also gleich der Schweizer Renommierklub schlechthin.

Daneben verließen, wie eigentlich immer, eine ganze Reihe von Stammspielern den Klub. Kapitän Matias Delgado, die Stürmer Seydou Doumbia und Marc Janko und der isländische Nationalspieler Birkir Bjarnason verließen den FC Basel. In der Schweiz ist an TV-Geld nicht viel zu erwarten, ergo ist der preiswerte Einkauf und teure Verkauf von Spielern das »Geschäftsmodell« des Klubs.

Das Ergebnis: Ein veritabler Fehlstart in die Saison 17/18. Es gab eine Serie von vier sieglosen Spielen hintereinander mit einer 1:2-Niederlage gegen den heutigen Gegner FC St. Gallen am 8. Spieltag als Tiefpunkt. Der große FC Basel, in den letzten 10 Jahren neunmal Meister gewesen, hatte am 8. Spieltag erst dreimal gewonnen und stand mit 6 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter, die Young Boys (YB) aus Bern, nur auf Rang 4!

Entsprechend kritisch beäugte die Presse den Umbruch. »Die schlechten Resultate hängen auch mit dem Bruch in der Führung zusammen«, schrieb der Tagesanzeiger. »Behält der FC Basel nach dem selbst auferlegten Neuanfang die Ruhe?« fragte sich watson. »Basel verliert in St. Gallen und zeigt Defizite, wie man sie selten gesehen hat«, konstatierte die NZZ. Neu-Präsident Brugner bat in der Basler Zeitung um Geduld, Zitat:

»Wir wollen den Titel verteidigen, wir wollen international dabei sein, wir wollten das Kader reduzieren, und wir wollten mehr eigene Spieler und Junioren im Team, nun haben wir acht Basler aus dem Campus und der Region. Alles, was wir versprochen haben, wollen wir halten. (…) Wir ziehen unsere Linie durch. Aber ein bisschen Zeit brauchen wir halt schon noch, bis alles greift.«

Und er sollte Recht behalten. Nach dieser Niederlage verlor der FC Basel in der Super League kein einziges Spiel mehr. Aus 10 Spielen holten die Bebbi 7 Siege und 3 Unentschieden und schoben sich auf Rang 2 vor. Konkurrent YB verlor aber auch nur zweimal und stand vor dem Basler Spiel gegen St. Gallen mit 4 Punkten Vorsprung auf Rang 1.

Geradezu brillant performte der FCB aber in der Champions League. Nach der Auftaktniederlage bei Manchester United zogen die Basler mit einer sensationellen Gruppenphase (4 Siege, darunter daheim gegen ManUnited, 12 Punkte) in das Achtelfinale ein. Mit dem einsetzenden Erfolg änderte sich die Tonalität der Berichte, wie bei der NZZ: »Was der FC Basel in diesem Halbjahr vor allem international geschafft hat, zeugt schon fast von übernatürlichen Kräften.« So schnell geht das manchmal…

FC St. Gallen

Der Gegner FC St. Gallen, gegründet am 19. April 1879, ist der älteste noch existierende Fußballverein der Schweiz und einer der ältesten (man weiß es nicht so genau, könnte auch der älteste sein) in Kontinentaleuropa. Der Ostschweizer Traditionsverein aus der Bodenseeregion wurde zweimal Schweizer Meister (1904 und 2000) und ist nach YB und dem FCB der, was Zuschauerzahlen angeht, drittpopulärste Klub der Schweiz.

2010 geriet man in finanzielle Schwierigkeiten und musste von diversen Investoren um den Unternehmer Dolf Früh (Scout 24 Schweiz) vor dem Konkurs bewahrt werden. Früh wurde in der Folge Präsident und führte den Verein bis 2017 in finanziell solide Verhältnisse zurück. Die letzten zwei Jahre trainierte Joe Zinnbauer die »Espen« (wie die St. Gallener nach ihrem alten Stadion Espenmoos genannt werden), zog sich durch die von ihm praktizierte Spielweise aber den Zorn des Publikums zu und ließ dadurch den Dauerkartenverkauf einbrechen. Deshalb wurde er letzen Sommer durch den ehemaligen St. Gallener Spieler Giorgio Contini ersetzt.

Dolf Früh trat im Mai aus gesundheitlichen Gründen als Präsident zurück. Der zunächst von der Aktionärsversammlung gewählte (ja, Schweiz ist im Profifußball nicht 50+1-Turnvater-Jahn-Vereine-Land…) Nachfolger Stefan Hernandez wurde bereits gestern wieder abgesetzt, sein Nachfolger soll nun der TV-Sportmoderator Matthias Hüppi werden.

Sportlich läuft es unter Contini recht gut, die Espen kamen gut in die Saison und standen nach dem 8. Spieltag (nach dem Sieg, s.o.) sogar vor dem FC Basel. In den letzten Wochen lief es nicht mehr so gut, aus den fünf Spielen vor dem Match in Basel gab es nur einen Sieg, aber vier Niederlagen…

FC Basel vs FC St. Gallen 3:0

An einem eiskalten Samstagabend kam es also zum Duell des aufholenden FC Basel und des leicht kriselnden FC St. Gallen. Die Anreise gestaltete sich problemlos, der St. Jakob-Park ist mit diversen Bahnen und Bussen problemlos erreichbar. Es geht halt nix über ein Stadion in der Stadt…

Das Publikumsinteresse an diesem tabellarisch interessanten Super-League-Match hielt sich in Grenzen. Offiziell 24.000 Zusehende waren im Joggeli (38.500 passen rein), das prächtige Stadion wirkte aber deutlich leerer. Nach den Champions-League-Festtagen hält sich die Lust auf Alltagskost in der Liga wohl in Grenzen…

Die Atmosphäre war aber trotzdem gut, beide Fanblöcke machten sich lautstark bemerkbar und der Basler Fanblock, die Muttenzer Kurve, feierte jedes Tor mit ihren (in schweizerischer Gelassenheit registrierten) obligatorischen Bengalos…

Das Stadionbier schmeckt auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch gut, mit 5,50 Franken (etwa 5 Euro) ist es aber, wie fast alles in der Schweiz, ein teures Vergnügen.

Gar nicht so teuer ist bei Ligaspielen der Eintritt, im Oberrang ist man bereits mit einem Sitzplatz für 20 Franken (etwa 18 Euro) dabei.

Das Spiel selbst war leider eine höchst einseitige Angelegenheit. Der FC Basel dominierte das Spiel von Beginn an. 75% Ballbesitz und 19 zu 7 Torschüsse (wobei man sich fragt, wo die Statistiker die 7 Torschüsse für die Espen hergenommen haben…) sprechen eine deutliche Sprache. Vom Selbstbewusstsein eines Tabellenvierten, der vor ein paar Wochen die Basler besiegt hatte, war bei den Grün-Weißen nichts zu sehen. Die Rotblauen konnten es sich sogar erlauben, die beiden Jungstars Raoul Petretta und Dimitri Oberlin auf der Bank zu lassen.

»Ausgerechnet« der ehemalige St. Gallener Albian Ajeti, im Laufe der Vorrunde von den Espen zu Rotblau gewechselt, erledigte seine alte Mannschaft mit zwei Toren in der 26. und 65. Minute. Ein Freistoß von Manuel Akanji, den der St. Gallener Torhüter Daniel Lopar ins Tor »flutschen« ließ, sorgte für den Endstand.

Fazit: Es war schön mal wieder im Joggeli zu sein. Das Spiel war aber zu einseitig, um die Zusehenden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu erwärmen. Die »neue« Basler Mannschaft musste nur das Nötigste tun, um die 3 Punkte einzufahren…

Noch schöner wurde es für die Bebbi am Sonntag, als Tabellenführer YB daheim gegen den Grashoppers Club (aus Zürich) nur 1:1 spielte und der »Feindklub Nr.1« FC Zürich gar eine 1:2-Heimniederlage gegen den FC Luzern kassierte. Damit rückte der FC Basel auf Rang 2 und auf zwei Punkte an Tabellenführer YB heran. Die Tendenz deutet klar an, dass nach der in einer Woche anstehenden Winterpause die (aus Basler Sicht) »natürliche Ordnung« an der Tabellenspitze bald wieder hergestellt ist…

Impressionen

 

St. Jakob-Park

Anstoß zur 2. Halbzeit…

Kurz vor Schluss…


Kalte Nullnummer: KSC vs VfR Aalen 0:0 – 2.12.2017

Permalink - Posted on 2017-12-02 20:25

KSC vs VfR Aalen 0:0

Der Winter ist da! Bei erfrischenden Temperaturen rund um den Gefrierpunkt lud der KSC zum letzten Heimspiel eines sportlich grausigen Jahres gegen den VfR Aalen ein. Das Spiel war nicht geeignet, die Zusehenden zu erwärmen: In einer tristen Mittelfeldschlacht trennten sich der wiedererstarkte KSC und die Gäste von der Ostalb 0:0…

Auf dem Weg nach oben…

Seit der Länderspielpause Anfang Oktober hatte der KSC nicht mehr verloren, aus sechs Spielen wurden 16 von 18 möglichen Punkten bei 10:1 Toren geholt und in die obere Tabellenhälfte marschiert. Höhepunkt dieser Serie war zweifellos der 2:0-Auswärtssieg beim Liga-Babo SC Paderborn (Video) in der letzten Woche. In der ersten Halbzeit in Paderborn mussten die Blau-Weißen noch mit Glück und Geschick einen Rückstand vermeiden. In der zweiten Hälfte waren sie aber das bessere Team und gewannen verdient durch zwei hübsch heraus gespielte Treffer. Das war schon der zweite Auswärtssieg hintereinander, und dabei trafen die »Tor-Minimalisten vom Wildpark« fünfmal. Höchste Zeit, dass es auch mal im Wildpark ein paar Tore und hübsche Angriffe zu sehen gibt…

KSC vs VfR Aalen

Der VfR Aalen hatte letzte Saison (denkt man sich die abgezogenen 9 Punkte dazu) eine starke Runde gespielt. Nach der (bei deutschen Mitglieder- und Traditionsvereinen überaus beliebten) »Entschuldung durch Insolvenz« sollte es diese Saison wieder nach oben gehen. Aktuell hält man sich aber im Mittelfeld der Tabelle auf, insbesondere auswärts läuft gar nix. Ein einziges Mal holten die Schwarz-Weißen von der Ostalb auswärts einen Dreier, und das war Anfang August in Chemnitz. Die letzten drei Auswärtsauftritte gingen mit 8 Gegentoren allesamt verloren.

Dazu kam, dass Aalen in der gesamten Historie erst einmal im Wildpark gewinnen konnte, und das war ein 0:1 in der finsteren Zeit der Regionalligasaison 2000/01. Andererseits gab es in den (nur drei) Duellen zwischen KSC und Aalen im Wildpark noch nie einen Heimsieg, neben dem erwähnten 0:1 ein 1:1 in 13/14 und ein 0:0 in 14/15.

Trotzdem: Der daheim noch ungeschlagene KSC ging als klarer Favorit in diese Begegnung.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wollten 10.000 das Spiel sehen. Alois Schwartz schickte seine unveränderte Standardelf der letzten Wochen auf den Platz. Aalens Coach Peter Vollmann musste hingegen verletzungsbedingt auf seinen Topscorer Matthias Morys (5 Tore, 4 Vorlagen) verzichten.

Nach dem Anpfiff und einer Ultra-Selbstfeier-Gedöns-Choreo der Gegengerade ging das Spiel lebhaft los. Der KSC drückte Aalen in die eigene Hälfte und kam zu guten Chancen. Nach einer Ecke in der 9. Minute scheiterten gleich drei sehr gute Karlsruher Abschlüsse an Gegner und Torgebälk. Sicherlich Pech, aber dann in dieser Häufung auch eine Frage der Qualität vor dem Tor. Wenige Minuten später das gleiche Bild: Föhrenbach schoss nach der nächsten Ecke aus vier Metern den Gegner an…

Ein vielversprechender Auftakt. Das Problem dabei: Das war es eigentlich auch schon, man hätte sich im Grunde nach 10 Minuten ins Warme verabschieden können. Aalen sammelte sich und brachte, wie man auf Kicker-Deutsch immer so schön sagt, »Ruhe ins Spiel«. Auf deutsch: Es passierte nichts mehr. Aalen riegelte mit 9 Mann das Spielfeld ab und dem KSC fehlten, wie so oft in Heimspielen, die Mittel, um das Defensivbollwerk zu knacken.

Kurz vor der Halbzeit gab es noch einen (den einzigen) Torabschluss für Aalen. Einen weiteren Aalener Torschussversuch in der zweiten Hälfte, der locker 6 Meter am Tor vorbei ging, möchte ich nur ungern als »Torabschluss« bezeichnen…

Aber auch der KSC bekleckerte sich offensiv nicht mit Ruhm. Defensiv brannte wie immer nichts an, man muss aber auch ehrlicherweise dazu sagen, dass es nicht viel zu verteidigen gab. Das Spiel plätscherte tempoarm vor sich hin. Zahllose Fehlpässe garnierten das Treiben auf dem Rasen. Harte Fußball-Kost…

Erst ganz am Ende gab es noch einmal eine gute Chance für die Blau-Weißen. Ein Schuss von Bader prallte von der Aalener Abwehr ab und flog zu Gordon, der aber frei vor dem Tor vergab

Fazit: Bis auf die ersten 10 bis 15 Minuten ein langweiliges Spiel. Ein typisches Spiel der Dritten Liga. Verteidigen kann man in dieser ziemlich gut, ein Spiel zu zerstören ist im Fußball auch einfacher als eines aufzuziehen. Die Qualität des Offensivpersonals ist aber bei den meisten Teams nicht gut genug, um die Abwehrbollwerke zu knacken. Das Ergebnis sind viele Spiele, die unansehnliche Mittelfeldschlachten sind. Andererseits fallen aber in anderen Stadien der Dritten Liga durchaus viele Tore. Nur eben bei uns in Karlsruhe nicht…

KSC vs VfR Aalen – Tore Fehlanzeige…

Die Lage

Torarmut als Problem

Der vergebene Heimsieg war auch eine vergebene Chance, der Tabellenspitze näher zu kommen. Spitzenreiter Paderborn ging im Wiesbadener Stahlrohr- und Wellblechpalast mit 1:4 unter und kassierte damit in einer Woche 6 Gegentore und zwei Niederlagen. Bei einem eigenen Sieg hätte man auf neun Punkte an die Spitze heranrücken können. Hat man aber nicht, »wäre wäre Fahrradkette« würde ein berühmter Ex-Nationalspieler sagen…

Soll der Marsch zurück in die 2. Liga wirklich noch gelingen, wird man wohl im Winter offensiv nachrüsten müssen. Torgefährlich ist nur Schleusener. Fink strahlt auf seiner neuen Position hinter Schleusener keinerlei Torgefahr mehr aus. Die eingewechselten Alternativen Stroh-Engel und Lorenz blieben komplett wirkungslos. Und die, deren Aufgaben andere sind, aber durch den Spielverlauf zu Chancen kommen (Gordon, Mehlem) vollstrecken auch nicht.

Eine kleine Jahres-Heimbilanz…

Der Fußball lebt natürlich im Rhythmus der Saisons, nicht in Kalenderjahren. Zum letzten Heimspiel des Jahres können wir aber trotzdem eine kleine Bilanz der Heimspiele des Jahres 2017 aufstellen.

Es gab insgesamt 19 Heimspiele: 9 in der 2. Liga, 1 im DFB-Pokal und 9 in der Dritten Liga. Davon wurden 8 gewonnen, 2 in der 2. Liga und 6 in der Dritten Liga. In diesen 19 Spielen fielen im Schnitt 1,26 Tore. In lediglich zwei Spielen schoss der KSC mehr als 2 Tore, lustigerweise in zwei Spielen der desaströsen Rückrunde der Abstiegssaison in der 2. Liga: Ein 3:2 gegen Bielefeld im Januar und ein 3:4 im Geisterspiel gegen Dresden im Mai. Womit dann in allen anderen Spielen statistisch genau 1 Tor geschossen wurde…

Man kann mit Fug und Recht sagen: Es gab schon bessere Jahre für die Karlsruher Fußballfreundinnen und -freunde im Wildpark. Da braucht man sich über den bescheidenen Zuschauerzuspruch nicht zu wundern. Das kann 2018 nur besser werden…

Jahresendspurt

Bevor es 2018 wird, muss der KSC aber noch zweimal auswärts antreten. Nächste Woche geht es zum letzten Spieltag der Hinrunde in den Osten zu Carl Zeiss Jena. Und eine Woche später zum Rückrundenauftakt an die Bremer Brücke nach Osnabrück. Danach wird man wissen, ob die frische Karlsruher Auswärtsstärke zur festen Einrichtung der Dritten Liga geworden ist…

Impressionen


Das erste Länderspiel.

Permalink - Posted on 2017-11-30 15:10

Im Blog-Beitrag zum 150. Geburtstag des Queen‘s Park FC wurde schon mal kurz auf das erste Länderspiel (nach heutigen Fußballregeln) im Jahre 1872 zwischen Schottland und England der Geschichte eingegangen. Denn die erste schottische Nationalspieler bestand nur aus Spielern von Queen‘s Park. watson hat einen schönen Text über jenes Spiel das am 30. November 1872 stattfand, also heute vor exakt 145 Jahren: »Das erste Länderspiel der Geschichte macht 1872 keine Werbung für den Fussball«


Ausflug nach Südbaden: 1. SV Mörsch vs FC 03 Radolfzell 0:2 – 26.11.2017

Permalink - Posted on 2017-11-26 23:30

1. SV Mörsch vs FC Radolfzell 0:2

Über den Fußballkreis Karlsruhe regnete es am vergangenen Wochenende wie aus Kübeln, was den Sportplätzen gar nicht gut tat. Entsprechend fielen viele Spiele aus, darunter das als Sportplatzbesuch-Spiel für das Wochenende ausgesuchte Oberliga-Spiel beim SV Spielberg. Da ein Wochenende ohne jeglichen Stadion/Sportplatz-Besuch keine Option ist, musste Ersatz her. Fündig wurde man jenseits der südlichen Stadtgrenze und damit erstmals im Bereich der Verbandsliga Südbaden. Der 1. SV Mörsch aus Rheinstetten empfing zum Mittelfeldduell den Aufsteiger FC 03 Radolfzell vom Bodensee und unterlag diesem 0:2…

Der wilde wilde Süden fängt gleich hinter Karlsruh‘ an…

Die Motoball-Metropole Mörsch ist einer der drei Stadtteile des in den 70er-Jahren am Reißbrett entstandenen Städtchens Rheinstetten, das sich unmittelbar südwestlich an Karlsruhe anschließt. Als Teil des »Verdichtungsraum Karlsruhe« beherbegt Rheinstetten auch die Messe Karlsruhe. Somit würde man den 1. SV Mörsch, wie den neulich beim »Tag der Amateure« begutachteten Lokalrivalen TV Mörsch, im Fußballkreis Karlsruhe und damit im Badischen Fußballverband BFV (und damit logischerweise in der Verbandsliga Nordbaden) vermuten. In den 50er-Jahren gab es aber einen Deal zwischen dem BFV und dem südbadischen Fußballverband. Der FC Phönix Durmersheim aus dem Kreis Baden-Baden hatte keine Lust mehr auf Auswärtsfahrten an den Bodensee und wechselte in den BFV. Als »Ausgleich« wechselte der SV Mörsch in den südbadischen Verband und spielt dort bis heute.

Der Südbaden-Bereich reicht von Mörsch bis hinunter an den Bodensee. Was dazu führt, dass es in dieser Verbandsliga Begegnungen (wie gegen Radolfzell) gibt, bei denen die Kontrahenten sportliche 200 Autobahnkilometer für ein Auswärtsspiel zurücklegen müssen…

1. SV Mörsch

Der 1919 gegründete 1. Sportverein Mörsch war nach der »Auswanderung« nach Südbaden von den 50ern bis Ende der 60er Stammgast in der damals höchsten Amateurklasse, der 1. Amateurliga Südbaden. Danach setzte ein Niedergang ein, der den Sportverein bis Mitte der 90er hinunter in die Kreisliga B Baden-Baden führte. In den letzten Jahren war der 1. SV eine Fahrstuhlmannschaft in der Verbandsliga, in der in der letzten Saison der Klassenerhalt gelang.

Trainiert werden die Mörscher von Dietmar Blicker, der als Leiter des Hochschulsports und Stellv. Geschäftsführer des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am KIT Karlsruhe arbeitet. Außerdem ist er beim KSC für die Zertifizierung des Nachwuchsleistungszentrums zuständig. Der Mann hat also ordentlich was zu tun im Sport rund um Karlsruhe…

Als einziger Verbandsligist hat der 1. SV mit Melanie Fink eine Co-Trainerin im Einsatz. Ein leider von Rechtschreibfehlern strotzender Text bei meinTestgelände (sie fuhr mit der »Wesper« zum Training…) stellt die 21-jährige ein wenig vor. Traurig genug, dass im Jahre 2017 eine Frau als Trainerin einer Männermannschaft noch so etwas Besonderes ist…

Der Ground der Mörscher ist das »Stadion an der Sandgrube«, kurz vor der Endhaltestelle der S2 gelegen. Mit 6 Euro Eintritt ist man dabei…

FC 03 Radolfzell

Gegner FC 03 Radolfzell ist ebenfalls eine Fahrstuhlmannschaft durch die Amateurligen. 2015 wäre der FC sogar fast einmal in die Oberliga BaWü aufgestiegen, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde am 1. CfR Pforzheim. Im letzten Sommer gelang der Wiederaufstieg in die Verbandsliga und unter Trainer Wolfgang Stolpa hält man sich aktuell souverän im Mittelfeld der Tabelle.

Der FC 03 spielt seine Heimspiele in einem wirklich schmucken Stadion auf der Bodensee-Halbinsel Mettnau, da kann man auch mal vorbei schauen…

1. SV Mörsch vs FC 03 Radolfzell 0:2

Im Mittelfeld der Tabelle treibt sich auch der 1. SV herum, der seine Punkte aber meistens auswärts holt, genau wie Gegner Radolfzell. Somit galten die Männer vom Bodensee als leichter Favorit für die Begegnung. Etwa 200 Zusehende wollten das Duell an einem zum Glück nur noch leicht regnerischen Sonntag sehen.

Man achte beim ersten Bild mit den aufgereihten Mannschaften auf den Herrn oben rechts auf dem Wall im Hintergrund, der seinen Regenschirm neben sich in den Boden gerammt hat. Wenn man das letzte Bild weiter unten vor »Impressionen« betrachtet, das kurz vor Abpfiff geschossen wurde, dann steht er 90 Minuten plus Halbzeit später noch exakt genauso da. Bemerkenswert…

Das Spiel entwickelte sich nach Anpfiff wie erwartet. Die Heimmannschaft (auf den Bildern in Gelb-Schwarz) wurde von den Gästen in die eigene Hälfte gedrückt. Was das Spiel zu einer etwas zähen Angelegenheit machte, denn der FC 03 tat sich trotz Dauerdruck schwer, aussichtsreiche Abschlüsse zu bekommen. Ein vehementer Schuss an das Tordreieck war die beste Ausbeute der ersten Halbzeit.

In der zweiten Hälfte ging es so weiter. Die Gäste waren aber erfolgreicher. Ein Schuss von Tobias Krüger aus spitzem Winkel, der wohl eher als Flanke gedacht war, fand in der 49. Minute seinen Weg in das Mörscher Tor zum 0:1.

Auch in der Folge konnten die Mörscher trotz engagiertem Spiel kaum gefährlich vor den Kasten des FC 03 kommen. Das Spielgeschehen spielte sich weiterhin in erster Linie in der Hälfte der »Macht aus der Sandgrube« ab. Was in der 71. Minute zur Entscheidung führte. Alexander Stricker lief energisch in den Strafraum und schob den Ball unter den fallenden Mörscher Torhüter hindurch zum 0:2 ins Netz.

Die letzten 20 Minuten verwalteten die Gäste die Führung und schaukelten den verdienten Sieg nach Hause.

Fazit: Eine etwas zähe Partie auf einem hübschen Ground. Die Heimmannschaft kam nie richtig ins Spiel, so dass das Endergebnis trotz des 70 Minuten lang knappen Spielstandes schon früh absehbar war. Radolfzell macht in der Tabelle einen ordentlichen Sprung nach oben. Mörsch hingegen rutscht in die Nähe der Abstiegsplätze…

Impressionen

1. SV Mörsch vs FC Radolfzell 0:2

Im Tor war der Rasen durch den Regen etwas mitgenommen…

1. SV Mörsch vs FC Radolfzell 0:2


Überraschende Heimpleite: FC Germania Friedrichstal vs VfB Eppingen 1:2 – 19.11.2017

Permalink - Posted on 2017-11-19 22:10

FC Germania Friedrichstal vs VfB Eppingen 1:2

Ein weiteres Spitzenspiel in der Verbandsliga und das letzte Friedrichstaler Heimspiel vor der langen Winterpause: Keine Frage, da musste man bei herrlichem Herbstwetter raus ins Stutensee-Stadion. In einem spannenden Match musste Tabellenführer Germania Friedrichstal überraschend eine 1:2-Heimniederlage gegen den VfB Eppingen hinnehmen und macht damit die Lage an der Tabellenspitze der Verbandsliga unfreiwillig wieder richtig spannend…

VfB Eppingen

Verbandsliga schauen ist Fußballvergnügen mit Nachhilfe in Heimatkunde! Denn vor dem Spiel wusste ich gar nicht genau, wo Eppingen liegt. Da soll mal jemand sagen Fußball wäre eine nutzlose Zeitverschwendung…

Eppingen ist eine 21.000-Einwohner-Stadt, ein paar Kilometer südlich von Sinsheim (TSG Hoffenheim!) gelegen, kurz vor dem »Eisernen Vorhang«, der Grenze zwischen Baden und Württemberg. »Das Angebot an Breitensport ist vielfältig, immer wieder aber werden auch von Eppinger Sportlern gute Leistungen auf nationaler und auch internationaler Ebene erreicht«, schreibt die Wikipedia.

So auch vom 1921 gegründeten VfB Eppingen, der durch ein einziges Spiel bundesweit bekannt wurde. Am 26. Oktober 1974 warf der VfB den großen Hamburger SV mit einem 2:1-Sieg aus dem DFB-Pokal hinaus und wurde damit zur »Mutter aller Pokalsensationen«. Es gelang 1980 sogar der Aufstieg in die Südstaffel der (damals noch zweigeteilten) 2. Bundesliga. Nach dem postwendenden Abstieg (wg. der Einführung der eingleisigen 2. Liga) wurde der VfB eine Fahrstuhlmannschaft durch die Amateurligen, bis hinunter in die Landesliga. Seit 2016 spielen die Eppinger wieder in der Verbandsliga und belegten in der ersten Saison als Aufsteiger einen soliden Mittelfeldplatz.

In der aktuellen Saison mischen die Eppinger an der Tabellenspitze mit. Sie rückten als Tabellenvierter, punktgleich mit dem Dritten 1. FC Bruchsal, in Friedrichstal an. Auswärts waren sie bisher allerdings wenig furchterregend, zwei Siegen standen vier Niederlagen (darunter mit einem 1:6 beim VfR Mannheim im letzten Auswärtsspiel eine echte Packung) gegenüber.

FC Germania Friedrichstal vs VfB Eppingen 1:2

Letzte Woche hatte Friedrichstal mit einem souveränen Auswärtssieg in Bruchsal die Tabellenführung ausgebaut und galt deshalb, zumal daheim noch ungeschlagen, als klarer Favorit gegen den VfB Eppingen. Ein Handicap war sicher die Abwesenheit von Mittelfeldstratege Timo Di Giorgio, der bei einem Lehrgang der Futsal-Nationalmannschaft weilte.

An einem herrlichen Herbstsonntag wollten schätzungsweise 300 Zusehende das Topspiel des 14. Spieltags sehen. Das Spiel startete verhalten in den Nachmittag, ganz Verbandsliga-untypisch belauerten sich die Kontrahenten zunächst im Mittelfeld. Es gab kaum Torraumszenen, es war eine zähe Angelegenheit.

In der 24. Minute waren dann alle schlagartig wach. Der Germane Abdelrahman Mohamed wurde im Strafraum gelegt, den fälligen Strafstoss verwandelte Torjäger Patrick Roedling mit seinem 99. Treffer im Friedrichstaler Trikot zum 1:0.

Als dann in der 28. Minute der Eppinger Jan Friedrich (oder Fabian Kirsten ich habe leider nicht auf die Rückennummer geachtet und die Berichte widersprechen sich…) nach einer Notbremse Rot sah, schien das Spiel seinen erwarteten Gang zu nehmen. Bis zur Pause gab es diverse gute Friedrichstaler Torgelegenheiten, die der hervorragende (wenn auch mit einem leichten Hang zu Torwart-Showeinlagen ausgestattete) Gästekeeper Kai Sauer entschärfte.

Mit dem 1:0 ging es in die Pause.

Die zweite Hälfte verlief dann aber ganz anders, als alle Betrachdenden erwartet hatten. Statt ein lockeres »nach-Hause-bringen« des Heimsiegs gab es kurz nach der Pause den Ausgleich. In der 51. Minute verteidigten die Germanen bei einem Eckball etwas nachlässig. Kevin Haas bedankte sich und köpfte zum überraschenden 1:1-Ausgleich ein.

Der Rest des Spiels sah eine Friedrichstaler Mannschaft mit Dauerdruck Richtung Eppinger Tor. Jedoch fehlte ohne Mittelfeldstratege di Giorgio das schnelle Flügelspiel mit den die gegnerische Abwehr sezierenden präzisen Pässen, die das Friedrichstaler Angriffsspiel sonst auszeichnen. Am heutigen Tag war das Angriffsspiel der Germanen ziemlich »mitte-lastig«, was die Eppinger souverän verteidigten. Dazu stürzten sich stets zwei Eppinger auf Torjäger Roedling, wenn der nur Richtung Tor schaute. Und wenn es dann doch mal zu einem Abschluss kam, war Keeper Sauer auf dem Posten.

Es rechneten schon alle mit einer Punkteteilung, als in der 87. Minute einer der in der zweiten Halbzeit seltenen Eppinger Angriffe von Raphael Sigloch überraschend zur 2:1-Führung verwandelt wurde. Die aufgerückten Germanen offenbarten in der Szene Abwehrlücken und eine Zweikampfschwäche, was wohl dem Drang zum Siegtreffer geschuldet war…

So nahmen die Eppinger drei Punkte mit in den Sonnenuntergang gen Norden, und die Friedrichstaler kassierten die erste Heimniederlage der Saison…

Fazit: Ein in der zweiten Hälfte spannendes Match mit einem überraschenden Spielverlauf.

Die Lage

Durch das Ergebnis rückt die Tabellenspitze enger zusammen. Der VfR Mannheim siegte 3:1 gegen Schwetzingen (und hat ja noch ein Nachholspiel in der Hinterhand), Heddesheim gewann auswärts 2:0 in Kirrlach und Bruchsal holte sich mit einem 0:2 in Neckarelz die zweite Niederlage hintereinander ab. Was folgendes Tabellenbild ergibt:

1. Germania Friedrichstal 32 Pkt.
2. VfR Mannheim 30
3. VfB Eppingen 28
4. Heddesheim 27
5. 1. FC Bruchsal 25

Am Tabellenende ist Aufsteiger FC Español nach einer 1:5-Heimpackung gegen die Mannheimer Gartenstadt auf den vorletzten Tabellenrang abgerutscht, es wird höchste Zeit für einen Dreier!

Außerdem gab es noch das Durlacher Derby, in dem die SpVgg Durlach-Aue den ASV mit 2:0 besiegte.

Nächste Woche gibt es den letzten Spieltag der Hinrunde. Friedrichstal muss in die Gartenstadt, der VfR aufs Land nach Gommersdorf. Ein spannendes Duell um die Herbstmeisterschaft ist garantiert.

Danach gibt es noch Anfang Dezember den ersten Spieltag der Rückrunde, bevor eine lange Winterpause die Verbandsliga-Aktivitäten bis Anfang März einstellt…

Impressionen

FC Germania Friedrichstal vs VfB Eppingen 1:2

Ein akrobatischer Torabschluss…

Heute nicht!


Ein verspäteter, ein feiner und ein fehlender Zug: KSC vs FSV Zwickau 1:0 – 18.11.2017

Permalink - Posted on 2017-11-19 11:30

KSC vs FSV Zwickau 1:0

Nach drei Wochen Heimspiel-Pause ging es mal wieder raus in den Wildpark: Bei der Pflichtspielpremiere gegen den FSV Zwickau siegte der KSC in einem spielerisch bescheidenen Match mit dem Minimalergebnis von 1:0…

FSV Zwickau

Wieder eine Premiere im Wildpark: Zum ersten Mal in der Fußballhistorie gab es ein Pflichtspiel gegen den FSV Zwickau zu bewundern. Der FSV wurde 1990 aus der Fußballabteilung des DDR-Betriebssportvereins BSG Sachsenring gegründet und »eignete« sich die Historie des 1912 gegründeten und 1939 wieder aufgelösten Zwickauer Vorortverein Planitzer SC an. Nach Kriegsende wurde mit der SG Planitz ein neuer Klub gegründet und war dann 1948 der erste Ostzonenmeister. Danach wurde die SG nach Zwickau delegiert und mit einem Haufen anderer Teams zur ZSG Horch Zwickau vereint. Die dann 1950 gleich (zum einzigen Mal) erster Meister der damals neuen DDR-Oberliga wurde. Unter weiterhin wechselnden Namen gewann das Team bis 1975 noch dreimal den FDGB-Pokal und mutierte dann zu einer Fahrstuhlmannschaft zwischen 1. und 2. DDR-Liga.

Dass der FSV heute mit einem Gründungsdatum 1912 hausieren geht, ist angesichts der verworrenen und nicht-linearen Geschichte von Gründungen, Auflösungen und Fusionen ein wenig absurd und nur mit dem im Fußball üblichen desperaten Bemühen zu erklären, sich die für das Fußball-Wohlbefinden unabdingbare »Tradition« zu konstruieren…

Nach der Wende wurde der Klub 1990 als FSV Zwickau ne gegründet. 1994 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo sie 4 Saisons blieben. Es folgte eine Reihe von Insolvenzen und Abstiegen bis hinunter in die Landesliga. Seit 2016 spielen die »Schwäne« wieder in der Dritten Liga, gerieten in der ersten Saison aber erneut in finanzielle Schwierigkeiten. Trotzdem schlossen sie die Saison als Tabellenfünfter ab.

In der aktuellen Saison dümpelt die Truppe von Trainer Torsten Ziegner am Rande der Abstiegsplätze herum und kam mit der »Empfehlung« von einem Auswärtssieg aus 8 Versuchen zur Pflichtspielpremiere in den Wildpark…

Auswärtssieg!

Damit haben sie etwas mit dem KSC gemein: Vor der Länderspielpause hatten es die Blau-Weißen tatsächlich geschafft, den ersten und einzigen Auswärtssieg (aus acht Versuchen) der Saison einzufahren! Sie siegten auswärts bei Hansa Rostock mit einer (für Karlsruher Verhältnisse) Torflut von 3:0. Und das auch noch in einer (zumindest wirkt es so in der Zusammenfassung) ansehnlichen Art und Weise! Das war das erste Mal überhaupt in dieser Saison, dass die von Trainer Alois Schwartz so benannte »B-Note« (bisschen hübscher spielen und Tore schießen) mal stimmte und der KSC mehr als 2 Tore in einem Drittliga-Spiel erzielte. Der Auswärtssieg setzte einer kleinen Serie von 4 Spielen ohne Niederlage mit 10 Punkten und 7:1 Toren die Krone auf…

KSC vs FSV Zwickau 1:0

Der Waliser Alan Durban war zu Beginn der 80er-Jahre Trainer von Stoke City. Auf die Frage nach dem zweifelhaften Unterhaltungswert der Spielweise seines Teams antwortete er einmal trocken: »If you want entertainment, go and watch a bunch of clowns!«

An dieses Bonmot fühlt man sich in Sachen »Heimspiele des KSC« erinnert. Die »A-Note« (defensiv nichts zulassen und Punkte einfahren) stimmt, in sieben Heimspielen wurden 5 Siege eingefahren. Diese kleine Erfolgs-Serie und der überzeugenden Auswärtssieg haben in Karlsruhe aber mitnichten eine »Euphorie« ausgelöst, wie sie der SWR entdeckt haben will (anscheinend wirkt das von Stuttgart aus so…). Nur 10.000 Zusehende wollten das Duell gegen Zwickau bei leidlich gutem herbstlichen Stadionwetter im Wildpark anschauen. Es wird noch einige Zeit und auch einige in Richtung »B-Note« besser anzusehende Spiele im Wildpark brauchen, um das Stadion wieder etwas mehr zu füllen. Offensichtlich schauen die Leute Samstags aktuell doch lieber »einem Haufen Clowns« zu…

Dabei sein wollten aber etwa ca. 500 Fans aus Zwickau, die unter dem Motto »Mir machn wieder nüber« mit einem Sonderzug aus alten Waggons der DDR-Reichsbahn anreisten. Das hatte auch alles gut geklappt, um 4 Uhr im Morgengrauen waren die Schlachtenbummler pünktlich aufgebrochen (das ist Leidenschaft!).

Bis dann die glorreiche Deutsche Bahn den Zug mit einer fehlerhaft eingestellten Weiche auf den falschen Weg schickte. Eine satte Verspätung und ein um 30 Minuten nach hinten verlegter Anstoß war das Resultat, fairerweise wurde auf den Zug aus Zwickau Rücksicht genommen. Ein feiner Zug!

Nebenbei bemerkt: Ein »Traditionszug« in den Zeiten der Fußballmoderne, der sich wg. falsch gestellter Weichen verfährt, ist natürlich auch eine wunderbare Metapher für den Zustand des deutschen Fußballs Anno 2017…

Aber zurück zum Spiel. Als alle glücklich eingetroffen und in ihren Fanblöcken bereit waren, wurde endlich gekickt. KSC-Coach Alois Schwartz schickte seine »Standardelf« ins Spiel, nach dem glorreichen Auswärtssieg gab es auch keinen Grund für Wechsel. Zwickau war zuletzt in Osnabrück (0:4) und daheim gegen Haching (1:3) böse unter die Zug-Räder der Gegner gekommen und suchte deshalb im Wildpark das Heil in einer konsequenten Defensivarbeit.

Entsprechend wenig Zug war in der ersten Halbzeit im Spiel. Zwickau machte dicht und dem KSC fehlten, wie so oft gegen defensiv eingestellte Gegner, die Mittel zum Knacken der Defensive. Das Angriffsspiel der Blau-Weißen war zu statisch und zu bewegungsarm, um das Tor des wacker verteidigenden FSV in Gefahr zu bringen. Mittelstürmer Schleusener fand kaum Bindung zum Spiel. Und die Angriffe über die Flügel »verhungerten« meistens, weil der Akteur mit Ball zu wenig Anspielstationen fand…

Es war halt kein Fußballfest. Daniel Gordon hat (lt. abseits-ka) nach 30 Minuten sogar Pfiffe wahrgenommen, die ich in meiner Position im A1 nicht wahr genommen habe.

Aber kurz vor der Pause gab es plötzlich Aufruhr im Zwickauer Strafraum. Nach einer Hereingabe von Camoglu kamen Muslija und Fink nacheinander zu aussichtsreichen Torschussversuchen, die in einem Eckstoß für den KSC mündeten. Mit den Worten »daraus wird eh nix« machte sich ein Fußballblogger auf den Weg Richtung Sanitäreinrichtungen und Bierstand…

Ein Fehler! Denn Wanitzek schlug den Ball von der Eckfahne im hohen Bogen in den Strafraum, wo ihn der von hinten wie ein Güterzug ohne Bremsen heranrauschende Gordon per Kopf im Tor versenkte! 1:0 in der 45. Minute, das Tor des Tages, und ich habe es verpasst! Da sagen wir doch: Danke, Sportschau und Youtube!

Mit der 1:0-Führung im Rücken fühlte sich der KSC zu noch weniger Aktivitäten in Sachen »Offensive« bemüßigt und verteidigte locker das 1:0. Die Zwickauer Offensivbemühungen waren viel zu harmlos, um die solide blau-weiße Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Die gelegentlich vorgetragenen Karlsruher Angriffe waren allesamt gefährlicher als die Zwickauer Aktivitäten, auch wenn kein weiteres Tor mehr herausspringen wollte. Dementsprechend gab es den nächsten Karlsruher Heimsieg (der 6. im 8. Heimspiel, bei zwei weiteren Unentschieden) zu bewundern, der ungefährdeter war, als es das knappe 1:0-Endergebnis ausdrückt. Für ihre Mühen wurden die blau-weißen Kicker nach dem Spiel mit einem verdienten Applaus bedacht…

Die Lage

Trainer Alois Schwartz meinte nach dem Spiel:

»Manchmal muss man auch mal einen dreckigen Sieg holen.«

Das fasst das Spiel ziemlich gut zusammen!

Die Karlsruher Aufholjagd in der Tabelle geht weiter. Satte 13 Punkte wurden aus den letzten 5 Spielen geholt. Und das mit einem Schnitt von nur 1,12 Toren/Spiel…

Dank der 1:2-Niederlage von Fortuna Köln im Topspiel gegen Magdeburg sind es nur noch sechs Punkte Rückstand auf Rang 3. Und auch Magdeburgs Rang 2 ist mit 9 Punkten bei noch 22 ausstehenden Spielen noch lange nicht außer Reichweite. Die Dritte Liga präsentiert sich, ähnlich wie die Bundesliga, hinter Spitzenreiter SC Paderborn als auf sportlich niedrigem Niveau sehr ausgeglichene Liga. Mit solider Defensivarbeit und gelegentlichen Toren kann es weit nach oben bringen. Und wer weiß, vielleicht widmet sich Alois Schwartz nach der erfolgreichen Stabilisierung der Defensive (»A-Note«) nun auch der Offensive (»B-Note«), damit die Aufholjagd auch mal von einer angemessenen Zuschauerkulisse verfolgt wird…

Mit dem Tabellenführer SC Paderborn, der nach dem Beinahe-Abstieg nun wie der japanische High-Speed-Zug Shinkansen durch die Liga rattert, wartet auf den KSC am kommenden Freitag auswärts eine echte Prüfung. Nach dem Spiel werden wir wissen, wie gut der KSC Anno 17/18 tatsächlich ist…

Impressionen


Flutlicht!


Neues aus Schottland #22: Schottische Schicksalstage

Permalink - Posted on 2017-11-15 20:30

Murrayfield Stadium, schottisches Rugby-Nationalstadion in Edinburgh, im Oktober 2016

Whit's fur ye'll no go past ye sagt man in Schottland, was so viel heißt wie »Deinem vorherbestimmten Schicksal kannst Du nicht entrinnen«. Das galt in den letzten Wochen für einige Akteure des Fußballs in Schottland, z.B. für Gordon Strachan oder Pedro Caixinha.
Wir werfen einen Blick auf das Nationalteam, die Lage der Liga und stellen Motherwells Goalgetter Louis Moult vor…


Nationalteam: Strachan out! Hampden out?

Mit einem 2:2 am letzten Spieltag in Slowenien vergeigte Schottland den zweiten Platz in der WM-Qualifikationsgruppe F. Und damit die Möglichkeit, mit dem Umweg über die Play-Off-Spiele doch noch zum ersten Mal seit 1998 wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu können.

Entsprechend wurde am 12.10.17 erwartungsgemäß die Trennung von Nationaltrainer Gordon Strachan bekanntgegeben. Whit's fur ye'll no go past ye…

Man darf auf seinen Nachfolger gespannt sein, von McLeish, Moyes, Lambert bis hin zu »Big Sam« Allardyce reicht die Reihe der in den Medien genannten Nachfolgekandidaten. Aktueller Wunschkandidat ist aber Michael O'Neill. Der ist als Trainer von Nordirland gerade knapp an der Schweiz in den WM-Quali-Play-Off-Spielen gescheitert, war aber nichtsdestotrotz in den letzten Jahren (und bei der EM 2016) mit Nordirland sehr erfolgreich. O'Neill ist zwar Nordire, spielte in seiner aktiven Zeit aber jahrelang in Schottland bei Dundee United, Hibernian und St. Johnstone.

Apropos Nationalteam: Schottland trägt seine Länderspiele daheim bekanntlich stets im Glasgower Hampden Park, dem »Nationalstadion« in Besitz des Queen‘s Park FC, aus. Außerdem werden dort die Halbfinals und Endspiele der Pokalwettbewerbe ausgetragen. 2020 läuft die Vereinbarung über die Nutzung des Stadions durch den Verband SFA mit den »Spiders« aus. Und es gibt Überlegungen, den Vertrag nicht zu verlängern und zukünftig die Länderspiele (wie in Deutschland) durch die Erstligastadien des Landes wandern zu lassen. Als Alternative bietet sich der schottische Rugby-Verband, Eigentümer des normalerweise nur für Rugby-Spiele genutzten Murrayfield Stadium (67.000 Plätze, Bild oben) in der Hauptstadt Edinburgh, recht offensiv an. Die Presse (wie The Scotsman) ist skeptisch:

»While there are undoubted problems with the ground, and the SFA is keeping its options open, for many, leaving a ground which has hosted Scotland’s biggest games for over a hundred years, will be simply too much to bear.«

Man darf gespannt sein, ob nach 117 Jahren die eigentümliche (und weltweit wohl einmalige) Stadion-Symbiose zwischen dem Verband SFA und dem Queen‘s Park FC endet…

Scottish Premiership

In der Meisterschaft geht alles seinen erwarteten Gang. Celtic steht nach 12 Spielen mit 3 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Und nicht nur das, die Bhoys aus Glasgow stellten einen neuen Rekord auf: 63 Spiele sind sie nun in Schottland unbesiegt. Die letzte Niederlage in einem Spiel in Schottland gab es am 11.5.2016 mit 1:2 beim FC St. Johnstone, noch unter Trainer Ronny Deila. Jemand machte sich die Mühe, alle Tore dieser 63 ungeschlagenen Spiele in 14:50 min. zusammenzuschneiden

Der alte Rekord war 100 Jahre alt. Der erste Celtic-Trainer Willy Malley, der stolze 43 Jahre von 1897 bis 1940 auf der Trainerbank der Bhoys saß, hatte 62 ungeschlagene Spieler von November 1915 bis April 1917 aneinandergereiht.

Natürlich ist Celtic in Schottland krass überlegen, aber wir sehen auch in anderen Ländern mit überlegenen Meistern (wie in den letzten Jahren Bayern in Deutschland oder PSG in Frankreich), dass dann irgendwann mal, wenn die Entscheidungen gefallen sind, ein Spiel verloren geht. Von daher ist diese Serie (die ja noch nicht zu Ende ist) schon eine bemerkenswerte Leistung.

Mit der Konkurrenz scheint es auch in dieser Saison zu laufen wie in jeder Saison in den letzten Jahren: Der FC Aberdeen bleibt in der Liga zunächst in Schlagdistanz. Irgendwann bringt der Spielplan dann das Duell mit Celtic, und Aberdeen verliert. So auch dieses Mal, Celtic reiste am 11. Spieltag zum Spitzenspiel nach Pittodrie und siegte souverän mit 3:0:

Whit's fur ye'll no go past ye war auch das Motto für Rangers-Coach Pedro Caixinha, der Ende Oktober erwartungsgemäß seinen Posten räumen musste. Caixinha war nach dem peinlichen Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen die Luxemburger von Progrés Niederkorn sowieso »on borrowed time«. Wenig überzeugende Auftritte in der Liga, das Aus im Ligapokal und ein schwaches 1:1 gegen Kilmarnock im letzten Spiel waren nicht genug für die bekanntlich überbordenden Ansprüche der New Rangers. Aktuell muss wieder (wie nach dem letzten Trainerwechsel letzte Saison) U20-Trainer Graeme Murty als Interim ran. Man darf gespannt sein, in welchem Winkel der Erde die Gers dieses Mal einen Trainer auftreiben werden. Caixinha fanden sie bekanntlich beim Al-Gharafa Sports Club in Katar…

Spieler im Blickpunkt: Louis Moult

Es gibt eine Neuerung! Ab jetzt soll in jedem »Neues aus Schottland« ein Spieler vorgestellt werden, der sich aktuell in der schottischen Liga in den Blickpunkt gespielt hat. Den Anfang macht Louis Moult, Mittelstürmer des FC Motherwell.

Embed from Getty Images

In der Saisonvorschau gab es für die Saison des FC Motherwell nur einen Fakt, der Hoffnung machte: Der Verbleib von Torjäger Louis Moult. Diese unsere Prognose liegt (bis jetzt) voll daneben. Statt am Tabellenende tummeln sich die »Steelmen« nach 12 Spielen in der oberen Tabellenhälfte, und Louis Moult hat daran einen großen Anteil.

Moult ist 25 Jahre alt und wurde im englischen Stoke-On-Trent geboren. Entsprechend besuchte er die Jugendakademie des Premier-League-Teams Stoke City. Der Sprung in den »Erwachsenenfußball« gestaltete sich aber mühsam. Moult erhielt zwar einen Vertrag, wurde aber in drei Saisons sechsmal ausgeliehen. So verschlug es ihn über den Non-League-Klub Nuneaton Town zum walisischen Klub AFC Wrexham, der in der englischen fünften Liga spielt. Dort schoss Louis Moult in 42 Spielen 15 Tore, so dass der Motherwell FC auf ihn aufmerksam wurde und ihn 2015 verpflichtete. Damit war er über diverse Umwege nach fünf Jahren endlich im professionellen Fußball angekommen.

Und »The Well« hatte einen Glücksgriff getan. Bereits in seiner ersten Saison 15/16 schoss er in 42 Spielen 18 Tore und legte 6 weitere auf. Die Saison 16/17 begann mit einer Leistenoperation, die Louis Moult für die ersten Spiele außer Gefecht setzte. Als er wieder fit war, ging es genau so weiter. Wieder waren es 18 Tore (7 Vorlagen), diesmal brauchte er aber nur 34 Spiele dazu. Bedenkt man, dass Motherwell 56 Tore erzielte, so gehen mit 25 Beteiligungen (und 7 wg. der Operation verpassten Spielen) gut die Hälfte auf Moults Konto. Letztendlich hatte er damit einen ordentlichen Anteil am Klassenerhalt letzte Saison.

So eine Trefferquote weckt natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen. Den ganzen Transfersommer über wurde Moult mit Aberdeen (350.000 Pfund boten diese), Rangers und einer Rückkehr nach England in Verbindung gebracht. Aber er entschloss sich, auch die Saison 17/18 bei den »Steelmen« zu kicken. Verbunden mit dem Statement, dass er seinen 2018 auslaufenden Vertrag nicht verlängern möchte…

Das hinderte Moult aber nicht, weiter zu treffen. In den bisherigen 18 Pflichtspielen Motherwells waren es schon wieder 18 Tore. Ein besonderes Highlight dabei war das Halbfinale im Liga-Pokal »Betfred Cup« gegen The New Rangers, in dem Louis Moult die Gers alleine mit 2:0 aus dem Wettbewerb kegelte.

Das 1:0 nach einem Eckball-Gewühl in diesem Spiel zeigt sehr schön Moults Stärken: Er hat den Stürmer-Instinkt dafür, genau da zu sein wo er sein muss. Moult erfasst handlungsschnell die Situation und entwickelt einen unwiderstehlichen Drang zum Abschluss. Dazu hat er einen strammen Schuss und (für einen Spieler in der schottischen Liga) eine gute Technik. Exemplarisch sieht man das in seinem artistischen Treffer zum 1:0 im Liga-Pokal-Viertelfinale gegen Aberdeen. Laufweg, Durchsetzungsvermögen, der Drang zum Torabschluss auch aus einer eher schlechten Position, dazu die Technik um das umzusetzen – ein typisches Louis-Moult-Tor!

Wie erwähnt, Moults Vertrag läuft aus und er wird ihn nicht verlängern. In den einschlägigen Medien werden wieder Aberdeen und Rangers sowie Zweitligist Queen‘s Park Rangers aus England als zukünftige neue Vereine gehandelt. Für Freunde des schottischen Fußballs wäre es schade, wenn Louis Moult nicht mehr in der Premiership auf Torejagd gehen würde…

Weiter geht's…

Nach der Länderspielpause geht es nun bis März mit der schottischen Liga weiter. Die nächsten Live-Spiele in DAZN sind am kommenden Samstag (13:30) der Auftritt von Tabellenführer Celtic bei den Highlandern von Ross County. Am 24.11. (20:45) gibt es das Duell des Dundee FC gegen die New Rangers zu bewundern.

Und natürlich gibt es auf DAZN jede Woche die etwa 20-minütige Zusammenfassung aller Spiele der Premiership, die ich nur empfehlen kann.


Derby und Spitzenspiel: 1. FC Bruchsal vs FC Germania Friedrichstal 1:3 – 11.11.2017

Permalink - Posted on 2017-11-12 22:30

1. FC Bruchsal vs FC Germania Friedrichstal 1:3

An einem Wochenende mit Länderspielpause und exorbitant nassem November-Wetter muss man dankbar sein, wenn irgendwo ein Ball rollt. Sintflutartiger Regen im Badnerland sorgte am Wochenende (besonders am Sonntag) für viele ausgefallene Spiele in den Amateurligen. Aber Glück muss der Mensch haben: Das Spitzenspiel der Verbandsliga Nordbaden zwischen dem Tabellendritten 1. FC Bruchsal und Tabellenführer FC Germania Friedrichtal konnte stattfinden und endete nach einem spannenden und umkämpften Match 1:3…

Schon wieder Bruchsal!

Der 1. FC Bruchsal wurde erst kürzlich beim letzten Spitzenspiel gegen den VfR Mannheim besucht. Der Spielplan wollte es so, dass sich das nächste Spitzenspiel gleich zwei Wochen später anschloss. Also wurde sich bei nasskalten Wetter ein weiteres Mal auf den Weg nach Bruchsal gemacht, wo das Derby (zwischen Bruchsal und Stutensee-Friedrichstal liegen etwa 15 km), das gleichzeitig das Spitzenspiel 3. vs 1. war, auf dem Programm stand. Schätzungsweise 300 Zusehende trotzten dem schlechten Wetter und machten sich auf den Weg zum Bruchsaler Sportzentrum. Immerhin ließ der Regen rechtzeitig zum Spielbeginn nach und der Versorgungsstand des 1. FC Bruchsal hatte für die Kälteempfindlichen Glühwein aufgefahren. Wir Fußball-Blogger verzichten auf das Stadion- bzw. Sportplatzbier aber erst, wenn das Bier in der Flasche gefriert…

1. FC Bruchsal vs FC Germania Friedrichstal 1:3

Tabellarisch sah es an der Spitze vor dem Spiel so aus:

1. Germania Friedrichstal 29 Pkt.
2. VfR Mannheim 27
3. 1. FC Bruchsal 25

Bruchsal musste also eigentlich gewinnen, um den Tabellenführer aus Stutensee nicht aus den Augen zu verlieren. Dieser rückte aber mit der Empfehlung von 13 Auswärtspunkten aus 6 Spielen an, wohingegen Bruchsal von 6 Heimspielen nur 2 gewinnen konnte. Das Omen der Zahlen stand also von vornherein schlecht für Bruchsal…

Nach dem Spiel sagte Bruchsals Trainer Hicham Ouaki (lt. eigener Website), dass sein Team das Spiel bereits in den ersten 15 Minuten verloren habe. Man sei zu passiv gewesen und habe es dem Gegner zu einfach gemacht.

In der Tat, die Mannen von Friedrichstals Coach Andreas Augenstein traten von Beginn an mit dem Selbstverständnis eines seit vier Spielen ungeschlagenen Tabellenführers auf. Die Germanen ließen die »Bruseler« ein wenig auf die eigene Hälfte anlaufen, am Strafraum war aber Feierabend. Nach Balleroberung griffen die Friedrichstaler dann blitzschnell und gefährlich an. Futsal-Nationalspieler Timo di Giorgio verteilte die Bälle auf die schnellen Außen, die den Torjäger Patrick Roedling mit Bällen fütterten. In der 18. Minute war das von Erfolg gekrönt, ein »Zuckerpass« von di Giorgio kam zu Torjäger Roedling, der alleine vor Bruchsals Keeper Oliver Nell aufkreuzte und zum 0:1 verwandelte.

Friedrichstal zog sich mit der Führung im Rücken ein wenig zurück und überließ dem 1. FC den Ball im Mittelfeld. Aber auch die Defensive und Torwart Patrick Haumann sind bei Friedrichstal aktuell in Topform, sie ließen nur wenige Chancen zu und konterten weiter gefährlich. Einer dieser Konter brachte fast das 0:2 kurz vor der Pause. Mit 0:1 ging es zum Pausenbier. Eigentlich zu niedrig für die klaren Chancen der Germanen…

Die zweite Halbzeit sah wütende Angriffe der Bruchsaler, die nun agressiv die Zweikämpfe suchten und Richtung Friedrichstaler Strafraum anrannten. Aber schon nach 7 Minuten gab es für diese Bemühungen einen herben Dämpfer, Abdelrahman Mohamed vollendete mit einem schön herausgespielten Treffer zum 0:2.

Eines muss man den Bruchsalern lassen: Sie gaben niemals auf und setzten der Friedrichstaler Spielkunst Kampf und Härte entgegen. Dabei gab es auch das eine oder andere Foul, bei denen es im Nachgang mit Rudelbildungen und kleineren Infights hoch her ging. Fünf gelbe Karten zeugten am Ende von der Intensität der diesbezüglichen Bruchsaler Bemühungen…

In der 73. Minute wurden die Bruchsaler endlich für ihre Bemühungen belohnt, Jonas Malsam verkürzte auf 1:2. Friedrichstals Defensive ließ sich aber auch von minutenlangen Ballbesitzphasen der Bruchsaler in der Hälfte der Germanen nicht aus der Ruhe bringen und verteidigte den knappen Vorsprung bis zur endgültigen Entscheidung durch Patrick Roedlings zweiten Treffer.

Fazit: Ein kurzweiliges Topmatch, feine Friedrichstaler Spielkultur traf auf Bruchsaler Kampfkraft und sorgte für Spannung bis zum Schluss. Wobei die Friedrichstaler nicht den Eindruck machten, das Spiel noch verlieren zu können. Mit dem Selbstbewusstsein eines Tabellenführers holten sie den fünften Auswärtssieg im siebten Spiel. Auch Trainer Andreas Augenstein war zufrieden (lt. fupa): »Ein verdienter Sieg und eine klasse Leistung meiner Mannschaft«…

Da das sonntägliche Spiel des VfR Mannheim beim Lokalrivalen VfB Gartenstadt der Sintflut zum Opfer fiel, führt Friedrichstal nun äußerst souverän die Verbandsliga Nordbaden an:

1. Germania Friedrichstal 32 Pkt.
2. VfR Mannheim 27
3. 1. FC Bruchsal 25
4. VfB Eppingen 25
5. Heddesheim 24

Den Bruchsalern rücken langsam die Konkurrenten aus Eppingen und Heddesheim auf die Fersen. Eppingen tritt am kommenden Sonntag in Friedrichstal an, da lauert schon wieder das nächste Spitzenspiel…

Impressionen

Friedrichstals Torhüter Patrick Haumann.

Guter Besuch im Sportzentrum…

November – Nachmittags um halb Vier geht das Flutlicht an…


Torabschluss- und Sanitätermangel: Wuppertaler SV vs KFC Uerdingen 0:1 – 4.11.2017

Permalink - Posted on 2017-11-07 22:25

Wuppertaler SV vs KFC Uerdingen 0:1

»Aus Gründen« verschlug es Team ballreiter in den Westen. Das musste natürlich ausgenutzt werden, um mal wieder etwas »Exotisches« anzuschauen. Die Wahl fiel auf das Regionalligaduell des Traditionsvereins Wuppertaler SV gegen den Spitzenreiter KFC Uerdingen…

Stadion am Zoo

Das Stadion des Wuppertaler SV, das »Stadion am Zoo«, ist ein echtes Kleinod. Malerisch zwischen Wupper und Zoo gelegen, rumpelt die pittoreske Schwebebahn direkt an der denkmalgeschützten Fassade der Haupttribüne vorbei.

Die Haupttribüne wurde Anfang der 90er Jahre neu gebaut, die alte Fassade (»Schildwand« nennt man so eine Konstruktion) wurde restauriert und erhalten. So eine Schildwand gibt es in Deutschland sonst nur noch im Berliner Olympiastadion.

Für die Anreise zum Stadion ist unbedingt die Schwebebahn aus Richtung Wuppertal-Vohwinkel zu empfehlen. Diese biegt, von Vohwinkel kommend, unmittelbar vor dem Stadion auf die Strecke über der Wupper ein. Somit kann man praktisch aus der Luft zum Stadion hingleiten und hat einen schönen Blick von oben auf die Haupttribüne und das Stadion. Es wird nicht viele Stadien geben, wo so etwas möglich ist. Anreiseempfehlung ist also: Irgendwo in Vohwinkel parken (oder am Bahnhof Vohwinkel aussteigen) und dann etwa 6 Minuten mit der Schwebebahn zum Stadion hinüberschweben.

Achten Sie auf den Bildern der Haupttribüne auf die geparkten Fahrzeuge der Sanitäter, diese sollten an jenem Nachmittag in Wuppertal noch eine bedeutende Rolle spielen…

Als es 1924 eröffnet wurde, wand sich rund um das Spielfeld die, so sagte man damals, schnellste Radrennbahn Europas (man sieht sie auf diesem Bild in den wilden Weiten des Internets sehr schön). Radrennbahnen in Stadien waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich, das Stade Vélodrome in Marseille ist ein prominenter Vertreter dieser Kategorie von Stadien.

Für ein Fußballstadion ist so eine wuchtige Radrennbahn allerdings eher ungünstig. Deshalb wurden diese in den 90ern abgerissen und neue Tribünen errichtet. Wenn man sich das Stadion anschaut, insbesondere die nun mit Gras bewachsenen Rundungen in den Ecken, kann man die alte Struktur des Stadions mit Radrennbahn noch erahnen.

Der offizielle Besucher-Rekord steht bei 38.000 Zusehenden bei einem Bundesliga-Spiel gegen Bayern München im Jahre 1974. Nach dem Umbau in den Nuller-Jahren passen 23.000 Zusehende in das Stadion, im Alltag der Regionalliga West kommen im Schnitt 2.400 in das vom WSV seit 1954 genutzte Stadion.

Zum Duell der »Traditionsvereine« WSV und KFC Uerdingen durften 4.322 Fans begrüßt werden, was auch am prall gefüllten Gästeblock aus dem nahen Krefeld lag. Mit 9 Euro für einen Stehplatz mit freier Platzwahl ist man dabei und kann sich auf der Gegentribüne auch auf die Sitze im Bereich der ehemaligen Radrennbahn setzen.

Das Stadionbier kostet 3,50 EUR, war aber (der Fankultur sei Dank) nur alkoholfrei. Da die Fans von fast allen Klubs aus der Nachbarschaft den Wuppertaler SV verabscheuen, wurde die Begegnung als »Risikospiel« eingestuft.

Wuppertaler SV

Das bringt uns zum Gastgeber, den 1954 per Fusion des SSV 04 Wuppertal mit der TSG Vohwinkel 80 entstandenen Wuppertaler SV. Dieser ist ein typischer »Traditionsverein«, und damit wissen wir schon womit wir es zu tun haben: Einen Klub mit einer erfolgreichen Phase in einer schon etwas länger zurückliegenden Vergangenheit und einer sportlich und finanziell eher tristen Gegenwart.

Nach der Fusion spielte der WSV bis zur Bundesligagründung 1963 stets erst- und zweitklassig. Der große Star jener Zeit war Horst Szymaniak, der in seinen erfolgreichen vier Jahren in Wuppertal zum (bisher einzigen Wuppertaler) Nationalspieler wurde und danach 1959 zum KSC wechselte.

Von 1972 bis 1975 spielte der WSV sogar für 3 Saisons in der Bundesliga und schaffte in der ersten Saison einen vierten Rang in der Abschlusstabelle (und damit eine Runde UEFA-Cup). Nach dem Abstieg 75 wurde der Wuppertaler SV zur Fahrstuhlmannschaft zwischen Zweit- und Drittklassigkeit. Damit war es 1998 vorbei. Wg. Nichtbezahlung von Berufsgenossenschaftsbeiträgen stieg der WSV zwangsweise für vier Jahre in die Viertklassigkeit ab. Und 2013 folgte die für »Traditionsvereine« anscheinend obligatorische Insolvenz mit der Runterstufung in die fünftklassige Oberliga Niederrhein. 2016 gelang immerhin die Rückkehr in die viertklassige Regionalliga, in der man in der aktuellen Saison unter Trainer Stefan Vollmerhausen eine gute Rolle spielt und im oberen Tabellendrittel mitmischt.

Der ehemalige Karlsruher Spieler Manuel Bölstler (in der letzten Drittligaspielzeit 12/13 stand er im KSC-Kader, absolvierte aber wg. einer schweren Verletzung kein Spiel) agiert beim WSV als Sportdirektor.

KFC Uerdingen

Dem ehemaligen Bundesligisten (als Bayer 05 Uerdingen) KFC Uerdingen hatten wir im letzten Jahr einen Besuch abgestattet und ein paar Worte gewidmet. Mittlerweile sind die Krefelder in die Regionalliga West zurückgekehrt und aktuell Tabellenführer. Dank des ehemaligen Gesellschafters der Düsseldorfer EG, Mikhail Ponomarev, ist der KFC finanziell gut ausgestattet und kann sich einen starken (vom ehemaligen Nürnberger Bundesligatrainer Michael Wiesinger betreuten) Kader leisten. Mit Namen wie Christopher Schorch, Timo Achenbach, Christian Dorda, Alexander Bittroff, Kai Schwertfeger, Charles Takyi oder Marcel Reichwein versammelt sich geballte Bundesliga- und Zweitligaerfahrung im Kader. Und im Tor finden wir mit dem letztjährigen KSC-Torwart René Vollath einen guten alten Bekannten.

Der KFC Uerdingen lebt in dieser Saison von seiner exzellenten Defensive. In 15 Spielen hatten sie nur sechs Gegentore kassiert, schossen aber auch nur 16. Was für erstaunliche 30 Punkte reichte. Seit dem 7. Spieltag hatte der KFC nur 6 Tore geschossen. Was für 5 Siege und 5 Unentschieden reichte. Torwart Vollath war vor dem Spiel in Wuppertal 749 Minuten ohne Gegentor – was für ein Kontrast zu seiner Karlsruher »Schießbude« in der letzten Saison!

Wuppertaler SV vs KFC Uerdingen 0:1

Wunderbares sonniges Herbstwetter, ein für die örtlichen Verhältnisse guter Besuch in einem großartigen Stadion, zwei gut aufgelegte lärmende Fanblöcke – es war alles bereitet für das Spitzenspiel 5. gegen 1. in der Regionalliga West.

Nach 13 Minuten gab es eine große Aufregung, die das Spiel bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Ein Uerdinger Konter wurde an der Mittellinie rüde unterbunden, gleich zwei Uerdinger lagen auf dem Boden. Flügelmann Christian Müller hatte es dabei schwerer erwischt. Sein Gegner hatte ihn auflaufen lassen und dabei das Nasenbein gebrochen, und Müller lag bewusstlos auf dem Rasen. Die Betreuer riefen nach Sanitätern und einer Trage, doch die kamen nicht, weil sie irgendwo im Zuschauerbereich auf ihren Posten waren und der Krankenwagen mit der Trage von einem Polizeiauto zugeparkt war (wir erinnern uns an die Bilder der Haupttribüne oben, die Krankenwagen zwischen vielen Polizeiautos…). Nach zehn Minuten rückten die Helfer dann an und Müller wurde ins Krankenhaus gebracht, mittlerweile geht es ihm wieder ganz gut. Das »Sanitäter-Drama« sorgte für bundesweite Schlagzeilen und wechselseitige Schuldzuweisungen (z.B. Reviersport, Sport1, Bild natürlich, Welt usw. usw.)…

Nach ca. 10 Minuten Unterbrechung ging es dann weiter. Das Match spielte sich vorwiegend im Mittelfeld ab, es gab wenig zu tun für die beiden Torhüter. Dafür wurde es mit kernigen Zweikämpfen und einigen bekömmlichen Fouls garniert. Was die Stimmung auf den Rängen noch weiter in Wallung brachte, es wurden diverse Nettigkeiten zwischen den beiden Fanblöcken ausgetauscht. Die Wuppertaler Fans hatten eine große Auswahl an bemalten Tapeten dabei, die sie dem gegenüberliegenden Uerdinger Block stolz präsentierten. Die Inschriften betonten ihre große Tradition gegenüber dem Bayer-, Lakis- und Ponomarev-Klub Uerdingen. »Tradition« hat man halt immer, mag die sportliche Gegenwart auch schon länger eher trist sein…

Mit 0:0 ging es in die Halbzeit. Nach dem alkoholfreien Pausenbier bot sich das aus der ersten Hälfte gewohnte Bild. Gegen die bärenstarke KFC-Abwehr gab es für den WSV kaum ein Durchkommen, selbst kamen die Krefelder aber auch nicht zu aussichtsreichen Abschlüssen. So war es eine verbissene Kampfpartie, es gab reichlich Fouls, Gelbe Karten und Behandlungspausen.

Als sich alle schon mit dem 0:0 abgefunden hatten, schlugen die Uerdinger in der 83. Minute aus dem Nichts zu. Nach einer Ecke von links kam WSV-Torwart Mroß raus und zog gegen den Uerdinger Mario Erb den Kürzeren, der per Kopf zum 1:0-Endstand verwandelte. Die Wuppertaler protestierten, wollten ein Foul gegen den Keeper gesehen haben, das sich aber im Video vom Treffer nicht bestätigen lässt, der Keeper setzt sich einfach nicht durch. Um sein hartes Schicksal als gefoulter Torwart zu verdeutlichen, ließ sich Keeper Mroß noch einige Minuten behandeln…

Die Uerdinger Minimalisten festigten mit dem nächsten 1:0-Sieg die Tabellenführung und René Vollath freut sich über 839 Minuten ohne Gegentor…

Fazit: Ein großartiger Ground, den man mal gesehen haben sollte. Eine stimmungsvolle laute Atmosphäre mit einem mitunter leicht vulgären Touch. Aber ein über weite Strecken etwas zähes Spiel, das war nicht gerade ein Festival der Strafraumszenen…

  • Youtube-Video vom WSV. Etwas länglich geraten, in den ersten vier Minuten gibt es die besten Szenen vom Spiel. In dem Zusammenschnitt wirkt es aufregender, als es eigentlich war…

Weekly Vollath

Stammlesende erinnern sich, der »Weekly Vollath« war in den Spielberichten aus dem Wildpark letzte Saison eine feste Einrichtung. Zu Ehren seiner großartigen Serie wollen wir diese Rubrik noch einmal aufleben lassen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er, wg. der Verletzung von Müller wohl noch etwas angefressen:

»Die Serien gehen weiter. 14 Spiele ungeschlagen, neun Spiele am Stück zu Null, Tabellenführer. (…)Verletzungen gehören leider zum Fußball dazu, jedoch kann man zumindest wenn man sieht was man angerichtet hat sein Grinsen aus dem Gesicht wischen und sich aufrichtig entschuldigen. Nicht erst nach dem Spiel wenn, etwas auf die Spitze getrieben, eh schon alles rum ist.«

Impressionen

Blick über das Stadion.

Flutlichtmast.

Ein hübscher Flutlichtmast.

Die Sonne geht unter über dem Stadion…


Videobeweis: Sie werden es verkacken…

Permalink - Posted on 2017-11-02 11:45

»Play the long ball«, flickr, Craig Sunter, CC BY-NC-ND 2.0

Die drei Stammleserinnen und -leser wissen: Dieses Blog ist schon länger ein Befürworter des Videobeweises und begrüßte seine Einführung ausdrücklich. Aber die mit bemerkenswerter Ignoranz gegenüber den Erfahrungen anderer Sportarten realisierte Umsetzung durch die Verantwortlichen beim DFB lässt befürchten, dass der Videobeweis schon ruiniert sein wird, bevor er die Testphase verlassen hat…

[Foto: »Play the long ball« von Craig Sunter, CC BY-NC-ND 2.0 thanks!]

Aktive, Funktionäre und Fans des Fußballs eint das Leben in einer Blase, die ihr Spiel für den deutlich wichtigsten und mit jeglichen anderen in Wettbewerbsform ausgeübten Leibesübungen nicht vergleichbaren Sport auf Erden hält. Das wurde bei der testweisen Einführung des Videobeweises wieder einmal deutlich und zum Problem…

Andere Sportarten machen es richtig…

In anderen Sportarten gibt es den Videobeweis teilweise schon jahrelang und seine Anwendung ist, zumindest in den mir leidlich vertrauten Sportarten Rugby und Eishockey, weitestgehend unproblematisch. Und warum? Weil die Regelverantwortlichen erkannt haben, dass eine sinnvolle Anwendung der Technik klar definierte Regeln voraussetzt. Im Eishockey wird der Videobeweis ausschließlich zur Klärung der Frage »Regelgerechtes Tor oder nicht« eingesetzt. Es wird geklärt, ob der Puck drin war und ob dem Torschuss ein Verstoß (Torraumabseits, Hoher Stock, etc.) vorausging. Ähnlich sieht es im Rugby aus.

In diesen Mannschaftsportarten wurde die richtige Idee verwirklicht: Video ist ein sinnvolles Hilfsmittel zur gerechten Entscheidungsfindung für klar definierte Situationen. Was man auf keinen Fall wollte, war die Einführung eines zweiten Schiedsrichters, der dank der Technik im ganzen Spiel »dabei« ist und permanent in »Alltagssituationen« des Schiedsrichters eingreift und dessen Rolle damit grundlegend verändert. Und was macht man im Fußball? Genau das…

Der Fußball ist mal wieder auf dem Holzweg…

Das Fußball-Regelboard IFAB orientierte sich bei der »fußballregelhüteramtlichen« Einführung des Videobeweises an den bewährten Regeln anderer Sportarten und definierte diese einigermaßen klar. Der Videobeweis sollte zum Einsatz kommen bei…

  • »Goals/ no goal decisions«
  • »Penalty/ no penalty decisions«
  • »Direct red cards (not 2nd yellow cards)«
  • »Mistaken Identity« (Spielerverwechslungen)

Und, ganz wichtig (Hervorhebung von mir):

»To ensure that the referee (not the VAR) is the key match official, the referee will always make a decision (except a ›missed‹ usually ›off the ball‹ incident), including the decision that no offence has occurred. The referee’s decision can only be changed if the video review shows a clear error, i.e. not ›was the decision correct?‹ but: ›was the decision clearly wrong?‹«

Zu Beginn orientierten sich die Bestimmungen bei DFB/DFL (natürlich) an diesen Vorgaben:

»Voraussetzung für ein Eingreifen des Video-Assistenten ist jeweils, dass nach seiner Einschätzung ein offensichtlicher Fehler des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt.«

In der Realität der Bundesliga ergab sich aber von Spieltag zu Spieltag ein anderes Bild. Stückchen für Stückchen wurden die klaren Regeln aufgeweicht und der Videoref wurde das, was er nicht sein soll: Ein per Headset permanent mitlaufender zweiter Schiedsrichter, in seinem vom fahlen Glimmen einer Armada von Monitoren geheimnisvoll beleuchteten Kölner Kabuff hockend, das bei Sky-Übertragungen stets autoritätsheischend eingeblendet wird und wohl eine »Überlegenheit durch moderne Technik« suggerieren soll…

Höhepunkt dieser Entwicklung war dann am letzten Spieltag die Rote Karte für den Freiburger Söyüncü im Spiel beim VfB. Der Platzverweis wg. Notbremse war im Grunde eine typische »kann man so oder so sehen und einschätzen«-Situation, die es in jedem Spiel zig-fach gibt und deren Beurteilung im Ermessen des Schiedsrichters liegen sollte. Vor allem aber ist dieser Einsatz des Videobeweis ein klarer Verstoß gegen den IFAB-Grundsatz (s.o.):

»…not ›was the decision correct?‹ but: ›was the decision clearly wrong?‹…«

»Clearly wrong« war an dieser Ermessensentscheidung offensichtlich nix…

Der DFB weicht die IFAB-Regeln auf…

Heute wurde im kicker bekannt (Ausgabe vom 2.11.2017, Seite 5, auch online verfügbar), dass diese Aufweichung der IFAB-Grundsätze offizielle DFB-Linie ist. Schon am 25. Oktober gab es einen Brief des DFB an alle Bundesligisten (Christian Streich hat den wohl nicht gelesen…), in dem es u.a. heißt (zitiert nach kicker, ebd.):

»Bei schwierigen Situationen, in denen die Einordnung der Schiedsrichterentscheidung in die Kategorie ›Klarer Fehler‹ nicht zweifelsfrei gewährleistet ist, der Video-Assistent aber starke Zweifel an der Berechtigung der Schiedsrichterentscheidung hat, soll er das dem Schiedsrichter unverzüglich mitteilen.«

Auf gut Deutsch: Der unsichtbare Fünfte im aschfahlen Leuchten seiner Monitore wird »amtlich« zum permanent mitlaufenden »Oberschiedsrichter« erklärt. Und genau so sollte es nicht sein, s.o., Grundsätze der IFAB!

Was nun passiert, nämlich das der nur nach klaren Vorgaben eingreifende Video-Ref gewollt zum Ober-Schiri aufgebohrt wird, ist ein klarer Eingriff in das »Wesen des Spiels« und wird dazu führen, dass das gesamte Projekt »Videobeweis« seine Akzeptanz verliert und wieder beerdigt werden wird.

…und gefährdet damit das ganze notwendige Projekt »Videobeweis«

Denn es ist mit Veränderungen im Fußball sowieso immer so eine Sache. Jegliche Neuerung stößt stets auf eine erzkonservativ-reaktionäre Front der Ablehnung, die mit dem neuen Modell »Video-Ober-Schiri« Oberwasser bekommen wird.

Die Skepsis in Sachen Neuerungen liegt im System »Profifußball« begründet. Den Aktiven (Spieler, Trainer, Funktionäre) ist der eigene Vorteil heilig. Schauen Sie sich mal ein Eishockey- oder Rugby-Spiel an, Sie werden es nicht erleben, dass sich um einen per Videobeweis klärenden Referee eine lamentierende Rotte aus Spielern, Trainern und anderen Funktionären zur Beeinflussung der Entscheidung bildet. Weil dort noch ein Sportsgeist vorhanden ist, den der Profifußball erfolgreich wegoptimiert hat.

Ein ähnliches Bild bietet sich auf den Rängen. Über das »Argument«, der Videobeweis wäre ein störender Faktor in Sachen »Ich und meine Emotionen«, habe ich bereits im letzten Text in Sachen Videobeweis ein wenig gerantet. Wer das »emotionale Ego« für wichtiger hält als das korrekte Ergebnis des Spiels, sollte sich fragen, ob er oder sie beim Sport richtig ist…

Die sich jetzt andeutende missratene Umsetzung des Videobeweises durch den DFB wird diesen Strukturen der grundsätzlichen Ablehnung von »Allem« im Fußball dann die Argumente liefern…

Dass der Videobeweis notwendig ist, sollte niemand mehr bezweifeln können. Erst kürzlich sah man das wieder deutlich, als beim Spiel Barça vs Malaga ein Tor nach einer Flanke erzielt wurde, bei der der Ball sehr deutlich im Toraus war. In solchen Fällen kann und muss die verfügbare Technik für ein gerechtes Ergebnis im Sinne des Sports benutzt werden. »Es gleicht sich alles aus«, »die Diskussionen um Fehlentscheidungen machen Fußball erst interessant« und ähnlicher typischer Fußball-Fan-und-Funktionärs-Bullshit sind da ziemlich schwache Gegenargumente.

IFAB und FIFA sollten nun eingreifen und den DFB an die Grundsätze (s.o.) erinnern. Andere Sportarten zeigen deutlich, wie der Videobeweis problemlos verwendet werden kann. Man muss nur im Fußball den Willen aufbringen, auch mal von anderen zu lernen, statt in seiner eigenen selbstreferenziellen Fußball-Welt absurde Ideen zu realisieren…

Scheitert das ganze Projekt, sitzen wir noch in 10 Jahren da und ärgern uns weiter über für manch einen Verein ruinöse Fehlentscheidungen. Und der typische Funktionär und sein Fußball-konservatives Pendant auf den Rängen zuckt mit den Achseln und sagt »ja, so ist der Fußball…«. Aber so ist er nicht. Zumindest müsste er nicht so sein…


Verbandsliga-Topspiel: 1. FC Bruchsal vs VfR Mannheim 1:1 – 28.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-31 12:30

1. FC Bruchsal vs VfR Mannheim 1:1

Der Pfoschdeschuss-Oli schrieb in seiner wöchentlichen Amateurfußball-Kolumne auf regio-news.de: »(…) wer Spargel, Barock und ein gutes Fußballspiel sehen möchte, der kann Bruchsal ansteuern.« Von den geschmacksneutralen Gemüsestangen bleibt man im Oktober glücklicherweise verschont, aber das mit »Fußballspiel« war eine gute Idee. Denn in der »Barockstadt« stieg das Topspiel der Verbandsliga Nordbaden zwischen dem Tabellendritten 1. FC Bruchsal und dem Tabellenzweiten VfR Mannheim. Begleitet von den stürmischen Windböen des Sturmtiefs Herwart gab es in einem umkämpften Match viele Torchancen und ein 1:1-Endergebnis zu bestaunen. Was vor allem den nun noch souveräneren Tabellenführer FC Germania Friedrichstal erfreute…

Bruchsal – Barock und Spargel

Das 44.000-Einwohner-Städtchen Bruchsal, wie erwähnt berühmt für seinen Spargel und seine barocke Gebäudepracht, liegt ca. 20 km nordöstlich von Karlsruhe und ist mit einer kurzen S-Bahn-Fahrt erreichbar. Nach einem kurzen Fußmarsch vorbei an barocken Gärten, düsteren Tunneln und menschenleeren Sportanlagen erreicht man den Ground der örtlichen Fußballmacht 1. FC Bruchsal. 1991 aus diversen Fusionen örtlicher Klubs entstanden, treiben sie sich in der Verbandsliga Nordbaden herum und schafften 2013 sogar den Aufstieg in die fünftklassige Oberliga Baden-Württemberg, aus der sie aber sofort wieder absteigen mussten. In der letzten Verbandsligasaison spielten die Bruchsaler stets im vorderen Drittel mit, verpassten als Vierter der Abschlusstabelle aber mit 20 Punkten Rückstand deutlich die Aufstiegsränge.

In dieser Saison soll das anders werden, als Saisonziel wurde Platz 1 bis 3 ausgegeben. Das gelang nach den ersten 10 Spieltagen, 6 Siege und nur 1 Niederlage ergaben Rang 3 mit 21 Punkten und 4 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Friedrichstal. 2 Punkte betrug der Rückstand auf die Gastmannschaft, den Tabellenzweiten VfR Mannheim. So dass man mit Fug und Recht von einem Spitzenspiel reden konnte.

1. FC Bruchsal vs VfR Mannheim 1:1

Die Gäste vom VfR Mannheim hatten wir schon Anfang des Monats beim 1:3 im damaligen Spitzenspiel in Friedrichstal angesehen und ein wenig vorgestellt. In der Woche vor dem Spiel war im Südwest-Regionalteil des Donnerstag-kicker ein (leider online nicht verfügbarer) großer Artikel über den VfR Mannheim zu lesen. Lt. diesem lebt der Deutsche Meister von 1949, bis zur Gründung der Bundesliga 52 Jahre lang erstklassig, wie so viele abgestürzte Traditionsvereine ein wenig in seiner glorreichen Vergangenheit und hat die Tendenz, sämtliches Handeln an dieser und an der Konkurrenz zum aktuell zwei Klassen höher kickenden Lokalrivalen SV Waldhof zu bewerten. Vor der Saison sagte Präsident Ralf Auer:

»Wir gehen auf die Überholspur und wollen mit dem SV Waldhof gleichziehen. Das kann man durchaus als Kampfansage verstehen.«

Auch Trainer Hakan Atik verkündete große Ziele (ebd.):

»Wir wollen aufsteigen, wir müssen aufsteigen und werden aufsteigen.«

Diesbezüglich sind die »Rasensportler« aktuell als Tabellenzweiter auf Kurs…

Entscheidend ist aber bekanntlich auf dem Platz, vor 250 Zusehenden ging es bei dank Herwart stürmischem Wetter am Samstag Nachmittag ins Spitzenspiel des 11. Spieltags. Mit 5 Euro war man dabei und konnte dazu ein gutes Karlsruher Flaschenbier in den vom Wind ziemlich klammen Händen halten…

Bei der großen ballreiter-Verbandsligarunde war uns bisher das Glück treu: Alle Spiele waren spannend und umkämpft und entschieden sich erst spät im Spiel. Das Duell zwischen Bruchsal und dem VfR war keine Ausnahme. Von Beginn an ging es zur Sache, das stürmische Ambiente animierte die 22 Akteure wohl dazu, es dem Wetter gleich zu tun. Beide Teams suchten den Weg zum Tor, insbesondere spielte auf Mannheimer Seite der Rechtsaußen Joseph Olumide stark auf.

Dazu gab es einige »robuste« Zweikämpfe. Diesen Mannheimer Stil gab es bereits in Friedrichstal zu bewundern, entsprechend begannen die Gäste früh mit dem Sammeln von Gelben Karten. Zum Leidwesen der mitgereisten und an ihrem Idiom leicht zu erkennenden VfR-Anhänger, die ihren Unmut lautstark kundtaten…

Trotz vieler guter Chancen und knapper Standards ging es nach unterhaltsamen 45 Minuten torlos in die Pause.

Nach dem Pausenbier wurde der VfR dominanter und die Heimmannschaft verlegte sich aufs Kontern. Die Mannheimer vergaben zu Beginn der 2. Hälfte diverse gute Chancen, mit zunehmender Spieldauer häuften sich aber die Kontergelegenheiten der Gastgeber. In der 76. Minute war es soweit, ein langer Ball wurde aus dem Mittelfeld auf den Flügel zum quirligen Paulo Henrique Ursino Lima, der mit einem sehenswerten Flachschuss zur 1:0-Führung traf.

Wütende Mannheimer Angriffe waren die Folge. Und mehr Raum für Bruchsaler Konter. Wenige Minuten nach der Führung holte der Mannheimer Norbert Kirschner einen durchbrechenden Bruchsaler in einer Mischung aus taktischem Foul und Notbremse von den Beinen. Da er schon früh eine Gelbe gesehen hatte, war nach der zweiten Gelben Feierabend und der VfR mal wieder in Unterzahl…

Mannheims Coach Atik brachte trotzdem frische Offensivkräfte und wurde in der 87. Minute mit dem verdienten Ausgleich durch Torjäger Marc Haffa belohnt. Der legendäre VfR-Lupo hat den Treffer natürlich auf Video gebannt…

Fazit: Eine verdiente Punkteteilung in einem spannenden Spitzenspiel. Der große Sieger dieses Spiels ist natürlich der FC Germania Friedrichstal, der sein Match auswärts bei der SG Kirchheim mit 3:2 gewann und nun mit satten vier Punkten Vorsprung auf den VfR Mannheim und deren sechs auf den 1. FC Bruchsal souverän an der Tabellenspitze thront…

Am übernächsten Spieltag (Samstag 11.11.) wartet das nächste Spitzenduell, wenn Spitzenreiter Friedrichstal in der Barockstadt antritt.

Impressionen

1. FC Bruchsal vs VfR Mannheim 1:1

Die Einsamkeit des Torhüters unter dem Hochspannungsmast…

Flutlicht…

Eckfahne


95 Thesen.

Permalink - Posted on 2017-10-31 10:15

Passend zum heutigen Reformationstag mit Luther-Jubiläum hat 120minuten mit »Zur weiteren Entwicklung des Fußballs – 95 Thesen« einen wahrhaftigen Longread rausgehauen:

»2017 ist das Jahr des 500. Jubiläums der Reformation. Dies wollen wir zum Anlass nehmen und, analog zu Martin Luthers 95 Thesen zur Kirche, Gedanken und Thesen zum Fußball formulieren. Im Zentrum der Betrachtung soll dabei die Frage stehen, wie sich bestimmte Teilbereiche des Sportes in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiterentwickeln könnten.«

20 Leute stellen in Thesenformen ihre Visionen der unterschiedlichsten Teilaspekte des Fußballs vor und man kann die Zustimmung/Ablehnung zu den Thesen per Klick/Touch hinterlassen.


Premiere mit Sonntagsschuss: KSC vs 1. FC Magdeburg 1:0 – 29.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-30 21:40

Der KSC spielt gegen den 1.FC Magdeburg 1:0 im Wildparkstadion.

Auch bei »Traditionsvereinen«, also Vereinen die schon lange Fußball spielen, gibt es noch Premieren: Noch nie war der 1.FC Magdeburg, seines Zeichens dreifacher DDR-Meister und Sieger des Europapokals der Pokalsieger 1974, zu einem Pflichtspiel im Wildpark zu Gast. Gestern war es soweit. Und während in ganz Deutschland Herwart stürmte, gab es in Karlsruhe pünktlich zum Anpfiff des Spiels gegen Magdeburg allerschönstes sonniges Herbstwetter und stürmisch war nur der KSC auf dem Rasen. Denn der siegte gegen das Drittligatopteam durch einen sonntäglichen Sonntagsschuss von Marvin Wanitzek verdient mit 1:0…

»Zwei absolute Traditionsklubs«

»Im Wildpark-Stadion treffen sich zwei absolute Traditionsklubs zum direkten Kräftemessen« schrieb liga-drei.de in der Vorschau auf das Spiel. Was einerseits natürlich stimmt. Bei dem andererseits aber, wenn es so betont wird, immer auch ein »die Gegenwart ist nicht so toll« zwischen den Zeilen mitschwingt. Oder hat schon mal jemand eine Ankündigung von z.B. Bayern gegen Dortmund gelesen in der vom Duell »absoluter Traditionsklubs« die Rede ist? Sehen Sie!

Der 1. FC Magdeburg, wie fast alle DDR-Fußballteams Mitte der 60er Jahre am grünen Tisch der DDR-Sportbürokratie entstanden, erlebte in den 70er-Jahren seine erfolgreichste Phase mit den (s.o.) erwähnt drei Meister-Titeln und dem Europapokal-Sieg (als einzige DDR-Mannschaft überhaupt). Nach der Wende wurde die Qualifikation für die 1. und 2. Bundesliga verpasst und es setzte eine Abwärtsspirale ein, die in der viertklassigen Oberliga Nordost und einer Insolvenz im Jahre 2002 endete. So ist das mit den »Traditionsklubs«…

Mittlerweile steht der »Club«, wie die Fans den 1. FCM nennen, wieder sehr gut da. Seit 2015 spielt der Club in der Dritten Liga in der 2006 eröffneten MDCC-Arena (von den Fans nach dem Trainer der Europapokalsiegermannschaft von 1974 nur »Heinz-Krügel-Stadion« genannt) und hat mit einer ausgegliederten Spielbetriebsgesellschaft eine professionelle Struktur. Auch sportlich läuft es: In der letzten Saison verpasste der FCM als Vierter nur knapp einen Aufstiegsplatz und in dieser Saison spielt der Club von Anfang an an der Tabellenspitze mit. Somit scheint alles bereit für einen erstmaligen Aufstieg in die Zweite Liga…

Den hatte auch der KSC nach dem Abstieg angestrebt. Bekanntlich kam es anders, aber immerhin haben sich die Blau-Weißen nach dem Trainerwechsel und der Amtsübernahme von Alois Schwartz im Mittelfeld stabilisiert, die Gegentorflut abgestellt und sind noch stets im heimischen Wildpark ungeschlagen. Solange es aber auswärts nicht läuft (der KSC ist letzter der Auswärtstabelle mit kargen 2 Punkten aus 7 Versuchen), bleibt der Gedanke an den Wiederaufstieg nur ein schöner Traum. Der letzte Versuch endete mit einem 1:1 bei den heimschwachen Preußen aus Münster. Und wenn man auswärts nichts holt, steht man in einer tabellarisch engen Liga in den Heimspielen unter dem Druck des »siegen müssen«, auch gegen ein Topteam von der Tabellenspitze…

KSC vs 1.FC Magdeburg 1:1

Das Wetter war gut, und erstmals in dieser Drittligasaison stellte sich ein Spitzenteam der Dritten Liga im Wildpark vor. Trotzdem wollten nur 12.748 Zusehende, darunter ein ca. 2.500 Fans großes Kontingent aus Magdeburg, das sonntägliche Topspiel der Dritten Liga sehen. Der jetzt schon gut anderthalb Jahre andauernde »Besuchervergraulfußball« zeitigt seine Folgen…

Erstaunlich üppig war auch das Polizeiaufgebot, aus unbekannten Gründen wurde die Begegnung zum »Hochsicherheitsspiel« erklärt und uns das obligatorische Stadionbier vom Nanny-Staat BaWü nur alkoholfrei gegönnt. Dabei denkt man sich eigentlich ganz naiv: Wenn man nie gegeneinander gespielt hat (außer in einem Pokalspiel im Jahre 2000), kann man eigentlich auch nix groß gegeneinander haben…


Trainer Alois Schwartz überraschte mit der Aufstellung. Im Podcast vor dem Spiel drüben bei »Nur der FCM!« hatte ich gegen das Topteam Magdeburg eher die defensive Auswärtsaufstellung mit einer Spitze erwartet. Statt dessen musste aber Lorenz raus und Anton Fink kehrte nach zwei Spielen »draußen« als zweite Spitze neben/hinter Schleusener in die Startelf zurück.

Das Team von Jens Härtel hatte keine so glorreiche Woche hinter sich. Am letzten Spieltag setzte es eine überraschende 0:3-Heimpleite gegen Unterhaching und im Pokal unter der Woche ein 0:5 gegen den BVB. Nichtsdestotrotz setzte der Magdeburger Coach auf sein gewohntes recht offensives 3-4-3 mit den schnellen Außen Türpitz und Lohkemper neben Mittelstürmer Beck. Man durfte gespannt sein, wie sich die »älteren Herrschaften« Gordon und Pisot gegen das schnelle Magdeburger Offensivpersonal schlagen würden…

Die Hoffnung war ja, dass nach all den defensivorientierten Mittelfeldschlachten in den vorherigen Heimspielen bei einem Duell gegen ein Topteam besseren Fußball zu sehen gibt. Und es ging, begleitet von Sonnenschein und einer guten Stimmung aus beiden Fanblöcken, vielversprechend los. Die KSC-Defensive war zu Beginn noch nicht wach. Nach 8 Minuten brachte Gordon Mehlem mit einem Pass aus der Abwehr in die Breduille. Der verlor den Ball, weil Rother ihn unter Druck setzte. Und gleich selbst von der 16er-Linie abschloss, aber verzog. Eine Riesenchance für den FCM!

Kurz drauf hatte der KSC Glück, nicht in Unterzahl spielen zu müssen. Ein im Stadion »normal« aussehender Einsatz von Gordon entpuppte sich im TV als ziemlich brutale Attacke. Für so etwas wurde auch schon mal Rot gezogen…

Das Spiel hielt aber nicht, was die Anfangsphase versprach. Je länger die Partie dauerte, desto mehr verlagerte sich das Geschehen ins Mittelfeld und Torszenen blieben die im Wildpark diese Saison gewohnte Mangelware. Der KSC stand defensiv sehr gut, insbesondere die Akteure im Mittelfeld, nämlich Camoglu, Muslija, Wanitzek und Mehlem, ackerten »wie die Pferde« und verhinderten die Magdeburger Offensivbemühungen schon im Ansatz. Umgekehrt zeigte sich aber auch das altbekannte Karlsruher Problem. Die Offensivaktionen des KSC sind meistens zu wenig zielstrebig, es wird endlos um den Strafraum herumgespielt und es fehlt Tempo und Präzision, um eine gute Abwehr einmal auszuspielen und im Strafraum in Abschlusspositionen zu kommen.

In der letzten Viertelstunde vor der Pause gab es noch einmal Action. Nach etwa einer halben Stunde setzte sich der schnelle Flügelflitzer Türpitz gegen Gordon durch, zog ab und schoss nur knapp am linken Pfosten vorbei. Dass das der beste und letzte vielversprechende Abschluss der Magdeburger sein sollte, konnte zu dem Zeitpunkt noch niemand ahnen.

Und in der 40. Minute gab es die Szene des Spiels. Marvin Wanitzek bekam vom Flügel den Ball etwa 10 Meter vor der gegnerischen Strafraumgrenze zugespielt und dachte sich wohl »jetzt ist aber mal genug mit dem ewigen Rumgespiele um den Strafraum herum«. Denn er zog aus 20 Metern einfach mal mit dem rechten Fuß trocken und kraftvoll ab, der Ball wurde leicht abgefälscht und schlug unhaltbar halbhoch im rechten Toreck ein! Ein Wahnsinnstor, die 1:0-Führung und der Siegtreffer!

Nach der Halbzeitpause erwarteten alle einen Magdeburger Sturmlauf, denn der Tabellenzweite wollte sich doch wohl nicht die dritte Niederlage in 8 Tagen abholen. Aber der blieb aus. Ab und an kam der FCM natürlich zu Chancen, aber die waren alle nicht zwingend.

Der KSC blieb defensiv stabil, und begann sogar, recht ansehnlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Es gab zwei große Chancen. Camoglu verpasste nach einem abgewehrten Torschussversuch von Fink im Nachschuss das leere Tor (56., den muss er eigentlich machen!). Und in der 85. rannte Camoglu über den Flügel und passte vor das Tor, wo Torwart Glinker den Ball nicht halten konnte und vor die Füße von Wanitzek abwehrte. Der dann aus 4 Metern an die Latte hämmerte. Junge, den muss man erst recht machen, das wäre Dein Doppelpack gewesen! Er selbst sagte hinterher: »Ich habe es mir für Rostock aufgehoben…«

Da niemand mehr scoren wollte, blieb es somit beim 1:0-Sieg des KSC, der fünfte Heimsieg aus sieben Spielen. Der letztendlich souveräner ausfiel als vorher gegen das Topteam Magdeburg zu erwarten war. Der Club erlebte eine desaströse Woche mit drei Niederlagen und 0:9 Toren, und es macht sich Kritik in Social Media breit. Liga3-online konstatiert:: »Der FCM ist ein wenig verwöhnt…«

Fazit: Ein erfolgreiches und streckenweise in der 2. Halbzeit auch endlich mal gut anzuschauendes Heimspiel des KSC. Auch bemerkenswert: Schwartz wechselte nicht aus, erst in der Nachspielzeit brachte er zwei Akteure, um die berühmte »Uhr herunter zu spielen«. Ihm gefiel wohl, was er sah…

  • kicker-Spielbericht.
  • Video-Zusammenfassung im Telekom Game-Report
  • Nur der FCM! – Katzenjammer. Aus FCM-Sicht. »Insgesamt, auch das muss man sagen, machte es der KSC in Halbzeit 2 schon stark und bewies Qualitäten, die wir in dieser Saison eigentlich eher vom FCM gewohnt waren: Hinten stand man weitestgehend sicher, profitierte vom Ideenmangel des Gegners, setzte nach vorn immer mal wieder Nadelstiche und blieb ansonsten entspannt souverän.«
  • Groundsurfing – Eine stimmgewaltige Begegnung. Bericht eines »Hopps« in den Wildpark: »Spielerisch habe ich in der Vergangenheit bessere Spiele erlebt, in Deutschland wird scheinbar zumindest in den unteren Ligen wenig Wert auf einen ansehnlichen Kombinationsfußball gelegt. Die Lage des Stadions kann getrost als einmalig bezeichnet werden, auch das nahezu nostalgische Flair des Stadions entpuppte sich als unerwartete Nebenerfahrung.«

Die Lage

Alois Schwartz‘ »A-Note« (Defensive) scheint nun zu stehen, es wird nun Zeit an der »B-Note« (der Offensive) zu arbeiten. Der KSC muss einfach mehr Tore schießen, nur Osnabrück, Werder II und Erfurt trafen seltener ins Tor als der KSC.

Als nächstes geht es zum Tabellensechsten Hansa Rostock. Dort hat man die nächste Gelegenheit, endlich auch mal auswärts was zu reißen.

Impressionen


»Satanische Verse.«

Permalink - Posted on 2017-10-27 06:50

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, nämlich das Topspiel der Dritten Liga am kommenden Sonntag zwischen dem KSC und dem Tabellenzweiten 1. FC Magdeburg. Ich hatte die große Ehre, drüben beim »Nur der FCM!«-Blog beim Podcast zur Vorschau auf das Spiel dabei sein zu dürfen: »Episode 60: Satanische Verse«.


Montagspremiere ohne Sieger: SV Sandhausen vs FC St. Pauli 1:1 – 23.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-24 14:35

SV Sandhausen vs FC St. Pauli 1:1

Eine Woche ohne Stadion oder Sportplatz ist keine erstrebenswerte Sache! Da traf es sich gut, dass das Topspiel der Zweiten Liga im nahen Sandhausen stattfand: Der heimische SV Sandhausen traf auf den FC St. Pauli. Und das erstmals am »bösen Montagabend«. In einem (zumindest in der 2. Halbzeit) unterhaltsamen Fight unter Flutlicht gab es ein gerechtes 1:1…

Montags-Premiere

Zum ersten Mal seit dem Aufstieg in die Zweite Liga im Jahre 2012 musste der SV Sandhausen ein Montagsspiel bestreiten. Im Grunde ist es dem SVS aber egal, wann er spielt. Die bisherigen vier Heimsiege wurden jeweils an einem Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag herausgespielt.

Der Montagstermin löst ja stets gerne ein wenig Geheule beim zahlenden Publikum aus. (Den Widerspruch, einerseits gegen TV und Montagsspiele zu wettern, sich andererseits aber an seinem dank TV-Geld ökonomisch florierenden Verein zu erfreuen, thematisieren wir ein anderes mal…) Mir passte der Montagabend aber gut. Wenn nicht, wäre ich halt nicht hingefahren…

Anderen passte der Montag offensichtlich auch, im Gegensatz zum letzten Besuch in Sandhausen gegen Union Berlin war es mit 8.500 Zusehenden (und einen gut gefüllten Gästeblock) fast doppelt so voll…

SV Sandhausen vs FC St. Pauli 1:1

Der Blick auf die Tabelle zeigte, wieso die Partie als Montagsspiel eine gute Wahl war. Beide Teams waren vor dem Spieltag auf Rang 5 bzw. Rang 7 in guten Positionen im dicht gedrängten Verfolgerfeld hinter der Tabellenspitze der Zweiten Bundesliga zu finden. Beim SV Sandhausen finden das bekanntlich alle stets überraschend, mich überrascht aber auch die gute Rolle, die der FC St. Pauli in dieser Saison spielt. Es wird zwar immer von deren »überragender Rückrunde« in der letzten Saison gesprochen, bei Licht betrachtet war das aber »nur« ein Schlussspurt von 6 Siegen aus den letzten 7 Spielen (gegen Teams, die tabellarisch teilweise schon jenseits von Gut und Böse waren), der sie in einem engen Tabellenmittelfeld bis auf Rang 7 hoch spülte. Von daher hatte ich St. Pauli auch in dieser Saison eher in den unteren Tabellengefilden erwartet. Aber so ein Klassenerhalt beflügelt auch auch gerne mal in der Folgesaison…

Somit war alles gerichtet: Ein einigermaßen volles Haus, eine gute Atmosphäre unter Flutlicht im Hardtwald und eine tabellarisch interessante Ausgangslage. Nur das Spiel wollte in der ersten Halbzeit nicht so recht in Gang kommen. Man nennt ein solches Spiel, in dem beide Mannschaften in ihren Formationen gut stehen und sich in Zweikämpfen ordentlich beharken, dann immer gerne »intensiv«. Sandhausens Defensive arbeitete gewohnt gründlich, die von St. Pauli stand dem kaum nach. Entsprechend blieben Strafraumaktionen Mangelware. Erst am Ende der ersten Hälfte wurde es nach einer Ecke für St. Pauli gefährlich, als die Sandhäuser Defensive kurzfristig den Durchblick verlor und der Ball zu Nehrig in guter Schussposition kam. Der schoss aber den Torhüter an…

Nach dem Pausenbier ein ähnliches Bild. Nach einigen Annäherungen an das gegnerische Tor überließ die Heimmannschaft dem Gast den Ballbesitz und setzte auf Balleroberungen und schnelle Angriffe. Aus einer solchen Aktion resultierte auch die beste Chance durch den ex-Karlsruher Klingmann in der 70. Minute.

Richtig interessant wurde es erst am Ende. Nachdem es schon schwer nach einem 0:0 aussah, nahm das Spiel in der 80. Minute Fahrt auf. St. Pauli klärte eine Ecke etwas schlampig in die Mitte vor den eigenen Strafraum, wo Manuel Stiefler das Spielgerät bekam und trocken aus gut 18 Metern flach in den Winkel einnetzte.

Das Ergebnis war ein wütendes Anrennen der St.Paulianer auf das Sandhäuser Tor. In der 90. Minute wurde das mit dem Ausgleich durch (den mir völlig unbekannten) Jan-Marc Schneider belohnt. Ein Ball vom linken Flügel wurde von gleich drei Sandhäuser Spielern nicht geklärt und kam zentral zu Schneider, der nach einer sehenswerten Drehung um die eigene Achse das Leder ins Netz schob. Jetzt kenne ich ihn!

Durchaus überflüssig und etwas unglücklich für Sandhausen, aber letztendlich hatte das Spiel damit das verdiente Ergebnis, das in Sachen »Tabellenspitze« aber für keines der beiden Teams ein Schritt voran war. Selbstverständlich würden beide Trainer entrüstet von sich weisen, dass sie »da oben« überhaupt hinschauen…

Fazit: Über weite Strecken ein »intensives« Spiel für die Freunde des Rasenkampfes unter Flutlicht, es wurde Fußball gearbeitet. Erst in den letzten 15 Minuten ging es dann rein in die Strafräume und es wurde unerwartet noch richtig dramatisch. Und grundsätzlich ist in dieser Saison ein Spiel in Sandhausen, gerade unter Flutlicht, immer einen Besuch wert…

Impressionen

Hardi auf den Zaun!

Es stand lange 0:0…

SV Sandhausen vs FC St. Pauli 1:1


Peak Bundesliga! Oder: Krise in der Wohlfühl-Liga…

Permalink - Posted on 2017-10-19 20:55

Wohlfühlliga Bundesliga, Symbolfoto.

Aufmerksame Stammleserinnen und -leser werden es bemerkt haben: Die Bundesliga ist in diesem kleinen Fußballblog aktuell kein großes Thema. Weil sie mich zum einen ob ihres langweiligen Fußballs nicht genug interessiert, um regelmäßig zur Tastatur zu greifen. Und zum anderen ist in Sachen »Borussia Mönchengladbach« aktuell keine Motivation für Aktivitäten, die über das reine »Spiel anschauen« hinaus gehen, vorhanden.

Aber: Wenn man doch mal Samstags die Konferenz schaut oder die Europapokal-Auftritte der Bundesligisten begutachtet, so kann man gewisse Krisensymptome längst nicht mehr ignorieren. Was dann andererseits doch wieder ein interessantes Phänomen ist in einer Liga, die auch bei ihren Mittelfeldteams im europäischen Vergleich üppig finanziert ist und doch in den Wettbewerben so wenig gebacken bekommt. Die Bundesliga ist 2017 eine Maschine, in die »oben« ziemlich viel Geld hinein gesteckt wird und »unten« ziemlich schlechter Fußball heraus kommt…

Das europäische Bundesliga-Desaster

Man kann es nicht anders sagen: Die bisherigen Europapokal-Auftritte der Bundesliga-Teams sind ein ziemliches Desaster. Der neueste Katzenjammerkatalysator war das 1:1 des BVB gegen die europäische Fußball-Großmacht Apoel Nikosia. Marktwert des Kaders der wackeren Zyprioten: 18,5 Mio. Euro. Also etwa so viel wie ein Bein von Aubameyang…

So etwas kann mal passieren, es passt aber in die desaströse Bilanz der deutschen Klubs in den europäischen Wettbewerben der aktuellen Saison 2017/18. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels gab es es 9 CL- und 9 EL-Spiele mit Bundesliga-Beteiligung. Die Ausbeute: Zwei Siege für Bayern und ein Sieg für RB Leipzig in der CL. Und ein einsamer Dreier für Hoffenheim in der EL. Dazu kommt das peinliche Ausscheiden des SC Freiburg in der EL-Qualifikation gegen NK Domzale. Eine nicht sonderlich glorreiche Bilanz für die Bundesliga, die im europäischen Liga-Ranking der Gesamt-Marktwerte den vierten Rang belegt…

Woran liegt das? Geld steckt genug in den Bundesliga-Teams, die Teams verlieren ihre Europapokal-Spiele auch nicht gegen übermächtige Startruppen, sondern gegen Teams, deren Gesamtmarktwert 5- bis 10-mal unter dem der teilnehmenden Bundesliga-Mannschaften liegt.

Nun wäre eine Liga, die im Europapokal nix reißt, zwar nicht schön, aber auszuhalten, wenn es ansonsten in der Bundesliga Action, Abenteuer und Fußballspaß gäbe. Aber davon kann keine Rede sein! Und da liegt auch das Problem, das sich diese Saison in Europa so richtig deutlich zeigt.

Problem: Die Nicht-Verlieren-Wollen-Liga

Am ersten Spieltag gab es in 9 Begegnungen kümmerliche 15 Tore zu bejubeln, was für einen ersten Spieltag ein neuer Minusrekord ist. Von den spärlichen 15 Buden gehen auch noch 6 Tore alleine auf das Konto von Bayern und BVB. Die anderen 16 Mannschaften haben also zusammen gerade einmal 6 Tore zu Stande gebracht. An den weiteren Spieltagen ein ähnliches Bild. Am letzten (8. Spieltag) gab es zwar 33 Tore. Davon gehen aber 10 alleine auf das Konto von Bayern, BVB und RB Leipzig. Die weiteren 15 Teams brachten zusammen also ganze 23 Treffer zu Stande.

Die Tendenz zu unattraktiven Bundesliga-Spielen (wenn man das Bundesliga-Durchschnittsspiel mal mit einem Durchschnittsspiel in La Liga, der Premier League oder der Serie A vergleicht) ist auch nichts Neues. Schon während der letzten Saison waren erste kritische Stimmen über die Qualität des Bundesliga-Fußballs (bspw. bei der Süddeutschen und sogar bei der New York Times) inmitten der wie eh und je gedeihenden Jubelpersereien des gemeinen deutschen Sportjournalismus zu hören.

Die Bundesliga-Teams ab Rang 4 gehen nicht in ein Spiel, um es zu gewinnen. Sondern wollen zunächst einmal nicht verlieren. Die Abhängigkeit der Vereine vom Bundesliga-TV-Geld führt dazu, dass diese als allererstes nicht in Abstiegsgefahr geraten wollen. Ein Abstieg reißt ein TV-Geld-Loch in die Kasse, und bei so manchem Bundesliga-Traditionsverein lebt man vor allem von jenen Fernsehgeldern, die die üppig ausgestatteten Kader, eine edle Infrastruktur und einen aufgeblähten Personalapparat rund um das kickende Personal ermöglichen.

Die Konsequenz daraus: Die meisten Spiele sind abwartend gestaltete Mittelfeld-Pressingorgien, bei denen nur Tore fallen, wenn der Pressingriegel bei einem Gegner im Laufe des Spieles durch individuelle Fehler oder taktisches Versagen zusammenbricht. Wenn man nicht gerade glühender Fan eines der beiden Teams ist, sind diese Spiele oft weitestgehend unanguckbar.

Im Europapokal kann man so aber nicht spielen. Denn wer keine Punkte einfährt, übersteht die Gruppenphase nicht. Die typischen Mannschaften des oberen Mittelfelds, wie letzte Saison Köln oder Hertha, schaffen es aber nicht, in der EL dann den Schalter vom Bundesliga-Torverhinderungsfußball umzulegen und ein eigenes produktives Offensivspiel aufzuziehen. Das Ergebnis sieht man an den Tabellenständen der Gruppenphase…

Lösung: Keine in Sicht

Ein wenig peinlich ist das aktuelle Desaster den Verantwortlichen des deutschen Fußballs schon. Bundestrainer Jogi Löw meinte kürzlich, nach dem 2. Spieltag von CL und EL:

»Die sechs Spiele, die in der letzten Woche verloren wurden im internationalen Vergleich, sind schon ein wenig alarmierend, da muss man sich sicherlich Gedanken machen. (…) Wenn gesagt wird, die Bundesliga ist die beste Liga überhaupt, sollte man sich ein bisschen hinterfragen, ob das tatsächlich stimmt.«

Damit ist der Bundestrainer aber eher ein einsamer Rufer in der deutschen Europapokal-Wüste. Die Verantwortlichen der Bundesliga selbst finden sich ansonsten ziemlich großartig. Sie haben ja auch allen Grund dazu. Denn die TV-Gelder schießen in die Höhe, die Stadien sind voll, somit hat die Bundesliga keinen Grund, ein Problembewusstsein in Sachen »Qualität des eigenen Fußballs« zu entwickeln.

Vom Sky-Zusehenden über die Tribünenfans bis hin zu den »Support als Selbstzweck« verstehenden Kurvenfans, die trotz lausiger Darbietungen unverdrossen 90 Minuten singen – sie alle gehen nicht zum Fußball, sondern nehmen an einem »Event« teil, das sich in Medien- und Publikumswahrnehmung spätestens seit der WM 2006 vom sportlichen Wert des Geschehens auf dem Rasen abgekoppelt hat.

Die Bundesliga befindet sich aktuell in der schlimmsten fußballerischen Krise seit den 80er-Jahren. Damals waren aber auch die Stadien halb leer und die Nationalmannschaft lebte von den Spielern, die im Ausland spielten. Als die nicht mehr verfügbar waren, gab es einen sportlichen Niedergang. Und danach setzte das Umdenken, eine Neuorientierung und eine Professionalisierung ein, die zum Höhenflug des deutschen Fußballs in den letzten 11 Jahren führte.

Wenn man genauer hinschaut sieht man, dass die Nationalmannschaft bereits wieder hauptsächlich von Stars bei Bayern und im Ausland lebt. Die Bundesliga entwickelt sich zur Ansammlung von »Selling Clubs«. Richtig gute Spieler bleiben in jungen Jahren ein paar Jahre in der Bundesliga, um dann zum größeren Fußball in England oder Spanien abzuwandern. Selbst die Bayern sehen im »Transferwahn« das Ende ihres eigenen Wachstums am Horizont.

Im Grunde wäre es notwendig, sich langsam darüber Gedanken zu machen, welche sportlichen und organisatorischen Veränderungen in einer sich ändernden Fußballwelt notwendig wären, wenn man als Bundesliga nicht eine mit viel Geld schlechten Fußball produzierende und sich selbst und seinem dauersingenden (und viel Geld in die Kassen spülenden) Stammpublikum genügende »Zirkusliga« werden möchte…


Oh Hampden in the Sun!

Permalink - Posted on 2017-10-16 09:50

Am 19. Oktober gibt es das 60-jährige Jubiläum des als »Hampden in the sun« bekanntgewordenen 7:1-Finalsiegs von Celtic gegen Rangers im Ligapokal 1957/58. Ich hatte die große Ehre, drüben im Fußball-Kalenderblatt von 120Minuten über dieses (aus Celtic-Sicht) große Match schreiben zu dürfen: 19.10. – »Oh Hampden in the sun«.


Duell der Frustrierten: KSC vs Würzburger Kickers 2:0 – 14.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-16 09:30

KSC vs Würzburger Kickers 2:0 (Ein Foto mit »2:0« gibt es leider nicht…)

»Duell der Frustrierten im Wildpark« hatte der Kicker in einer wenig appetitanregenden Vorschau die Begegnung der beiden Zweitligaabsteiger KSC und Würzburger Kickers am 12. Spieltag der Dritten Liga genannt. Da konnte man es ja kaum erwarten, nach einer Pause von gut einem Monat mal wieder in den guten alten Wildpark zu gehen. Aber immerhin gab es bei großartigem Fußballwetter in einem mäßigen Spiel mit 2:0 den nächsten Heimsieg zu bewundern…

»Gefühlt haltlos«

Es sind keine einfachen Zeiten für den Karlsruher SC. Der Neustart nach dem desaströsen Abstieg aus der Zweiten Liga ging in die Hose. Es sind erst 12 Spieltage gespielt, aber es steht schon wieder der dritte Trainer an der Seitenlinie. Von einer »Aufholjagd« in Richtung Aufstiegsplätze ist nichts zu sehen. Der »FC Bayern der Dritten Liga« eroberte in 6 Versuchen auswärts genau einen Punkt. Daheim war man zumindest ungeschlagen, spielte dabei aber einen derartig langweiligen Fußball, dass sich der Wildpark von Spieltag zu Spieltag immer weiter leert. Ein Gefühl der Tristesse hat sich rund um den Wildpark fest gesetzt, oder, wie es die lokale Zeitung BNN ausdrückte:

»Gefühlt haltlos im Moment«

Immerhin, in Sachen »Steine und Gebäude« bewegt sich etwas. Als erster Schritt beim Stadionumbau wurde ein neuer Kunstrasenplatz fertig gestellt und feierlich übergeben (Bilder).

Bei der Gelegenheit gab es für den KSC ein paar mahnende Worte des Oberbürgermeisters Mentrup mit auf dem Weg, der den Stadionneubau aus Steuergeldern gegenüber der Öffentlichkeit verantworten muss (Zitat lt. BNN vom 4.10.17):

»Wenn der KSC es nicht einmal mehr schafft, in der Dritten Liga zu bleiben, dann hat nicht nur (…) der KSC ein dickes Problem mit seinen Mitgliedern, sondern auch ich habe ein dickes Problem mit der Öffentlichkeit. Und diese Diskussion möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.«

In diese Stimmung hinein gab es zwei Tage vor dem Spiel gegen Würzburg die jährliche Mitgliederversammlung. Wer ob der sportlichen Talfahrt mit Kritik an den Verantwortlichen gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Präsidium und Sportdirektor gaben sich ein wenig zerknirscht ob des desaströsen Abstiegs (»2016 sind viele Fehler gemacht worden, und es wurden falsche Entscheidungen getroffen – auch von uns als Präsidium.«), führten die durch den Abstieg nicht minder desaströse Finanzlage aus (Präsident Wellenreuter zu den unterschiedlichen TV-Geldern 10 Mios (2. Liga) vs 700.000 (3. Liga): »Das kommt einem Attentat gleich!«) und ließen Kuttenfan Ronny zum Abschluss ein wenig Mitgliederfolklore betreiben. Das reichte den 478 (von über 7.000) anwesenden Mitgliedern völlig aus. Kritische Nachfragen gab es keine, so dass sich Berichterstatter zu leicht sarkastischen Überschriften hinreißen ließen (Abseits-KA (»KSC-MGV: Attentat, Genickschuss, aber zufriedene Mitglieder«) oder Regio-News (»Trotz sportlicher Schieflage: Ruhige KSC-Mitgliederversammlung«)). Bei den BNN wundert man sich auch und bemerkt dazu:

»Keine Nachfrage gab es zur Talfahrt des Vereins. Das war bemerkenswert, womöglich aber das korrekteste Abbild vom Verein, in dem resignative Züge breiteren Raum einzunehmen scheinen.«

Die Finanzlage sieht durch den Abstieg nicht so toll aus, durch Besserungsscheine in einer mittlerweile angehäuften Gesamthöhe von 6,7 Mio. Euro wurde der Verlust niedrig gehalten, damit dieser keine lizenzbedrohenden Dimensionen annehmen konnte. Lt. Wellenreuter könnte sich der KSC auch noch eine weitere Saison Dritte Liga leisten, obwohl man den Aufstieg noch nicht abgeschrieben habe…

KSC vs Würzburger Kickers 2:0

Der Matchday-Samstag brachte, zumindest was die äußeren Umstände anging, das Kontrastprogramm zu den eher finsteren Zahlen. Herrlicher Sonnenschein im Oktober sorgte für blauen Himmel und allerbestes T-Shirt-Fußballwetter. Trotzdem wollten nur 9.400 Zusehende das Spiel sehen…

Die, die kamen, waren von der Aufstellung überrascht: Drittliga-Rekordtorjäger Anton Fink saß nur auf der Bank, im 4-2-3-1 stürmte Fabian Schleusener als einzige Spitze. Von den zahlreichen frisch verpflichteten »alten erfahrenen Spielern« um die 30 sah man damit nur Gordon und Pisot in der Innenverteidigung und Marc Lorenz auf dem Flügel. Der Rest ist verletzt und/oder formschwach…

Apropos formschwach, der Gegner Würzburger Kickers befindet sich in einer ähnlichen Lage wie der KSC. Nach der desaströsen Rückrunde in der Zweiten Liga, die das noch in der Hinrunde als »Überraschungs-Aufsteiger« bezeichnete Hollerbach-Team ohne einen einzigen Sieg von Rang 6 auf Rang 17 beförderte, tut sich Würzburg in der Dritten Liga ähnlich schwer wie der KSC und hat nun auch vor der Länderspielpause den Trainer gewechselt. Trainer Stephan Schmidt musste gehen, Interimscoach Michael Schiele betreute die Kickers im Wildpark.

KSC vs Würzburger Kickers – los geht‘s!

KSC-Trainer Alois Schwartz pflegt die Beurteilung der Aktivitäten seines kickenden Personals stets in »A-Note« und »B-Note« zu unterteilen. Die »A-Note« steht für das Einfahren der notwendigen Ergebnisse. Die »B-Note« für die dabei an den Tag gelegte Spielweise und den Unterhaltungswert für das Publikum.

Nach dem Anpfiff wurde schnell klar, dass das »Duell der Frustrierten« wieder eher ein »A-Note-Spiel« werden würde. Würzburg zog sich extrem zurück, ließ den KSC ein wenig über die Flügel spielen, machte den Raum vor dem Tor aber mit Mann und Maus dicht. Überraschenderweise kamen trotzdem die Kickers zur ersten (und einzigen wirklich guten) Torchance, als in er 19. Minute Ademi Müller anspielte und dessen Schuss von dem wie immer guten Uphoff im Karlsruher Kasten vereitelt wurde.

Der KSC rannte auf das Würzburger Tor relativ erfolglos an, in Sachen Torchancen aus dem Spiel ging nicht viel. Also musste ein Standard her: Eine Ecke von Wanitzek segelte über alle hinweg ins Mittelfeld. Der zurückgelaufene Mehlem pöhlte den Ball in hohen Bogen Richtung Tor, wo sich Schleusener löste und den Moment der Verwirrung in Würzburgs Abwehr ausnutzte und in der 34. Minute das 1:0 erzielte. Das war zwar eigentlich ein mieser Eckball, aber trotzdem irgendwie ein schönes Tor…

Nach der Pause dachte man, dass Würzburg offensiv etwas mehr tun würde, sofern sie nicht schon wieder ohne Punkte heimfahren wollten. Aber es kam nicht viel, sie drückten ein paar Mal Richtung KSC-Tor, ohne dabei wirklich zwingende Chancen herauszuspielen. Der KSC ließ nicht viel zu, ein offensives Feuerwerk brachten die Blau-Weißen aber auch nicht auf den Rasen. So plätscherte das Spiel wie so oft vor sich hin. Bis zur 88. Minute. Wanitzek pöhlte den Ball lang aus der eigenen Abwehr heraus, der im Mittelfeld herumlungernde Schleusener ließ seinen Gegenspieler Uzelac alt aussehen, eroberte den vom Himmel fallenden Ball und vollendete mit einem sehenswerten Treffer zum 2:0-Endstand. Was dann auch Ihren anwesenden Fußballblogger etwas überraschte und dazu führte, dass selbiger kein Endstandfoto mit einem »2:0« auf der Anzeigetafel machte…

Fazit: Die A-Note stimmte wieder, der KSC ist hinter den beiden Top-Teams Magdeburg und Paderborn die drittbeste Heimmannschaft der Zweiten Liga. An der B-Note müssen sie allerdings noch arbeiten, wenn diese Aktivitäten auch mal wieder von mehr als den ca. 9.000 Zusehenden die immer kommen angeschaut werden soll. »Es war halt wieder dritte Liga« sagte Keeper Uphoff nach dem Spiel. So ist es. Aber andere Teams dieser Liga zeigen, dass man auch in dieser durchaus ansehnlichen Fußball spielen kann…

Die Lage

Hinter den beiden Topteams ist die Dritte Liga eng. Ein Dreier am Wochenende und man katapultiert sich aus dem Dunstkreis der Abstiegsplätze hinauf ins Mittelfeld. Schafft es der KSC, auch einmal auswärts etwas zu holen, könnte man sich von den Abstiegsplätzen deutlicher absetzen. Denn auswärts stimmt auch die A-Note nicht, ein einziger Punkt wurde in sechs Versuchen eingefahren. Nächste Woche gibt es bei Preußen Münster die nächste Gelegenheit. Und da sollte man besser was mitnehmen, denn im nächsten Heimspiel gibt es mit dem Topteam 1.FC Magdeburg eine schwere Aufgabe zu lösen, bei der man den Dreier nicht unbedingt von vornherein einkalkulieren kann…

Impressionen


La Liga, Barça und die katalanische Unabhängigkeit

Permalink - Posted on 2017-10-11 20:15

Die Estelada und die Barça-Flagge vor dem Camp Nou.

Die Krise um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien wirkt sich natürlich auch auf den spanischen Fußball aus…

Das Barcelona Football Blog betrachtet in »Of Sport and Politics« die Haltung des FC Barcelonas unter dem Aspekt »Sport und Nationalismus« und kommt zu dem Schluss:

»Barcelona must denounce the state violence from the Spanish central government in the strongest possible terms as well as point out the blunt nationalism of the Catalan separatist movement. They are not equal statements and they do not need to be, but if FC Barcelona is to remain the Catalan flagship, it must take into account the thoughts, desires, and needs of all Catalans, not merely those who have temporary access to the levers of power.«

Mit den potenziellen Auswirkungen einer katalanischen Unabhängigkeit auf La Liga aus einem mehr spanischen Blickwinkel beschäftigt sich das Fußballblog »By Far The Greatest Team« in »The political discord in Spain means that La Liga is under threat«:

»Since the vote last weekend, which was marred by violence by Spanish police towards voters, relations between the Spanish government and the separatists have reached a new low. La Liga, and the Spanish national team, are examples of establishments that could be descended in chaos if, or more likely, when, Catalonia’s independence comes into action.«

Und kann sich, wie wohl viele Fans des spanischen Fußballs, La Liga ohne den FC Barcelona (und natürlich Espanyol und Girona) nicht so richtig vorstellen:

»It is difficult to imagine La Liga without Barcelona. When football was introduced to Catalonia in the late 19th century by British immigrant workers and visiting sailors, the region led the way in developing football in Spain – Barcelona was, in fact, one of the founding clubs of the football association in Catalonia before moving to compete in La Liga in 1928. But, what about now? It is unfathomable to think of one of the greatest clubs playing anywhere but Spain’s top division but as the political unrest grows, the club’s position is under threat.«

Wer jemals im Camp Nou war merkt an der Lautstärke der stets nach 17:14 Min. angestimmten »in, inde, independència«-Rufen wie stark, bei aller Ausrichtung als »internationale globalisierte Fußball-Marke«, die Verankerung des FC Barcelona in der katalanischen Bevölkerung und der Unabhängigkeitsbewegung ist. Wer durch Barcelona läuft sieht an vielen der für das Stadtbild typischen kleinen Balkone die katalanische Flagge, die Estelada, neben der des FC Barcelona hängen. Der FCB ist in Barcelona »Més que un club«.

Was den Verein in eine schwierige Lage bringt. Denn wenn es eine katalanische Unabhängigkeitserklärung von Spanien geben würde, könnte der FCB wohl nicht mehr in La Liga mitspielen. Eine katalanische Liga mit Barça, Espanyol, Girona, den katalanischen Zweitligisten Tarragona und Reus sowie einigen aktuellen Drittligisten wäre wohl nicht ganz die Kragenweite für den großen FCB. Auch der Champions-League-Startplatz müsste für einen neuen katalanischen Fußballverband erst einmal wieder erobert werden.

Somit ist eine komplette Unabhängigkeit von Spanien unter sportlichen Aspekten für den nach außen stets für die katalanische Identität eintretenden FC Barcelona im Grunde nicht wünschenswert. Man darf gespannt sein, wie Barça diesen Spagat in den nächsten Wochen und Monaten hinbekommen wird. Und man darf befürchten, dass das große politische Thema in den nächsten Spielen seinen Schatten auf das sportliche Geschehen werfen wird, möglicherweise schon am Wochenende beim großen Topmatch Atléti vs Barça…


Tag der Amateure: Bulacher SC vs TV Mörsch 2:1 – 8.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-09 22:15

SC Bulach vs TV Mörsch 2:1

Am Länderspielpausenwochenende stand der »Tag der Amateure« an. Aus der Karlsruher Gegend hatte sich der SC Bulach mit seinem Match gegen den TV Mörsch in der Kreisliga B Staffel 2 als einziger angemeldet. Auch wenn wir hier sowieso ein Herz für »unterklassigen« Fußball haben: Das ist natürlich zu honorieren, entsprechend ging es an einem herbstlichen Sonntagnachmittag hinaus nach Karlsruhe-Bulach…

Tag der Amateure

Bekanntlich gab es in den Jahren 2014 bis 2016, in der Tradition des »Non League Day« auf der Insel (»Non League« nennt man dort den Fußball unterhalb der vier Profiligen), mit der Lokalrunde den Versuch, etwas ähnliches auch hier in Deutschland auf die Beine zu stellen. Die Lokalrunde wurde aber nach der Ausgabe 2016 eingestellt. Das Monatsmagazin 11Freunde hat die Idee übernommen und in diesem Jahr erstmals den »Tag der Amateure« ausgerufen und versucht, diesen mit der »Medienmaschinerie« eines großen Zeitschriftenverlags populär zu machen. Viele Vereine waren dabei und hatten sich auf der Website eingetragen.

Nachdem aus Baden bei der letztjährigen Lokalrunde nur PSG Kleiber Mannheim dabei war, sah es bei der ersten Auflage des Tags der Amateure schon deutlich besser aus. Wie erwähnt, aus dem Karlsruher Fußballkreis hatte sich nur ein Verein angemeldet, der SC Bulach mit seinem Spiel gegen den TV Mörsch.

Der Tag der Amateure selbst hatte zwar noch nicht die große mediale Breitenwirkung. Aber 11Freunde hatte sich alle Mühe gegeben den Tag zu begleiten, am Spieltag selbst gab es sogar einen Liveticker. Auf Twitter ging es unter den entsprechenden Hashtags auch lebhaft zu. Die Leute besuchten die Spiele und twitterten und fotografierten was das Zeug hielt, so dass man einen schönen Eindruck von der Vielfältigkeit des Amateurfußballs »da draußen im Lande« gewinnen konnte.

Ein guter Auftakt für diesen neuen Tag, ich hoffe es gibt nächstes Jahr wieder einen mit entsprechend höherem Bekanntheitsgrad und noch mehr Beteiligung durch die Vereine…

SC Bulach vs TV Mörsch 2:1

Wenn ein Klub mitmacht, muss man natürlich dabei sein. Also ging es hinaus in eine Gegend von Karlsruhe, in der ich vorher noch nie gewesen war. Wofür Fußball alles gut ist!

Im Stadtteil Bulach im Süden Karlsruhes spielt der Bulacher Sport Club 1904/05 in der Kreisklasse B2. Bulach war ab Ende des 19. Jahrhunderts ein Standort für Maschinenfabriken und Gießereien und entwickelte eine entsprechende Arbeiter-Sportvereins-Kultur. Zwei dieser Arbeitervereine, die 1904 gegründete »Freien Turnerschaft« und der 1905 gegründete »Bulacher Fußball­club Viktoria«, fusionierten 1970 zum Bulacher SC.

Der Ort des Gegners Mörsch, ein Stadtteil aus dem Karlsruher Nachbarort Rheinstetten, ist sportlich eher für den Motoball-Serienmeister MSC Taifun Mörsch bekannt. Der 1900 gegründete Turnverein Mörsch entwickelte sich ebenfalls aus der Arbeitersportbewegung und blickt auf eine lange Geschichte von Fusionen und Aufteilungen zurück.

In der aktuellen Kreisliga-Saison hatte der Bulacher SC in 7 Spielen nur 2 Siege feiern können. Gegner TV Mörsch hatte es besser gemacht, mit 5 Siegen aus 7 Spielen hielt man sich in vorderen Tabellenbereichen auf. Entsprechend galten die Gäste als Favoriten für unseren Tag-der-Amateure-Kick.

Bei angenehmen Herbstwetter (und unter den Augen von Cristiano Ronaldo, dessen Bild auf einer Mauer hinter dem Tor aus unbekannten Gründen auf den Platz blickt), ging es vor etwa 50 bis 70 Zusehenden pünktlich um 15:00 am Sonntagnachmittag los.

Und es sah schnell so aus, als sollte das Match der Papierform entsprechen. Sascha See brachte die Gäste nach 25 Minuten in Führung. Doch die Bulacher wehrten sich mit einer für Kreisligaspieler schon bewundernswerten Energie und Ausdauer. Der Ausgleich durch Patrick Barragan belohnte sie kurz vor der Halbzeit.

Und es ging in der zweiten Hälfte gerade so weiter, die Bulacher rannten und grätschten die Gäste nieder, denen immer weniger gelang. Natürlich wurden im Laufe der zweiten Halbzeit die Erholungspausen nach Verletzungen immer länger, und auch das Suchen des Balls in den Bäumen neben dem Platz brachte den Akteuren willkommene Erholungspausen.

In der 75. Minute belohnten sich die Bulacher für ihren Einsatz, Marcus Wernert erzielte das 2:1, das sie dann wacker über die Zeit brachten. Ein verdienter Sieg des heimischen SC.

Und es war ein für eine Kreisklassenbegegnung durchaus unterhaltsames Match, was ich vorher so nicht erwartet hatte. Vielmehr hatte ich vorher schon überlegt, ab welcher Höhe der Gästeführung ich den Heimweg antreten würde. So kann man sich täuschen!

Impressionen

SC Bulach vs TV Mörsch 2:1

Hinter dem Tor grüßt Cristiano von der Wand…


Das nächste Verbandsliga-Derby: FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1 – 7.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-09 21:15

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

Am Wochenende des »Tag der Amateure« gab es in der örtlichen Verbandsliga das nächste Derby im Karlsruher Fußballkreis zwischen Aufsteiger FC Español und Spitzenreiter Germania Friedrichstal. Also gute Gründe, sich das am Länderspielpausen-Wochenende anzusehen. Und es gab eine Überraschung zu sehen, denn die »Spanier« setzten sich gegen den Spitzenreiter aus Stutensee erstaunlich deutlich mit 3:1 durch…

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

Die Ausgangslage vor dem Spiel hätte kaum unterschiedlicher aussehen können: Der Aufsteiger FC Español hatte seit dem ersten Sieg gegen den ASV Durlach keinen weiteren Dreier eingefahren. Im Gegenteil, mit einem 0:5 bei der Spielvereinigung Durlach-Aue und einem 0:7 beim Top-Team VfR Mannheim gab es für die »Spanier« vielmehr zwei herbe Auswärtsklatschen zu beklagen.

Ganz anders der FC Germania Friedrichstal. Dieses kleine Blog war ja letzte Woche dabei, als die »Germanen« mit einem 3:1 im Topspiel gegen den VfR Mannheim die Tabellenspitze eroberten, somit liefen die Stutenseeer mit der »breiten Brust« des ungeschlagenen Spitzenreiters auf.

Schätzungsweise 200 bis 250 Zusehende fanden sich auf dem Sportplatz im Jagdgrund zum nächsten Derby ein.

Español hatte nach den zwei Klatschen das eigene, normalerweise »forsche« Offensivspiel ein wenig eingebremst und agierte in der ersten Halbzeit aus einer soliden Defensive heraus. Was gut funktionierte, das normalerweise flott den Ball laufenlassende und hübsch anzuschauende Friedrichstaler Offensivspiel kam nicht richtig in Gang. Die Friedrichstaler waren, wie Trainer Andreas Augenstein nach dem Spiel zugab, »nicht entschlossen genug«. Entsprechend ging es trotz zweier guter Chancen für die Germanen mit 0:0 in die Pause.

In der zweiten Halbzeit nahm das Match Fahrt auf. Español wurde mutiger, kam zu Chancen und nutzte diese auch. Nach einer Ecke erzielte Pablo Valencia in der 53. Minute das umjubelte 1:0.

Friedrichstal musste nun mehr Gas geben und es entwickelte sich eine spannende Verbandsligapartie. Das Ergebnis dieser Bemühungen war ein zunehmendes Friedrichstaler Übergewicht und der Ausgleich durch Goalgetter Patrick Roedling in der 66. Minute.

Nun schlug aber die »Psychologie des Fußballs« zu. Ein Friedrichstaler Spieler wollte kurz nach dem Ausgleich seine Mitspieler anspornen, indem er in auf dem ganzen Platz hörbaren Lautstärke etwas in der Art wie »auf geht‘s, die können nicht mehr« rief. Man sah förmlich, wie das den »Spaniern« noch einmal einen zusätzlichen »Kick« gab. Sie gaben noch mehr Gas und holten sich das Spiel zurück. In der 72. Minute setzte sich Manual Morilla schön durch und erzielte die 2:1-Führung. Ein erneut per Kopf vollendeter Freistoß brachte in der 88. Minute den zweiten Treffer für Pablo Valencia und den 3:1-Endstand.

Fazit: Ein kurzweiliges knackiges Verbandsliga-Derby, von Español aufopferungsvoll kämpfend für sich entschieden. Friedrichstal konnte seine spielerische Überlegenheit ohne die letzte Entschlossenheit nicht nutzen und kassierte die erste Saisonniederlage, bleibt aber trotzdem Tabellenführer.

Aufsteiger Español holte den zweiten Saisonsieg. Und man kann sagen: Immer wenn der ballreiter dabei ist, gewinnt Español!

Impressionen

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

FC Español vs FC Germania Friedrichstal


Gottfried Fuchs und Julius Hirsch.

Permalink - Posted on 2017-10-07 09:10

Die Jüdische Rundschau erinnert an die beiden großen Helden des Karlsruher Fußballs zu Beginn des 20. Jahrhunderts: »Der Karlsruher FV und seine jüdischen Fußballhelden Gottfried Fuchs und Julius Hirsch«. Lesetipp für alle, die die tragische Geschichte der beiden jüdischen Fußballstars der Frühzeit noch nicht kennen. Der Verein von Fuchs und Hirsch, der Karlsruher FV, existiert turbulente 107 Jahre später noch immer und spielt aktuell in der untersten Liga, der Kreisklasse C. Als es im Juli 2016 den 125. Geburtstag des KFV zu feiern gab, wurde hier im Blog ein näherer Blick auf die wechselvolle Geschichte dieses Karlsruher Traditionsverein geworfen


Darth Vader Deutschland.

Permalink - Posted on 2017-10-03 14:05

Vor einem Jahr hatte ich über den Bedeutungsverlust der Nationalmannschaften und ihrer Turniere geschrieben. Eine ähnliche Beobachtung machte Simon Kuper beim Blizzard in »Where’s Darth Vader Gone?«, aber in einem anderen Kontext. Kuper sieht das Ende des Fußballs als »Ersatzkrieg gegen Deutschland« gekommen und sieht die Nationalmannschaften im internationalen Fußball in einer globalisierten Welt jenseits des Nationalen angekommen.


Verbandsliga-Spitzenspiel: FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1 – 1.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-02 17:15

FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

In der Verbandsliga Nordbaden ging es nach dem 7. Spieltag es an der Spitze spannend zu: Vier Teams drängelten sich mit 16 bzw. 15 Punkten auf den ersten vier Plätzen. Grund genug, auf der nächsten Station der großen ballreiter-Verbandsligarunde über die vier Spielstätten des Karlsruher Fußballkreis in eben jener Liga mal wieder an einem herrlichen sonnigen Herbstsonntag in Friedrichstal Station zu machen. Dort stand mit dem Duell Tabellenführer vs -zweiter das absolute Spitzenspiel des 7. Spieltags zwischen dem heimischen FC Germania und dem Traditionsverein VfR Mannheim auf dem Programm. In einem (wie man immer so sagt wenn es ordentlich zur Sache geht) »intensiven« Spiel setzten sich die heimischen Germanen mit 3:1 durch und führen nun nach dem 7. Spieltag mit 3 Punkten Vorsprung die Tabelle an…

Germania Friedrichstal

Über den Verein aus der kleinen Stadt Stutensee vor den Toren Karlsruhes gab es anlässlich des ersten Besuchs schon einmal Grundsätzliches zu lesen. Nach einer Saison in der Oberliga Baden-Württemberg 2014/15 ging es wieder hinunter in die Verbandsliga. Dort spielten sie eine »ruhige« Saison im vorderen Tabellenmittelfeld. In die aktuelle Saison starteten sie mit einem Siegeslauf von 3 Siegen, der erst am 4. Spieltag beim ASV Durlach mit einem Remis gestoppt wurde. Es folgten zwei weitere Siege, so dass der FC Germania vor dem Spitzenspiel (aufgrund der samstäglichen Niederlage des 1.FC Bruchsal in Heddesheim) von der Tabellenspitze grüßte.

VfR Mannheim

Im Stadion des VfR Mannheim im Juli 2016…

Mit dem VfR Mannheim gastierte ein alter Traditionsverein in Friedrichstal. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der VfR eine große Nummer. In der Nazi-Zeit gewannen sie fünfmal die Gauliga Baden. Der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger spielte in den 20er-Jahren für den VfR, nachdem er wg. der »Berufsspieleraffäre« (Ärger um Geld für Fußballer ist nichts Neues…) ein Jahr gesperrt war…

Höhepunkt der Vereinsgeschichte war die Deutsche Meisterschaft im Jahre 1949. Damit war der VfR der erste Meister der neugegründeten Bundesrepublik und auch der erste Deutsche Meister, der die neugeschaffene Meisterschale (vorher bekam der Deutsche Meister bekanntlich die Victoria) überreicht bekam. Es folgten erfolgreiche Jahre in der Oberliga Süd, die vor der Gründung der Bundesliga die höchste Spielklasse war.

Aber 1963 schaffte der VfR nicht die Qualifikation für die Bundesliga und nahm damit den Weg in die dauerhafte Zweit- und Drittklassigkeit, den so viele erfolgreiche Klubs aus den Oberligen der 50er- und 60er-Jahre genommen haben, die den Sprung in die neue höchste Liga nicht schafften. Als 1973/74 die Zweite Bundesliga eingeführt wurde, stiegen die Quadratestädter gleich nach der ersten Saison ab und blieben drittklassig. Bis zum Lizenzentzug 2002. Danach ging es runter in die Fünftklassigkeit, seitdem dümpelt der stolze Traditionsverein zwischen Fünft- und Sechsklassigkeit herum…

Immerhin, in der aktuellen Verbandsligasaison präsentiert sich das Team von Trainer Hakan Atik bärenstark und stand vor dem Spiel punktgleich und ungeschlagen auf Rang 2 der Tabelle.

Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

Allerbestes sonniges Herbstwetter lud zum Fußball auf den Sportplatz ein, etwa 250 bis 300 Zusehende ließen sich den sonntäglichen Verbandsligaknaller nicht entgehen. Darunter natürlich auch einige »Schlachtenbummler« aus Mannheim.

Die bekamen ein »intensives« Spiel zu sehen. Die »Germanen« liefen mit der berühmten breiten Brust auf und berannten vom Anpfiff weg das Mannheimer Tor. Der sehr spielfreudige Futsal-Nationalspieler in Friedrichstaler Diensten, Timo di Giorgio, hatte schon in der 16. Minute die Riesenchance zur Führung für das Team von Trainer Andreas Augenstein. Mit einem Schuss von der Seite traf er aber nur den Innenpfosten. Drei Minuten später setzte sich Torjäger Patrick Roedling schön durch, sein etwas zu zaghafter Abschluss konnte aber noch von einem aufmerksamen VfR-Verteidiger vor der Linie abgefangen werden.

Die Mannheimer wehrten sich nach Kräften und begannen schon früh, Gelbe Karten zu sammeln. Nach robusten Attacken lag der eine oder andere Friedrichstaler Spieler auf dem Rasen. Daneben entwickelten der VfR aber auch einen ordentlichen Druck auf das Friedrichstaler Tor, teilweise nisteten sie sich minutenlang in der Hälfte der Germanen ein.

Die entscheidene Wendung nahm das Spiel schon unmittelbar vor der Pause. Der bereits gelbverwarnte Ajdin Zeric leistete sich ein eher überflüssiges taktisches Foul an der Mittellinie und sah Gelb-Rot. Mit 11 vs 10 und 0:0 ging es in die Halbzeit.

Der Friedrichstaler Druck wurde nach der Pause mit nummerischer Überlegenheit noch größer. Aber es dauerte immerhin 20 Minuten bis dabei etwas Zählbares heraussprang. Patrick Roedling köpfte nach einem Freistoß zum 1:0 ins Tor, Saisontor Nummer 6 des Goalgetters (65.).

Die Freude darüber währte nur 6 Minuten, der ebenfalls recht treffsichere Marc Haffa köpfte eine scharfe Hereingabe vom linken Flügel mit Saisontor Nr. 5 zum Ausgleich ein. Der Mannheimer Edel-Fan »VfR-Lupo« hat davon ein höchst authentisches hübsches Wackelvideo gemacht und bei Youtube eingestellt….

Danach nahm das Mannheimer Verhängnis in Form von weiteren Gelben Karten seinen Lauf. Christopher Hiller riss 15 Minuten nach seiner ersten Gelben seinen Gegenspieler um und sah ebenfalls Gelb-Rot, damit stand es nach Spielern 11 gegen 9.

Trotzdem griffen die Mannheimer unverdrossen an, was ihnen dann auch die Niederlage einbrachte. Bei einem eigenen Freistoß war das Häuflein der acht VfR-Feldspieler viel zu weit aufgerückt, Friedrichstal eroberte den Ball und erzielte mit einem sauber ausgespielten Konter in den von Gegenspielern verwaisten Raum das 2:1 durch den schnellen Claudio Ritter (85. Minute). Fünf Minuten später sorgte ein von Patrick Roedling verwandelter Foulelfmeter für den 3:1-Endstand.

Der mitgereiste Mannheimer Anhang hatte Schiedsrichter Mika Forster als primär Schuldigen ausgemacht (wie auch hier im Spielbericht auf der Website des VfR Mannheim) und bepöbelte selbigen nach dem Schlusspfiff ein wenig. Was ein bisschen zu einfach ist. Beide Gelb-Rote Karten waren vertretbar und, da in der Mitte des Spielfelds passiert, ziemlich unnötig. Und wenn man mit zwei Mann Unterzahl spielt und es steht kurz vor Schluss trotzdem noch Unentschieden, dann rennt man nicht mit allen acht Männern nach vorne. Der Elfmeter am Ende erschien etwas hart, aber nach dem 2:1 war das Spiel sowieso entschieden.

Fazit: Ein spannendes, intensives und ereignisreiches Spiel zweier guter Mannschaften, beste Fußballunterhaltung auf dem Sportplatz. Was kann man von einem sonnigen Sonntag-Nachmittag mehr verlangen? Als Karlsruher würde man ein mit ähnlicher Leidenschaft und Drang zum Tor geführtes Spiel gerne mal wieder ein paar Kilometer südwestlich im Wildparkstadion sehen…

Impressionen

FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

Freistoß für Mannheim.


Französisches Traditionsduell: Racing Club de Strasbourg vs FC Nantes 1:2 – 24.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-25 20:15

Racing Club de Strasbourg vs FC Nantes 1:2

Auch nach vielen Jahren Fußball erlebt man noch Premieren: Dank des Aufstiegs von Racing Strasbourg ging es erstmals zu einem Spiel der französischen Ligue 1! (Außerdem haben wir ja die inoffizielle »Mal anständigen Fußball gucken«-Woche!). Beim Traditionsduell zwischen Racing Straßburg und dem FC Nantes gab es ein spannendes Spiel in großartiger Atmosphäre zu sehen, in dem leider (für unsere Freunde von Racing) der FC Nantes mit 2:1 die Oberhand behielt…

Racing in der Ligue 1

Stammleserinnen und Stammleser werden sich erinnern: Hier im ballreiter haben wir Racings Marsch zurück in die oberste Spielklasse regelmäßig im (von Karlsruhe aus) nahen Straßburg begleitet. Sechs Jahre dauerte der Marsch des französischen Meisters von 1979 von den Niederungen der fünftklassigen Amateurliga CFA2, in die Racing nach der Insolvenz 2011 hinunter musste, bis hinauf in die Ligue 1 (im Artikel zum Spiel vs Red Star wurde diese Geschichte ein wenig ausgeführt).

In allen unteren Ligen sorgte Racing für Zuschauerrekorde. Seit dem Aufstieg ist die Euphorie im Elsass riesengroß und man muss mittlerweile, wenn man Karten in akzeptablen Preisregionen kaufen will, wachsam sein und sofort zum Vorverkaufsbeginn zuschlagen…

Man merkt rund um das Stadion, dass in der Ligue 1 alles eine Nummer größer ist. Mehr Zuschauer (ja, damals in der CFA2 vs Modenheim haben wir die alle nicht gesehen…), mehr Medien und ein neuer Fanshop. Aber die freundliche-familiäre Atmosphäre blieb erhalten. Die leicht angespannte agressive Atmosphäre, die man in so vielen deutschen Stadien viel zu oft erlebt, sucht man in der Meinau vergebens…

Die neue Videowand…

Für die Ligue 1 wurde auch an der Infrastruktur gearbeitet. Das ganze Stadion wurde ein wenig aufgehübscht mit neuen Schildern. Und es gibt nun in den gegenüberliegenden Ecken des 1979 (für die EM 1984) zuletzt umgebauten Stadions schmucke neue moderne Videoleinwände, auf denen während des Spiels das Live-Bild des Fernsehens läuft. »Neumodisches Zeugs!« würden Traditionalisten sagen…

Der Kader veränderte ebenfalls sein Gesicht. Mit Khalid Boutaïb und Baptiste Guillaume mussten zwei Toptorschützen abgegeben werden, 11 Neuzugänge kamen zur Verstärkung des Kaders. Bakary Koné (ausgeliehen vom FC Malaga), Martin Terrier (Leihe von LOSC Lille), Jonas Martin (kam von Real Betis) und Idriss Saadi (von Cardiff) sind wohl die »Prominentesten«. Man darf nicht vergessen, dass der Marktwert des gesamten Kaders im Transfermarkt gerade einmal 20 Mio. beträgt. Diese Summen nimmt man bei PSG in die Hand um zu klären, wer die Elfmeter schießen darf

Entsprechend schwierig gestaltete sich der Start in die Ligue 1. Aus den ersten sechs Spielen wurde nur ein Sieg geholt, ein 3:0 in einem ziemlich verrückten Heimspiel gegen OSC Lille. Es gab unglückliche Niederlagen bei EA Guingamp und daheim gegen Mitaufsteiger SC Amiens, und zwei deutliche Niederlagen bei den beiden »Großen« Lyon und Monaco. Was mit 4 Punkten nach sechs Spieltagen den vorletzten Rang ergibt. Es war also höchste Zeit für einen Heimsieg, um nicht von Anfang tief im Abstiegsschlamassel stecken zu müssen.

Der Gegner FC Nantes

Auch der Gegner FC Nantes ist ein französischer Traditionsverein. Achtmal wurden »Les Canaris« (die Kanarienvögel) Französischer Meister, nur Olympique Marseille (neunmal) und AS Saint Etienne (zehnmal) gelang das öfter. Das letzte Mal feierte man den Titel im Jahre 2001. Berühmt ist der Klub für seine Nachwuchsarbeit, u.a. gingen die Weltmeister Didier Deschamps, Marcel Desailly und Christian Karembeu aus der Jugend des FC Nantes hervor.

Nach der letzten Meisterschaft 2001 ging es bergab mit dem FC Nantes, bis zum Abstieg in die Ligue 2 im Jahre 2011. 2013 kehrten die Kanarienvögel zurück und belegten in den Folgejahren Mittelfeldplätze. Letzte Saison lief es besser, mit Rang 7 wurde die Qualifikation für Europa relativ knapp (8 Punkte hinter Rang 6) verpasst.

In der aktuellen Saison hat man wohl etwas vor, denn niemand Geringeres als der Leicester-Meistertrainer Claudio Ranieri übernahm den FC Nantes im Sommer. Mit 3 Siegen und 10 Punkten gelang der Start in die aktuelle Saison halbwegs, in der tabellarischen Nachbarschaft von Marseille und Nizza bewegt man sich in den Regionen der europäischen Plätze. Mit nur drei geschossenen Toren in sechs Spielen (aber auch nur 4 Gegentoren) ist das eine erstaunliche Punkteausbeute.

Ein Traditionsduell

Als Traditionsvereine haben Racing und Nantes natürlich in der Vergangenheit öfter die Klingen gekreuzt. Als besonders legendär gilt das Pokalendspiel 1966, in dem Racing einen seiner drei Pokalsiege errang. Racing war der Underdog gegen Nantes, die 1965 und 1966 Meister geworden waren. Die Canaris waren damals berühmt für ihren speziellen defensiven Spielstil, das »jeu à la nantaise«. Einer Beteiligten, Roland Merschel, erzählt in einem lesenswerten Beitrag von diesem legendären Pokalfinale

Und am 15. April 1995 endete mit einem 2:0 im Stade de la Meinau eine Rekordserie des FC Nantes von 32 Spielen ohne Niederlage. Diese wurde erst 2016 mit einer Reihe von 36 unbesiegten Spielen durch die »Neureichen« von Paris Saint-Germain überboten…

Racing Strasbourg vs FC Nantes 1:2

 

Racing  vs FC Nantes. Anstoß!

Tradition hin oder her, vom FC Nantes des Septembers 2017 war kein Fußballfest zu erwarten. Wie erwähnt, 3 Tore in 6 Spielen, das spricht nicht gerade für einen hemmungslosen Offensivfußball.

Umso überraschender, dass das Spiel von Beginn ordentlich Fahrt aufnahm. Angetrieben vom lauten Publikum rannte Racing auf das Tor der Kanarienvögel an und wurde schon nach 10 Minuten belohnt. Jonas Martin flankte von rechts vor das Tor, Nuno da Costa vollendete per Kopf! Die Meinau bebte!

Aber die kalte Dusche kam nur 3 Minuten später. Racings Abwehr agierte zu zaghaft, Adrien Thomasson konnte im Strafraum in Ruhe den Ball annehmen, sich um die eigene Achse drehen und ins Tor schießen. Ein unnötiges Gegentor.

Wütende Angriffe der heimischen »Les Bleus« waren die Folge. Wie in den vorherigen Spielen (dank DAZN kann man die Spiele der Ligue 1 ja problemlos verfolgen…) fehlte es den Angriffen Racings an der notwendigen Konsequenz und manchmal auch ein wenig am Glück.

Und wenn man kein Glück hat, kommt im Fußball bekanntlich meistens Pech dazu. In der 24. Minute klärte Racings Abwehr einen Eckball ins Feld, wo Leo Dubois stand, den abprallenden Ball bekam und mit einem Supertor aus 30 Metern zum 1:2 traf…

So ging es in die Halbzeitpause.

Nachdem Nantes für ihre Verhältnisse in Halbzeit ein Torfestival veranstaltet hatte (fast so viele Tore wie in der gesamten Saison vorher), rührte Claudio Ranieri für die zweite Halbzeit Abwehrbeton an. Angetrieben vom unermüdlich brüllenden und singenden Publikum rannte Racing die ganze zweite Halbzeit unermüdlich auf das Tor der Kanarienvögel an, der Ball wollte aber einfach nicht in den vom ehemaligen Fiorentina-Keeper Ciprian Tatarusanu gehüteten Kasten hinein. 68% Ballbesitz und 21 Torschüsse waren für Les Bleus am Ende zu verzeichnen (12 für Nantes). Aber nur 5 davon kamen auf den Kasten…

Nach Spielende gab es trotzdem einen donnernden Applaus. Für Racing wird es nur um den Klassenerhalt gehen, und sie werden sich in Sachen Torabschluss ordentlich steigern müssen, wenn der gelingen soll. Bei Claudio Ranieris Nantes darf man gespannt sein, wie weit nach oben es das Team mit seinem »italienischen Minimalismus« in der Ligue 1 schafft…

Impressionen

Racing  vs FC Nantes, vor dem Anstoß!

Das Stade de la Meinau war gut gefüllt…

Hertha! Racing! Karlsruhe!


Zweitliga-Topspiel: SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0 – 19.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-21 13:50

SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0

Die aktuelle (»englische«) Woche steht im Hause ballreiter unter dem Motto: »Wir wollen anständigen Fußball gucken!« Deshalb ging es mal wieder ins nahe Sandhausen, wo das Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga zwischen dem heimischen SVS und dem 1. FC Union Berlin anstand. Ein Torfestival blieb zwar aus, aber es gab immerhin ein spannendes Match zu sehen, in dem sich die starken Sandhäuser mit 1:0 durchsetzten…

Auf nach Sandhausen!

Die nordbadische Gemeinde Sandhausen, in der lt. Wikipedia 14.900 Menschen wohnen, ist schon ein ungewöhnlicher Standort für ein Profifußballteam in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. Wenn man mit der S-Bahn am Bahnhof ankommt und durch den Ort läuft, deutet nichts darauf hin, dass in diesem Ort in Kürze das Topspiel der Zweiten Bundesliga angepfiffen wird. Es gibt nicht einmal irgendeinen Hinweis auf die Existenz eines Profifußballstadions (was auch schon anderen Leuten beim Sandhausen-Besuch aufgefallen ist

Noch eine Stunde vor Anpfiff sind die Straßen ziemlich leer, und wenn man nach einem etwa 20-minütigen Fußmarsch am Stadion ankommt, rollt der Union-Bus durch einen leeren Kreisverkehr ins Stadion…

SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0

Aber wir kamen ja nicht für Remmidemmi auf den Straßen, sondern für Fußball! Und da ist Sandhausen eine gute Adresse. Das Team von Trainer Kenan Kocak hat in dieser Saison erst einmal verloren, und das höchst unglücklich im letzten Spitzenspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Ansonsten überzeugte der SVS auf der ganzen Linie und hält sich in der Spitzengruppe der Tabelle auf. Selbst Verletzungspausen von Leistungsträgern wie Torjäger Wooten, Mittelfeld-Denker Vollmann oder Kapitän Kulovits bringen die Schwarz-Weißen aktuell nicht aus dem Gleichgewicht.

Der Gegner aus Berlin-Köpenick gilt bekanntlich als einer der Aufstiegsfavoriten und bestätigte das gleich zum Saisonauftakt mit zwei Siegen hintereinander. Seitdem haben die Eisernen aber nicht mehr gewonnen. Entsprechend reagierte Trainer Jens Keller und überraschte mit einer auf 5 Positionen (davon 3 »freiwillig«) geänderten Mannschaft. Man staunte als Zweitligagucker nicht schlecht, als man beim Aufwärmen die beiden Offensiv-Stammkräfte Polter und Hedlund bei der 5-gegen-1-Ersatzspielerbeschäftigung auf dem Rasen bewundern konnte…

Vor leider nur 4.900 Zusehenden ging es dann in der badischen Abendsonne los. Das Spiel hätte mehr Zusehende verdient gehabt. Etwa 500 Gästefans der Eisernen waren an einem Dienstag abend ins Nordbadische gekommen. Diese waren zunächst erstaunlich ruhig. Nach etwa 20 Minuten kam dann eine Ladung Ultras mit Capo und Fahnen und der Block der Unioner agierte in der gewohnten Lautstärke. Die Kurvenfans der Moderne sind offensichtlich ohne Anleitung durch Vorsänger hilflos. »Gegen den modernen Fußball« kann man da nur sagen…

Auf dem Rasen begannen die Sandhäuser das Spiel wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Mit einer Dreierkette, die defensiv zur Fünferkette wurde, setzten sie die Eisernen über die Flügel unter Druck und kamen schon in der 4. Minute zu einer Großchance. Außenverteidiger Philipp Klingmann zog aus dem Strafraum ab und Schönheim musste für seinen bereits geschlagenen Keeper vor der Linie retten.

Nach einer Anfangsphase, in der es hin und her ging, beruhigte sich das Spiel dann im Laufe der 1. Halbzeit. Eine richtig gute Tor-Chance hatte nur Sandhausen, Union-Keeper Busk musste gegen einen Freistoß von Paqarada kurz vor der Pause ran. Mit 0:0 ging es in selbige, für die Unioner eher schmeichelhaft…

Zur Halbzeit 0:0…

Nach der Pause ging es gerade so weiter. Aggressiv und laufstark hielten die Schwarz-Weißen die Berliner Bemühungen von ihrem Tor fern, und kamen immer wieder mit langen Bällen und Pässen auf die schnellen Flügelspieler in Richtung Union-Kasten.

Das Flügelspiel ist bei Sandhausen auch für nicht-taktikfixierte Beobachtende sehr auffällig. Philipp Klingmann und Leart Paqarada lieferten eine überragende Partie ab und finden sich heute mit Fug und Recht in der Kicker-Elf des Tages wieder. Besonders der ex-Karlsruher Klingmann, den man beim KSC 2015 ablösefrei ziehen ließ, hat sich erstaunlich entwickelt. Er lieferte, genau wie sein Gegenpart Paqarada auf der linken Seite, geradezu eine Demonstration des modernen Außenverteidigerspiels ab. Beide agierten defensiv sehr aufmerksam, laufstark und sehr agil in der Offensive. Und dazu suchten sie auch noch permanent den Abschluss vor dem Tor.

So verwundert es nicht, dass das spielentscheidende Tor in der 55. Minute durch einen »Screamer« von Paqarada geliefert wurde. Nach einem Klingmann-Einwurf zog Paqarada aus 22 Meter wuchtig in den Winkel ab. Ein Klasse-Tor, eine Co-Produktion der beiden besten Spieler auf dem Rasen.

Danach hatte Jens Keller genug und ließ seine Sturm-Stars Hedlund und Polter von der Leine. Der SVS zog sich nun zurück und ließ die Eisernen auf das eigene Tor anlaufen. Aber sie verteidigten den knappsten aller Vorsprünge souverän, es gelang den Unionern nicht, regelmäßig in den Strafraum einzudringen. Zumal die Innenverteidiger Kister und der ex-Gladbacher Knipping »Brocken« sind, die es mit einem Polter problemlos aufnehmen können.

So gab es am Ende das fünfte sieglose Spiel hintereinander für den 1.FC Union, und der SV Sandhausen übernahm über Nacht die Tabellenspitze. »Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey« schallte es durch das Hardtwaldstadion hinaus in den ruhigen Abend auf den Straßen Sandhausens…

Fazit: Ein intensives Topspiel der Zweiten Liga, nicht das große Fest mit vielen Torraumszenen und Toren, aber vom Kampf und vom Tempo her gut anzuschauen. Fußball schauen in Sandhausen lohnt sich!

Endstand: SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0

Impressionen

Stadion-Idylle…

Capo-Verstärker Richtung Haupttribüne…

Stadion-Idylle…


Zum Heimsieg gebolzt: KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0 – 16.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-18 19:05

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0

Von Spiel zu Spiel wächst die Erkenntnis: Die Dritte Liga ist nichts für Fußball-Connaisseure. Aber immerhin: In einem grausig anzuschauenden Spiel fuhr der neue KSC-Trainer Alois Schwarz bei seinem Heimdebüt mit einem 1:0 gleich mal drei Punkte ein und entspannte die tabellarische Lage des selbsternannten Aufstiegsfavoriten ein wenig…

Viertes Heimspiel, dritter Trainer

Alois Schwartz zeigt ab sofort wo es lang geht… (Hier beim ersten Training am 29.8.17)

Mit dem ex-Nürnberger Alois Schwartz gab es im vierten Heimspiel der Saison den dritten Übungsleiter an der Seitenlinie. Stadionsprecher Martin Wacker muss sich mittlerweile echt konzentrieren, wenn er vor dem Spiel beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung sein obligatorisches »Unser Trainer…« anstimmt…

Alois Schwartz hatte von 2013 bis 2016 in der Nähe beim SV Sandhausen gute Arbeit geleistet. Er gilt als »Defensivfanatiker«, was man den ersten Spielen durchaus ansah. Auswärts in Chemnitz hatte er in der Vorwoche sein Debüt gegeben und sorgte dafür, dass in einem von offensiver Harmlosigkeit geprägten und schlimm anzuschauenden Spiel immerhin erstmals in dieser Saison die Null stand. Vorne allerdings auch…

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0

In den bisherigen Heimspielen hatte der KSC ganze Arbeit in Sachen »Stadion leerspielen« geleistet: Gerade einmal 8.400 Zusehende fanden sich im weiten Rund des Wildparks ein. Selbst im Fanblock der Gegengerade gab es Lücken. Und auch in Lotte scheint »Auswärtsfahrt nach Karlsruhe« nicht so der Renner zu sein, bis auf eine Busladung der »Freibierultras« glänzte der Gästeblock mit gähnender Leere. Wenigstens regnete es nicht und es gab keine Wartezeit beim Einlass…

Alois Schwartz hat von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass »Wiedererlangung der defensiven Stabilität« das erste Ziel seiner Arbeit sein wird. Entsprechend stellte er eine »von Erfahrung geprägte« Mannschaft auf den Rasen, mit 6 Spielern rund um das 30. Lebensjahr. Vorne soll dann im Laufe des Spiels ein Ball irgendwie auf die beiden »Drittliga-Tormaschinen« Fink und Stroh-Engel fallen und das Tor ermöglichen…

Der Gegner aus Lotte kam auch nicht gerade in Auswärts-Topform in den Wildpark. In den drei Auswärtsspielen zuvor gab es drei Niederlagen und 1:5 Tore…

KSC vs Sportfreunde Lotte, Anstoß

Dementsprechend sah das Spiel auch aus. Die Sportfreunde ließen von Anfang an keinen Zweifel daran, dass ihr Begehr ein 0:0 im Wildpark war. Sie igelten sich am eigenen Strafraum ein und ließen den KSC rund um diesen mit dem Ball paradieren. Der KSC versuchte sein Offensivspiel durchaus bemüht, aber viel zu langsam und umständlich. Den Zusehenden wurde eine Mittelfeld-Ballverlustorgie allererster Güte geboten. Was ziemlich langweilig anzuschauen war. Dieser Tweet sagt in der Tat alles über das Spiel:

Aber: Der Erfolg heiligt die Mittel. Letztendlich ging des Trainers Plan auf. Lotte hatte nur zwei Torchancen durch Neidhart (37.) und Al Ghaddioui (69.), die Keeper Benjamin Uphoff beide vereitelte. Das ist übrigens eine der wenigen positiven Erkenntnisse dieser Saison: Mit Uphoff hat der KSC wieder einen verlässlichen und guten Keeper im Tor, der auch dann zur Stelle ist, wenn er wenig zu tun bekommt. Er war, wie stets in den letzten Wochen, der beste Karlsruher.

Und auch der Offensivplan ging auf. Genau einmal landete der Ball in den 90 Minuten in guter Position vor dem Tor bei Anton Fink, und der fackelte nicht lange und versenkte das Kunstlederobjekt in der 75. Minute zum 1:0-Siegtreffer. Das ist halt die Qualität des Drittliga-Rekordtorschützen…

Damit bleibt der KSC daheim ungeschlagen, was imposanter klingt als es tatsächlich anzuschauen war, und verhinderte ein dräuendes Abrutschen an das absolute Tabellenende…

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0

Die Lage

Immerhin spielte der KSC in zwei Spielen unter Schwartz zweimal zu Null. Es sieht aus, als würde der Defensiv-Plan funktionieren. Vielleicht spendiert uns der Trainer bei Erreichen einer gewissen defensiven Stabilität dann auch ein bisschen mehr offensive Spielkultur und mehr Tempo im Angriff…

Aber, Siegtorschütze Anton Fink macht uns wenig Hoffnung (lt. abseits-ka):

»Man muss einfach sagen, dass es in der dritten Liga keinen schönen Fußball zu spielen gibt.«

Der Fußballgott sei uns gnädig. Nur noch 15 Heimspiele auf der Dauerkarte…

Als nächstes geht es unter der Woche an den schönen Sonnenhof zu Großaspach. Die SG spielt eine sehr wechselhafte Saison, von einem Heimsieg gegen Aufstiegsfavorit Magdeburg bis zu einer 0:5-Klatsche beim SC Paderborn war alles dabei. Für die Blau-Weißen eine neue Gelegenheit, den aktuellen letzten Platz der Auswärtstabelle zu verlassen. Ein kümmerliches Pünktchen (das 0:0 in Chemnitz) und zwei Törchen ist die ganze Auswärts-Ausbeute der aktuellen Saison. Höchste Zeit für einen Auswärtsdreier…

Impressionen

Flutlicht mit Wolken…

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0


Last-Minute-Remis: ASV Durlach vs FC Germania Friedrichstal 2:2 – 10.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-10 21:30

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Der Sommer neigt sich ja langsam dem Ende entgegen. Und so forderte Pfoschdeschuss-Autor Oli (trotz der kruden Optik eine unentbehrliche Site für Karlsruher Fußballfreundinnen und -freunde) in seiner Kolumne auf regio-news.de zu einer sinnvollen Nutzung der letzten warmen Sonntage auf:

»Bei einer gepflegten Unterhaltung und respektierlicher Rhetorik ein unterhaltsamen Kick gucken und die letzten Sonnenstrahlen des Jahres genießen, denn bald ist Winterszeit und das Frauchen lädt am Sonntag Tante Käthe und Onkel Reinhold zum Kaffeekränzchen. Dann wisst ihr diese Tage zu schätzen…«

Dem kann man wenig entgegnen, deshalb ging es an einem herrlichen Spätsommersonntag auf die nächste Station der großen Verbandsligarunde zu einem weiteren Derby aus dem Karlsruher Fußballkreis: Der ASV Durlach empfing Germania Friedrichstal, und in einem spannenden Match trennte man sich 2:2…

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Die Ausgangslage hätte unterschiedlicher nicht sein können. Der ASV Durlach, trotz eines großen Umbruchs vor der Saison einer der Aspiranten für die erste Tabellenhälfte, startete mit drei Niederlagen in die Verbandsligasaison und zierte gemeinsam mit dem Durlacher Lokalrivalen SpVgg Durlach-Aue das Tabellenende. Gegner FC Germania Friedrichstal hingegen legte mit drei Siegen einen Traumstart hin.

Für 5 Euro war man dabei, das Bier (Hatz, ein bisschen bitter) gab es für 2,50. Schätzungsweise 200 bis 300 Zusehende wollte das Duell am Sonntagnachmittag erleben. Der Run der Fußballtraditionalisten zum Amateurfußball aus Frust über den garstigen und bösen Profifußball-Kommerz findet irgendwie noch nicht so richtig statt…

Im Stadionmagazin »Halbzeit« gab es von ASV-Präsident Robert Venzke Worte zum Geleit:

»Eine Million gefälschter Halbleiter wurden in den letzten Monaten beschlagnahmt. […] Wahre Kunststücke und Unverfälschtes gibt es hingegen noch auf dem Rasen beim ASV Durlach zu bewundern.«

Da waren wir doch sehr gespannt…

Das Spiel brauchte nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Den ersten Angriff der Friedrichstaler in der 4. Minute schloss Abdelrahman Mohamed mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel ab. Der ASV musste, wie schon in der vorigen Woche beim FC Español, einem Rückstand hinterher laufen.

Friedrichstal zog sich mit der Führung zurück und ließ Durlach nun etwas kommen. Das sah ähnlich aus wie in der letzten Woche: Der ASV drückte in die Hälfte des Gegners, richtige Torchancen waren aber Mangelware. Deshalb musste Friedrichstal den Ausgleich selbst erledigen, ein etwas unglückliches Eigentor der Germanen bescherte dem Heimteam den Ausgleich.

Aber nicht lange, nur 5 Minuten später besorgte Patrick Rödling per Kopf etwas überraschend die erneute Friedrichstaler Führung. Überraschend, weil der ballreiter dieses Tor wg. der Suche nach Bier nicht richtig mitbekam. Das sind die Freuden des Amateurfußballs: Der Augenblick passiert wenn er passiert, keine Wiederholungen, keine Aufzeichnungen…

Die zweite Halbzeit sah einen Durlacher Sturmlauf auf das Friedrichstaler Tor. Aber, siehe oben, ohne großartige Torchancen. Nachdem es in der 81. Minute eine Gelb-Rote Karte für den ehemaligen Friedrichstaler (ausgerechnet!) Rudy Vargas Müller gab, schien die Partie »gegessen«, es sah wenig nach einem Durlacher Ausgleich in Unterzahl aus.

Aber so ist Fußball, genau das passierte. Patrick Berecko verwandelte in der 88. Minute einen Freistoß zum Ausgleich. Und in der Nachspielzeit gab es plötzlich gute Chancen für den Durlacher Siegtreffer.

Das 2:2 war das Endergebnis. Durlach hat nun zwar nach 4 Spielen nur einen Punkt, macht aber trotzdem einen guten Eindruck mit einer tollen Moral. So sollte der erste Sieg nur eine Frage der Zeit sein. Sie müssen aber daran arbeiten, aus der Feldüberlegenheit Torchancen zu kreieren.

Die Germanen aus Friedrichstal müssen sich ärgern, in Überzahl den vierten Sieg im vierten Spiel noch aus der Hand gegeben zu haben. Aber groß grämen müssen sie sich im Grunde nicht, mit 10 Punkten stehen sie hinter den Favoriten 1. FC Bruchsal und VfR Mannheim (beide 12 Punkte mit vier Siegen aus vier Spielen) auf einem großartigen dritten Rang in der Verbandsliga nach dem vierten Spieltag.

Fazit: Ein unterhaltsames Match an einem schönen Spätsommersonntag. Überhaupt gab es in den Karlsruher Amateurspielen dieser Saison bisher noch keine Langeweile, ganz im Gegensatz zum Drittligafußball ein paar Kilometer nordwestlich von Durlach…

Impressionen

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Das altehrwürdige Turmbergstadion. Das altehrwürdige Turmbergstadion. Das Schild ist kaputt! The Huddle – Friedrichstal The Huddle – Durlach

Unter den wachsamen Augen der Friedrichsttaler Trainerbank…

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

ASV Durlach und Coca Cola. Ein Gästekäfig ist auch vorhanden. ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Die Karlsruher Verbandsligarunde


Neues aus Schottland #21: Fußball in Murrayfield!

Permalink - Posted on 2017-09-07 21:40

Murrayfield Stadium, die temporäre Heimat der Hearts, im Oktober 2016

Gled tae meet ye, Scottish Football, endlich begann wieder der Ligabetrieb. Und, Überraschung, nach vier Spieltagen grüßt nicht Celtic an der Tabellenspitze, sondern der mit 12 Punkten aus 4 Spielen makellos in die Saison gestartete FC Aberdeen!Viel Neues auch bei Hearts: Craig Levein gibt ein Comeback auf der Trainerbank, und es gibt drei Heimspiele im Rugby-Stadion Murrayfield…


Scottish Premiership: Aberdeen an der Spitze

Wir hatten es schon in der Saisonprognose geahnt: Aberdeen macht einen starken Eindruck! Mit vier Siegen aus vier Spielen starteten die Dons souverän in die Saison. Einige Spiele, wie das 2:1 daheim gegen Dundee FC und der 1:2-Auswärtssieg bei Ross County, waren ziemlich eng vom Verlauf her. Aber Aberdeen zeigt eine neue Qualität: In der letzten Saison wurden solche knappen Spiele gegen Teams wie Dundee gerne mal Unentschieden gespielt oder gar verloren.

Ein echter Knaller war der 4:3-Auswärtssieg beim »dritten« Glasgower Team Partick Thistle. Sieben Tore und einen dramatischen Spielverlauf sahen die Zusehenden in Firhill (Aberdeen spielt im Video in Blau):

Ende September beginnen die Wochen der Wahrheit für die Dons: Mit St. Johnstone, Hibernian, den New Rangers und Meister Celtic warten vier Teams auf Aberdeen, die allesamt in der oberen Tabellenhälfte erwartet werden.

Celtic verliert Punkte!

Meister und Topfavorit Celtic liegt mit 2 Punkten Rückstand auf Rang 2. Im letzten Spiel vor der Länderspielpause spielten die Bhoys in einem schauderhaften Spiel »nur« 1:1 gegen St. Johnstone.

Dabei wollten einige schon am ersten Spieltag Celtic zur Meisterschaft gratulieren, als sie die Hearts aus Edinburgh am »Flag day« (der Meister in Schottland bekommt eine Flagge, die am ersten Spieltag feierlich im Stadion hochgezogen wird, deshalb heißt das erste Spiel des Meisters »Flag Day«) mit 4:1 schlugen (Celtic im Video natürlich wie immer grün-weiß geringelt):

In den anderen Spielen tat sich Celtic deutlich schwerer, hatte aber parallel auch englische Wochen um die Qualifikation zur Champions League erfolgreich klar zu machen. Mit Bayern München und PSG bekamen sie für die Gruppenphase zwei dicke Brocken zugelost. Der dritte Gegner Anderlecht wird der sein, mit dem sich Celtic um den Gruppenrang 3 für das europäische Überwintern schlagen wird.

Hearts: Craig Levin und Murrayfield

Bei den Hearts hat die Trainersuche ein Ende: Der Hearts-Sportdirektor und -Vorstandsmitglied Craig Levein, früher Spieler und Trainer bei Hearts, Dundee United und der schottischen Nationalmannschaft, kehrt auf die Trainerbank zurück. Was dann bei Hearts nach dem erfolglosen Versuch mit dem »schottischen Nagelsmann« Ian Cathro eine konservative »Rolle rückwärts« ist.

Vielleicht ist so ein erfahrener Mann auch genau der Richtige. Denn Hearts sind nicht gut gestartet, mit nur einem Sieg und einem Remis stehen sie mit 4 Punkten auf Rang 8. Das Problem: Heart Of Midlothian hatte bisher nur Auswärtsspiele, denn das altehrwürdige Tynecastle Stadium bekommt eine neue Haupttribüne. Die sollte eigentlich zum nun anstehenden ersten Heimspiel fertig sein. Dummerweise vergaß man aber, Sitze für die Tribüne zu bestellen… Was zur Folge hat, dass Hearts nun mindestens die nächsten drei Heimspiele im riesigen Murrayfield Stadium (Bild oben, bietet Platz für etwa 67.000 Zusehende) austragen muss, das normalerweise Rugby-Spiele der schottischen Nationalmannschaft und vom lokalen Profiteam Edinburgh Rugby sieht.

Somit wird es noch Wochen dauern, bis Hearts wieder im heimischen Tynecastle kicken können, was bei der Auswärtsschwäche für eine schwierige Phase sorgen könnte. Was dann keine guten Bedingungen für einen weiteren Versuch mit einem jungen Trainer gewesen wären…

Und die anderen…

Hervorragend gestartet ist, nicht nur wg. des Unentschiedens bei Celtic, der FC St. Johnstone. Die Minimalisten aus Perth schießen plötzlich auch noch reichlich Tore, z.B. beim 4:1 gegen den FC Motherwell. Auch sonst war viel los, am Ende spielte man mit 10 gegen 9 (St. Johnstone spielt im Video in Blau-Weiß):

New Rangers liegen mit 7 Punkten im Mittelfeld. Am letzten Spieltag gewannen sie zwar auswärts 3:1 bei den Highländern von Ross County, ohne aber übermäßig zu überzeugen. Sie profitierten dabei von einem monumentalen Torwartpatzer durch Ross Countys Keeper Scott Fox, der in keinem Jahresrückblick fehlen wird…

Eine »typisch schottische« Geschichte ereignete sich zur Länderspielpause in Glasgow. Aberdeens Neuzugang Gary Mackay-Steven hatte eine »Night Out« in Glasgow. Nach ein paar Pints fiel er von einer Brücke in den Fluß Kelvin und blieb dort längere Zeit liegen, um dann vom Rettungsdienst mit einer Unterkühlung aufgesammelt zu werden. Was Trainer Derek McInnes verständlicherweise nicht so übermäßig gefallen hat. »By all means have a drink« sagte er, aber bitte nicht übertreiben! Yer a chancer, young man! In Schottland sieht man solche Dinge relativ locker, Mackay-Steven wird wohl am Wochenende wieder spielen.

Und weiter geht's!

Am kommenden Freitag (7.9.) tritt Meister Celtic auswärts bei Hamilton Accies an, erfreulicherweise kann man das um 20:45 live bei DAZN verfolgen, Pure dead brilliant! Apropos, DAZN hat die wöchentliche Highlight-Show nun schon Montags im Programm (ist immer etwas versteckt, man muss sich über Sportarten - Fußball - SPFL hinhangeln). In der gibt es 20 bis 30 Minuten Highlights von allen Spielen des Wochenendes, sehr empfehlenswert!

Und am Dienstag (12.9.) startet Celtic daheim gegen die Reichen von Paris Saint-Germain in die Champions League. Das kann man wie immer bei Sky auf einem der Sky-Sport-Kanäle (wahrscheinlich) ohne Kommentator verfolgen…


Urban Goals.

Permalink - Posted on 2017-09-06 21:30

Michael Kirkham fotografiert auf seiner Website »Urban Goals« Fußballtore aller Art, egal ob karges Gestänge auf einer Wiese oder aufgezeichnet auf einer Hauswand. »Box To Box« stellt das Projekt vor und hat ein Interview mit Michael Kirkham. Der stellt sein Projekt so vor:

»Urban Goals is a photographic series that is both a stirring memento of lost youth, and stark reminder of the social inequalities still faced in Britain today.«


Verbandsliga-Derby: FC Español vs ASV Durlach 2:0 – 2.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-05 21:45

FC Español vs ASV Durlach 2:0

Länderspielpause in den großen Ligen! Da lag es nahe, das Fußballvergnügen in den nicht ganz so großen Ligen zu suchen. In der Verbandsliga Nordbaden gab es ein »Karlsruher Derby« zwischen dem Aufsteiger FC Español und dem ASV Durlach, das mit einem 2:0-Heimsieg den »historischen« ersten Sieg des FC Español in der Verbandsliga sah…

Die große Verbandsligarunde

Man muss ja heute alles was man macht mit etwas Getöse in die Welt hinaus verkünden (vgl. »Tag der Amateure«, wo das veranstaltende Heftchen zufällig auch ein Sonderheft parat hat…). Deshalb ruft ballreiter hier »Die große Verbandsligarunde« aus. Ziel ist es, in der aktuellen Saison bei jedem Verbandsligisten aus dem Karlsruher Fußballkreis ein Heimspiel anzuschauen.

Und den Anfang machte Aufsteiger FC Español. Den wir bekanntlich kürzlich schon im Pokal begutachtet haben.

Der 1962 gegründete »spanische« Klub FC Español erlebt gerade die sportlich erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte. Nach dem Aufstieg in die Landesliga 2013 ging es in diesem Jahr sogar noch einmal hinauf in die Verbandsliga Nordbaden. Was für einen kleinen Verein mit etwa 150 Mitgliedern schon eine erstaunliche Leistung ist. Aus den ersten beiden Spielen der Verbandsliga-Saison holte Español einen Punkt, so dass man nun heiß auf den ersten Sieg in der neuen Liga war…

FC Español vs ASV Durlach 2:0

Gegner war der ASV Durlach (wurde hier schon mal vor zwei Jahren ein wenig vorgestellt). Dieser startete mit 2 Niederlagen in die Saison, befand sich also in latenter »Fehlstartgefahr«.

Seine Heimspiele trägt Español auf dem Platz des Gehörlosenzentrum im Stadtteil Daxlanden aus. Mit 5 Euro Eintritt ist man dabei, das Sportplatzflaschenbier gibt es für 2,50…

Ein gutes Karlsruher Pils gab es auch… Es geht los! Ein gut gefüllter Sportplatz – zumindest vor dem großen Regen…

In der ersten Halbzeit gab es ein umkämpftes Match mit wenigen Torchancen zu sehen. Wie schon kürzlich beim Pokalspiel gegen Fortuna Kirchfeld ging Español mit einer gesunden Härte zur Sache, es gab viele Freistöße und Rudelbildungen…

Kurz vor der Pause gab es aber doch ein Tor. Durlachs Abwehr war einmal etwas unaufmerksam, was Kevin Sedeño zum 1:0 in der 41. Minute nutzte.

Nach der Pause drückte Durlach (wir erinnern uns, Fehlstartgefahr!) auf des Español-Tor, ohne zu wirklich guten Chancen zu kommen.

Und dann kam der große Regen. Schon in der Halbzeit grummelte es in der Ferne, ein Gewitter mit viel Regen zog über den Sportplatz und machte eine zehnminütige Unterbrechung nötig.

Die Zwangspause unterband den Spielfluss des ASV – als das Gewitter sich verzogen hatte, wurde Español wieder stärker und kam trotz weiterem Durlacher Druck zu Entlastungsangriffen. Ein Tor von Juan Carlos Delgado in der Nachspielzeit sorgte für die endgültige Entscheidung und großen Jubel über den historischen ersten Verbandsligasieg des FC Español…

Der erste Verbandsligasieg für FC Español, großer Jubel!

Impressionen

Españols Manuel Morilla in Action!

España.

Nach dem Regen.

Die Karlsruher Verbandsligarunde


Hochsommerliches Ballgeschiebe: KSC vs Hallescher FC 1:1 – 26.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-27 21:55

KSC vs Hallescher FC 1:1

Neue Saison, gewohntes Geschehen in Karlsruhe: Nach dem Fehlstart musste Trainer Marc-Patrick Meister gehen und es gab mal wieder einen neuen Übungsleiter an der Seitenlinie. Dauer-Co-Trainer Zlatan Bajramović sollte den Heimdreier holen. Was nicht gelang: In einem schlimmen Spiel unter der badischen Hochsommer-Sonne trennten sich der KSC und Halle 1:1…

»The same procedure as last year, Mister Wellenreuther?« »The same procedure as every year, Oliver!«

An diesen Brüller aus dem Lieblings-Jahresend-TV-Stück aller Deutschen fühlen sich Fans des Karlsruher SC einmal mehr erinnert. Denn schon wieder musste der Trainer nach ein paar Wochen gehen. Marc-Patrick Meisters »Mission Wiederaufstieg« endete nach einer 0:4 Auswärtsniederlage bei Fortuna Köln.

Letztendlich wurden Marc-Patrick Meister nicht die drei schlechten Auswärtsspiele zum Verhängnis. Ein kompletter Neuaufbau mit einer neuen Mannschaft, und nach drei schlechten Spielen muss der Trainer gehen? Eigentlich absurd.

Meisters Problem war letztendlich die Hypothek, die er als »Trümmerverwalter« der Abstiegstruppe nach Mirko Slomkas Abgang mit in die neue Saison gebracht hat. Das hatten wir nach dem desolaten Abstieg im Mai bereits befürchtet:

»Den Neuaufbau soll nun Trainer Marc-Patrick Meister in der Dritten Liga durchführen, der einen Vertrag bis 2019 unterschrieb. Was im Umfeld nun auch schon wieder mit einiger Skepsis zur Kenntnis genommen wurde, zu desolat präsentierte sich das Team unter Meisters Leitung. Null Punkte und 1:10 Tore in vier Spielen ist seine Bilanz. Man braucht kein Prophet sein: Diese Ausbeute wird eine Hypothek für den Neuaufbau sein. Wenn der Start in die Drittligasaison holprig wird, kann es gleich wieder ungemütlich werden…«

Genau so ist es gekommen.

Aber Meister muss sich nicht grämen. Wenn man sich beim SWR die Galerie der entlassenen Trainer und Sportdirektoren anschaut, so befindet er sich in guter Gesellschaft. Die Kultur des »Heuerns und Feuerns« beim Karlsruher SC unter der Präsidentschaft Ingo Wellenreuthers liegt ganz sicher nicht nur an den Trainern…

Randaspekte

Da die sportliche Lage einige Herrschaften auf der Gegengerade nicht auslastet, gab es auch wieder in Stil und Botschaft höchst zweifelhafte Karlsruher Beiträge zum aktuellen »Großen Krieg der (Selbst-)Gerechten gegen den bösen DFB« zu bewundern…

KSC vs Hallescher FC 1:1

Aber in Karlsruhe hat man andere Sorgen. Dauer-Co-Trainer Zlatan Bajramović, der mit Mirko Slomka kam und seitdem erstaunlicherweise jeden Übungsleiterwechsel überlebt hat, durfte sich gemeinsam mit ex-KSC-Spieler Christian Eichner als fünfter Trainer seit Sommer 2016 (Interimstrainer eingerechnet) an den kickenden Helden des KSC versuchen…

Etwas Positives gab es aber auch: Das erste Heimspiel der Saison ohne Regen! Der badische Hochsommer drehte auf und lieferte eine sonnenbeleuchtete Kulisse bei 30 Grad.

Stadionbier! War schon mal voller im Wildpark… Gästeblock im Sonnenschein…

Die glorreichen Spiele der letzten Wochen haben das Stadion allerdings effektiv leergespielt, gerade einmal 9.580 Zusehende (ca. 300 davon im Gästeblock) wollten die Bemühungen des »Superteams aus Baden« im Stadion verfolgen…

Das Interims-Trainer-Duo stellte das Team ordentlich um. Die bisher enttäuschenden Routiniers Hofmann, Bülow (verletzt) und Stoll mussten ebenso raus wie der erfolglose Stürmer Zawada. Dafür kehrten Wanitzek, Gordon und Bader zurück, und Fabian Schleusener gab sein Startelfdebüt als Angreifer neben Anton Fink.

Der Gegner aus Halle erschien noch gebeutelter im Wildpark: Rico Schmitts Team ist noch sieglos und dazu noch von einer Verletztenserie gebeutelt. Auf der Ersatzbank nahmen nur vier Feldspieler Platz…

KSC vs Hallescher – Anstoß!

Nach dem Anpfiff von Schiri Willenborg war schnell klar, was der Hallesche FC wollte: Mit einer massiven Defensive einen Punkt holen. Wie üblich fand der KSC keine Mittel dagegen, es entwickelte sich ein furchtbares Mittelfeldgerumpel und uninspiriertes Ballgeschiebe. Der KSC war zwar durchaus bemüht, fand aber gegen die zwei üppig bestückten Ketten vor dem Hallenser Tor kein Mittel.

Schlimmer noch: Wenn Halle einmal Richtung KSC-Tor kam, wackelte die blau-weiße Defensive sofort bedenklich. Folgerichtig landete der erste (und einzige) zu Ende gespielte Angriff der Hallenser in der 13. Minute gleich zum 0:1 im Tor…

In der Folge ordnete Rico Schmitts Team alle 10 Feldspieler in zwei Ketten vor dem Tor an und ließ den KSC seine harmlosen Angriffsversuche ausüben. Mehr als ein guter Schuss in der 38. Minute nach einer schönen Aktion von Muslija war nicht drin.

Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurde das »Superteam aus Baden« in die Pause verabschiedet…

Nach der Pause kam Dominik Stroh-Engel für den blassen Siebeck ins Spiel. Das brachte ein wenig Belebung und die zweite (und letzte) richtige Torchance für den KSC: In der 48. Minute traf Schleusener nach einer schönen Einzelaktion von Schleusener nur den Pfosten.

Der Ausgleich war gar keine Torchance. Ein harmloser Freistoß von Fink landete in der Mauer und prallte unkontrolliert herum, Schleusener bekam den Ball und sorgte in der 66. Minute für den 1:1-Endstand.

Fazit: Wenn man durch den Trainerwechsel einen »Ruck« durch die Mannschaft gehen lassen wollte, so scheiterte das grandios. Eine wackelige Defensive und ein Angriffsspiel, das gegen eine harmlose Mannschaft aus Halle lediglich zwei richtige Torchancen zu Stande brachte. So spielt kein Aufsteiger…

Endstand: KSC vs Hallescher FC 1:1

Die Lage

Nun steht der KSC, als Top-Aufstiegsfavorit in die Saison gegangen, nach dem 6. Spieltag auf Rang 16 mit 5 Punkten. Und hat nach Halle die meisten Gegentore kassiert. Wer das Team demnächst trainieren wird, ist unklar (Leiten Sie das KSC-Training am Dienstag? – »Ich weiß es nicht«). Der Rückstand auf das Saisonziel Aufstieg beträgt schon 10 Punkte…

Der Strohhalm ist die Aufstiegssaison 2012/13, als der KSC unter Markus Kauczinski nach 6 Spieltagen sogar nur 4 Punkte hatte und am Ende trotzdem mit 79 Punkten als Drittligameister aufstieg. Nur war die Situation damals ganz anders, bis auf zwei schwache Auswärtsspiele spielte der KSC von Beginn an gut und hatte ziemliches Pech im Torabschluss. Die Mannschaft Anno 2017 erspielt sich aber kaum Torchancen, die sie vergeigen könnte…

Um aufzusteigen, brauchte man in der Dritten Liga meistens mindestens 70 Punkte. D.h., der KSC müsste jetzt ab sofort mit einem Schnitt von 2 Punkten pro Spiel unterwegs sein. Der KSC 2012/13 verlor in den 35 Spielen nach dem 6. Spieltag nur noch dreimal und holte 23 Siege. Wer den KSC Anno 2017 auf dem Rasen sieht, kann sich eine Wiederholung dieses Durchmarschs nur schwer vorstellen…

Mit dieser Abwehr sowieso nicht, wenn der KSC wirklich aufsteigen möchte sollte Oliver Kreuzer noch einen Innenverteidiger und einen Außenverteidiger verpflichten. Ein Angreifer mit Drang zum Tor würde auch nicht schaden…

Impressionen

Vor dem Spiel

KSC vs Hallescher FC 1:1


»Strahov-Stadion.« Prag, 2005.

Permalink - Posted on 2017-08-16 16:45

»Game of the People« verbrachte »A morning in Strahov«. Das Strahov-Stadion in Prag war ein gewaltiges Stadion (es passen 9 Fußballfelder und 250.000 Zusehende hinein) für die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überaus beliebten Massenturnveranstaltungen Sokol und später der Spartakiade. Heute ist es in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand und beinhaltet diverse Trainings- und Spielfelder von Sparta Prag. Ich war 2005 im Strahov, lt. Artikel von Game of the People scheint sich in der Zwischenzeit nicht viel getan zu haben…


Fast eine Pokal-Überraschung: KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V. – 11.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-13 11:20

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V.

Schade! In einem großartigen Pokalfight im regennassen Wildpark unterlag der KSC dem Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen mit 0:3 n.V. Und wurde damit unter Wert geschlagen…

Endlich mal wieder DFB-Pokal im Wildpark!

Dank des Abstiegs in die Dritte Liga kam der KSC nach drei Jahren endlich mal wieder in den Genuss eines Heimspiels im DFB-Pokal. Das letzte Mal war das 2014 beim Erstrunden-Aus gegen den VfL Wolfsburg (1:3) der Fall gewesen. In den Jahren dazwischen schied der KSC stets zuverlässig auswärts in Runde 1 oder 2 aus…

Immerhin 17.000 Zusehende wollten das Pokalspiel an einem regnerischen Freitagabend sehen. Das ist für aktuelle Karlsruher Fußballverhältnisse ein ordentlicher Besuch, der Verein hatte aber wohl, wenn man den nach der Auslosung entfachten Hype mit gestaffeltem Vorverkauf und Event-Trikot anschaut, mit mehr gerechnet…

Randaspekte: »Fußballmörder DFB«

»Fußballmörder DFB«

Kaum hatte man den Block betreten, war man mit Blick auf die Gegengerade gleich wieder peinlich berührt. »Fußballmörder DFB« las man dort auf einer großen Tapete. Und während des Spiels gab es die neuerdings üblichen »Scheiß DFB«-Wechselgesänge…

Der »Protest« der so genannten »organisierten Fans« in Deutschland gleitet zunehmend auf ein für erwachsene Menschen erstaunlich regressiv-infantiles Niveau hinab. Angenommen, dieser »Protest« soll eine über ein kindlich-trotziges »Manno, wir finden im Fußball aber alles doof!1!!11!!!Einself!!« hinausgehende Dialogaufforderung in Richtung DFB sein, so muss man kein Einstein sein um zu erkennen, dass sich dieser Stil diesbezüglich eher als kontraproduktiv herausstellen könnte…

Ein Treppenwitz ist dabei, dass die mitgereisten Leverkusener Fans in den »Scheiß DFB«-Wechselgesang einstimmten. Genau, die Fans jenes Werksklubs Bayer 04 Leverkusen, die nur dank des ihrem Verein und seiner Werksklub-Herkunft gegenüber äußerst zuvorkommenden DFB (und die DFL wollen wir da auch nicht vergessen) überhaupt als Teil des deutschen Profifußballs in ihrem Gästeblock standen. Deutsche »Fankultur« 2017, man hat immer was zu lachen…

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V.

Zurück zum Sport. Man muss kritisch anmerken, dass es im dritten Pflicht-Heimspiel der Saison 2017/18 zum dritten Mal regnete. Und bekanntlich stehen wir Fußball-Traditionalisten stets im unüberdachten Stehplatz-Block (was auch der Qualität der Fotos bei diesem Spiel nicht zuträglich war…). Da muss sich das Wetter einfach mal hinterfragen, so kann das jetzt nicht die ganze Saison weitergehen!

Immerhin: Nach den Bierpreis-Irritationen des letzten Heimspiels wurden alle Preise wieder auf das Niveau der Vorsaison zurückgefahren. Geht doch!

Stadionbier im Regen! Wir Traditionalisten… Gerade mal 17.000 Zusehende. Trotzdem Schlange am Einlass… War schon mal besseres Wetter im Wildpark…

Wie schon erwähnt, eine eher enttäuschende Kulisse von 17.000 Zusehenden wollte das freitägliche Pokalspiel sehen. Und trotz des nur halb gefüllten Stadions gab es lange Schlangen am Eingang, da viel zu wenige Eingangstore geöffnet waren. Da kann man fast froh sein, dass es nicht voller war…

Fußball wurde natürlich auch gespielt. KSC-Coach Mark-Patrick Meister nahm an der siegreichen Elf vom letzten Heimspiel nur eine Änderung vor. Für den (noch vom Reutlingen-Pokal-Desaster 2015) rotgesperrten Gordon rückte Martin Stoll in die Abwehr.

Bei den Gästen aus Leverkusen gab neu-Bender Sven sein Debut, während Bruder Lars verletzt fehlte. Ansonsten waren alle unter der Woche angeschlagen gemeldeten Akteure dann doch fit geworden…

Flutlicht und strömender Regen – das waren doch beste Voraussetzungen für einen großen Pokalfight!

Und nachdem Karim Bellarabi mit einer vergebenen Großchance in der 3. Minute bei der noch etwas »kalten« KSC-Abwehr für die notwendige Aufmerksamkeit sorgte, wurde es genau das. Die in den ersten Drittligapartien wackelige KSC-Defensive präsentierte sich gut, alle Akteure fighteten aufopferungsvoll gegen die immer wieder gefährlich vor das Tor kommenden Leverkusener Angriffe. Auch der von Spiel zu Spiel immer besser werdende neue Stammkeeper Benjamin Uphoff hielt stark.

Das große Manko des Karlsruher Spiels: Die Offensive. Zawada hatte schon in der 13. Minute eine große Chance, vergab diese aber. Wenn da der verletzt ausgefallene Stroh-Engel an seiner Stelle gewesen wäre…

Das war auch der einzige Torschuss von Zawada, Anton Fink wurde von der Leverkusener Abwehr offensiv völlig abgemeldet und hatte gar keinen Abschluss. Die Blau-Weißen starteten zwar ein ums andere Mal vielversprechende Angriffe über Lorenz und Muslija, deren Flanken fanden aber nie einen Abnehmer.

So war die Marschrichtung für den KSC schnell klar: Verteidigen was das Zeug hält, und offensiv auf einen Glücksschuss oder das Elfmeterschießen hoffen. Das klappte auch 90 Minuten lang recht gut, zumal die Wucht der Leverkusener Angriffe in der zweiten Hälfte deutlich abnahm und erst in der Schlussphase wieder gefährlich wurde. Mit etwas Glück brachten die Blau-Weißen das 0:0 über die 90 Minuten – Verlängerung!

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:0 nach 90 Minuten!

Verlängerungen sind aber nichts für uns in Karlsruhe. Das zeigte sich 2015 beim berüchtigten Relegationsspiel, es zeigte sich wieder. Das Heimpublikum hatte den Gedanken »jetzt noch 30 Minuten verteidigen dann hauen wir sie im Elferkicken raus« noch gar nicht zu Ende gedacht, da stand es schon 0:1. Einen Freistoß von Julian Brandt vollstreckte Kohr per Kopf in der 93. Minute. Nur 6 Minuten später traf der eingewechselte Pohjanpalo zum 0:2, ehe Baily in der 105. Minute mit dem 0:3 die Pokalschlacht für beendet erklärte. Aus Protest ließ es der Karlsruher Himmel für den Rest der Verlängerung mit an diesem Abend noch nicht erlebter Intensität auf den Wildpark hinab regnen…

Fazit: 90 Minuten eine große Pokalschlacht, als sich der Bundesligist in der Verlängerung zusammenriss, war sie aber schnell beendet. Wie das dann immer so ist, außer Komplimenten (Rudi Völler: »Das war ein hartes Stück Arbeit gegen einen unbequemen Gegner…«) nimmt man nix mit.

Trotzdem war es eine große kämpferische Leistung der Blau-Weißen. Mit der Einstellung braucht den Karlsruher Fußball-Freundinnen und -Freunden vor den nächsten Aufgaben in der Dritten Liga nicht bange sein…

KSC-Trainer Meister meinte in seiner blumigen Art (lt. abseits-ka):

»Das Spiel birgt heute für uns zwei große Schätze, zwei Erfolgsmomente, woran ich es messen will. Das erste ist das 0:0 nach 90 Minuten nicht ohne eine Chance zuzulassen sondern einfach, dass wir mit viel Leidenschaft und einem riesigen Engagement verteidigt haben. Und das zweite ist für mich, dass mit Ende des Spiels die Fans, die unüberdacht da standen nicht heim sind und der Mannschaft Respekt zollten und sie verabschiedet hat.«

Impressionen

Schal hoch zum Badner-Lied!

Der wahrscheinlich letzte Pokalabend im aktuellen Wildpark…


Scottish Premiership 2017/18: Die Saisonvorschau zum Meisterschaftsstart

Permalink - Posted on 2017-08-10 07:55

Scotland!

It‘s been dunky‘s since a last saw ye, Scottish Premiership! Umso besser, dass diese am letzten Wochenende in die neue Saison startete! Und es ist im relativ kurzen Leben dieses kleinen Fußballblogs schon eine Tradition (siehe 2015/16 und 2016/17):

Wenn in Schottland die Meisterschaft startet, gibt es hier die kleine Saisonvorschau dazu. Macht ja sonst keiner! Also werfen wir auch in diesem Jahr einen Blick auf die Vereine der Premiership und prognostizieren deren Abschneiden…

Modus: The Scottish Premiership

Zunächst die alljährliche Auffrischung bezüglich der Organisation der Liga. Die »Premiership«, wie die erste schottische Liga seit 2013 heißt, spielt 38 Spieltage mit 12 Vereinen, in einem etwas seltsamen Modus, den die vollständige Wikipedia erklärt und der 5 Spieltage vor Schluss zu einer Teilung in zwei Ligen à 6 Teams führt.

Der Tabellenerste nach 38 Spieltagen wird Schottischer Meister und »darf« alle Runden der Champions-League-Qualifikation durchspielen. Titelverteidiger ist der Celtic FC aus Glasgow.

Der Zweit-, Dritt- und Viertplazierte (in der Vorsaison der Aberdeen FC, die neuen Rangers und der FC St. Johnstone) dürfen bzw. durften die Europa-League-Quali spielen (Rangers und St. Johnstone haben sich bereits in der ersten Quali-Runde verabschiedet). Der Letzte steigt ab in die zweite Liga, die »Scottish Championship« (das war 2016/17 Inverness Caledonian Thistle). Und der Vorletzte muss eine Play-Off-Relegation gegen die Vereine auf den Rängen 2 bis 4 der Championship (die zweite Liga) spielen. Letzte Saison setzte sich dabei der Erstligist Hamilton Academical gegen unsere »heimlichen Lieblinge« von Dundee United durch.

Als Meister der Championship kehrte Hibernian aus Edinburgh in die Premiership zurück.

Die Scottish Premiership 2016/17

Karte der schottischen Erstligisten Nur in der deutschen Bundesliga ist die Frage nach dem kommenden Meister ähnlich leicht zu beantworten wie in Schottland. Natürlich wird der neue Meister auch der alte Meister sein, niemand (auch nicht die 2012 neugegründeten Rangers, wenn dt. Journaille so etwas schreibt ist das faktenferner Unfug, Aye, Right!) wird Brandon Rodgers Team das Wasser reichen können.

Das mag man beklagen oder auch nicht (hängt wohl von den individuellen Präferenzen des Betrachtenden ab), wer nach dem Motto »Glasgow‘s green and white« durch das Leben läuft, findet das eigentlich gar nicht so schlimm…

[Karte: Positionskarte von Schottland, Vereinigtes Königreich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 von Nordnordwest (Variante von Wikipedia) unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Licence, thanks!]

Vereine

Das sind die zwölf Klubs der Premiership 2017/18, in der mit einer geballten Ladung »ballreiter-Schottland-Fußball-Checkertum« prognostizierten Reihenfolge ihres Tabellenendstandes.

  1. Celtic
  2. Aberdeen
  3. The New Rangers
  4. Hearts
  5. Hibernian
  6. St. Johnstone
  7. Partick Thistle
  8. Ross County
  9. Kilmarnock
  10. Dundee FC
  11. Motherwell
  12. Hamilton Accies

(Ein Klick auf den Namen springt auf den Text zum Klub, von dem aus man mit dem »Zurück zur Übersicht«-Link wieder zu dieser Übersicht gelangt.)

Der Meister

Celtic

Celtic Park, Glasgow

Nach der letzten Saison hat Celtic den neuen Spitznamen »The Invicibles« bekommen. Im ersten Jahr unter Trainer Brandon Rodgers eroberte Celtic ungeschlagen das »Domestic Treble« aus Meisterschaft, Liga-Pokal und dem schottischen Pokal. Nur vier Teams konnten Celtic in der Saison 16/17 besiegen (Lincoln Red Imps, Hapoel Be’er Scheva (in der CL-Quali), der FC Barcelona und Borussia Mönchengladbach).

Mit Ausnahme von Flügelflitzer Patrick Roberts, dessen Leihe von Manchester City auslief, hat Celtic aktuell noch keinen namhaften Abgang zu beklagen. Ein Transfer von Topstürmer Moussa Dembélé geistert zwar immer wieder durch die einschlägigen Transfergerüchtekanäle, Trainer Rodgers wies jedes dieser Gerüchte bis jetzt ins Reich der Fabel.

Neuverpflichtungen gab es zwei: Von Vizemeister Aberdeen kam Flügelflitzer Jonny Hayes, der wohl Ersatz für Patrick Roberts werden soll. Und von ManCity kam mit Olivier Ntcham ein wuchtiger zentraler Mittelfeldspieler, der den langsam älter werdenden Kapitän und Mittelfeld-Babo Scott Brown entlasten soll.

In den »domestic« Wettbewerben ist die eigentlich spannende Frage, wann Celtic mal wieder ein Spiel verliert. Zwei ungeschlagene Saisons hintereinander sind extrem unwahrscheinlich. Noch zwei ungeschlagene Spiele in schottischen Wettbewerben und Celtic ist 50 mal ungeschlagen. Der absolute Rekord von 62 ungeschlagenen Spielen liegt ebenfalls bei Celtic, dem legendären Willie Malley (war 43 Jahre lang Celtic-Trainer, von 1897 bis 1940) gelang diese Serie von 1915 bis 1917.

Die eigentliche Herausforderung der Saison wird die Performance im Europapokal sein. Celtic möchte natürlich in die Champions-League-Gruppenphase und dann mal wieder europäisch überwintern. Was letztes Jahr im Duell mit Borussia denkbar knapp scheiterte.

  • Der Spitzname: Bhoys
  • Der Trainer: Brandon Rodgers.
  • Der Topmann: Moussa Dembélé. 32 Tore und 9 Vorlagen in der letzten Saison.
  • Der Toptransfer: Olivier Ntcham
  • Der Funfact: Die letzte Niederlage von Celtic in Schottland passierte am 12. Mai 2016 noch unter Rodgers Vorgänger Ronny Deila, ein 1:2 beim FC St. Johnstone.
  • Die Prognose: Meister! Und in den beiden Pokalen müssen sie schon einen verdammt schlechten Tag haben, um auszuscheiden…
Zurück zur Übersicht

Die »Verfolger«

Die Spannung muss die Premiership (der Bundesliga nicht unähnlich) aus dem Kampf um die Positionen hinter dem designierten Meister beziehen.

Aberdeen

Fassade des Stadions des FC Aberdeen. »Pittodrie Stadium‘s granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain

Die Nummer 2 der Premiership, wie schon in den letzten drei Spielzeiten, wird auch in der kommenden Saison der FC Aberdeen sein.

Das Team von Derek McInnes muss sich zwar mit den Abgängen von Jonny Hayes (zu Celtic) und Niall McGinn (nach Süd-Korea zu Gwangju) von zwei Bestandteilen ihres 74-Tore-Sturms verabschieden, mit den Neuzugängen Greg Stewart (ausgeliehen von Birmingham) und dem ein wenig im Talentstatus hängengebliebenen Gary Mackay-Steven sollte das aber kompensiert werden können.

Leistungsträger wie Mittelfeldstratege Graeme Shinnie, Tormaschine Adam Rooney und Torhüter Joe Lewis bleiben den Dons ebenso erhalten wie Trainer Derek McInnes, der den Verlockungen »down South« widerstehen konnte…

Aberdeen hatte Celtic in der letzten Saison im Pokalendspiel am Rande einer Niederlage (den Pokal entschied Celtic erst in der Nachspielzeit für sich), vielleicht können die Dons näher heranrücken und sich auch mal einen silbernen Pott sichern. Für den Titel wird es wohl nicht reichen, dazu müsste Celtic schon eine Katastrophensaison spielen. Zumal das Ausscheiden aus der Europa-League-Quali gegen Apollon Limassol andeutete, dass auch für den FC Aberdeen die Bäume nicht in den Himmel wachsen…

[Foto: »Pittodrie Stadium's granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain von Discosebastian, thanks!]

  • Der Spitzname: Dons
  • Der Trainer: Derek McInnes. Übernahm die Dons 2013, etablierte Aberdeen mit den Abschlussrängen 3, 2, 2 und 2 sowie dem Gewinn des Liga-Pokals 2014 als zweite Macht im schottischen Fußball. Lehnte in der Sommerpause ein Angebot von Sunderland für die zweite englische Liga ab und verlängerte lieber seinen Vertrag…
  • Der Topmann: Adam Rooney, nicht verwandt mit Wayne, Mittelstürmer und seit Jahren der Torgarant der Dons.
  • Der Toptransfer: Gary Mackey-Steven
  • Der Funfact: Pittodrie, das Stadion der Dons, liegt direkt an der Nordseeküste. Was dem Verein seit Jahren ein Möwenproblem beschert, das jetzt auch noch zum Problem für das geplante neue Stadion werden kann
  • Die Prognose: Rang 2.
Zurück zur Übersicht
New Rangers

Ibrox Park, das Stadion der Rangers. Bild: »ibrox gates« von Whitey1982, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ja, die New Rangers, sie sind schon ein spezieller Fall. Anlässlich ihres jämmerlichen Ausscheidens aus der Europa-League-Qualifikation gegen die Luxemburger Feierabendkicker von Progrès Niederkorn wurde das bereits ausführlich thematisiert. Nirgendwo in Schottland stehen die eigenen Ansprüche und das tatsächliche sportliche Leistungsvermögen in einem derartigen Missverhältnis wie rund um den Ibrox-Park.

Nur dort ist es denkbar, dass der Kapitän Lee Wallace in einem Zeitungsinterview das Triple als Saisonziel ausgibt. Nach einer Saison, die sein Team mit 39 Punkten Rückstand auf Celtic auf Rang 3 in der Abschlusstabelle enden sah…

Um den großen Worten Taten folgen zu lassen, wurde (für schottische Verhältnisse) groß eingekauft. Für 8 Millionen Pfund wurde Altstar Bruno Alves, Mittelfeldmann Ryan Jack aus Aberdeen und eine Armada von Spielern aus Südeuropa/Südamerika verpflichtet. Mit Fabio Cardoso ist immerhin auch ein 23-jähriges portugiesisches Abwehrtalent dabei, das die in der letzten Saison hölzern agierende überalterte Abwehr verjüngen soll.

Trainer Caixinha steht nach dem Europapokal-Desaster bereits unter Druck, sollte der Start in die Premiership misslingen könnte es gut sein, dass er schneller wieder weg ist, als seine Neuverpflichtungen brauchen, um sich einzuspielen.

Wenn das neue Team aber einigermaßen funktioniert, sollte Rang 3 wieder drin sein. Für mehr ist das Team zu »zusammengewürfelt« und es scheint, als würde Caixinha auch nicht in derselben »Trainerliga« wie Rodgers und McInnes agieren…

[Foto: »ibrox gates«, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 von Whitey1982, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International, thanks!]

  • Der Spitzname: Gers. Auf der grünen Seite Glasgows: »Sevco«
  • Der Trainer: Pedro Caixinha. Portugiesischer Trainer-Wandervogel, Rangers sind seine 11. Trainerstation in 14 Jahren. Hat die großmäulige Rangers-Attitüde erstaunlich schnell verinnerlicht…
  • Der Topmann: Kenny Miller. 37 Jahre alt, aber treffsicher wie eh und je.
  • Der Toptransfer: Bruno Alves, Europameister mit Portugal und vor einigen Jahren sehr erfolgreich mit dem FC Porto. Mittlerweile aber auch schon 35 Jahre alt…
  • Der Funfact: Stürmer Kenny Miller ist einer von nur 5 Spielern seit 1945, die sowohl für Rangers als auch für Celtic gespielt haben.
  • Die Prognose: Rang 3.
Zurück zur Übersicht
Heart Of Midlothian

Die Haupttribüne des Tynecastle Stadium im Oktober 2016

Beim Vorsaisonfünften aus Edinburgh hat es schon vor der Saison ordentlich gerappelt. Der vor einigen Wochen hier im Blog vorgestellte junge Trainer Ian Cathro stellte sich dann doch nicht als »der schottische Nagelsmann« heraus. Am Ende der Saison gab es in der extrem kritischen Fanszene bereits Unwillen gegenüber Cathro. Das Ausscheiden aus der Gruppenphase im Ligapokal in der letzten Woche durch Niederlagen gegen Viertligist Peterhead und Zweitligist Dumfernline war dann der berühmte Tropfen im ebenso berühmten Fass: Cathro wurde 5 Tage vor Meisterschaftsbeginn entlassen. Das erste Meisterschaftsspiel (ein 1:4 bei Celtic) leitete ein Interimstrainer aus Cathros Stab.

Das macht eine Einschätzung der Saison für Hearts schwierig. Wahrscheinlich kommt nun wieder einer der üblichen Verdächtigen aus der Riege ehemaliger schottischer Spieler und Trainer zum Zuge. Paul Hartley, letzte Saison beim FC Dundee rausgeflogen, brachte sich schon selbst ins Gespräch…

Dabei sind die Voraussetzung für eine Saison in den Europapokal-Rängen eigentlich durchaus gut. Mit Christophe Berra kehrte ein schottischer Nationalspieler aus England in seine Heimatstadt Edinburgh zurück. Mittelstürmer Kyle Lafferty, nordirischer Nationalspieler und EM-Teilnehmer, wurde aus Norwich geholt um der lahmenden Torproduktion auf die Sprünge zu helfen. Weitere Transfers für die wackelige Defensive wurden getätigt, u.a. kehrte der junge Jordan McGhee von einer Leihe aus Wolverhampton zurück.

Das waren alles Transfers von Ian Cathro. Die Neubesetzung der Trainer-Position bringt natürlich eine gewisse Unsicherheit und man wird sich fragen, ob der Kader mit dem neuen Trainer Mister X. so funktioniert wie bei der Planung unter Cathro vorgesehen.

Trotzdem sollte Hearts stark genug sein, um sich mit Lokalrivale Hibernian (kommt als nächstes dran) um den vierten Platz zu duellieren.

  • Der Spitzname: Hearts, Jambos
  • Der Trainer: Muss noch gefunden werden…
  • Der Topmann: Kyle Lafferty, Mittelstürmer und »Enfant Terrible«…
  • Der Toptransfer: Christophe Berra.
  • Der Funfact: Die historische Klinkerfassade des Tynecastle Stadium (Bild oben), 1919 vom berühmten Stadionarchitekten Archibald Leitch errichtet, wurde abgerissen und wird aktuell durch einen Tribünenneubau mit mehr Kapazität ersetzt. Deshalb teilte Hearts schon früh mit, dass sie die ersten Wochen noch keine Heimspiele austragen können. Der Spielplan kam heraus, und was bekamen sie am 2. Spieltag zugeteilt? Genau, ein Heimspiel! Only in Scotland…
  • Die Prognose: Rang 4. Könnte aber auch Rang 5 werden.
Zurück zur Übersicht
Hibernian

Hibernians Easter Road Stadium im Oktober 2016

Nach einem zweijährigen Ausflug in die zweitklassige Championship ist Hearts großer Lokalrivale Hibernian zurück in der Premiership. Unter ex-Celtic-Trainer Neil Lennon gelang souverän der Wiederaufstieg. Damit hat die Premiership und die Hauptstadt Edinburgh ihr altehrwürdiges Derby zurück, das es in den letzten Jahren nur im Pokal gab und das erstaunlicherweise Zweitligist Hibernian jedesmal gewann.

Den Aufstieg erreichte Hibernian durch ein hervorragend funktionierendes Kollektiv ohne Starspieler auf dem Rasen. Mit Ausnahme von Mittelstürmer Jason Cummings, der die Tore schoss. Und sich nun dummerweise Richtung Norwich verabschiedet hat.

Somit steht Trainer Lennon vor der Aufgabe, seine Tormaschine ersetzen zu müssen. Simon Murray von Dundee United und Deivydas Matulevicius vom belgischen Erstligisten Royal Mouscron wurden dazu verpflichtet. Für die Abwehr wurde Efe Ambrose, letzte Saison schon von Celtic ausgeliehen, fest verpflichtet. Mit Ofir Marciano kommt ein routinierter Nationaltorhüter (Israel) für das Tor.

In der Defensive blieb das Personal der Vorsaison erhalten, sie ist das Prunkstück der Hibs. Das Problem könnte die Offensive werden, der »ruhige« Kollektivfußball Lennonscher Prägung könnte ohne Torjäger Cummings schnell in eine »Ergebniskrise« führen. Man spielt zwar ordentlich, aber gewinnt zu selten, weil man dazu Tore braucht.

Aber Neil Lennon weiß normalerweise, was er tut. Deshalb wird Hibernian eine gute Rolle spielen und sich mit dem Lokalrivalen um den europäischen Platz 4 kloppen.

  • Der Spitzname: Hibs
  • Der Trainer: Neil Lennon
  • Der Topmann: Efe Ambrose
  • Der Toptransfer: Ofir Marciano. Israelischer Nationaltorhüter.
  • Der Funfact: Mit »Sunshine on Leith« (Leith ist der Stadtteil Edinburghs in dem Hibernian zu Hause ist) haben die Hibs wahrscheinlich die großartigste Vereinshymne Schottlands…
  • Die Prognose: Rang 5. Könnte aber Rang 4 werden, es wird eng werden zwischen den beiden Klubs aus Edinburgh.
Zurück zur Übersicht
St. Johnstone FC

Das Stadion von St. Johnstone in Perth. »McDiarmid Park« von Markus Schroeder auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die altehrwürdigen Saints aus Perth (gibt es schon seit 132 Jahren) haben eine gute Saison gespielt. Leider sollte die Freude über den errungenen Europapokalplatz 4 nur von kurzer Dauer sein, sang- und klanglos schieden sie schon in der ersten Quali-Runde aus.

Trotzdem wird das Team von Tommy Wright auch in dieser Saison wieder um einen Top-6-Platz mitspielen. Wright ist ein unauffälligerer Vertreter der oft lauten Trainer-Zunft, er lässt lieber seine Mannschaft auf dem Rasen sprechen. Ähnlich wie Hibernian ist St. Johnstone eine Mannschaft ohne Stars, die als Kollektiv hervorragend arbeiteten. 50 Tore (die wenigsten der Top 5) reichten aus um 58 Punkte einzufahren, obwohl die Abwehr fast genauso viele (46) kassierte. Viele enge Spiele (1:0 und 2:1 waren ihre Lieblingsresultate) entschieden die Saints für sich. Selbst auswärts bei Celtic verloren sie zuletzt nur unglücklich 0:1.

Bis jetzt hat St. Johnstone nur wenige Ab- und Zugänge zu verzeichnen. Dummerweise mit Tam Scobbie einen der drei erfahrenen Abwehr-Haudegen. Und mit Danny Swanson eine der Stammkräfte aus dem Mittelfeld, auch noch zu Konkurrent Hibernian. Mit Stefan Scougall kam immerhin von Sheffield United ein vielversprechender Mann für das offensive Mittelfeld.

[Foto: »McDiarmid Park« auf flickr von Markus Schroeder, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Saints.
  • Der Trainer: Tommy Wright, einst Nationalkeeper von Nordirland.
  • Der Topmann: Steven Anderson, Kapitän und Abwehrchef.
  • Der Toptransfer: Stefan Scougall, Zehner von Sheffield United.
  • Der Funfact: Der Name »St. Johnstone« ist gar kein Ort, sondern wurde aus der bis ins 17. Jahrhundert üblichen Bezeichnung »St John's Town« für Perth gebildet.
  • Die Prognose: Rang 6. Tommy Wright wird es schon richten…
Zurück zur Übersicht

Das Mittelfeld

Partick Thistle

Firhill Stadion von Partick Thistle in Glasgow. Bild: »IMG_7987« von Stuart Crawford auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

In Glasgow gibt es, was Fußball angeht, nicht nur Celtic und Rangers (und Queen‘s Park), sondern auch den kleinen Klub Partick Thistle aus dem Stadtteil Maryhill (»Partick« heißen sie nur).

Die Jags waren die Überraschung der Saison, erstmals in ihrer 141-jährigen Vereinsgeschichte erreichten sie die Top-6 der ersten Liga. Trainer Alan Archibald lässt einen modernen »europäischen« Fußball spielen. Seine Jungs spielen meistens 4-2-3-1, wandeln dieses aber bei Bedarf in ein 3-5-2 um und stellen sich damit ziemlich gut auf das statischere »schottischere« Spiel ihrer Gegner ein. Bemerkenswert: Nur in einem einzigen Spiel (3:1-Auswärtssieg bei Ross County) schossen sie mehr als 2 Tore.

Bis auf Verteidiger Liam Lindsay blieb das erfolgreiche Team zusammen, dieser sollte durch Neuzugang Niall Keown aus Reading gut ersetzt werden. Somit gibt es keinen Grund, warum das »Fußball-Hipster-Lieblingsteam« (wg. des studentisch geprägten Publikum im Stadion) in der kommenden Saison nicht wieder eine gute Rolle spielen sollte.

[Foto: »IMG_7987« auf flickr von Stuart Crawford, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Jags
  • Der Trainer: Alan Archibald
  • Der Topmann: Kris Doolan. Mittelstürmer und zum x-ten Male bester Torjäger.
  • Der Toptransfer: Niall Keown. Innenverteidiger, der in seiner ganzen Karriere zwischen Partick und Reading hin- und her wechselt.
  • Der Funfact: Colin and Christine Weir gewannen 2011 161 Millionen Pfund in der EuroMillions-Lotterie. Colin ist ein lebenslanger Partick-Thistle-Fan, so dass er seine gewonnenen Millionen flugs in den Klub steckte und ihn schuldenfrei machte. Und u.a. eine moderne Jugendakademie aufbaute. Mittlerweile ist Colin zu Ehren sogar eine Tribüne in Particks Firhill Stadium nach ihm benannt.
  • Die Prognose: Rang 7, mit ein bisschen Glück vielleicht sogar wieder die Top-6!
Zurück zur Übersicht
Ross County

Das malerische Stadion von Ross County am Loch Ness. Bild: »Drochaid Chromba« von Màrtainn MacDhòmhnaill auf flickr, CC BY-NC 2.0

Nach dem Abstieg der Nachbarn aus Inverness ist Ross County aus Dingwall der letzte Klub aus den schottischen Highlands in der ersten Liga.

Nachdem es 15/16 Rang 6 und den Gewinn des Ligapokals zu feiern gab, endete die letzte Saison weniger spektakulär auf Rang 7. Dabei lebten die Staggies von 26 Toren (von 48 insgesamt), die Mittelstürmer Liam Boyce schoss. Der wechselte nun zu Burton Albion in die zweite englische Liga (und verletzte sich in einem Testspiel tragischerweise so schwer am Knie, dass er wahrscheinlich die ganze Saison ausfallen wird). Der Ersatz soll Billy McKay werden, der von Wigan Athletic kam.

Im Frühjahr hatte Ross County eine kleine Krise mit nur 1 Sieg aus 9 Spielen, und weil sie stets den selben »4-4-2-Stiefel« herunter spielen gab es Kritik an Trainer Jim McIntyre. Aber die Staggies werden auch diese Saison wieder im Mittelfeld landen. Wenn es mal eng wird in Richtung Tabellenende, öffnet Chairman »Uncle Roy« McGregor stets seine Schatulle und sorgt für Verstärkung der Mannschaft in der Wintertransferperiode.

[Foto: »Drochaid Chromba« auf flickr von Màrtainn MacDhòmhnaill, Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Staggies
  • Der Trainer: Jim McIntyre, schrieb 15/16 mit dem Ligapokalsieg und Rang 6 Vereinsgeschichte.
  • Der Topmann: Christopher Routis, französischer Defensiv-Chefstratege auf der Sechs.
  • Der Toptransfer: Billy McKay, Mittelstürmer. War bei seinen vorherigen Stationen in Schottland durchaus treffsicher.
  • Der Funfact: Der vor zwei Monaten verstorbene Tommy Ross erzielte für Ross County 1964 gegen Nairn County in 90 Sekunden den schnellsten Hattrick der Fußballgeschichte.
  • Die Prognose: Rang 8. Uncle Roy sei Dank.
Zurück zur Übersicht
Kilmarnock

Rugby Park, das Stadion von Kilmarnock. Bild: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« von Tom Hodgkinson auf Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Den 148 Jahre alten Traditionsverein aus East Ayrshire hatte ich im letzten Jahr zum heißen Abstiegskandidaten auserkoren. Aber Killie überraschte alle und hielt, trotz kleiner Krise und Trainerwechsel während der Saison, mit Rang 8 mit 6 Punkten Vorsprung die Klasse.

Neu-Trainer Lee McCulloch schaffte es, dem notorisch zu offensiv ausgerichteten Mittelfeld Defensivspiel beizubringen. Was den Nachteil hat, dass das Tore schießen ausschließlich an dem 34 Jahre alten Haudegen (und Zeitungskolumnisten der meistgelesensten Boulevardzeitung Schottlands) Kris Boyd hängt. Killie schoss letzte Saison mit 36 Toren die wenigsten aller Erstligisten.

Mit Lee Erwin wurde ein Stürmer von Leeds United geholt, der das abstellen soll. Dazu bekam Defensiv-Chef Gary Dicker Verstärkung durch den schottischen England-Legionär Kirk Broadfoot.

Kilmarnock spielt nicht gerade Spektakelfußball, aber scheint mit Lee McCulloch einen Trainer gefunden zu haben, der sie in sicheren Gefilden hält. Zumal von den Leistungsträgern keiner den Verein verließ. Ergo landen sie wieder auf einem unspektakulären Rang 9.

[Foto: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« auf Wikimedia Commons von Tom Hodgkinson, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Killie
  • Der Trainer: Lee McCulloch
  • Der Topmann: Gary Dicker. Der Mann der die Defensive zusammenhält.
  • Der Toptransfer: Kirk Broadfoot. Verstärkung aus England für die Abwehr.
  • Der Funfact: Kilmarnock ist neben dem Queen‘s Park FC der letzte »Überlebende« der acht Vereine, die 1867 den schottischen Fußballverband »Scottish FA« gründeten.
  • Die Prognose: Rang 9
Zurück zur Übersicht

Der Abstiegskampf

Dundee FC

Fassade von Den‘s Park, Stadion des FC Dundee, im August 2013

Es war verdammt knapp. Es hat nicht viel gefehlt, und der FC Dundee wäre seinem Lokalrivalen Dundee United in die Championship gefolgt. Langzeittrainer Paul Hartley musste gehen und wurde fünf Spieltage vor Schluss durch den TV-Pundit Neil McCann ersetzt, der zur allgemeinen Überraschung den Klassenerhalt schaffte. Danach hatte McCann eigentlich keine Lust mehr und kündigte am 29. Mai, nur um es sich am 1. Juni anders zu überlegen und einen neuen Vertrag zu unterschreiben…

Niemand weiß ob McCann wirklich ein Trainer ist, weshalb praktisch niemand den Blauen aus Dundee etwas zutraut. Mit dem Tunesier Sofien Moussa wurde ein für Dundees Verhältnisse exotischer Transfer aus der zweiten bulgarischen Liga realisiert. Celtics Scott Allen soll als Leihgabe endlich den Durchbruch schaffen. Mittelfeldmann Randy Wolters kam von den Go Ahead Eagles aus den Niederlanden.

Im Ligapokal schlug Moussa mit 5 Toren schon gut ein. Aber das Team wirkt ansonsten nicht sonderlich stärker, dazu kommt der seltsame Trainer. Es wird wieder eng, am Ende reicht es mit Rang 10 zum direkten Klassenerhalt…

  • Der Spitzname: The Dee
  • Der Trainer: Neil McCann
  • Der Topmann: Paul McGowan, der Chef im Mittelfeld.
  • Der Toptransfer: Scott Allan, talentierte (und mit 25 etwas stagnierende) Mittelfeld-Leihgabe von Celtic.
  • Der Funfact: 1893 gegründet, wäre der FC 1898 fast schon Pleite gegangen. Die Steigerung der Zuschauerzahlen durch den Umzug in den noch heute benutzten Den‘s Park, in unmittelbarer Nachbarschaft von Rivale United, rettete den Klub vor dem frühzeitigen Bankrott.
  • Die Prognose: Rang 10.
Zurück zur Übersicht
Motherwell

Die alte Klinkerfassade von Motherwells altehrwürdigem Stadion Fir Park. Bild: »Fir Park« von Paul Macrae auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die Steelmen aus Motherwell, aus dem alten Kohle- und Stahlrevier Lanarkshire, haben nicht die beste aller Saisons hinter sich. Gerade mal 3 Punkte trennten sie am Ende vom Relegationsplatz, Trainer Mark McGhee musste während der Saison nach einer 2:7-Klatsche in Aberdeen gehen. Am Ende hatte Motherwell die zweitschlechteste Abwehr der Liga.

Und es gibt nicht viel Hoffnung auf Besserung. Es herrscht zwar ein reges Kommen und Gehen im Kader, ohne dass Qualität dazu kam. Die Abwehr ist wackelig und das Mittelfeld überaltert. Einzig der Verbleib des treffsicheren Stürmers Louis Moult gibt Anlass zu Optimismus.

[Foto: »Fir Park« auf flickr von Paul Macrae, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Well, The Steelmen
  • Der Trainer: Steve Robinson, beerbte als Mark McGhees Assistent seinen Chef als Interimstrainer und bekam, als Dank für den knappen Klassenerhalt, einen Vertrag als Cheftrainer
  • Der Topmann: Louis Moult, Mittelstürmer und die Lebensversicherung der Steelmen.
  • Der Toptransfer: Cédric Kipré, 20-jähriger Verteidiger aus dem Fundus von Leicester City.
  • Der Funfact: Motherwells Stadion Fir Park ist das einzige (mir bekannte) Stadion mit einer überdimensionalen Aufforderung am Tribünendach das Rauchen bleiben zu lassen.
  • Die Prognose: Rang 11. Diesmal wird es knapp und die Relegation muss es richten…
Zurück zur Übersicht
Hamilton Accies

Stadion von Hamilton Accies. Bild: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« von Alasdair Middleton auf Wikimedia Commons, CC BY 2.0

In der Saison nach dem überraschenden Aufstieg 2014 unter Spielertrainer Alex Neil war Hamilton Academical mit seiner erfrischenden »unschottischen« Spielweise und einer jungen Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs das schottische Lieblingsteam der Fußball-Hipster. Leider wechselte Neil schon im Januar 2015 nach Norwich. Unter Nachfolger Martin Canning sind die Accies sehr »gewöhnlich« geworden und rutschten mit dem kleinsten Budget der Liga langsam aber sicher ans Tabellenende. Mit einem Pünktchen Vorsprung konnten sie sich auf Rang 11 in die Relegation retten und dort gegen Dundee United die Klasse halten.

Hamilton bleibt seiner Nachwuchsphilosophie treu und kauft praktisch keine »fertigen« Spieler ein. Nur einige wenige erfahrene Schlüsselspieler wie Mittelfeld-Babo Ali Crawford verstärken das junge Team. Crawford ist als Mittelfeldmann mit 10 Toren auch der erfolgreichste Torschütze der letzten Saison, was schon zeigt, wo die Probleme liegen.

Da alle anderen Teams ordentlich eingekauft haben, muss Hamilton mit dem »Prinzip Hoffnung« darauf bauen, dass einige der hochgeholten jungen Spieler gleich in der ersten Saison einschlagen. Aber es ist zu befürchten, dass das nicht reichen wird und es die sympathischen Accies in der kommenden Saison erwischen wird…

[Foto: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« auf Wikimedia Commons von Alasdair Middleton, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Accies
  • Der Trainer: Martin Canning
  • Der Topmann: Ali Crawford, Schlüsselspieler im Mittelfeld, mit seinen 26 Jahren neben Verteidiger Skondras der Leitwolf der Accies.
  • Der Toptransfer: Xavier Tomas, routinierte französischer Innenverteidiger vom FC Lausanne. Neben Torhüter Ryan Fulton bis jetzt auch der einzige Neuzugang…
  • Der Funfact: 1994 mussten die Accies ihr Stadion an eine Supermarktkette verkaufen, um nicht bankrott zu gehen. Und tingelten sieben Jahre lang über alle möglichen Plätze in der Region, bis 2001 ihr aktuelles Stadion New Douglas Park errichtet wurde.
  • Die Prognose: Rang 12. Und damit Abstieg in die Championship.
Zurück zur Übersicht

Weitere Saison-Ausblicke und -Prognosen

Schottische Liga im Fernsehen

Die Lage in Sachen »schottischer Fußball auf deutschen Bildschirmen« hat durch DAZN eine erfreuliche Wendung bekommen. DAZN hat die schottische Liga im Portfolio und zeigt regelmäßig Samstags- und Sonntagsmittags die Livespiele des Spieltags. Außerdem gibt es eine wöchentliches zwanzigminütiges Highlights-Magazin, mit dem einen hervorragenden Überblick über das Geschehen auf den schottischen Fußballfeldern erhält. So war es zumindest in der letzten Saison, wir gehen mal davon aus dass das so bleiben wird.

Ab und an werden zusätzlich sublizenzierte Matches auf Sport1+ übertragen. Am Eröffnungswochenende gab es gleich das Duell Celtic vs Hearts zu sehen.

Daneben unterhalten die großen Vereine noch eigene Pay-Video-Plattformen für die Spiele, die nicht im TV übertragen werden. Besonders Celtic tut sich da mit seinem Celtic TV hervor, hat allerdings auch »gesalzene« Preise…

Wie man sieht, dank der modernen Zeiten mit ihren vielen Diensten und Sendern wird man heutzutage gut versorgt mit schottischem Fußball. Es lebe die Fußball-Moderne!

Los geht‘s!

Nun freuen wir uns auf die neue Saison in Schottland. Höchstwahrscheinlich endet vieles anders als gedacht, denn, es gilt ja wie immer im Fußball: Ah dinnae ken! (Ich weiß es nicht.)