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der ballreiter

Blog de fútbol.

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»Strahov-Stadion.« Prag, 2005.

Permalink - Posted on 2017-08-16 16:45

»Game of the People« verbrachte »A morning in Strahov«. Das Strahov-Stadion in Prag war ein gewaltiges Stadion (es passen 9 Fußballfelder und 250.000 Zusehende hinein) für die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überaus beliebten Massenturnveranstaltungen Sokol und später der Spartakiade. Heute ist es in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand und beinhaltet diverse Trainings- und Spielfelder von Sparta Prag. Ich war 2005 im Strahov, lt. Artikel von Game of the People scheint sich in der Zwischenzeit nicht viel getan zu haben…

Fassade des Strahov-Stadion. Spielfeld. Spielfeld. Fassade des Strahov-Stadion. Spielfeld und Funktionsgebäude. Spielfeld und Tribüne.


Fast eine Pokal-Überraschung: KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V. – 11.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-13 11:20

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V.

Schade! In einem großartigen Pokalfight im regennassen Wildpark unterlag der KSC dem Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen mit 0:3 n.V. Und wurde damit unter Wert geschlagen…

Endlich mal wieder DFB-Pokal im Wildpark!

Dank des Abstiegs in die Dritte Liga kam der KSC nach drei Jahren endlich mal wieder in den Genuss eines Heimspiels im DFB-Pokal. Das letzte Mal war das 2014 beim Erstrunden-Aus gegen den VfL Wolfsburg (1:3) der Fall gewesen. In den Jahren dazwischen schied der KSC stets zuverlässig auswärts in Runde 1 oder 2 aus…

Immerhin 17.000 Zusehende wollten das Pokalspiel an einem regnerischen Freitagabend sehen. Das ist für aktuelle Karlsruher Fußballverhältnisse ein ordentlicher Besuch, der Verein hatte aber wohl, wenn man den nach der Auslosung entfachten Hype mit gestaffeltem Vorverkauf und Event-Trikot anschaut, mit mehr gerechnet…

Randaspekte: »Fußballmörder DFB«

»Fußballmörder DFB«

Kaum hatte man den Block betreten, war man mit Blick auf die Gegengerade gleich wieder peinlich berührt. »Fußballmörder DFB« las man dort auf einer großen Tapete. Und während des Spiels gab es die neuerdings üblichen »Scheiß DFB«-Wechselgesänge…

Der »Protest« der so genannten »organisierten Fans« in Deutschland gleitet zunehmend auf ein für erwachsene Menschen erstaunlich regressiv-infantiles Niveau hinab. Angenommen, dieser »Protest« soll eine über ein kindlich-trotziges »Manno, wir finden im Fußball aber alles doof!1!!11!!!Einself!!« hinausgehende Dialogaufforderung in Richtung DFB sein, so muss man kein Einstein sein um zu erkennen, dass sich dieser Stil diesbezüglich eher als kontraproduktiv herausstellen könnte…

Ein Treppenwitz ist dabei, dass die mitgereisten Leverkusener Fans in den »Scheiß DFB«-Wechselgesang einstimmten. Genau, die Fans jenes Werksklubs Bayer 04 Leverkusen, die nur dank des ihrem Verein und seiner Werksklub-Herkunft gegenüber äußerst zuvorkommenden DFB (und die DFL wollen wir da auch nicht vergessen) überhaupt als Teil des deutschen Profifußballs in ihrem Gästeblock standen. Deutsche »Fankultur« 2017, man hat immer was zu lachen…

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V.

Zurück zum Sport. Man muss kritisch anmerken, dass es im dritten Pflicht-Heimspiel der Saison 2017/18 zum dritten Mal regnete. Und bekanntlich stehen wir Fußball-Traditionalisten stets im unüberdachten Stehplatz-Block (was auch der Qualität der Fotos bei diesem Spiel nicht zuträglich war…). Da muss sich das Wetter einfach mal hinterfragen, so kann das jetzt nicht die ganze Saison weitergehen!

Immerhin: Nach den Bierpreis-Irritationen des letzten Heimspiels wurden alle Preise wieder auf das Niveau der Vorsaison zurückgefahren. Geht doch!

Stadionbier im Regen! Wir Traditionalisten… Gerade mal 17.000 Zusehende. Trotzdem Schlange am Einlass… War schon mal besseres Wetter im Wildpark…

Wie schon erwähnt, eine eher enttäuschende Kulisse von 17.000 Zusehenden wollte das freitägliche Pokalspiel sehen. Und trotz des nur halb gefüllten Stadions gab es lange Schlangen am Eingang, da viel zu wenige Eingangstore geöffnet waren. Da kann man fast froh sein, dass es nicht voller war…

Fußball wurde natürlich auch gespielt. KSC-Coach Mark-Patrick Meister nahm an der siegreichen Elf vom letzten Heimspiel nur eine Änderung vor. Für den (noch vom Reutlingen-Pokal-Desaster 2015) rotgesperrten Gordon rückte Martin Stoll in die Abwehr.

Bei den Gästen aus Leverkusen gab neu-Bender Sven sein Debut, während Bruder Lars verletzt fehlte. Ansonsten waren alle unter der Woche angeschlagen gemeldeten Akteure dann doch fit geworden…

Flutlicht und strömender Regen – das waren doch beste Voraussetzungen für einen großen Pokalfight!

Und nachdem Karim Bellarabi mit einer vergebenen Großchance in der 3. Minute bei der noch etwas »kalten« KSC-Abwehr für die notwendige Aufmerksamkeit sorgte, wurde es genau das. Die in den ersten Drittligapartien wackelige KSC-Defensive präsentierte sich gut, alle Akteure fighteten aufopferungsvoll gegen die immer wieder gefährlich vor das Tor kommenden Leverkusener Angriffe. Auch der von Spiel zu Spiel immer besser werdende neue Stammkeeper Benjamin Uphoff hielt stark.

Das große Manko des Karlsruher Spiels: Die Offensive. Zawada hatte schon in der 13. Minute eine große Chance, vergab diese aber. Wenn da der verletzt ausgefallene Stroh-Engel an seiner Stelle gewesen wäre…

Das war auch der einzige Torschuss von Zawada, Anton Fink wurde von der Leverkusener Abwehr offensiv völlig abgemeldet und hatte gar keinen Abschluss. Die Blau-Weißen starteten zwar ein ums andere Mal vielversprechende Angriffe über Lorenz und Muslija, deren Flanken fanden aber nie einen Abnehmer.

So war die Marschrichtung für den KSC schnell klar: Verteidigen was das Zeug hält, und offensiv auf einen Glücksschuss oder das Elfmeterschießen hoffen. Das klappte auch 90 Minuten lang recht gut, zumal die Wucht der Leverkusener Angriffe in der zweiten Hälfte deutlich abnahm und erst in der Schlussphase wieder gefährlich wurde. Mit etwas Glück brachten die Blau-Weißen das 0:0 über die 90 Minuten – Verlängerung!

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:0 nach 90 Minuten!

Verlängerungen sind aber nichts für uns in Karlsruhe. Das zeigte sich 2015 beim berüchtigten Relegationsspiel, es zeigte sich wieder. Das Heimpublikum hatte den Gedanken »jetzt noch 30 Minuten verteidigen dann hauen wir sie im Elferkicken raus« noch gar nicht zu Ende gedacht, da stand es schon 0:1. Einen Freistoß von Julian Brandt vollstreckte Kohr per Kopf in der 93. Minute. Nur 6 Minuten später traf der eingewechselte Pohjanpalo zum 0:2, ehe Baily in der 105. Minute mit dem 0:3 die Pokalschlacht für beendet erklärte. Aus Protest ließ es der Karlsruher Himmel für den Rest der Verlängerung mit an diesem Abend noch nicht erlebter Intensität auf den Wildpark hinab regnen…

Fazit: 90 Minuten eine große Pokalschlacht, als sich der Bundesligist in der Verlängerung zusammenriss, war sie aber schnell beendet. Wie das dann immer so ist, außer Komplimenten (Rudi Völler: »Das war ein hartes Stück Arbeit gegen einen unbequemen Gegner…«) nimmt man nix mit.

Trotzdem war es eine große kämpferische Leistung der Blau-Weißen. Mit der Einstellung braucht den Karlsruher Fußball-Freundinnen und -Freunden vor den nächsten Aufgaben in der Dritten Liga nicht bange sein…

KSC-Trainer Meister meinte in seiner blumigen Art (lt. abseits-ka):

»Das Spiel birgt heute für uns zwei große Schätze, zwei Erfolgsmomente, woran ich es messen will. Das erste ist das 0:0 nach 90 Minuten nicht ohne eine Chance zuzulassen sondern einfach, dass wir mit viel Leidenschaft und einem riesigen Engagement verteidigt haben. Und das zweite ist für mich, dass mit Ende des Spiels die Fans, die unüberdacht da standen nicht heim sind und der Mannschaft Respekt zollten und sie verabschiedet hat.«

Impressionen

Schal hoch zum Badner-Lied!

Gegengerade. Flutlicht und Regen. Ein gut gefüllter Gästeblock. Pokalschlacht im Regen.  Gästeblock. Der KSC sammelt sich vor Beginn der Verlängerung. Wohl nicht genug…

Der wahrscheinlich letzte Pokalabend im aktuellen Wildpark…


Scottish Premiership 2017/18: Die Saisonvorschau zum Meisterschaftsstart

Permalink - Posted on 2017-08-10 07:55

Scotland!

It‘s been dunky‘s since a last saw ye, Scottish Premiership! Umso besser, dass diese am letzten Wochenende in die neue Saison startete! Und es ist im relativ kurzen Leben dieses kleinen Fußballblogs schon eine Tradition (siehe 2015/16 und 2016/17):

Wenn in Schottland die Meisterschaft startet, gibt es hier die kleine Saisonvorschau dazu. Macht ja sonst keiner! Also werfen wir auch in diesem Jahr einen Blick auf die Vereine der Premiership und prognostizieren deren Abschneiden…

Modus: The Scottish Premiership

Zunächst die alljährliche Auffrischung bezüglich der Organisation der Liga. Die »Premiership«, wie die erste schottische Liga seit 2013 heißt, spielt 38 Spieltage mit 12 Vereinen, in einem etwas seltsamen Modus, den die vollständige Wikipedia erklärt und der 5 Spieltage vor Schluss zu einer Teilung in zwei Ligen à 6 Teams führt.

Der Tabellenerste nach 38 Spieltagen wird Schottischer Meister und »darf« alle Runden der Champions-League-Qualifikation durchspielen. Titelverteidiger ist der Celtic FC aus Glasgow.

Der Zweit-, Dritt- und Viertplazierte (in der Vorsaison der Aberdeen FC, die neuen Rangers und der FC St. Johnstone) dürfen bzw. durften die Europa-League-Quali spielen (Rangers und St. Johnstone haben sich bereits in der ersten Quali-Runde verabschiedet). Der Letzte steigt ab in die zweite Liga, die »Scottish Championship« (das war 2016/17 Inverness Caledonian Thistle). Und der Vorletzte muss eine Play-Off-Relegation gegen die Vereine auf den Rängen 2 bis 4 der Championship (die zweite Liga) spielen. Letzte Saison setzte sich dabei der Erstligist Hamilton Academical gegen unsere »heimlichen Lieblinge« von Dundee United durch.

Als Meister der Championship kehrte Hibernian aus Edinburgh in die Premiership zurück.

Die Scottish Premiership 2016/17

Karte der schottischen Erstligisten Nur in der deutschen Bundesliga ist die Frage nach dem kommenden Meister ähnlich leicht zu beantworten wie in Schottland. Natürlich wird der neue Meister auch der alte Meister sein, niemand (auch nicht die 2012 neugegründeten Rangers, wenn dt. Journaille so etwas schreibt ist das faktenferner Unfug, Aye, Right!) wird Brandon Rodgers Team das Wasser reichen können.

Das mag man beklagen oder auch nicht (hängt wohl von den individuellen Präferenzen des Betrachtenden ab), wer nach dem Motto »Glasgow‘s green and white« durch das Leben läuft, findet das eigentlich gar nicht so schlimm…

[Karte: Positionskarte von Schottland, Vereinigtes Königreich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 von Nordnordwest (Variante von Wikipedia) unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Licence, thanks!]

Vereine

Das sind die zwölf Klubs der Premiership 2017/18, in der mit einer geballten Ladung »ballreiter-Schottland-Fußball-Checkertum« prognostizierten Reihenfolge ihres Tabellenendstandes.

  1. Celtic
  2. Aberdeen
  3. The New Rangers
  4. Hearts
  5. Hibernian
  6. St. Johnstone
  7. Partick Thistle
  8. Ross County
  9. Kilmarnock
  10. Dundee FC
  11. Motherwell
  12. Hamilton Accies

(Ein Klick auf den Namen springt auf den Text zum Klub, von dem aus man mit dem »Zurück zur Übersicht«-Link wieder zu dieser Übersicht gelangt.)

Der Meister

Celtic

Celtic Park, Glasgow

Nach der letzten Saison hat Celtic den neuen Spitznamen »The Invicibles« bekommen. Im ersten Jahr unter Trainer Brandon Rodgers eroberte Celtic ungeschlagen das »Domestic Treble« aus Meisterschaft, Liga-Pokal und dem schottischen Pokal. Nur vier Teams konnten Celtic in der Saison 16/17 besiegen (Lincoln Red Imps, Hapoel Be’er Scheva (in der CL-Quali), der FC Barcelona und Borussia Mönchengladbach).

Mit Ausnahme von Flügelflitzer Patrick Roberts, dessen Leihe von Manchester City auslief, hat Celtic aktuell noch keinen namhaften Abgang zu beklagen. Ein Transfer von Topstürmer Moussa Dembélé geistert zwar immer wieder durch die einschlägigen Transfergerüchtekanäle, Trainer Rodgers wies jedes dieser Gerüchte bis jetzt ins Reich der Fabel.

Neuverpflichtungen gab es zwei: Von Vizemeister Aberdeen kam Flügelflitzer Jonny Hayes, der wohl Ersatz für Patrick Roberts werden soll. Und von ManCity kam mit Olivier Ntcham ein wuchtiger zentraler Mittelfeldspieler, der den langsam älter werdenden Kapitän und Mittelfeld-Babo Scott Brown entlasten soll.

In den »domestic« Wettbewerben ist die eigentlich spannende Frage, wann Celtic mal wieder ein Spiel verliert. Zwei ungeschlagene Saisons hintereinander sind extrem unwahrscheinlich. Noch zwei ungeschlagene Spiele in schottischen Wettbewerben und Celtic ist 50 mal ungeschlagen. Der absolute Rekord von 62 ungeschlagenen Spielen liegt ebenfalls bei Celtic, dem legendären Willie Malley (war 43 Jahre lang Celtic-Trainer, von 1897 bis 1940) gelang diese Serie von 1915 bis 1917.

Die eigentliche Herausforderung der Saison wird die Performance im Europapokal sein. Celtic möchte natürlich in die Champions-League-Gruppenphase und dann mal wieder europäisch überwintern. Was letztes Jahr im Duell mit Borussia denkbar knapp scheiterte.

  • Der Spitzname: Bhoys
  • Der Trainer: Brandon Rodgers.
  • Der Topmann: Moussa Dembélé. 32 Tore und 9 Vorlagen in der letzten Saison.
  • Der Toptransfer: Olivier Ntcham
  • Der Funfact: Die letzte Niederlage von Celtic in Schottland passierte am 12. Mai 2016 noch unter Rodgers Vorgänger Ronny Deila, ein 1:2 beim FC St. Johnstone.
  • Die Prognose: Meister! Und in den beiden Pokalen müssen sie schon einen verdammt schlechten Tag haben, um auszuscheiden…
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Die »Verfolger«

Die Spannung muss die Premiership (der Bundesliga nicht unähnlich) aus dem Kampf um die Positionen hinter dem designierten Meister beziehen.

Aberdeen

Fassade des Stadions des FC Aberdeen. »Pittodrie Stadium‘s granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain

Die Nummer 2 der Premiership, wie schon in den letzten drei Spielzeiten, wird auch in der kommenden Saison der FC Aberdeen sein.

Das Team von Derek McInnes muss sich zwar mit den Abgängen von Jonny Hayes (zu Celtic) und Niall McGinn (nach Süd-Korea zu Gwangju) von zwei Bestandteilen ihres 74-Tore-Sturms verabschieden, mit den Neuzugängen Greg Stewart (ausgeliehen von Birmingham) und dem ein wenig im Talentstatus hängengebliebenen Gary Mackay-Steven sollte das aber kompensiert werden können.

Leistungsträger wie Mittelfeldstratege Graeme Shinnie, Tormaschine Adam Rooney und Torhüter Joe Lewis bleiben den Dons ebenso erhalten wie Trainer Derek McInnes, der den Verlockungen »down South« widerstehen konnte…

Aberdeen hatte Celtic in der letzten Saison im Pokalendspiel am Rande einer Niederlage (den Pokal entschied Celtic erst in der Nachspielzeit für sich), vielleicht können die Dons näher heranrücken und sich auch mal einen silbernen Pott sichern. Für den Titel wird es wohl nicht reichen, dazu müsste Celtic schon eine Katastrophensaison spielen. Zumal das Ausscheiden aus der Europa-League-Quali gegen Apollon Limassol andeutete, dass auch für den FC Aberdeen die Bäume nicht in den Himmel wachsen…

[Foto: »Pittodrie Stadium's granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain von Discosebastian, thanks!]

  • Der Spitzname: Dons
  • Der Trainer: Derek McInnes. Übernahm die Dons 2013, etablierte Aberdeen mit den Abschlussrängen 3, 2, 2 und 2 sowie dem Gewinn des Liga-Pokals 2014 als zweite Macht im schottischen Fußball. Lehnte in der Sommerpause ein Angebot von Sunderland für die zweite englische Liga ab und verlängerte lieber seinen Vertrag…
  • Der Topmann: Adam Rooney, nicht verwandt mit Wayne, Mittelstürmer und seit Jahren der Torgarant der Dons.
  • Der Toptransfer: Gary Mackey-Steven
  • Der Funfact: Pittodrie, das Stadion der Dons, liegt direkt an der Nordseeküste. Was dem Verein seit Jahren ein Möwenproblem beschert, das jetzt auch noch zum Problem für das geplante neue Stadion werden kann
  • Die Prognose: Rang 2.
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New Rangers

Ibrox Park, das Stadion der Rangers. Bild: »ibrox gates« von Whitey1982, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ja, die New Rangers, sie sind schon ein spezieller Fall. Anlässlich ihres jämmerlichen Ausscheidens aus der Europa-League-Qualifikation gegen die Luxemburger Feierabendkicker von Progrès Niederkorn wurde das bereits ausführlich thematisiert. Nirgendwo in Schottland stehen die eigenen Ansprüche und das tatsächliche sportliche Leistungsvermögen in einem derartigen Missverhältnis wie rund um den Ibrox-Park.

Nur dort ist es denkbar, dass der Kapitän Lee Wallace in einem Zeitungsinterview das Triple als Saisonziel ausgibt. Nach einer Saison, die sein Team mit 39 Punkten Rückstand auf Celtic auf Rang 3 in der Abschlusstabelle enden sah…

Um den großen Worten Taten folgen zu lassen, wurde (für schottische Verhältnisse) groß eingekauft. Für 8 Millionen Pfund wurde Altstar Bruno Alves, Mittelfeldmann Ryan Jack aus Aberdeen und eine Armada von Spielern aus Südeuropa/Südamerika verpflichtet. Mit Fabio Cardoso ist immerhin auch ein 23-jähriges portugiesisches Abwehrtalent dabei, das die in der letzten Saison hölzern agierende überalterte Abwehr verjüngen soll.

Trainer Caixinha steht nach dem Europapokal-Desaster bereits unter Druck, sollte der Start in die Premiership misslingen könnte es gut sein, dass er schneller wieder weg ist, als seine Neuverpflichtungen brauchen, um sich einzuspielen.

Wenn das neue Team aber einigermaßen funktioniert, sollte Rang 3 wieder drin sein. Für mehr ist das Team zu »zusammengewürfelt« und es scheint, als würde Caixinha auch nicht in derselben »Trainerliga« wie Rodgers und McInnes agieren…

[Foto: »ibrox gates«, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 von Whitey1982, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International, thanks!]

  • Der Spitzname: Gers. Auf der grünen Seite Glasgows: »Sevco«
  • Der Trainer: Pedro Caixinha. Portugiesischer Trainer-Wandervogel, Rangers sind seine 11. Trainerstation in 14 Jahren. Hat die großmäulige Rangers-Attitüde erstaunlich schnell verinnerlicht…
  • Der Topmann: Kenny Miller. 37 Jahre alt, aber treffsicher wie eh und je.
  • Der Toptransfer: Bruno Alves, Europameister mit Portugal und vor einigen Jahren sehr erfolgreich mit dem FC Porto. Mittlerweile aber auch schon 35 Jahre alt…
  • Der Funfact: Stürmer Kenny Miller ist einer von nur 5 Spielern seit 1945, die sowohl für Rangers als auch für Celtic gespielt haben.
  • Die Prognose: Rang 3.
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Heart Of Midlothian

Die Haupttribüne des Tynecastle Stadium im Oktober 2016

Beim Vorsaisonfünften aus Edinburgh hat es schon vor der Saison ordentlich gerappelt. Der vor einigen Wochen hier im Blog vorgestellte junge Trainer Ian Cathro stellte sich dann doch nicht als »der schottische Nagelsmann« heraus. Am Ende der Saison gab es in der extrem kritischen Fanszene bereits Unwillen gegenüber Cathro. Das Ausscheiden aus der Gruppenphase im Ligapokal in der letzten Woche durch Niederlagen gegen Viertligist Peterhead und Zweitligist Dumfernline war dann der berühmte Tropfen im ebenso berühmten Fass: Cathro wurde 5 Tage vor Meisterschaftsbeginn entlassen. Das erste Meisterschaftsspiel (ein 1:4 bei Celtic) leitete ein Interimstrainer aus Cathros Stab.

Das macht eine Einschätzung der Saison für Hearts schwierig. Wahrscheinlich kommt nun wieder einer der üblichen Verdächtigen aus der Riege ehemaliger schottischer Spieler und Trainer zum Zuge. Paul Hartley, letzte Saison beim FC Dundee rausgeflogen, brachte sich schon selbst ins Gespräch…

Dabei sind die Voraussetzung für eine Saison in den Europapokal-Rängen eigentlich durchaus gut. Mit Christophe Berra kehrte ein schottischer Nationalspieler aus England in seine Heimatstadt Edinburgh zurück. Mittelstürmer Kyle Lafferty, nordirischer Nationalspieler und EM-Teilnehmer, wurde aus Norwich geholt um der lahmenden Torproduktion auf die Sprünge zu helfen. Weitere Transfers für die wackelige Defensive wurden getätigt, u.a. kehrte der junge Jordan McGhee von einer Leihe aus Wolverhampton zurück.

Das waren alles Transfers von Ian Cathro. Die Neubesetzung der Trainer-Position bringt natürlich eine gewisse Unsicherheit und man wird sich fragen, ob der Kader mit dem neuen Trainer Mister X. so funktioniert wie bei der Planung unter Cathro vorgesehen.

Trotzdem sollte Hearts stark genug sein, um sich mit Lokalrivale Hibernian (kommt als nächstes dran) um den vierten Platz zu duellieren.

  • Der Spitzname: Hearts, Jambos
  • Der Trainer: Muss noch gefunden werden…
  • Der Topmann: Kyle Lafferty, Mittelstürmer und »Enfant Terrible«…
  • Der Toptransfer: Christophe Berra.
  • Der Funfact: Die historische Klinkerfassade des Tynecastle Stadium (Bild oben), 1919 vom berühmten Stadionarchitekten Archibald Leitch errichtet, wurde abgerissen und wird aktuell durch einen Tribünenneubau mit mehr Kapazität ersetzt. Deshalb teilte Hearts schon früh mit, dass sie die ersten Wochen noch keine Heimspiele austragen können. Der Spielplan kam heraus, und was bekamen sie am 2. Spieltag zugeteilt? Genau, ein Heimspiel! Only in Scotland…
  • Die Prognose: Rang 4. Könnte aber auch Rang 5 werden.
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Hibernian

Hibernians Easter Road Stadium im Oktober 2016

Nach einem zweijährigen Ausflug in die zweitklassige Championship ist Hearts großer Lokalrivale Hibernian zurück in der Premiership. Unter ex-Celtic-Trainer Neil Lennon gelang souverän der Wiederaufstieg. Damit hat die Premiership und die Hauptstadt Edinburgh ihr altehrwürdiges Derby zurück, das es in den letzten Jahren nur im Pokal gab und das erstaunlicherweise Zweitligist Hibernian jedesmal gewann.

Den Aufstieg erreichte Hibernian durch ein hervorragend funktionierendes Kollektiv ohne Starspieler auf dem Rasen. Mit Ausnahme von Mittelstürmer Jason Cummings, der die Tore schoss. Und sich nun dummerweise Richtung Norwich verabschiedet hat.

Somit steht Trainer Lennon vor der Aufgabe, seine Tormaschine ersetzen zu müssen. Simon Murray von Dundee United und Deivydas Matulevicius vom belgischen Erstligisten Royal Mouscron wurden dazu verpflichtet. Für die Abwehr wurde Efe Ambrose, letzte Saison schon von Celtic ausgeliehen, fest verpflichtet. Mit Ofir Marciano kommt ein routinierter Nationaltorhüter (Israel) für das Tor.

In der Defensive blieb das Personal der Vorsaison erhalten, sie ist das Prunkstück der Hibs. Das Problem könnte die Offensive werden, der »ruhige« Kollektivfußball Lennonscher Prägung könnte ohne Torjäger Cummings schnell in eine »Ergebniskrise« führen. Man spielt zwar ordentlich, aber gewinnt zu selten, weil man dazu Tore braucht.

Aber Neil Lennon weiß normalerweise, was er tut. Deshalb wird Hibernian eine gute Rolle spielen und sich mit dem Lokalrivalen um den europäischen Platz 4 kloppen.

  • Der Spitzname: Hibs
  • Der Trainer: Neil Lennon
  • Der Topmann: Efe Ambrose
  • Der Toptransfer: Ofir Marciano. Israelischer Nationaltorhüter.
  • Der Funfact: Mit »Sunshine on Leith« (Leith ist der Stadtteil Edinburghs in dem Hibernian zu Hause ist) haben die Hibs wahrscheinlich die großartigste Vereinshymne Schottlands…
  • Die Prognose: Rang 5. Könnte aber Rang 4 werden, es wird eng werden zwischen den beiden Klubs aus Edinburgh.
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St. Johnstone FC

Das Stadion von St. Johnstone in Perth. »McDiarmid Park« von Markus Schroeder auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die altehrwürdigen Saints aus Perth (gibt es schon seit 132 Jahren) haben eine gute Saison gespielt. Leider sollte die Freude über den errungenen Europapokalplatz 4 nur von kurzer Dauer sein, sang- und klanglos schieden sie schon in der ersten Quali-Runde aus.

Trotzdem wird das Team von Tommy Wright auch in dieser Saison wieder um einen Top-6-Platz mitspielen. Wright ist ein unauffälligerer Vertreter der oft lauten Trainer-Zunft, er lässt lieber seine Mannschaft auf dem Rasen sprechen. Ähnlich wie Hibernian ist St. Johnstone eine Mannschaft ohne Stars, die als Kollektiv hervorragend arbeiteten. 50 Tore (die wenigsten der Top 5) reichten aus um 58 Punkte einzufahren, obwohl die Abwehr fast genauso viele (46) kassierte. Viele enge Spiele (1:0 und 2:1 waren ihre Lieblingsresultate) entschieden die Saints für sich. Selbst auswärts bei Celtic verloren sie zuletzt nur unglücklich 0:1.

Bis jetzt hat St. Johnstone nur wenige Ab- und Zugänge zu verzeichnen. Dummerweise mit Tam Scobbie einen der drei erfahrenen Abwehr-Haudegen. Und mit Danny Swanson eine der Stammkräfte aus dem Mittelfeld, auch noch zu Konkurrent Hibernian. Mit Stefan Scougall kam immerhin von Sheffield United ein vielversprechender Mann für das offensive Mittelfeld.

[Foto: »McDiarmid Park« auf flickr von Markus Schroeder, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Saints.
  • Der Trainer: Tommy Wright, einst Nationalkeeper von Nordirland.
  • Der Topmann: Steven Anderson, Kapitän und Abwehrchef.
  • Der Toptransfer: Stefan Scougall, Zehner von Sheffield United.
  • Der Funfact: Der Name »St. Johnstone« ist gar kein Ort, sondern wurde aus der bis ins 17. Jahrhundert üblichen Bezeichnung »St John's Town« für Perth gebildet.
  • Die Prognose: Rang 6. Tommy Wright wird es schon richten…
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Das Mittelfeld

Partick Thistle

Firhill Stadion von Partick Thistle in Glasgow. Bild: »IMG_7987« von Stuart Crawford auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

In Glasgow gibt es, was Fußball angeht, nicht nur Celtic und Rangers (und Queen‘s Park), sondern auch den kleinen Klub Partick Thistle aus dem Stadtteil Maryhill (»Partick« heißen sie nur).

Die Jags waren die Überraschung der Saison, erstmals in ihrer 141-jährigen Vereinsgeschichte erreichten sie die Top-6 der ersten Liga. Trainer Alan Archibald lässt einen modernen »europäischen« Fußball spielen. Seine Jungs spielen meistens 4-2-3-1, wandeln dieses aber bei Bedarf in ein 3-5-2 um und stellen sich damit ziemlich gut auf das statischere »schottischere« Spiel ihrer Gegner ein. Bemerkenswert: Nur in einem einzigen Spiel (3:1-Auswärtssieg bei Ross County) schossen sie mehr als 2 Tore.

Bis auf Verteidiger Liam Lindsay blieb das erfolgreiche Team zusammen, dieser sollte durch Neuzugang Niall Keown aus Reading gut ersetzt werden. Somit gibt es keinen Grund, warum das »Fußball-Hipster-Lieblingsteam« (wg. des studentisch geprägten Publikum im Stadion) in der kommenden Saison nicht wieder eine gute Rolle spielen sollte.

[Foto: »IMG_7987« auf flickr von Stuart Crawford, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Jags
  • Der Trainer: Alan Archibald
  • Der Topmann: Kris Doolan. Mittelstürmer und zum x-ten Male bester Torjäger.
  • Der Toptransfer: Niall Keown. Innenverteidiger, der in seiner ganzen Karriere zwischen Partick und Reading hin- und her wechselt.
  • Der Funfact: Colin and Christine Weir gewannen 2011 161 Millionen Pfund in der EuroMillions-Lotterie. Colin ist ein lebenslanger Partick-Thistle-Fan, so dass er seine gewonnenen Millionen flugs in den Klub steckte und ihn schuldenfrei machte. Und u.a. eine moderne Jugendakademie aufbaute. Mittlerweile ist Colin zu Ehren sogar eine Tribüne in Particks Firhill Stadium nach ihm benannt.
  • Die Prognose: Rang 7, mit ein bisschen Glück vielleicht sogar wieder die Top-6!
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Ross County

Das malerische Stadion von Ross County am Loch Ness. Bild: »Drochaid Chromba« von Màrtainn MacDhòmhnaill auf flickr, CC BY-NC 2.0

Nach dem Abstieg der Nachbarn aus Inverness ist Ross County aus Dingwall der letzte Klub aus den schottischen Highlands in der ersten Liga.

Nachdem es 15/16 Rang 6 und den Gewinn des Ligapokals zu feiern gab, endete die letzte Saison weniger spektakulär auf Rang 7. Dabei lebten die Staggies von 26 Toren (von 48 insgesamt), die Mittelstürmer Liam Boyce schoss. Der wechselte nun zu Burton Albion in die zweite englische Liga (und verletzte sich in einem Testspiel tragischerweise so schwer am Knie, dass er wahrscheinlich die ganze Saison ausfallen wird). Der Ersatz soll Billy McKay werden, der von Wigan Athletic kam.

Im Frühjahr hatte Ross County eine kleine Krise mit nur 1 Sieg aus 9 Spielen, und weil sie stets den selben »4-4-2-Stiefel« herunter spielen gab es Kritik an Trainer Jim McIntyre. Aber die Staggies werden auch diese Saison wieder im Mittelfeld landen. Wenn es mal eng wird in Richtung Tabellenende, öffnet Chairman »Uncle Roy« McGregor stets seine Schatulle und sorgt für Verstärkung der Mannschaft in der Wintertransferperiode.

[Foto: »Drochaid Chromba« auf flickr von Màrtainn MacDhòmhnaill, Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Staggies
  • Der Trainer: Jim McIntyre, schrieb 15/16 mit dem Ligapokalsieg und Rang 6 Vereinsgeschichte.
  • Der Topmann: Christopher Routis, französischer Defensiv-Chefstratege auf der Sechs.
  • Der Toptransfer: Billy McKay, Mittelstürmer. War bei seinen vorherigen Stationen in Schottland durchaus treffsicher.
  • Der Funfact: Der vor zwei Monaten verstorbene Tommy Ross erzielte für Ross County 1964 gegen Nairn County in 90 Sekunden den schnellsten Hattrick der Fußballgeschichte.
  • Die Prognose: Rang 8. Uncle Roy sei Dank.
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Kilmarnock

Rugby Park, das Stadion von Kilmarnock. Bild: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« von Tom Hodgkinson auf Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Den 148 Jahre alten Traditionsverein aus East Ayrshire hatte ich im letzten Jahr zum heißen Abstiegskandidaten auserkoren. Aber Killie überraschte alle und hielt, trotz kleiner Krise und Trainerwechsel während der Saison, mit Rang 8 mit 6 Punkten Vorsprung die Klasse.

Neu-Trainer Lee McCulloch schaffte es, dem notorisch zu offensiv ausgerichteten Mittelfeld Defensivspiel beizubringen. Was den Nachteil hat, dass das Tore schießen ausschließlich an dem 34 Jahre alten Haudegen (und Zeitungskolumnisten der meistgelesensten Boulevardzeitung Schottlands) Kris Boyd hängt. Killie schoss letzte Saison mit 36 Toren die wenigsten aller Erstligisten.

Mit Lee Erwin wurde ein Stürmer von Leeds United geholt, der das abstellen soll. Dazu bekam Defensiv-Chef Gary Dicker Verstärkung durch den schottischen England-Legionär Kirk Broadfoot.

Kilmarnock spielt nicht gerade Spektakelfußball, aber scheint mit Lee McCulloch einen Trainer gefunden zu haben, der sie in sicheren Gefilden hält. Zumal von den Leistungsträgern keiner den Verein verließ. Ergo landen sie wieder auf einem unspektakulären Rang 9.

[Foto: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« auf Wikimedia Commons von Tom Hodgkinson, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Killie
  • Der Trainer: Lee McCulloch
  • Der Topmann: Gary Dicker. Der Mann der die Defensive zusammenhält.
  • Der Toptransfer: Kirk Broadfoot. Verstärkung aus England für die Abwehr.
  • Der Funfact: Kilmarnock ist neben dem Queen‘s Park FC der letzte »Überlebende« der acht Vereine, die 1867 den schottischen Fußballverband »Scottish FA« gründeten.
  • Die Prognose: Rang 9
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Der Abstiegskampf

Dundee FC

Fassade von Den‘s Park, Stadion des FC Dundee, im August 2013

Es war verdammt knapp. Es hat nicht viel gefehlt, und der FC Dundee wäre seinem Lokalrivalen Dundee United in die Championship gefolgt. Langzeittrainer Paul Hartley musste gehen und wurde fünf Spieltage vor Schluss durch den TV-Pundit Neil McCann ersetzt, der zur allgemeinen Überraschung den Klassenerhalt schaffte. Danach hatte McCann eigentlich keine Lust mehr und kündigte am 29. Mai, nur um es sich am 1. Juni anders zu überlegen und einen neuen Vertrag zu unterschreiben…

Niemand weiß ob McCann wirklich ein Trainer ist, weshalb praktisch niemand den Blauen aus Dundee etwas zutraut. Mit dem Tunesier Sofien Moussa wurde ein für Dundees Verhältnisse exotischer Transfer aus der zweiten bulgarischen Liga realisiert. Celtics Scott Allen soll als Leihgabe endlich den Durchbruch schaffen. Mittelfeldmann Randy Wolters kam von den Go Ahead Eagles aus den Niederlanden.

Im Ligapokal schlug Moussa mit 5 Toren schon gut ein. Aber das Team wirkt ansonsten nicht sonderlich stärker, dazu kommt der seltsame Trainer. Es wird wieder eng, am Ende reicht es mit Rang 10 zum direkten Klassenerhalt…

  • Der Spitzname: The Dee
  • Der Trainer: Neil McCann
  • Der Topmann: Paul McGowan, der Chef im Mittelfeld.
  • Der Toptransfer: Scott Allan, talentierte (und mit 25 etwas stagnierende) Mittelfeld-Leihgabe von Celtic.
  • Der Funfact: 1893 gegründet, wäre der FC 1898 fast schon Pleite gegangen. Die Steigerung der Zuschauerzahlen durch den Umzug in den noch heute benutzten Den‘s Park, in unmittelbarer Nachbarschaft von Rivale United, rettete den Klub vor dem frühzeitigen Bankrott.
  • Die Prognose: Rang 10.
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Motherwell

Die alte Klinkerfassade von Motherwells altehrwürdigem Stadion Fir Park. Bild: »Fir Park« von Paul Macrae auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die Steelmen aus Motherwell, aus dem alten Kohle- und Stahlrevier Lanarkshire, haben nicht die beste aller Saisons hinter sich. Gerade mal 3 Punkte trennten sie am Ende vom Relegationsplatz, Trainer Mark McGhee musste während der Saison nach einer 2:7-Klatsche in Aberdeen gehen. Am Ende hatte Motherwell die zweitschlechteste Abwehr der Liga.

Und es gibt nicht viel Hoffnung auf Besserung. Es herrscht zwar ein reges Kommen und Gehen im Kader, ohne dass Qualität dazu kam. Die Abwehr ist wackelig und das Mittelfeld überaltert. Einzig der Verbleib des treffsicheren Stürmers Louis Moult gibt Anlass zu Optimismus.

[Foto: »Fir Park« auf flickr von Paul Macrae, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Well, The Steelmen
  • Der Trainer: Steve Robinson, beerbte als Mark McGhees Assistent seinen Chef als Interimstrainer und bekam, als Dank für den knappen Klassenerhalt, einen Vertrag als Cheftrainer
  • Der Topmann: Louis Moult, Mittelstürmer und die Lebensversicherung der Steelmen.
  • Der Toptransfer: Cédric Kipré, 20-jähriger Verteidiger aus dem Fundus von Leicester City.
  • Der Funfact: Motherwells Stadion Fir Park ist das einzige (mir bekannte) Stadion mit einer überdimensionalen Aufforderung am Tribünendach das Rauchen bleiben zu lassen.
  • Die Prognose: Rang 11. Diesmal wird es knapp und die Relegation muss es richten…
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Hamilton Accies

Stadion von Hamilton Accies. Bild: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« von Alasdair Middleton auf Wikimedia Commons, CC BY 2.0

In der Saison nach dem überraschenden Aufstieg 2014 unter Spielertrainer Alex Neil war Hamilton Academical mit seiner erfrischenden »unschottischen« Spielweise und einer jungen Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs das schottische Lieblingsteam der Fußball-Hipster. Leider wechselte Neil schon im Januar 2015 nach Norwich. Unter Nachfolger Martin Canning sind die Accies sehr »gewöhnlich« geworden und rutschten mit dem kleinsten Budget der Liga langsam aber sicher ans Tabellenende. Mit einem Pünktchen Vorsprung konnten sie sich auf Rang 11 in die Relegation retten und dort gegen Dundee United die Klasse halten.

Hamilton bleibt seiner Nachwuchsphilosophie treu und kauft praktisch keine »fertigen« Spieler ein. Nur einige wenige erfahrene Schlüsselspieler wie Mittelfeld-Babo Ali Crawford verstärken das junge Team. Crawford ist als Mittelfeldmann mit 10 Toren auch der erfolgreichste Torschütze der letzten Saison, was schon zeigt, wo die Probleme liegen.

Da alle anderen Teams ordentlich eingekauft haben, muss Hamilton mit dem »Prinzip Hoffnung« darauf bauen, dass einige der hochgeholten jungen Spieler gleich in der ersten Saison einschlagen. Aber es ist zu befürchten, dass das nicht reichen wird und es die sympathischen Accies in der kommenden Saison erwischen wird…

[Foto: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« auf Wikimedia Commons von Alasdair Middleton, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Accies
  • Der Trainer: Martin Canning
  • Der Topmann: Ali Crawford, Schlüsselspieler im Mittelfeld, mit seinen 26 Jahren neben Verteidiger Skondras der Leitwolf der Accies.
  • Der Toptransfer: Xavier Tomas, routinierte französischer Innenverteidiger vom FC Lausanne. Neben Torhüter Ryan Fulton bis jetzt auch der einzige Neuzugang…
  • Der Funfact: 1994 mussten die Accies ihr Stadion an eine Supermarktkette verkaufen, um nicht bankrott zu gehen. Und tingelten sieben Jahre lang über alle möglichen Plätze in der Region, bis 2001 ihr aktuelles Stadion New Douglas Park errichtet wurde.
  • Die Prognose: Rang 12. Und damit Abstieg in die Championship.
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Weitere Saison-Ausblicke und -Prognosen

Schottische Liga im Fernsehen

Die Lage in Sachen »schottischer Fußball auf deutschen Bildschirmen« hat durch DAZN eine erfreuliche Wendung bekommen. DAZN hat die schottische Liga im Portfolio und zeigt regelmäßig Samstags- und Sonntagsmittags die Livespiele des Spieltags. Außerdem gibt es eine wöchentliches zwanzigminütiges Highlights-Magazin, mit dem einen hervorragenden Überblick über das Geschehen auf den schottischen Fußballfeldern erhält. So war es zumindest in der letzten Saison, wir gehen mal davon aus dass das so bleiben wird.

Ab und an werden zusätzlich sublizenzierte Matches auf Sport1+ übertragen. Am Eröffnungswochenende gab es gleich das Duell Celtic vs Hearts zu sehen.

Daneben unterhalten die großen Vereine noch eigene Pay-Video-Plattformen für die Spiele, die nicht im TV übertragen werden. Besonders Celtic tut sich da mit seinem Celtic TV hervor, hat allerdings auch »gesalzene« Preise…

Wie man sieht, dank der modernen Zeiten mit ihren vielen Diensten und Sendern wird man heutzutage gut versorgt mit schottischem Fußball. Es lebe die Fußball-Moderne!

Los geht‘s!

Nun freuen wir uns auf die neue Saison in Schottland. Höchstwahrscheinlich endet vieles anders als gedacht, denn, es gilt ja wie immer im Fußball: Ah dinnae ken! (Ich weiß es nicht.)


Badenpokal-Schlacht: FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2 – 6.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-09 20:40

FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2

Der »unterklassige« Fußball ab der Regionalliga wird in diesen Zeiten des wg. »Transferwahnsinn« und Co. grassierenden Fußbalkulturpessimismus gerne als Refugium des »Schönen, Wahren, Guten, Authentischen« im Fußball benutzt. Kein Kommentarthread zum Thema ohne »ich habe genug, ich gehe nur noch zum Amateurverein nebenan«. Nun, in der Realität werden die Sportplätze der Region nicht voller…

Stammleserinnen und -leser dieses kleinen Fußballblogs wissen, dass hier Spiele in Oberliga oder Verbandsliga durchaus auch ohne fußballkulturpessimistischen Überbau goutiert werden. So auch am letzten Sonntag ein Knaller im badischen Verbandspokal zwischen den beiden Karlsruher Teams FC Fortuna Kirchfeld (Landesliga) und dem FC Español (Verbandsliga-Aufsteiger aus der Landesliga). In einer echten Pokalschlacht setzten sich die »Spanier« vom FC Español mit 2:0 beim ehemaligen Ligarivalen durch…

Badenpokal

Der Badenpokal, amtlich »bfv-Rothaus-Pokal«, ist der Verbandspokal des Badischen Fußballverbandes. Dieser ist für 613 Vereine in Nordbaden zuständig, spielberechtigt sind Vereine ab der Dritten Liga abwärts. D.h., auch der Karlsruher SC (Dritte Liga) und Waldhof Mannheim sowie Astoria Walldorf (Regionalliga Südwest) als »ranghöchste« Vereine des Verbandsgebiets nehmen ab der 3. Runde teil. Diese ist auch die erste Runde im gesamten Verbandsgebiet, die beiden ersten Runden werden in regionalen Gruppen ausgetragen.

In eben jener 3. Runde waren neben dem KSC (spielt am 22.8. gegen den SV Rohrbach/Sinsheim) noch Germania Friedrichstal, die SpVgg Durlach-Aue, FV Weingarten und eben FV Fortuna Kirchfeld und der FC Español aus Karlsruhe Stadt und Land noch im Wettbewerb. Da lag es nah, sich an einem sonnigen Sonntag das Derby anzuschauen. Zumal wir ja auch noch »hispanophil« sind…

FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2

Das Duell bezog seine Brisanz aus der Tatsache, dass Fortuna Kirchfeld und der FC Español letzte Saison noch gemeinsam an der Tabellenspitze der Landesliga gegeneinander kämpften. Wobei die Fortuna zweimal als Sieger vom Feld ging. Die »Spanier« stiegen aber trotzdem als Meister in die Verbandsliga auf, die Fortuna endete auf Rang 5.

Schätzungsweise 200 bis 300 Zusehende fanden sich bei warmen Sommerwetter im 2008 neu erbauten »Sportpark FV Fortuna Kirchfeld« im Karlsruher Nordwesten ein.

Los geht‘s! Los geht‘s!

Das Spiel entwickelte sich in der ersten Halbzeit zu einer verbissenen Pokalschlacht ohne große Torszenen. Es wurde eine »gesunde Härte« an den Tag gelegt. Insbesondere die Akteure der Fortuna (auf den Fotos in grünen Trikots) fielen dabei nach jedem härteren Foul durch ein übertrieben theatralisches Wälzen auf dem Rasen auf. Sollte das schlechte Vorbild mancher Profi-Fußballer im Fernsehen schon seine Auswirkungen auf den Badenpokal zeitigen?

Spieler von Fortuna Kirchfeld hat Schmerzen! Spieler von Fortuna Kirchfeld hat Schmerzen!

Auch neben dem Rasen ging es schwungvoll zu, ein Spieler von Fortuna meinte zu Español-Trainer Sirus Motekallemi nach einer Meinungsverschiedenheit wg. »Ball ins Aus spielen«, dass man das doch nach dem Spiel draußen klären könnte. Motekallemi seinerseits fiel durch permanenten Redebedarf mit den Unparteiischen auf. Alles wie bei den »Großen«…

Als alle schon mit einem 0:0 zur Pause rechnete, marschierte Jose Carlo Tijeras Martinez in der 45+2. Minute durch die Kirchfelder Abwehr und vollendete mit einem Schlenzer zur 1:0-Führung. Die Fortunen waren da wohl schon auf den berühmten »Pausentee« eingestellt…

Nach der Pause wurde die Partie noch verbissener, der Schiri hatte alle Hände voll zu tun um die giftigen Duelle nicht ausufern zu lassen. Den diesbezüglichen Höhepunkt gab es in der 64. Minute, als Fortunas Kevin Clussman seinen Gegner erst von hinten umhaute und sich dann zu ihm runterbeugte, um ihm noch etwas zu sagen. Dummerweise stand der Schiedsrichter daneben – Rote Karte!

Die Überzahl dauerte aber nur 6 Minuten, weil Españols Michael Stoltz seinen Gegner im Mittelfeld foulte. Der rollte sich einmal mehr theatralisch auf dem Boden, der Schiri zog Gelb-Rot…

Danach wurde es ruhiger, Español konzentrierte sich auf‘s Fußballspielen und sorgte mit dem 2:0 in der 79. Minute durch Pedro Henrique Guedes da Silva für die Entscheidung.

Fazit: Für 4 Euro Eintritt (und ein Bier für 2,50) ein intensiver und über weite Strecken spannender Pokalfight bei warmen Sommerwetter. Kompliment an beide Teams, die wirklich »alles rausgehauen« hatten. Sieger Español muss nun im Achtelfinale beim Sieger der Drittrundenpartie TSV Neckarbischofsheim - SG HD-Kirchheim antreten.

Impressionen

FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2

Schöner Sportplatz – gutes Wetter! Alles bereit! Die Helden marschieren ein. Heute nicht!

Zuschauen im Sonnenschein gibt den einen oder anderen roten Kopf…

Action im Sonnenschein. Oben am Fenster sitzt der Stadionsprecher. Action! Ecke!

Action vor dem Tor.

Trainerbänke und Auswärtssupport. Torjubel beim FC Español. Action. Nach dem Spiel.

Eckfahne!


Die Wende? KSC vs SV Wehen Wiesbaden 2:1 – 5.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-09 15:15

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden 2:1

Na also, geht doch! Der KSC fährt am 4. Spieltag den ersten Sieg in der Dritten Liga ein. Der bisherige Tabellenführer SV Wehen Wiesbaden wurde mit einer überzeugenden Leistung 2:1 besiegt und schon sieht die Lage viel freundlicher aus!

Offizielles Sommereuphorieende

Die englische Woche vor dem samstäglichen Spiel war aus Karlsruher Perspektive durchaus ernüchternd gewesen. Nach der Pleite in Haching gab es auf einem Bremer Sportplatz in einem für die Dritte Liga unwürdigem Ambiente gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen ein 0:2 (Video auf Youtube). (Ich bin übrigens gegen zweite Mannschaften in der Dritten Liga.)

Danach brach an den einschlägigen Orten des Karlsruher Fußballdiskurs schon wieder eine Trainerdiskussion los…

Dass es mit der Geduld aktuell rund um den KSC nicht zum besten bestellt ist, ist im Grunde verständlich. Vor dem Spiel gegen Wehen hatte das »Superteam aus Baden« aus den letzten 39 Spielen 5 Siege, 12 Unentschieden und 22 Niederlagen geholt, bei einer Bilanz von 32:66 Toren. Und dabei 27 von 117 möglichen Punkten geholt. Von den 35 Heimspielen seit dem Relegationsspiel im Sommer 2015 wurden lediglich 10 gewonnen…

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden 2:1

Es war also höchste Zeit, mit einem Dreier für die Verbesserung der allgemeinen Stimmung zu sorgen! Das Heimspiel gegen den Tabellenführer war genau die richtige Gelegenheit dazu.

Der SV Wehen (das »Wiesbaden« ist nur Marketing, das ist ein Dorfklub aus dem Stadtteil Wehen in Taunusstein, der nach dem Zweitligaaufstieg 2007 nach Wiesbaden in ein Stahlrohrstadion importiert wurde) startete grandios in die Saison: Drei Spiele, drei Siege, 6:0 Tore.

Nur 9.646 Zusehende wollten das »Fußballfest im Stadion« sehen. Das ist der harte Kern, der immer kommt, mag das Gekicke noch so trist sein. Auch der Gästeblock war trotz der nur knapp 150 Autobahnkilometer zwischen Wiesbaden und Karlsruhe nur spärlich gefüllt. Wiesbaden ist keine Fußballstadt…

Skandalös: KSC/Caterer nutzten die Umstellung auf Pfandbecher für eine versteckte Bierpreiserhöhung, was zum süffisanten Banner »Bei überteuerten Bierpreisen werden wir zum Sicherheitsrisiko« auf der Gegengerade (s. Bild) führte…

Der Andrang hielt sich in Grenzen… War schon mal voller im Wildpark… »Bei überteuerten Bierpreisen werden wir zum Sicherheitsrisiko« Der kümmerlich gefüllte Gästeblock…

Wie schon beim Auftaktmatch gegen Osnabrück fing es, passend zur eher tristen Gesamtstimmung, pünktlich zum Spiel wieder an zu regnen…

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden, Anstoß im Regen

Was es dann auf dem Rasen zu sehen gab, vertrieb die dunklen Wolken aber schnell. Der KSC zeigte von Beginn an, wer Herr im Hause ist, zog ein ordentliches Offensivspiel auf und kam zu guten Chancen. Die schon unter der Woche vorgenommene Umstellung auf nur einen zentralen defensiven Mittelfeldspieler und die Hereinnahme von Wanitzek und Muslija tat dem Spiel der Blau-Weißen sichtlich gut. Zum ersten Mal in der Saison sah man das Offensivspiel, das sich Trainer Meister wohl vorgestellt hatte. Druckvoll im Mittelfeld, gefährlich über die Flügel, es fehlten eigentlich nur die Tore.

Dem Spiel des SV Wehen Wiesbaden war dagegen nicht anzusehen, dass diese Mannschaft der Tabellenführer war. Umso bitterer, dass der SVWW nach einem leichtfertigen Ballverlust von Gordon in der 44. Minute (der berühmte »psychologisch ungünstige Zeitpunkt«) die Führung von der erneut etwas wackeligen KSC-Defensive geschenkt bekam. Alf Mintzel bedankte sich und vollstreckte…

Mit 0:1 ging es in die Pause, bei den Bierstandgesprächen spekulierte man, ob dieser Nackenschlag vor der Pause dem guten Spiel des KSC wohl den Garaus gemacht hatte…

Nach der Pause waren die Blau-Weißen noch ein wenig geschockt, der SV Wehen hatte seine beste Phase im Spiel und kam nun häufiger vor das von Uphoff gut gehütete KSC-Tor. Doch der KSC rappelte sich auf und griff wieder unverdrossen an, der sehenswerte Ausgleich durch Anton Fink nach einer tollen Flanke von Marc Lorenz in der 56. Minute war die Belohnung.

Der KSC wollte den Sieg, blieb dran, musste aber bis zur 83. Minute auf die Belohnung in Form des Siegtreffers warten. Erneut flankte Marc Lorenz, Kapitän Kai Bülow köpfte zum 2:1-Siegtreffer ein! Der Wildpark versank im Jubel, der Regen hatte sich verzogen und die Sonne schien wieder vom badischen Himmel hinab. Endlich der erste Dreier, endlich mal wieder was zu jubeln im Wildpark (der letzte Grund zu jubeln war nun ja auch schon 5 Monate her)…

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden 2:1, Sieg im Sonnenschein!

Jubel! Auch Willi durfte jubeln!

Fazit: Eine überzeugende Offensivleistung, das Team deutete endlich an, was eigentlich in ihm steckt. Es gab spielstarke Außen mit Muslija und Lorenz zu sehen, ebenso erneut ein gutes Spiel des treffsicheren Fink als hängende Spitze. An der noch immer etwas wackeligen Defensive muss noch ein wenig gearbeitet werden. Gelingt das, können die Karlsruher Fußballfreundinnen und -freunde beruhigt auf die kommenden Aufgaben in der Dritten Liga warten…

Die Lage

Als Nächstes steht der Pokal auf dem Programm. Am Freitag kommt Bundesligist Bayer Leverkusen in den Wildpark. Vielleicht gelingt eine ähnliche Erstrundenüberraschung wie in der letzten Karlsruher Drittligaspielzeit, als 2012 in der ersten Runde der Bundesligist HSV mit 4:2 nach Hause geschickt wurde

In der Dritten Liga wartet am 18.8. ein Freitag-Auswärtsspiel bei Fortuna Köln.

Impressionen

Ein teures Stadionbier… Wildpark wie er leibt und lebt… Gegengerade Die Sonne ließ sich blicken! Blau-Weißer Himmel Blau-Weißer Himmel Endlich wurde wieder für das Bierometer gesorgt! Willi hatte Besuch vom melancholischen Pferdinand (Maskottchen der Galopprennbahn Iffezheim) Drei Punkte – Fahne schwenken! Applaus für die Sieger!


Pleite in Haching: Ruhe bewahren, Karlsruhe!

Permalink - Posted on 2017-07-30 11:45

»Tribüne« von Casey Hugelfink auf flickr, CC BY-SA 2.0

Das war jetzt nicht gerade ein Traumstart! Nach dem 2. Spieltag der Dritten Liga hat der KSC nur einen kümmerlichen so gerade noch erkämpften Punkt auf der Habenseite. Beim Auswärtsspiel am zweiten Spieltag in Unterhaching gab eine 2:3-Niederlage nach einer Defensivleistung, die an das Katastrophengekicke der letzten Saison erinnerte. Die Aufbruchstimmung aus der Vorbereitung ist schon wieder weg, in Social Media und den einschlägigen KSC-Diskussionsorten im Internet wird schon wieder der Trainer in Frage gestellt. Und in der Tat, an einen »Aufstiegsfavoriten KSC« erinnerte in den ersten beiden Spielen nicht viel!

[Foto: »Tribüne« auf flickr, CC BY-SA 2.0 von Casey Hugelfink, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic Licence, thanks!]

SpVgg Unterhaching vs KSC 3:2

Trainer Marc-Patrick Meister hatte bei der Niederlage in Unterhaching ein weiteres Mal die Braunschweig-Elf auf den Rasen gebracht. Nach dem Spiel sollte es aber vorerst das letzte Mal sein. Die Abwehr funktioniert in dieser Zusammensetzung überhaupt nicht. Torhüter Uphoff wirkt auch in seinem dritten Spiel als Stammkraft leicht unsicher. Die Innenverteidigung Stoll und Pisot sah gegen die wuseligen Unterhachinger Offensivkräfte ein ums anderes Mal noch älter aus, als sie ist. Außenverteidiger Bader öffnete seine Seite in einer bemerkenswert lustlos wirkenden Vorstellung regelmäßig für die Unterhachinger Flügelläufe. Das zentrale Mittelfeld mit Bülow und Hofmann ist für eine Mannschaft, die in dieser Dritten Liga nun einmal als Favorit auftreten muss (weil die Gegner den KSC als Favorit sehen und entsprechend abwartend-defensiv auftreten) zu defensiv und spielerisch zu limitiert. Das Offensivspiel hängt in dieser Formation praktisch nur an Fink und (mit Abstrichen, er tauchte in Haching auch gerne mal für ein paar Minuten unter) Camoglu. Weswegen die Spitze DSE in der Luft hing und kaum Bälle zu sehen bekam. Mit Schleusener im Sturm ging es spielerisch gleich besser, nur fehlt ihm (wie man an den zwei vergebenen Großchancen sehen konnte) die Abschlussqualität eines Stroh-Engel…

Somit haben wir nun früh in der Saison schon eine Art »Woche der Wahrheit«. Am Mittwoch spielt der KSC erneut auswärts bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen, und am Samstag gastiert der zum Saisonstart enorm stark aufspielende SV Wehen Wiesbaden (Tabellenführer mit 6 Punkten und 5:0 Toren aus 2 Spielen!) im Wildpark. Nach diesen beiden Spielen sollte eine Verbesserung zu sehen sein, sonst wird es schon früh in der Saison unruhig in Karlsruhe…

Ruhe bewahren, Karlsruhe!

Nichtsdestotrotz sollte man zunächst einmal Ruhe bewahren. Wie schon letzte Woche geschrieben, wir haben es mit einer komplett neu formierten Mannschaft zu tun. Trainer Meister kann auf keinerlei Erfahrungen aus der letzten Saison zurückgreifen, sondern muss die Mannschaft »aus dem Stand« in wenigen Wochen neu aufstellen. Und das gegen deutlich eingespieltere Gegner. Von daher sollte man etwas Geduld haben und Meister 10 Spiele geben, bevor man seine Arbeit bewertet. Was bei Ausbleiben von kurzfristiger Punkteausbeute aber ein frommer Wunsch bleiben wird…


10 Jahre Dritte Liga.

Permalink - Posted on 2017-07-26 08:30

Am 25.7.2006 wurde das erste Spiel der eingleisigen Dritten Liga angepfiffen. Im Fußball-Kalenderblatt von 120minuten schaut @slaukopp zurück auf die erfolgreichen ersten 10 Jahre der Dritten Liga: »25.07. – Zehn Jahre Dritte Fußball-Liga«. Erstaunlich ist, dass in 10 Jahren schon dreimal (RB Leipzig, Würzburger Kickers und Jahn Regensburg) ein »Durchmarsch« in die 2. Bundesliga gelang…


Wo die blauen Blitze zucken: KSC vs VfL Osnabrück 2:2 – 21.7.2017

Permalink - Posted on 2017-07-23 10:45

KSC vs VfL Osnabrück 2:2

Genau 83 Tage nach dem Klarmachen des Abstiegs in die Dritte Liga durch eine 1:3-Heimniederlage gegen Kaiserslautern gab der KSC sein Comeback in eben jener Dritten Liga. Immerhin wollten trotz Konkurrenz durch »das Fest« (ein populäres Musik- und Kleinkunst-Open-Air-Festival in Karlsruhe) 14.800 Zusehende das Eröffnungsspiel der Drittligasaison gegen den VfL Osnabrück sehen. Und bekamen ein spannendes Auftaktmatch geboten, das der KSC nach einem 0:2-Pausenrückstand immerhin noch zu einem 2:2 ausgleichen konnte…

Gegen Ende der desaströsen letzten Abstiegssaison hörte man im Stammblock vielfach ein »ich geh nächste Saison nimma raus, das Gekicke kann ja keiner angucken«. Aber, Überraschung, zum Saisonauftakt sah man im Block wie immer die üblichen Gesichter. Der komplette Umbruch mit den Neuerwerbungen im Kader haben den »harten Kern« (der eigentlich immer kommt) über den Sommer wieder besänftigt. So wurden trotz Abstieg und Dritte Liga fast 6.000 Dauerkarten verkauft, das ist für Karlsruher Verhältnisse schon eine ordentliche Menge.

Der Aufstiegs-Favorit

Das komplett neuformierte Team machte in den letzten Testspielen einen guten Eindruck, was auch den Trainern der 19 Konkurrenzteams nicht entgangen ist, die den KSC in einer Vorsaison-Umfrage von Liga3-Online mit 17 Nennungen vor Würzburg (14) und Magdeburg (10) auf den Favoritenthron hoben.

Auch beim KSC ist das Ziel klar formuliert, Trainer Marc-Patrick Meister sagte im Interview auf Liga3-Online:

»Wir wollen bestenfalls nur ein Jahr in der 3. Liga spielen. Das ist das Ziel des Vereins und darauf war auch die Kaderplanung bereits ausgerichtet. Um das zu schaffen, ist aber harte Arbeit notwendig.«

Mit dem neuen Stadion am Horizont sollte der KSC auch schleunigst wieder in den DFL-Fußball mit seinen üppigen TV-Geldern zurückkehren, nicht nur Christoph Ruf unkt in baden online und der SZ über die ökonomischen Zwänge und die ungesunde Abhängigkeit des Vereins von der Geldbörse des Vize-Präsidenten…

KSC vs VfL Osnabrück

Der Vorberichte und Prognosen sind nun aber genug abgelassen worden, es wurde höchste Zeit, dass wieder der Ball rollt! Das Karlsruher Wetter wollte dem Drittligaauftakt eine besondere Note geben. Die ganze Woche war Karlsruhe von einer heißen Sommersonne gebraten worden, kurz vor dem Auftakt entschied sich das Wetter, erst einmal einen mörderischen Regenguss abzulassen und rund um das Stadion Gewitter aufziehen zu lassen…

Der Regen begoss eine skurrile Szenerie am Haupteingang, denn an den Stadionkassen waren lange Schlangen zu bewundern. Und warum, bei einem letztendlich gerade mal halb gefüllten Wildpark?Weil jede(!) am Spieltag verkaufte Eintrittskarte über ein umständlich zu bedienendes zentralisiertes Computersystem »live« auf einem langsamen und anfälligen Drucker erstellt wird. Das führte schon beim Testspiel gegen Braunschweig bei nur knapp 1.500 Zusehenden zu Schlangen und Wartezeiten an den Kassen. Bei der Pflichtspielpremiere sollen dann auch noch diverse Kartendrucker ausgefallen sein, so dass Interessenten bis zu einer Stunde an der Kasse anstanden und den Anpfiff verpassten. Und dafür darf man dann auch noch 2 Euro Zuschlag zahlen. Es gibt halt immer wieder neue erstaunliche Sachen beim KSC zu bewundern, als würde man es drauf anlegen, etwaige Zuschauer möglichst effektiv abzuschrecken…

Vor dem Spiel gab es zur Begrüßung der Saison eine üppige Choreografie der Gegengerade zu sehen, die ein »Unsterblicher Karlsruher SC, Du bist alles und bleibst für immer« in die Welt hinaus verkündete. Und eine offizielle Eröffnungszeremonie der Drittligasaison durch den DFB, die eher an ein Turnfest erinnerte…

»Unsterblicher Karlsruher SC« Etwas seltsame Eröffnungszeremonie der Dritten Liga… Die Gegengerade Der Gästeblock

Die Gegengerade und der Gästeblock (Osnabrück liegt ja nicht gerade um die Ecke, und das an einem Freitag abend) waren gut gefüllt und erwartungsfroh. Es konnte nach dem glücklichen Überstehen der Eröffnungszeremonie endlich losgehen.

KSC-Trainer Mark-Patrick Meister schickte die Startelf aus der gelungenen Generalprobe gegen Braunschweig auf den Rasen. Gegner Osnabrück ging mit der Empfehlung von vier Testspielpleiten bei 1:9 Toren ins erste Spiel und galt allenthalben als krasser Außenseiter…

Aber wie das so ist, mit dem Anpfiff des ersten Spiels ist alles Makulatur. Als Zeichen für das, was in der ersten Halbzeit kommen sollte, verdunkelte sich der Himmel über dem Wildpark bedrohlich und rund um das Stadion herum zuckten Blitze…

Anstoß!

Und auch auf dem Rasen verfinsterte es sich. Von der souverän auftretenden Mannschaft aus den Testspielen war nichts mehr übrig, es schien fast so, als hätte sich die Truppe der letzten Saison wieder auf den Rasen geschlichen. Es lief nichts zusammen, der Gegner aus Osnabrück machte die Räume vor dem eigenen Tor dicht und rannte ein ums andere Mal blitzartig über die Flügel Richtung KSC-Tor, wenn der Ball erobert wurde. Nach einem missglückten Spiel auf Abseits stand es schon nach 12 Minuten 0:1 durch den schnellen Reimerink. Der Blitz war im Tor eingeschlagen! Es folgte ein Karlsruher Fehlpassfestival, auf den Rängen war die »neue-Saison-Euphorie« schon verflogen und das Gebruddel ging los.

Nach dem 0:1 verfinsterte sich der Himmel…

Der VfL zog sich nach der Führung zurück und verteidigte relativ mühelos die Führung. Und war brandgefährlich bei eigenen Kontern, unterstützt durch eine konfus wirkende KSC-Abwehr. Das 2:0 kurz vor der Pause war daher fast schon folgerichtig. Stoll ließ sich von Wriedt ausspielen, der flankte und Danneberg netzte mühelos ein (38. Minute). Zur Halbzeit gab es ein Pfeifkonzert, das hatten sich alle etwas anders vorgestellt…

Auf dem Weg zum Bierstand gab es schon die ersten Kommentare wie »des isch koin Trainer« oder »die hennt koin Syschtem« zu hören. Einer der Sportsfreunde aus meinem Stammblock stapfte sogar zur Halbzeitpause wutentbrannt nach Hause. Nach der letzten Saison ist die Geduld keine im Wildpark häufig anzutreffende Tugend…

In der zweiten Hälfte änderte sich zunächst nicht viel, nach einer Stunde ackerten sich die Blau-Weißen ins Spiel hinein und deuteten an, dass in ihnen doch mehr steckt als in dem willenlosen Haufen der letzten Saison. Der KSC stellte sein Spiel ein wenig um. Camoglu rückte auf die Zehn neben der hängenden Spitze Fink, was dem KSC-Angriffsspiel gut tat. Auf den Flügeln wurden die Anspiele von Lorenz in den Strafraum auf den großen Stroh-Engel präziser. Und letzterer braucht dann auch nicht viele Chancen, in der 69. Minute hielt er den Fuß zart an eine scharfe Flanke und fälschte unhaltbar zum 1:2 Anschlusstreffer ab.

Trainer Meister wechselte den jungen Florent Muslija ein, der sich mit seiner Schnelligkeit belebend auswirken sollten. Besonders als er in der 74. Minute im Strafraum zu Boden ging und der Schiri auf den Punkt zeigte. Elfmeter ist, wenn der Schiri pfeift. Anton Fink ließ sich das nicht entgehen und vollendete zum 2:2-Ausgleich.

Das Publikum war nun wieder da und der KSC drückte, nahm sich aber in der Schlussphase durch Auswechslungen der beiden Sturmroutiniers Stroh-Engel und Fink selbst die Torgefahr aus dem Spiel, so dass es am Ende ein verdientes 2:2 Unentschieden gab.

Die Lage

Nach der Euphorie der Vorbereitung kehrte der Alltag der Dritten Liga schneller ein, als sich das alle vorgestellt hatten. Dass das Leben als Favorit in der Dritten Liga hart ist, sollte nach der Partie allen klar sein. Wer gestern das Spiel Meppen gegen Würzburg gesehen hat, konnte beim anderen Absteiger ähnliches beobachten. Räume eng machen, Kontern und mit Härte verteidigen können sie in der Dritten Liga alle.

Wichtig war, dass der KSC das Spiel in der letzten halben Stunde noch ausgleichen und damit den Stimmungstöter »Fehlstart« vermeiden konnte. Die erfahrenen Drittliga-Torjäger Stroh-Engel und Fink zeigten schon, dass sie auf jeden Fall ihre Tore machen werden. Und es war gut, dass Kampfmoral gezeigt und sich nicht wie letzte Saison willenlos ins Verlierer-Schicksal ergeben wurde. Was auch Trainer Meister anmerkte:

»…wir haben eine halbe Stunde hingelegt, wie es sich jeder vorstellt, emotionaler, mit Zweikämpfen. Irgendwann war ein Blitz über der Anzeigetafel, vielleicht war das das Zeichen für meine Jungs. Sie haben es hinten raus gut gemacht.«

Vielleicht zeigte das Spiel auch, dass in der Dritten Liga gegen tiefstehende Gegner mehr Kreativität in die Mittelfeldzentrale muss. Die beiden defensiv orientierten Bülow und Hofmann hinter Fink und Stroh-Engel zu stellen ist gegen diese Gegner etwas arg vorsichtig. Als Burak Camoglu (kam von der zweiten Mannschaft des BVB, ein feiner Fußballer) in der zweiten Halbzeit die »Zehn« übernahm, wurde das Angriffsspiel gleich präziser und druckvoller. Und mit Marvin Wanitzek hat Meister noch einen zweiten Aspiranten für das offensive Mittelfeld auf der Bank.

Und man darf bei allem örtlich bedingten Hang zum Bruddeln auch nicht vergessen, dass die Mannschaft in dieser Zusammensetzung vor gerade mal einem Monat das erste Mal gemeinsam auf dem Rasen stand. Das ist ein Totalumbruch, wie ihn normalerweise kaum ein Verein freiwillig durchführt. Der wird noch seine Zeit brauchen. Deshalb sollte man die ersten 10 Spiele abwarten, bevor man in den Chor der badischen Bruddler einstimmt…

Am Freitag kann man beim Auswärtsspiel bei Aufsteiger Unterhaching den ersten Dreier einfahren!

Impressionen

Flutlicht-Freitag…

Vor dem Spiel sah es noch freundlicher aus… Dritte-Liga-Eröffnungstanz… Gut gefüllte Gegengerade… Choreo vor dem Spiel.

Ein Himmel, so düster wie der Spielstand zur Halbzeit…

Gegengerade Gästeblock mit der üblicher Botschaft… Spielszene 0:2 zur Halbzeit

KSC vs VfL Osnabrück 2:2


Gelungene Generalprobe: KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1 – 15.7.2017

Permalink - Posted on 2017-07-16 11:00

Testspiel KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1

Nix gegen Radrennfahrer auf französischen Straßen und europäische Qualispiele mit Vereinen aus den kleineren Ligen, aber es wird höchste Zeit, dass es wieder mit dem »richtigem« Fußball los geht. Zum Glück startet in einer Woche die Dritte Liga in die neue Saison. Und der KSC darf in selbiger den Versuch unternehmen, die überaus desaströse abgelaufene Zweitligasaison mit dem Wiederaufstieg in den DFL-Fußball vergessen zu machen.

Traditionell gibt es in Karlsruhe eine Woche vor dem Saisonstart den Familientag und ein Testspiel als »Eröffnung« gegen einen interessanten Gegner. Nachdem wir in Karlsruhe in den letzten Jahren mit Derby County, Valencia CF oder dem FC Malaga verwöhnt wurden, war es in dieser Saison mit Eintracht Braunschweig eher ein Gegner aus der Kategorie »Naja«. Da es aber Samstag und sonst nix zu tun war, reihte sich der Blogger dieses kleinen Fußballblogs unter die 1.147 Zusehenden beim 2:1-Sieg des KSC gegen die Eintracht ein…

KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1

Nun ist Eintracht Braunschweig sicher nicht so glamorös wie Teams aus England und Spanien. Aber als Gegner für die Generalprobe eigentlich keine schlechte Wahl. Als Spitzenteam der abgelaufenen Zweitligasaison hatte der BTSV bekanntlich deutlich an das Tor zur Bundesliga geklopft und scheiterte recht unglücklich am VfL Wolfsburg in der Relegation. Und hatte vor knapp 10 Tagen mit dem 1. FC Magdeburg ein Spitzenteam der Dritten Liga mit 6:1 geschlagen. Also durchaus ein aussagekräftiger Gegner.

Extrem gefährlich und gewaltbereit wirkender Braunschweiger Mob im Gästeblock…

Um ein Haar hätte das Spiel gar nicht stattgefunden. Ursprünglich war geplant, den Testkick beim FV Ubstadt, etwa 25 km nördlich von Karlsruhe auf dem Land gelegen, stattfinden zu lassen. Dort wurde er aber ein Opfer der grassierenden Hysterie der »Sicherheitsbehörden« und musste in den Wildpark verlegt werden, wo sich dann ca. 30 extrem gefährlich wirkende Eintracht-Fans (siehe Bild) im Gästeblock verloren…

Schade für Ubstadt, gut für mich, denn für ein Testspiel wäre ich wohl eher nicht raus auf‘s Land gefahren. So bot sich die Gelegenheit, das neue Team eine Woche vor dem Saisonstart im Wildpark anzuschauen.

Trainer Marc-Patrick Meister hatte vorher angekündigt, dass sich die Startelf vor dem Auftakt nun nicht mehr groß ändern würde. Und dass das Spiel eine Entscheidung über den Stammtorhüter bringen würde. Umso interessanter war natürlich die Startelf, die da lautete:

Uphoff
Bader, Pisot, Stoll, Föhrenbach
Camoglu, Hofmann, Bülow, Lorenz
Fink, Stroh-Engel

Der neue Stammtorwart heißt also Benjamin Uphoff, 23 Jahre, Neuzugang vom VfB Stuttgart. Der immerhin 34 Mal bei der zweiten Mannschaft des VfB in Drittligaspielen im Tor stand.

Ansonsten sahen wir hier ein äußerst routiniertes Team. Mit Pisot, Stoll, Hofmann, Bülow, Lorenz, Fink und Stroh-Engel standen gleich 7 Spieler aus der Alterskohorte 28+ auf dem Rasen. Der Plan beim KSC ist offensichtlich: Mit viel Erfahrung und bewiesener Zweit- und Drittliga-Qualität sofort den aus ökonomischen Gründen so bitter nötigen Wiederaufstieg zu schaffen.

Überraschend ist, dass Oldie und »KSC-Fossil« Stoll den Vorzug vor dem Heimkehrer Gordon bekam. Stoll ist übrigens auch der einzige übrig gebliebene Akteur aus der Startelf der Generalprobe gegen Derby in der letzten Saison

Das Testspiel ging denkbar ungünstig für die neue Nummer 1 im Tor los, nach vier Minuten schätzte Uphoff einen Aufsetzer nach einer Braunschweiger Ecke falsch ein und packte sich den Ball mehr oder weniger selbst ins Tor. Nicht gerade das, was man bei seinem Debut als Nummer 1 im eigenen Stadion erleben möchte…

Trotz der danach gelegentlich etwas hämischen Reaktionen des Publikums auf der Gegengeraden (muss ja auch nicht sein…) steckte Uphoff das gut weg und machte danach ein gutes Spiel.

Wie auch seine Kollegen auf dem Feld, trotz Rückstand wurde das Braunschweiger Tor berannt und diverse gute Chancen erspielt. Eintracht-Keeper Fejzic bekam mehr zu tun, als ihm lieb war.

Direkt nach der Halbzeit wurde der KSC belohnt, Neuzugang Stroh-Engel erzielte nach einer schönen Flanke des jungen Camoglu in der 46. Minute den Ausgleich. Nur sieben Minuten später flankte die Freiburger Leihgabe Föhrenbach scharf in den Strafraum, Baffo verlängerte ins eigene Tor zur 2:1-Führung für den KSC.

Das wollten die Braunschweiger nicht auf sich sitzen lassen, die durch eine gewisse Unzufriedenheit gespeisten lauter werdenden Kommandos von Braunschweigs Coach Lieberknecht hallten durch den Wildpark…

Es entwickelte sich bis zum Schluss ein (für einen Testkick) durchaus lebhafter Kick mit Torchancen auf beiden Seiten. Das Offensivspiel des KSC wirkt wie ausgewechselt, auch wenn natürlich noch nicht alles klappt.

Das in der Vorsaison so wackelige Flügelspiel hat deutlich an Qualität gewonnen, die beiden Außenverteidiger Bader und der starke Neuzugang Föhrenbach standen hoch und gingen immer wieder mit nach vorne. Auf der linken Seite sah das Zusammenspiel Föhrenbach – Lorenz schon gut aus. Die Bälle gehen nicht mehr sofort in halbgaren Dribbelversuchen auf den Außenpositionen verloren, sondern wurden behauptet und landeten (für KSC-Zusehende fast schon irritierend oft) bei den Mitspielern in der Mitte.

Mit Anton Fink steht im Bereich zwischen offensivem Mittelfeld und Sturmspitze ein Mann auf dem Rasen, der auch mal einen Ball halten und vernünftig weiterverteilen kann. Im zentralen Mittelfeld machten die beiden »großen starken« Routiniers Bülow und Hofmann einen kampfstarken und souveränen Eindruck.

Auch wenn man so ein Testspiel nicht überbewerten sollte: Nach diesem Spiel kann man als Karlsruher mit einem gewissen Optimismus in die neue Saison gehen. Dafür, dass dieses Team praktisch komplett neu zusammengestellt wurde und erst seit vier Wochen zusammen spielt, sieht das schon sehr ordentlich aus.

Entsprechend wurde das Team mit einem optimistischen Applaus von den 1.147 Zusehenden verabschiedet…

Dritte Liga ante portas!

Und am kommenden Freitag wird es dann auch schon ernst, der KSC eröffnet die Saison der Dritten Liga um 20:30 gegen den VfL Osnabrück. Dann werden wir sehen, wie weit das neu formierte Team ist und ob der Optimismus nach der Generalprobe angemessen war. Das wird übrigens das erste live übertragene Drittligaspiel beim neuen Anbieter »Telekom Fußball«, der erfreulicherweise alle Spiele der Dritten Liga live überträgt. Was gerade für KSC-Fans sehr schön ist, zeigt sich doch der lokal zuständige ÖR-Sender schon zum Auftakt von seiner in Sachen KSC hinreichend bekannten Seite. Der Wildpark steht halt nicht in Bad Cannstatt…

Zur Vorbereitung auf die Saison der Dritten Liga ist der Podcast drüben im Magdeburg-Blog »Nur der FCM« sehr zu empfehlen. Alex und Thomas haben sich die Mühe gemacht, sich für jedes Team der Dritten Liga die Ab- und Zugänge anzuschauen und eine Einschätzung zu den Teams in den drei Kategorien »Aufstiegsaspirant«, »Mittelfeldteam« oder »Abstiegskandidat« abzugeben. Hört man sich auch noch den (recht langen ;-)) Podcast-Rückblick auf die letzte Saison der Dritten Liga bei 120minuten an, so hat man als Karlsruher Fußballfreund(in) ein gutes Rüstzeug zur Einschätzung der Gegner in der für Karlsruhe »neuen« (obwohl, so lange ist der letzte Drittligabesuch ja noch nicht her…) Liga im Kopf.

Vor der Saison muss man natürlich einen Tipp abgeben. Ich erwarte KSC, Würzburg, Magdeburg, Aalen und ein bis jetzt noch unbekanntes Überraschungsteam im Aufstiegsrennen. Letzteres gibt es in der Dritten Liga eigentlich immer, vielleicht wird das Hansa Rostock. Oder der SC Paderborn legt einen »Darmstadt-Stunt« (sportlich absteigen, wg. Lizenzkalamitäten anderer Klubs doch drin bleiben und aufsteigen) hin…

Generell zeichnete sich die Dritte Liga in den letzten Jahren dadurch aus, dass es über weite Phasen der Saison ausgesprochen eng zuging. Letzte Saison lagen zwischen dem Sechsten Osnabrück und dem 16. Fortuna Köln nur 8 Punkte.

Für den KSC muss es darum gehen, sich möglichst schnell einzuspielen und die Favoritenrolle anzunehmen. Mit den beiden Drittligatormaschinen Fink und DSE auf dem Rasen werden es die meisten Gegner, gerade im Wildpark, ziemlich defensiv angehen lassen.

Wir werden es sehen. Alles ist bereitet, es kann wieder losgehen!

Impressionen

Der neue Stammtorwart Benjamin Uphoff. Der Gästeblock war nicht gar so voll. Was aber für »Sicherheitsbedenken« allemal ausreichte… KSC - Braunschweig 2:1 Trotz Testspiel ging es mitunter durchaus zur Sache. Das erste Stadionbier der Saison! Aufwärmübungen der KSC-Spieler vor der zweiten Halbzeit. Neue Zeiten! The Huddle bei der Eintracht… Anstoß zur zweiten Halbzeit. 1147 Zusehende. Ein verdienter Applaus nach dem Spiel.


Hornbostels Erben: Monumente des Provinzialismus

Permalink - Posted on 2017-07-11 18:55

Sie erinnern sich vielleicht, wir hatten es kürzlich in dieser kleinen Traditionalismus-Watchblog-Rubrik von der chinesischen Bedrohung der armen Regionalliga Südwest. In diese kam heute eine neue Dynamik, vier Regionalligisten knickten ein und sprangen wieder ab, so dass nur noch eine »chinesische Bedrohung light« übrig bleibt. Außerdem haben wir noch eine Podcastempfehlung und ein eindrucksvolles musikalisches Meisterwerk…

[Foto: »夜間足球 Nighttime Soccer / 馬鞍山遊樂場 Ma On Shan Recreation Ground / SML.20130216.EOSM.02197« auf flickr, CC BY 2.0 von See-ming Lee, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

»China light« im Südwesten

Die Idee, eine chinesische U-20-Auswahl außer Konkurrenz in der Regionalliga Südwest mitspielen zu lassen, war bekanntlich sofort Zielscheibe des deutschen generalfrustrierten Fußballtraditionalismus. Einige »organisierte Fans« beteiligter Regionalligisten verfassten einen offenen Brief an den für die RL-Südwest zuständigen DFB-Vize Ronny Zimmermann. Da man ja ein bisschen mehr als »passt uns nicht, wollen wir nicht« schreiben musste, wurden alle möglichen Argumente (inkl. Unterstellungen bezüglich finanzieller Interessen des DFB und von Astoria Walldorf, sehr dünnes Eis…) zusammengeklaubt und schließlich noch die ganz große moralische Keule ausgepackt (Zitat):

»Außerdem wollen wir zu bedenken geben, dass der Ausbau der Kooperationen mit dem chinesischen Fußball auch weit über den Fußballkontext hinaus einige Fragen aufwirft. Die Volksrepublik China gilt nach wie vor als einer der autoritärsten Staaten weltweit, in dem Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt, Todesurteile massenhaft vollstreckt (Amnesty International schätzt, dass in China mehr Menschen hingerichtet werden, als in allen anderen Staaten weltweit zusammen), Menschen gefoltert, sowie zahlreiche Kritiker in Gefangenschaft genommen werden. Die Frage muss erlaubt sein, warum ausgerechnet mit einem solch menschenverachtenden Regime die Kooperation der Fußballverbände gestärkt werden soll? Überwiegen hier finanzielle Interessen gänzlich der Moral?«

Schrieben sie so dahin, mit einem Smartphone aus chinesischer Fertigung in der Tasche, und evtl. Sneakers aus chinesischer Fertigung an den Füßen. Die Moral ist eine gute Sache, man kann sie bei Bedarf aus der Schublade ziehen, wenn sie einem gerade nützlich erscheint…

Alles in allem ist dieser offene Brief ein bemerkenswertes Dokument. Er bestätigt wieder einmal die These: Nicht mal ein SPD-Ortsverein im Ruhrgebiet ist so konservativ wie der deutsche Fußball-Traditionalismus…

Aber es scheint zu wirken. Heute wurde bekannt, dass es nur »China light« in der Regionalliga Südwest geben wird. Denn vier Vereine haben, anscheinend auf Druck ihrer organisierten Fans, ihre ursprüngliche Zusage zurückgezogen.

Nun wird es ab November für jeden der 15 übriggebliebenen Regionalligisten ein Freundschaftsspiel gegen die chinesische U20 und 15.000 Euro geben. Wahrscheinlich waren die Chinesen einfach zu höflich, um sich mit den Worten »Entschuldigen Sie, dass wir Ihre provinzielle Idylle heruntergekommener Traditions- und Dorfvereine mit etwas Ungewöhnlichem belästigt haben, wir suchen uns was anderes…« einfach wieder aus der RL Südwest zu verabschieden…

Podcast

Unterhaltsamer als die China-Posse mit ihrem beschämenden Provinzialismus ist da schon ein Sommer-Podcast bei »drei90« mit dem schönen Titel »Lasst uns die Welt retten, sie hat es nicht anders verdient«. Protagonisten aus diversen Bundesliga-Podcasts setzten sich bei »drei90« zusammen und schwelgten in durchaus unterhaltsamer Weise im Fußballkulturpessimismus.

Erstaunlicherweise sahen sie die sportliche Qualität der Bundesliga sehr kritisch. Nur ziehen sie IMHO die falschen Schlüsse, indem sie »Beharren auf 50+1« als Lösung ausgaben. Die einzige europäische Top-Liga mit 50+1 produziert seit Jahren einen Abonnementsmeister und zunehmende Langeweile. Diese Liga ist auch in Europa die einzige, in der Konstrukte wie Leipzig und Hoffenheim in der Liga und da auch noch ganz vorne zu finden sind. Vielleicht besteht da ein Zusammenhang…

Nach etwa anderthalb Stunden geht ein wenig der rote Faden verloren und es wird etwas arg theatralisch-traditionalistisch, aber trotzdem: Hörempfehlung, eine kurzweilige Podcast-Runde!

Elegie des Monats

Die Elegie des Monats ist diesmal ein liebliches Liedchen. Ein Ruhrgebiets-Lokalrapper namens M.I.K.I. greift die faschistoid-militaristisch angehauchte Symbolik des Dresdner Einmarsches in Karlsruhe kürzlich beim Spiel gegen den KSC auf und erklärt ebenfalls dem DFB den Krieg:

»M.I.K.I - Krieg dem DFB«

Das Beste an diesem Video ist der groteske Typ bei ca. 2:34 Min. der, in Dresdner Camouflage gehüllt, mit sogar unter seiner Balaclava erkennbar grimmigen Gesichtsausdruck aus unbekannten Gründen einen LKW-Reifen auf dem Rücken trägt. Herrlich!

Mit diesem Song und diesem Video hat sich der Fußball-Traditionalismus nicht unbedingt einen Gefallen getan. Oder würden Sie, verehrte Leserinnen und Leser, das Anliegen eines Typen in Camouflage-Shirt, der einen LKW-Reifen auf dem Rücken trägt, ernst nehmen? Eben!

In diesem Sinne: Packen Sie sich einen alten Reifen auf den Rücken, schauen Sie grimmig, um dann weiterhin fröhlich am schönen Sport auf dem grünen Rasen zu verzweifeln …

Der Oldenburger Landwirtschaftsrat Ernst Hornbostel, von 1962 bis 1975 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes, war schon 1963 Fußballkulturpessimist und befand angesichts der damals bevorstehenden Bundesliga-Einführung: »Ein ganzer Teil der Vereine, die heute mit stolzen Hoffnungen in die Bundesliga einziehen, werden bei Halbzeit ein schauerliches Erwachen erleben.« Ernst Hornbostel ist somit der Urahn des modernen Fußballkulturpessimismus, ihm zu Ehren heißt diese Rubrik »Hornbostels Erben«…

Weitere Beiträge zum Fußballkulturpessimismus


150 Jahre Queen‘s Park FC

Permalink - Posted on 2017-07-09 20:00

Die Mannschaft des Queen‘s Park FC mit dem gewonnenen Scottish Cup im Jahre 1874 (Bild gemeinfrei)

Wenn man an »Fußball in Glasgow« denkt, so fallen einem natürlich sofort die beiden großen Klubs Celtic und Rangers ein. Der älteste (und damit nach landläufiger Lehre des Fußballtraditionalismus »traditionsreichste«) Fußballklub Glasgows ist aber der Queen‘s Park FC. Dieser wurde im Jahre 1867 gegründet und feiert am heutigen 9. Juli 2017 seinen 150. Geburtstag. ballreiter gratuliert und stellt den ungewöhnlichen und für die Entwicklung des Fußballs erstaunlich wirkungsmächtigen Verein vor. Queen‘s Park war die Keimzelle des schottischen Fußballs, schenkte Schottland die blauen Nationalelf-Trikots und das Nationalstadion Hampden Park.

Und erfand das Passspiel! Es gibt eine Entwicklungslinie vom Queen‘s Park FC im 19. Jahrhundert bis hin zum Tiki-Taka der Moderne bei Barça unter Pep Guardiola…

Der erste »richtige« Fußballklub in Schottland

Mit den Worten »Tonight at half past eight o'clock a number of gentlemen met at No. 3 Eglinton Terrace for the purpose of forming a football club« (lt. Wikipedia) wurde am 9. Juli 1867 der Queen‘s Park FC (QPFC) gegründet. Benannt nach einer nahegelegenen Grünanlage, war der QPFC der erste schottische Fußball-Klub, der nach den Regeln des englischen »Association Football« spielte. Es gab natürlich schon andere Fußball-Klubs in Schottland, deren Spiel aber noch stärker von den Regeln des etwa zeitgleich entstandenen »Rugby Football« (aus dem sich die heutigen Varianten des Rugby entwickelt haben) beeinflusst war.

Queen‘s Park FC nahm nach der Gründung die Entwicklung des schottischen Fußballs in die Hand. Sie legten die Regeln fest, die sich an den Cambridge Rules der 1863 gegründeten englischen Football Association FA orientierten.

1872 organisierte der Klub das erste Länderspiel zwischen Schottland und England. Die schottische Mannschaft bestand ausschließlich aus Spielern des QPFC. Die Schotten trugen dabei jene dunkelblauen Trikots, die die schottische Nationalmannschaft noch heute trägt. Denn dunkelblau war zu der Zeit die Farbe des QPFC, die dann, nach der Gründung des schottischen Fußballverbands »Scottish Football Association« 1873, die Trikotfarbe der Nationalmannschaft wurde. QPFC wechselte zu jenen schwarz-weiß geringelten Trikots (s. Foto oben), die sie noch heute tragen. Wg. dieser schwarz-weißen Trikots nennt man Queen‘s Park auch »the Spiders«.

Neben den Trikots gab der QPFC dem schottischen Fußball auch sein Nationalstadion. Denn der Hampden Park in Glasgow ist (in seiner dritten Variante) seit 1903 das Heimstadion der schottischen Nationalmannschaft und gehört dem Queen‘s Park FC. Der Verein spielt bis heute seine Heimspiele in der dritten schottischen Liga »League One« in dem riesigen Stadion mit seinen fast 52.000 Plätzen. Und hat einen Zuschauerschnitt von 539 Zusehenden in der abgelaufenen Saison gehabt…

Mit der Verbandsgründung 1873 wurde auch der »Scottish Cup« eingeführt. Der QPFC gewann ihn zwischen 1874 und 1893 zehnmal. Und ist damit bis heute nach Celtic (37 Pokalsiege) und Rangers (33) das dritterfolgreichste Team in diesem Wettbewerb.

Der QPFC war auf der Insel so berühmt, dass er mehrere Male zum Mitspielen in den englischen FA-Cup eingeladen wurde. Dort schafften sie es 1884 und 1885 jeweils ins Endspiel, scheiterten aber beide Male an den Blackburn Rovers. Schade eigentlich, sonst wären sie heute das einzige Team, das beide Pokale gewonnen hätte…

150 Jahre Amateurideal »Ludere causa Ludendi«

Logo Queen‘s Park FC (Quelle: Wikipedia, Fair Use)

Diese große erfolgreiche Zeit als berühmtester und »erster Klub« Schottlands endete um 1900 herum. Denn mit dem seit der Gründung hochgehaltenen lateinischen Motto »Ludere causa Ludendi« (»Zu spielen um des Spieles willen«) hält der QPFC bis heute eisern am »Amateurideal« fest. Bei Queen‘s Park durften und dürfen keine Profi-Fußballer spielen, die »Spiders« sind heute der einzige Amateurklub im professionellen schottischen Ligasystem. Was auch daran lag, dass die dominierenden Persönlichkeiten des QPFC der Gründerzeit aus der reichen Oberschicht des Landes kamen und »Fußball spielen für Geld« als weit unter ihrer Würde stehend ansahen.

Da auf der Insel die Professionalisierung des Fußballs bekanntlich schon 1888 mit der Gründung der englischen Liga einsetzte, konnte QPFC als Amateurmannschaft gegen Profiteams nicht mehr mithalten. Bis 1922 bekamen sie, wg. ihres schon damals legendären Status als Keimzelle des schottischen Fußballs, eine Ausnahmeregelung, die sie vor dem Abstieg bewahren sollte. Nachdem das beendet war, stiegen sie dann auch gleich für ein Jahr ab. Nach dem Wiederaufstieg schafften sie es bis zum Zweiten Weltkrieg, sich in der ersten Liga zu halten. Danach verschwanden sie langsam aber sicher in den Niederungen der zweiten bis vierten Liga. Die dominierenden großen Teams Schottlands waren längst die beiden Glasgower Stadtrivalen Celtic und Rangers geworden. In den 90er Jahren war QPFC in der vierten Liga angekommen…

Die Erfinder des Passspiels

Aber nicht nur für den schottischen Fußball war der QPFC prägend. Denn sie »erfanden« als erstes Team das Pass- und Kombinationsspiel auf dem Rasen. Zur Gründerzeit bestand das englische Spiel in erster Linie aus Dribbeln und Krafteinsatz. Da QPFC in der Anfangszeit kaum Gegner hatte (das erste Spiel fand erst ein Jahr nach Vereinsgründung statt, ein 2:0-Sieg gegen den bereits 1895 aufgelösten Thistle F.C. aus Glasgow), spielten sie untereinander Trainingsspiele und entwickelten dabei ein in England unbekanntes Pass- und Kombinationsspiel. Ein Zeitungartikel aus jener Zeit beobachte beim ersten Länderspiel von Schottland (also QPFC) gegen England im Jahre 1872:

»The Englishmen had all the advantage of weight, their average being about two stones heavier than the Scotchmen and they had also the advantage in pace. The strong point of the home club was that they played excellently well together.«

Die »Spiders« erzielten ihre Tore weniger mit individuellen Fähigkeiten wie Kraft, Schnelligkeit und Dribblings, sondern im Zusammenspiel auf dem Rasen. Wie Jonathan Wilson im Guardian ausführte, lässt sich eine Entwicklung des Passspiels vom QPFC der Gründerzeit bis hin zum Tiki-Taka unserer Tage nachweisen. Ein Spieler namens RS McColl, genannt »Toffee Bob«, wechselte 1901 vom QPFC nach Newcastle, denn er wollte mit Fußball Geld verdienen. Was bei den »Spiders«, s.o., nicht möglich war. Einer seiner Mitspieler in Newcastle, Peter McWilliam, wurde später Trainer und nahm diese Spielidee mit nach Tottenham. Dort trainierte er u.a. Vic Buckingham, der später seinerseits Trainer wurde und, nachdem er jahrelang West Brom trainiert hatte, 1964 in die Niederlande zu Ajax wechselte. Dort war er als Trainer für das Debüt eines gewissen Johan Cruyff verantwortlich und entwickelte die Grundlagen jenes Fußballs, der später als »Voetbal total« weltberühmt wurde. Danach wechselte Buckingham nach Barcelona und nahm den Voetbal Total mit nach Katalonien. Wo er später durch Rinus Michels und Johan Cruyff zur gelebten Spielkultur perfektioniert wurde und seinen Höhepunkt im »Tiki-Taka« moderner Prägung fand.

Wie man sieht, in gewisser Weise hat auch das seinen Ursprung beim QPFC…

Queen‘s Park heute

In diesem Jahrhundert erholte sich Queen‘s Park wieder ein wenig und kehrte in die Dritte Liga »League One« zurück. Besonders in der Aufstiegssaison 2006/07 sorgten die »Spiders« unter Trainer Paul Paton wieder für Furore, als sie mit ihren Amateurspielern ein bemerkenswertes laufintensives Ballbesitzspiel praktizierten und sogar den Erstligisten Aberdeen aus dem Pokal warfen.

Seit 2016 hat sich QPFC endgültig wieder in der League One etabliert und erreichte in der letzten Saison einen Mittelfeldplatz. Der rigorose Amateurstatus wurde seit Ende der 90er-Jahre etwas aufgeweicht, mittlerweile dürfen ehemalige Profi-Spieler bei den »Spiders« spielen und der Verein leiht Spieler von anderen Profiteams aus.

Wenn man bedenkt, dass von den anderen sieben Gründungsvereinen der Scottish FA im Jahre 1873 nur noch der FC Kilmarnock übrig geblieben ist, ist es schon eine erstaunliche Leistung, dass es den Queen‘s Park FC 150 Jahre später immer noch gibt. Mit seinem verschrobenen Beharren auf den antiquierten Amateurstatus und mit seinem Selbstverständnis, als Begründer und »Gastgeber« des schottischen Fußballs in »seinem« riesigen Stadion Hampden Park zu spielen, ist der Verein ein Unikum in den vier Profiligen Schottlands.

Happy Birthday, Queen‘s Park FC!


Neues aus Schottland #20: Wenn die Kelpies heiser wiehern…

Permalink - Posted on 2017-07-06 21:50

Die Kelpies wiehern vor sich hin ob der schlechten Leistungen…

Das 2:2 im WM-Quali-Spiel zwischen Schottland und England hatte leise Hoffnungen geweckt, dass der schottische Fußball sich langsam aus seinem internationalen Abwärtstrend befreien kann. Aber die Saison hat noch nicht einmal richtig begonnen, da haben sich in der ersten Runde der Europa-League-Quali mit den New Rangers und dem FC St. Johnstone bereits 50% der potenziellen schottischen Teilnehmer aus Europa verabschiedet…

Rangers-Debakel gegen Progres Niederkorn

Die neuen Rangers aus dem blauen Teil Glasgows sind ein sehr spezieller Fall. Trotz Bankrott, Auflösung, Neugründung, Trainerwechsel, einem wenig überzeugenden Start von Neu-Trainer Pedro Caixinha und einem tabellarischen Rückstand auf Celtic von 39 Punkten in der vorigen Saison sehen sie sich in ihrer eigenen Wahrnehmung als »natural born scottish champion«. »Demut« ist ein Konzept, dass ihnen vollständig fremd ist.

Der Rangers-Vorsitzende Dave King amüsierte entsprechend die schottische Fußballszene mit der kruden These, dass Celtic nicht sechs Meisterschaften hintereinander gewonnen habe, sondern nur »two in a row«. Denn schließlich sei eine Meisterschaft ohne Rangers nichts wert. Und bekanntlich waren Rangers 5 Jahre abwesend wg. des Bankrotts und einer fünfjährigen Tour durch die unteren Ligen…

Trainer Caixinha kaufte für 10 Mio Pfund in aller Welt Spieler ein. Er ließ zur Motivation das Rangers-Fan-Motto »We are the people« (ein »sektiererischer« Kampfslogan des protestantisch-königsloyalen Schottland) an die Wände der Kabine in Ibrox malen. Und verbot seinen Spielern, grüne Fußballschuhe zu tragen, denn Grün ist »the colour of celtic«…

Der Mund wurde also voll genommen, man beschäftigte sich mehr mit Celtic statt mit der Entwicklung einer Mannschaft, die ja zunächst einmal Vize-Meister Aberdeen hinter sich lassen müsste, um überhaupt an Celtic denken zu können. »Haud yer wheesht!« wollte man ihnen auf gut schottisch zurufen. Doch dann schlug die Realität auf dem Rasen zu. In Form des Tabellenvierten der luxemburgischen Liga, den »Feierabendkickern« vom FC Progrès Niederkorn

Das Hinspiel war schon eine bescheidene Vorstellung, Rangers gewannen 1:0 durch ein Tor des 37-jährigen Kenny Miller. 1:0 war als Polster etwas dünn, aber rund um Ibrox ging man von einem hohen Sieg im Rückspiel in Luxemburg aus…

Stattdessen flogen die New Rangers in der peinlichsten Vorstellung der schottischen Europapokalgeschichte sang- und klanglos mit 0:2 bei Progrés raus. Man muss sich das vorstellen, Progrés hatte in 13 EL-Qualispielen 13-mal verloren, ein einziges Tor geschossen und 41 kassiert. Und dann gewinnen sie 2:0 gegen Rangers und ziehen in die zweite Runde…

Besonders beeindruckend: Rangers waren nicht in der Lage, gegen die Luxemburger ein organisiertes Angriffsspiel aufzuziehen. Sie trafen zwar dreimal die Latte, aber immer aus Standards und Einzelaktionen.

Entsprechend hämisch waren die Reaktionen aus dem grünen Teil Glasgows, vielfältige Variationen von »Rangers are making Progrés« waren in Social Media zu lesen. Und Trainer Caixinha steht schon unter Druck, bevor die Saison überhaupt richtig begonnen hat. Selbst der durchaus Rangers-freundliche Daily-Record-Pundit Keith Jackson sieht Caixinha »one more humiliation away from the sack«. Prognose: Pedro Caixinha wird die Saison nicht als Rangers-Trainer beenden…

FC St. Johnstone macht das Desaster komplett

Der Tabellenvierte FC St. Johnstone zog nach und machte das totale schottische Debakel in der ersten Runde der EL-Qualifikation komplett. Gegen den litauischen(!) Vertreter FK Trakai verloren die Saints das Hinspiel zu Hause mit 1:2. Im heutigen Rückspiel setzten sie noch einen drauf und verloren 0:1. Und das in Überzahl, Trakai spielte über eine halbe Stunde nach einer Roten Karte mit 10 Mann…

Dadurch haben sich bereits zwei der vier potenziellen Europapokalteilnehmer aus der schottischen Premiership verabschiedet. In vier Spielen, gegen Teams aus Luxemburg und Litauen, gelangen gerade mal 2 Törchen und derer 5 wurden kassiert. Nicht gerade ein Ruhmesblatt für den stolzen schottischen Fußball, die Kelpies wiehern heiser vor sich hin…

Next: Aberdeen und Celtic

Als nächstes hat Vizemeister Aberdeen die Aufgabe, es besser zu machen. Sie steigen in der zweiten Runde ein, gegen den bosnischen Klub NK Siroki Brijeg.

Und natürlich Meister Celtic, der gegen den nordirischen Klub Linfield antreten muss. Was dann wg. der Oranier-Märsche am 12. Juli zu einem Politikum wurde.

Am 12. Juli laufen die protestantischen Loyalisten durch die Straßen von Belfast, singen Lieder über das Abschlachten von Iren und verbrennen Puppen vom Papst. Und genau aus diesem Milieu rekrutiert sich die etwas seltsam anmutende Anhängerschaft Linfields. Was dann in einer Begegnung mit dem aus dem Viertel irischer Einwanderer in Glasgow stammenden Celtic, über dessen Stadion stets eine irische Flagge weht (und kein Union Jack), zu Ärger führen könnte. Wg. der Oranier-Märsche wurde die Partie auf den 14. Juli verlegt, und Celtic verkauft keine Gästetickets für das Spiel. Die blutige Vergangenheit Nordirlands ist auch 2017 noch stets präsent, und wenn es nur um ein Fußballspiel geht…

Für das »Standing« des schottischen Fußballs wäre es gut, wenn wenigstens Aberdeen und Celtic die Gruppenphase der EL bzw. der CL erreichen würden. Sonst hören die Kelpies (siehe Bild oben) ob der schottischen Europapokalperformance gar nicht mehr auf, heiser vor sich hin zu wiehern…


Wir lesen Fußball: »ballesterer«

Permalink - Posted on 2017-07-01 20:25

ballesterer-Hefte

Fast zwei Jahre nach dem Artikel über das auch 2017 noch stets vorzügliche Magazin »Zeitspiel« wird es mal wieder Zeit für Lektüreempfehlungen. In den fußballfreien Tagen der Sommerpause kann man sich schließlich entspannt mit einem kühlen Getränk draußen irgendwo hinsetzen und sich das lange Warten auf den Saisonbeginn mit guten Texten über unseren Lieblingssport ein wenig verkürzen.

Wir starten mit dem wohl besten deutschsprachigen Fußballmagazin: Dem »ballesterer«…

Der »ballesterer« ist ein im Jahre 2000 in Wien gegründetes »Magazin zur Erweiterung des Fußballhorizonts«. Vorbild war, wie beim deutschen »11 Freunde«, das englische Fußballkulturmagazin »When Saturday Comes«.

Der Name ist kein erfundenes Wort, lt. Wikipedia ist Ballesterer ein Wiener Wort aus der Zwischenkriegszeit des letzten Jahrhunderts für »technisch versierte Fußballer«. Wohl das, was man bei uns am Niederrhein einen »Fummler« nennt…

In den Anfangsjahren war der ballesterer ein »handgemachtes« Fanzine, dass sich mehr schlecht als recht im Stadion verkaufte (potenzielle Käufer fragten: »San da a Nackerte drin?«). Mittlerweile ist es ein über Österreichs Grenzen hinaus geschätztes hintergründiges Fußball-Magazin. Der Schwerpunkt liegt zwar ein wenig auf Österreich, aber man schaut gerne über den nationalen Tellerrand.

Jede Ausgabe hat ein Schwerpunktthema, das gründlich aufgearbeitet wird. Den besten Artikel über das mit üppigen Ablösen bei Spielereinkäufen auftrumpfende China habe ich im ballesterer (und natürlich in Zeitspiel Nr. 7) gelesen. Den besten Artikel über Red Bull ebenso. Und in der aktuellen Ausgabe gibt es einen Schwerpunkt »Fußball und Krieg«, der das Ergebnis anderthalbjähriger Recherchen und Reisen ist. Da schlägt man fast schon ehrfürchtig das Heft auf…

In der Haltung zum Fußballgeschehen macht der ballesterer keinen Hehl aus seiner Herkunft »von Fans für Fans«. Im Gegensatz zur ähnlich entstandenen deutschen »11 Freunde« fehlt dem ballesterer aber dessen, an K-Gruppen-Konvolute aus den 80ern erinnernde, traditionalistisch-messianische Einseitigkeit. Beim ballesterer weiß man, dass die Realität selten so eindeutig schwarz-weiß ist, wie uns das mancher schreibende selbsternannte Fußballtraditionshüter weismachen will. Wer einmal die Artikel über Red Bull Leipzig in 11 Freunde und im ballesterer liest und vergleicht, wird schnell merken, was gemeint ist.

Der ballesterer ist im Abo und im Bahnhofsbuchhandel erhältlich, und ich kann jeder und jedem, die oder der gerne Hintergründiges über den Fußball liest, nur empfehlen, einmal ein Exemplar zu kaufen und zu lesen. Es wird dann nicht bei dem einen Exemplar bleiben…

Artikel zum Thema »Lektüre« im Blog:


Hornbostels Erben: 60 Minuten, und dann auch noch Chinesen!

Permalink - Posted on 2017-06-22 20:00

Symbolfoto: Alles kaputt im Fußball! So wie hier das Bökelberg-Stadion während des Abrisses im März 2006.

Die Älteren unter Ihnen werden sich noch an Waldorf und Statler erinnern, die beiden Alten auf dem Theaterbalkon in der Muppet-Show, die an nichts und niemanden ein gutes Haar gelassen haben. Die beiden Plüsch-Herren sind offensichtlich das Role-Model für die Erregungskultur des deutschen Fußballtraditionalismus. Diesmal am Start: 60 Minuten Spielzeit, RBL in der CL und eine chinesische U20…


60 Minuten, Ihr spielt nur 60 Minuten…

Die Leute wissen in der Sommerpause anscheinend nix mit sich mit anzufangen. Deshalb regen sie sich alle drei Tage über irgendetwas den Untergang des Fußballs beschleunigendes »Schlimmes« auf. Was dann nach knapp 14 Tagen schon wieder den nächsten Blick in die Abgründe des real existierenden deutschen Fußballkulturpessimismus notwendig macht!

Am letzten, einem fußballsommerpausig-ruhigen Wochenende, kochte die Fußballvolksseele plötzlich hoch wie ein auf dem Herd vergessener Suppentopf. Was war nun wieder los?

Ein vom IFAB herausgegebenes Diskussionspapier für eine »Play Fair«-Strategy (Achtung, PDF!) war bekannt geworden. Von diversen Medien (der Journo an sich hat halt keine Zeit zu lesen und zu verstehen…) fälschlicherweise als »angekündigte Regeländerung« bekannt gemacht, sorgte es gleich für Aufruhr. Besonders der Diskussionsvorschlag (Diskussionsvorschlag, keine »angekündigte Regeländerung«!), die Spielzeit eines Fußballspiels zur Bekämpfung der latenten Spielverzögerei auf 60 Minuten reine Spielzeit zu ändern, erregte gleich die Gemüter. Ganz vorne dabei natürlich das Traditionsblatt Nr.1:

Sicher, geht in jedem Handball- oder Basketball-Spiel schon immer. Aber im Fußball natürlich undurchführbar. Aber auch die normale Fanseele kochte:

Es ist offensichtlich, dass einige diesen Vorschlag gar nicht verstanden haben. Denn es geht natürlich nicht um die Verkürzung der 90 Minuten auf deren 60, sondern um 60 Minuten reine Spielzeit. Was bei einer aktuell in der Bundesliga üblichen durchschnittlichen Spielzeit von 56 Minuten de facto eine Verlängerung der Spielzeit wäre.

Den Vogel schoss ein »Journalist« namens Tobias ab, der im Express flugs eine Tabelle der letzten Bundesliga-Saison nach 60 Minuten errechnete. Tobias ist ein armer Kerl, niemand in der Redaktion hat ihm den Unterschied zwischen »Verlängerung der Nettospielzeit auf 60 Minuten« und »Verkürzung der Bruttospielzeit auf 60 Minuten erklärt«…

Wenn man sich, statt gleich loszunöhlen, lieber einmal das Dokument der IFAB durchgelesen hätte, so wäre schnell klar gewesen, dass es hier um durchaus sinnvolle Ziele und Diskussionsvorschläge geht. Selbst die eher traditionalistisch angehauchte BVB-Fan-Site »schwatzgelb.de« hat das erkannt und kommt zu dem Schluss:

»(…) dieses Papier ist mutig und frisch, eine ernsthafte Diskussion über dessen Inhalt kann dem Fußball nur gut tun.«

Eines hat der Aufruhr aber mal wieder gezeigt: Nur ein SPD-Ortsverein im Ruhrgebiet oder einer der CSU in Niederbayern ist konservativer und fortschrittsfeindlicher als der Mainstream der Fußballfans…

RB Leipzig darf in die CL

Kurz drauf der nächste Aufreger! Durchaus erwartungsgemäß wurden RB Leipzig und RB Salzburg zur CL zugelassen, da die UEFA zu dem Schluss kam, dass die formalen Voraussetzungen im Sinne ihres Artikel 5 des Wettbewerbsreglements vorliegen. Dieser besagt:

»Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben (…)«

Dass das bei den beiden RB-Klubs tatsächlich so ist, darf man durchaus bezweifeln, ein Artikel bei 11 Freunde (war ja nicht alles schlecht bei 11 Freunde!) liefert diesbezüglich einiges an Stoff. Diese Zweifel hatte die UEFA ebenfalls. Nur sollte auch jedem klar sein, dass die UEFA nur nach belastbaren Fakten und nicht nach mehr oder weniger bewiesenen Indizien wie »pflegt dabei ausgiebige Business-Beziehungen zu Red Bull…« oder hat »Mitarbeiter, die für beide Vereine arbeiten« (s.o., 11-Freunde-Artikel) urteilen kann. Geschäftsbeziehungen zu Red Bull pflegt z.B. auch eine der Firmen des 11-Freunde-Herausgebers Hörstmann

Ein paar Tage vorher wurden auch die Champions-League-TV-Rechte ab 2018 neu vergeben und wanderten mit Sky und DAZN zu »kostenpflichtigen« Anbietern. Was sich deutsche Guckende bei Netflix für irgendeine Serie aus USA ohne mit der Wimper zu zucken für einen monatlichen Zehni herbei klicken, ist bei der Champions League ein veritabler Skandal. Die beste Fußball-Meisterschaft der Welt darf nix kosten, »Game Of Thrones« schon. Sogar das hanseatische Hausblatt des liberalen Kapitalismus, die gute alte »Zeit«, entdeckte plötzlich ihre antikapitalistische Ader:

»Es klingt platt, aber die Fans haben es in der Hand. Sie sind die Konsumenten, sie haben die Macht. Sie können ihre Ablehnung an der Stadionkasse artikulieren, und nun eben auch vor dem Fernseher. Indem sie ein Abo fürs Bezahlfernsehen abschließen oder eben nicht. (…) Fürs Fernsehschauen bezahlen und gleichzeitig Helene Fischer auspfeifen, weil der Fußball doch ach so kommerziell geworden ist, funktioniert dann nicht mehr. Fans können das Rädchen aufhalten.«

Die Chinesen kommen!

Okay, also »Rädchen aufhalten«. Und Champions League schauen »wir vom Fußballtraditionalismus« sowieso nicht. Lieber die guten ehrlichen Amateurligen besuchen, unterhalb des hässlichen kapitalistischen TV-Fußballs, wo nur noch das Geld regiert…

Aber dann, heute, das: »Regionalliga Südwest: Team Nummer 20 kommt aus China«

15.000 soll jeder Regionalligist dafür bekommen. Die FK Pirmasens, Absteiger durch das seltsame Timing des Insolvenzantrags von Hessen Kassel, findet das verständlicherweise doof. Nur werden da wie so oft Dinge miteinander vermischt, die nichts miteinander zu tun haben. Ich bin schon lange dafür, dass Vereine, die während oder vor der nächsten Saison insolvent gehen, grundsätzlich absteigen sollten.

Paradebeispiel für die unreflektierte Fußball-Wutbürger-Ablehnungsfront ist dieses Pamphlet einer »Interessengemeinschaft Unsere Kurve«, das einfach alles, was in der Regionalliga aktuell kritisch ist, in einen großen Topf wirft. Was die Integration der chinesischen U20 bis Olympia mit den Aufstiegsregelungen in die Dritte Liga zu tun hat, erschließt sich Lesenden auch nach mehrfacher Lektüre nicht…

Elegie des Monats

(Eigentlich ist es schon die zweite Elegie für diesen Monat, aber, wie die UEFA bei Red Bull, wollen wir das alles nicht so eng sehen…)

Für manch einen sind die ganzen bösen Dinge einfach zu viel des Schlechten, man kann die Kragen in der sommerlichen Hitze vor den vernetzten Endgeräten förmlich platzen sehen! So wie bei Thilo Huntemöller, der angesichts der nahenden »Endstation Fußballstrich« zum Aufstand aufruft:

»Die Instrumentalisierung des Fußballsports zu Marketing- und Profitmaximierungszwecken hat mittlerweile ein für viele Sportfreunde (mich eingeschlossen) untragbares Niveau erreicht. Ich finde, es ist Zeit für einen Aufstand. (…) … hier meine Tipps wie man den Fußball dem Marketinggott wieder entreißen kann:

  • geht nicht mehr ins Stadion und kauft keine Fanartikel;
  • lasst die Glotze aus wenn Fußball im TV läuft;
  • unterstützt mit den Geldmengen die ihr so spart Euren Amateurverein um die Ecke;
  • engagiert Euch ehrenamtlich beim Verein - lebt Fußball als ihn nur zu konsumieren.«

Ja. Nur ist auch der Amateurfußball nicht gar so frei von diesen Dingen (z.B. Dietmar Hopp nimmt die Frauenmannschaft nach Hoffene und baut dafür Sportplätze…), wie sich das so mancher in seinem Idealbild vom edlen Amateursport vorstellt. Die Vorstellung, man könnte einen Profisport wie Fußball in einer durch und durch kapitalistischen Gesellschaft von selbigem »rein« halten, hat in ihrer ganzen Naivität schon etwas Rührendes an sich…

In diesem Sinne: Fröhliches Verzweifeln am schönen Sport auf dem grünen Rasen…

Der Oldenburger Landwirtschaftsrat Ernst Hornbostel, von 1962 bis 1975 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes, war schon 1963 Fußballkulturpessimist und befand angesichts der damals bevorstehenden Bundesliga-Einführung: »Ein ganzer Teil der Vereine, die heute mit stolzen Hoffnungen in die Bundesliga einziehen, werden bei Halbzeit ein schauerliches Erwachen erleben.« Ernst Hornbostel ist somit der Urahn des modernen Fußballkulturpessimismus, ihm zu Ehren heißt diese Rubrik »Hornbostels Erben«…

Weitere Beiträge zum Fußballkulturpessimismus


Hoffnungsfroher Trainingsauftakt

Permalink - Posted on 2017-06-19 21:15

KSC-Trainingsauftakt

Der bittere Abstieg aus der Zweiten Liga scheint beim KSC vergessen: Mit einem runderneuerten Kader und einer für Karlsruher Verhältnisse ungewöhnlich großen Kulisse nahm der frischgebackene Drittligist aus der Fächerstadt das Training für die neue Saison auf. Einer neuen Saison, an deren Ende der sofortige Wiederaufstieg in die Zweite Liga stehen soll…

Es geht wieder los

Der Platz 2 am Wildparkstadion platzte aus allen Nähten, als bei sommerlichen Wetter Trainer Marc-Patrick Meister seine Männer zum ersten Training bat. Offensichtlich haben alle die grausige Abstiegssaison abgehakt und freuen sich auf die kommende Saison in der Dritten Liga, von der man wieder anschauenswerten Fußball, bessere Spiele und (vor allem) mehr Tore und Siege erwarten darf.

Offiziell 2500 Zusehende beim Trainingsauftakt… Offiziell 2500 Zusehende beim Trainingsauftakt…

Vom Andrang zum Trainingsauftakt wurde auch der Verein überrascht. Genau eine Getränkebude war offen, die bei heißem Sommerwetter in Sachen »alkoholfreie Getränke« schnell ausverkauft war. Aber immerhin es gab ausreichend Bier, was will man mehr?

Marc-Patrick Meister war vom Andrang begeistert und sah einen »überragenden Trainingsstart«.

Das Team absolvierte unter dem immer wieder aufbrausenden Applaus der Zusehenden eine Trainingseinheit mit ein wenig Lauferei und einem ausgefeilten Trainingsspielchen, in dem drei Teams auf drei Tore spielten.

Der große Kaderumbruch

Die vielen Fans rund um den Trainingsplatz hatten nur ein Problem: Man kannte kaum einen der Spieler. Das Gesicht der Mannschaft hat sich radikal geändert, 19 Spieler des Absteigerteams haben den Verein verlassen, 14 Neue sind dazugekommen!

Im Gegensatz zur (auch im Nachhinein angesichts der schon im Januar bedrohlichen Lage noch unfassbar schlechten) Transferperiode im Winter 16/17 scheint die Mischung dieses Mal zu stimmen. Routinierte Spieler aus der Zweiten und Dritten Liga wie Kai Bülow (kam von 1860), Marc Lorenz (SV Wehen-Wiesbaden), David Pisot (Würzburg) und Andreas Hofmann (Fürth) wurden geholt. Dazu mit Alexander Siebeck (von RB Leipzig II), Burak Camoglu (BVB II), Jonas Föhrenbach (SC Freiburg) und Marvin Wanitzek (VfB II) vielversprechende junge Spieler, die aber in der Dritten oder Regionalliga trotzdem schon Leistungsträger waren und ausreichend Spiele »auf dem Buckel« haben.

Bei der Problemzone Nummer 1 der letzten Saison, dem Angriff, wurde richtig zugeschlagen. Mit dem baumlangen Dominik Stroh-Engel (von Darmstadt 98) und dem quirligen Drittliga-Rekordtorjäger und KSC-Rückkehrer Anton Fink (Chemnitz) wurden zwei erfahrene Männer mit »Torgarantie« verpflichtet. Dazu kommt mit Fabian Schleusener (SC Freiburg), Nathaniel Amamoo (SC Freiburg II) und dem 17-jährigen Talent Malik Karaahmet (Eintracht Frankfurt) weiteres neues Personal für das in der letzten Saison darbende Offensivspiel.

Auf dem Papier sieht diese Mannschaft für die Dritte Liga gut aus, das Ziel ist klar und darum wird auch nicht groß herumgeredet: Der sofortige Wiederaufstieg!

Beim gestrigen Trainingsauftakt stand diese Mannschaft zum ersten Mal gemeinsam auf dem Rasen. Trainer Marc-Patrick Meister hat jetzt die schwierige Aufgabe, bis zum Saisonauftakt in gut einem Monat die neue Mannschaft zu einer funktionierenden Einheit zu formen, die von Anfang an auf Punktejagd für die große Mission »Wiederaufstieg« gehen kann…

Impressionen

Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt


»Saisonende.« Karlsruhe, 2017.

Permalink - Posted on 2017-06-17 19:00

Mit den letzten Relegationsspielen ist die Saison 2016/17 nun endgültig beendet. Und damit auch die zweite Saison dieses kleinen Fußballblogs. In dieser wurden 37 Spiele in sechs Ländern besucht und dokumentiert. Von der Champions League bis zur Verbandsliga war alles dabei. Die Highlights waren sicher das Champions-League-Match in Glasgow und das Dabeisein bei einem der letzten Spiele im Vicente Calderón. Sportlich war die Saison weniger glorreich. Borussia stürzte ins Mittelfeld, und der KSC stieg sang- und klanglos ab. Dazu wurde in den letzten Monaten genug geschrieben, nun heißt es, in der Sommersonne auf die neue Saison zu warten. Denn das ist bekanntlich das Gute am Fußball: Nach jeder Saison kommt eine neue Saison, in der jeder bei null Punkten anfängt…


Girona FC.

Permalink - Posted on 2017-06-17 18:25

Das katalanische Team aus der kleinen Stadt Girona (in der Nähe der Badeorte an der Costa Brava) schaffte erstmals in seiner 87-jährigen Geschichte den Aufstieg in die erste Liga. »These Football Times« beleuchtet die Hintergründe zu Gironas Aufstieg: »The rise of Girona: a tale of late drama and Guardiolas«. Beeindruckend ist, wie professionell in Spanien selbst so kleine Vereine aufgestellt sind, was Kooperationen und Eigentümerstrukturen angeht. Wenn man das mit der »Vereinsmeierei« in Deutschland vergleicht…


Hornbostels Erben: Das traditionalistische Investorentourette

Permalink - Posted on 2017-06-07 21:35

Symbolfoto: Alles kaputt im Fußball! So wie hier das Bökelberg-Stadion während des Abrisses im März 2006.

Investoren sind böse! Deshalb warnt der deutsche 50+1-Traditionalismus beharrlich, und mit dem Abstieg der Ismaik-Sechzger in der Relegation (und den daraufhin einsetzenden personellen Kalamitäten, die den Münchner Traditionsklub in die Regionalliga beförderten) hat das 50+1-Lager endlich seinen Modellfall für das Unheil, das aus jeglicher Investorentätigkeit im Profifußball zwangsläufig dräut…


Ismaik und das traditionalistische Investorentourette

Es ist ja nicht so, dass Abstiege und finanzielle Schieflagen wg. schlechter Arbeit, chaotischer Personalpolitik und intriganter Vorstandsstrukturen eine von Hasan Ismaik in den deutschen Profifußball eingebrachte Neuheit wären. Die Liste der Vereine mit Insolvenzen, Lizenzentzügen und Zwangsabstiegen, die von gewählten Vorständen »guter deutscher Mitgliedervereine« verursacht wurden, ist schließlich ausgesprochen umfangreich. Von Bonn, Herne, Wanne-Eickel, 1860 (1982 schon einmal…) oder Oberhausen in den 70ern und 80ern bis zu den aktuellen Fällen in Aachen oder Gütersloh reicht da die lange Reihe…

Und doch wird so getan, als wäre die aktuelle Malaise des TSV 1860 eine zwangsläufige Folge des Investoreneinstiegs. Und nur des Investoreneinstiegs. Von der Zeit bis zur »Schottischen Furche« war der Schuldige schnell ausgemacht: Hasan Ismaik natürlich.

Und wurde schnell zum Role-Model des »bösen Investors« aufgebauscht. Es dauerte natürlich auch nicht lange, bis sich der diesbezüglich notorische St. Pauli-Sportvorstand Andreas Rettig (von dem aus seiner Zeit bei der DFL keine Aktivitäten gegen die 50+1 untergrabenden Ausnahmen aller Art bekannt sind…) in der MoPo zu Wort meldete, Zitat:

»1860 und Herr Ismaik zeigen auf eklatante Weise, dass Geld alleine, wenn es nicht richtig eingesetzt wird, mehr Fluch als Segen ist. (…) 50+1 ist für mich das letzte Stopp-Schild auf dem Weg zur totalen Kommerzialisierung.«

Motto: »Mit 50+1 wäre das nicht passiert!« Der kleine Schönheitsfehler dabei: Ist es aber, denn 50+1 gilt ja noch, oder habe ich etwas verpasst?

Und schauen wir doch mal kurz zurück, ins Jahr 2011. 1860 München war ein Musterbeispiel für die glorreiche deutsche Fußball-Vereinsmeierei. Ständig wechselnde Vorstände hatten den Verein so weit gebracht, dass er mal wieder vor der Insolvenz stand. Und dann kam Hasan Ismaik als Retter, sonst wäre es 2011 schon zu Ende gewesen. Begleitet von durchaus wohlwollenden Artikeln, wie hier bei Spox oder im Sechzger-Fanblog »die blaue 24«, Zitat:

»Was man gar nicht oft genug sagen kann, ist, dass Ismaik uns vor dem Untergang gerettet hat. Ich denke nicht, dass 1860 im Falle einer Insolvenz es jemals wieder in den Profi-Fußball geschafft hätte.«

Im Nachhinein betrachtet war Ismaik bei den Sechzgern nur ein weiterer Akteur neben den zahllosen Akteuren aus dem Mitgliederverein, der sich in das chaotische Konstrukt 1860 nahtlos einfügte und mit dem Verbrennen von Millionen das bittere Ende nur von 2011 ins Jahr 2017 verschoben hat. Die Lehre ist nicht, dass Investoren grundsätzlich böse sind, sondern das schlechte Arbeit im Fußball einfach schlechte Arbeit ist, unabhängig von wirtschaftlichen und organisatorischen Strukturen. Mit Eitelkeiten, Fraktionsbildung und Grabenkämpfen um Personen hat noch kein Verein sportlichen Erfolg eingefahren.

Aber der Mainstream des deutschen Fußballs wird daraus wieder einmal die falschen Schlüsse ziehen und sich weiter an seinen rückständigen, unfairen und die Liga sportlich ruinierenden Strukturen erfreuen. Bis ein Gericht 50+1 den Garaus macht, vielleicht sogar durch Hasan Ismaik. Was wäre das für eine grandiose Pointe der ganzen 50+1-Geschichte…

Den besten Artikel zum 1860-Drama findet man übrigens beim Zeitspiel-Magazin, der die billige Schuldzuweisung an Ismaik vermeidet und nebenbei richtig konstatiert, dass der deutsche Fußball ein massives Fan-Problem hat. Dazu ein anderes Mal mehr…

Oh Helene!

Der Kulturkampf der Traditionalisten hat sich schon so im Schützengraben eingegraben, dass sogar eine seltsame Schlagersängerin in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Finales zum Fanal des dräuenden Untergangs der Fußball-Kultur wird. Alles wird nur noch zum kommerziellen Event, so die Klagen der Traditionalisten. »Selber Event« antwortet Johannes Kopp in der taz:

»Auf der einen Seite stehen die Vereine und Verbände, welche die Eventisierung und Kommerzialisierung des Sports vorantreiben, auf der anderen Seite die Fans, zu deren Sprachrohr sich die Ultras aufgeschwungen haben. Ihrem Selbstverständnis nach sind sie die Bewahrer der Fußballkultur. Was sie da beschützen, weiß keiner so genau. (…) Der Grenzverlauf der Fronten ist aber bei Weitem nicht so eindeutig, wie es scheint. Denn auf fußballferne Selbstinszenierungen verstehen sich die Ultras ebenso gut wie Helene Fischer. Sie geben auf den Tribünen den Takt vor, weshalb selbst spektakulärste Aktionen auf dem Spielfeld kaum Einfluss auf ihre monotonen Gesänge haben.«

Elegie des Monats

Zum Abschluss darf eine schöne Elegie über die Schlechtigkeit des zeitgenössischen Fußballs natürlich nicht fehlen. Die von Schwatzgelb in der letzten Ausgabe dieser kleinen Kolumne war schon nicht schlecht, das Scarico-Blog liefert unter dem Titel »Muss ich mir einen neuen Sport suchen?« einen würdigen Nachfolger, Zitat:

»Nein, ganz vom Profifußball abwenden werde ich mich nicht. Dafür liebe ich diesen Sport einfach zu sehr. Aber öfters Mal einen Blick zum Amateurklub um die Ecke zu werfen kann nicht schaden. Dort, wo es noch ein Schnitzel und ein Bier gibt und wo eine Eintrittskarte nicht 45 Euro kostet.«

In diesem Sinne: Fröhliches Verzweifeln am schönen Sport auf dem grünen Rasen…

Der Oldenburger Landwirtschaftsrat Ernst Hornbostel, von 1962 bis 1975 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes, war schon 1963 Fußballkulturpessimist und befand angesichts der damals bevorstehenden Bundesliga-Einführung: »Ein ganzer Teil der Vereine, die heute mit stolzen Hoffnungen in die Bundesliga einziehen, werden bei Halbzeit ein schauerliches Erwachen erleben.« Ernst Hornbostel ist somit der Urahn des modernen Fußballkulturpessimismus, ihm zu Ehren heißt diese Rubrik »Hornbostels Erben«…

Weitere Beiträge zum Fußballkulturpessimismus


Verbandsliga-Relegation: VfB St. Leon - TSV 05 Reichenbach 1:2 – 3.6.2017

Permalink - Posted on 2017-06-04 16:05

Relegation: VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2

Die Saison ist fast überall beendet, in den regionalen Amateurklassen finden die letzten Relegationsspiele statt. So wie in der Verbandsliga Nordbaden, wo sich im Relegations-Halbfinale der VfB St. Leon, Tabellenzweiter der Landesliga Rhein-Neckar, und der TSV 05 Reichenbach, Viertletzter der Verbandsliga, in Friedrichtstal gegenüber standen. Da Friedrichstal immer einen Ausflug wert ist (und man eingedenk der kommenden Sommerpause alles mitnehmen muss!), ging es mal wieder hinaus ins Karlsruher Umland. Neben reichlich frischer Luft, dem Duft eines vorzüglich gepflegten Friedrichstaler Rasens und gutem Karlsruher Flaschenbier gab es ein spannendes Relegationsspiel zu sehen, in dem sich der Verbandsligist Reichenbach knapp mit 2:1 durchsetzte…

VfB St. Leon

In St. Leon, wo der VfB zu Hause ist, liegt der Golfplatz von Dietmar Hopp, das Epizentrum des Dietmar-Hopp-Imperiums. So verwundert es nur wenig, dass der VfB St. Leon einer der zahlreichen Sportvereine in der Rhein-Neckar-Region mit Dietmar-Hopp-Einfluss ist. Die heutige Frauen-Bundesliga-Mannschaft der TSG Hoffenheim entstand 2007 durch eine Übernahme der Frauenmannschaften der Spielgemeinschaft 1. FC Mühlhausen/VfB St. Leon. Zur Belohnung finanzierte die Dietmar-Hopp-Stiftung einen Kunstrasenplatz und u.a. die Sanierung des Vereinsheims

In der aktuellen Saison sicherte sich das Landesliga-Team von Trainer Benjamin Schneider mit einem starken Endspurt von 15 ungeschlagenen Spielen hintereinander den Relegationsrang 2.

TSV 05 Reichenbach

Der TSV, aus dem südlich der Karlsruher Stadtgrenze gelegenen Waldbronn, entging in der Verbandsliga am letzten Spieltag durch einen 7:2-Kantersieg gegen den Auf- und Absteiger Strümpfelbronn dem Abstieg. Aber auch nur, weil FV Lauda gleichzeitig gegen den Aufsteiger Heddesheim eine 1:3-Heimpleite einfuhr. Entsprechende dankbar und motiviert zeigte sich das Team von Trainer Haris Serifovic über die Chance, durch die Relegation doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.

VfB St. Leon - TSV 05 Reichenbach 1:2

Ausgetragen wurde das Relegationsspiel im kleinen aber feinen Stadion des FC Germania Friedrichstal, das hier im Blog schon angemessen gewürdigt wurde. Relegation, Sonnenschein und Flaschenbier hatten gut 400 Zusehende angelockt. Lautstark präsentierte sich der gut zwei Busladungen starke gelb-schwarze Anhang aus St. Leon, der, ausgestattet mit guten alten Tröten und Druckluftsignalhörnern, einen ordentlichen Radau veranstaltete. Auch Reichenbach hatte Anhang mitgebracht, so dass es eine für ein Amateurspiel sehr ordentliche und stimmungsvolle Kulisse gab…

Relegation: VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2 Relegation: VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2 Amateurfußball: Flaschenbier und Grasgeruch Relegation: VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2

Das Spiel begann ziemlich zerfahren, die Bedeutung der Relegation lähmte die Beine wohl ein wenig. In der 17. Minute wurde das Scoren eröffnet, als der VfB-Torwart Merz (beide Torhüter heißen übrigens Merz…) eine Kopfball-Kerze nach einer Flanke von außen unterschätzte und das 0:1 durch Julian Slotty ermöglichte (Fupa-Video). Schon fünf Minuten später erzielte der auffällige Oliver Bitz mit einem schönen Drehschuss den Ausgleich für St. Leon (Fupa-Video). Nach diesen turbulenten 5 Minuten spielte sich das Geschehen bis zur Halbzeit vorwiegend im Mittelfeld ab.

Damit war zwei Minuten nach der Pause Schluss, denn Nico Ruppenstein erzielte mit einem herrlichen Freistoß ins obere Eck die erneute Führung für Reichenbach (Fupa-Video). Da soll mal einer sagen, beim Amateurfußball gäbe es keine technisch feinen Tore zu sehen…

Das war das Startsignal für eine Offensive des VfB. Reichenbach zog sich zurück, wie man so liest soll das Spielen aus einer massiven Abwehr mit gelegentlichen Kontern sowieso die Reichenbacher Spielanlage sein. Entsprechend schwer tat sich St. Leon, vor das Tor des TSV zu kommen. Mit allen Tricks retteten die Reichenbacher die Führung über die Zeit. Wg. wiederholten Zeitspiel des Reichenbacher Torhüters Merz gab es, zum lautstark geäußerten Unwillen der Reichenbacher Fans auf der Tribüne, fast 10 Minuten(!) Nachspielzeit. In der schoss der VfB wild auf das Reichenbacher Tor ein, den Schüssen fehlte es aber an Präzision, um wirklich gefährlich zu werden.

So setzte sich im Relegationshalbfinale Verbandsligist Reichenbach durch und trifft nun nächste Woche im Relegations-Endspiel auf den Sieger der zweiten Halbfinal-Partie Kirrlach vs Mosbach, die am morgigen Pfingstmontag ausgetragen wird.

Fazit: Ein spannendes Relegationsspiel, auch in den mittleren Amateurklassen gibt es guten und spannenden Fußball zu sehen…

Impressionen

The Huddle – VfB St. Leon The Huddle – TSV Reichenbach Fußball schauen im Schnitzelparadies Fanblock aus St. Leon Gut 400 Zusehende… Action Bereit zum Einwurf… VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2 Trinkpause bei St. Leons Torhüter Merz… VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2 Reichenbachs Torhüter heißt auch Merz… Linienrichter auf Ballhöhe! VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2 VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2


Neues aus Schottland #19: Saisonende!

Permalink - Posted on 2017-06-03 13:15

Celtic Park, 2016

»…cheers us up when we know the Scottish Cup, is coming home to rest at Paradise…« heißt es im altehrwürdigen »Celtic Song« von Glen Daly, der bei jedem Spiel im Celtic Park gespielt wird. Und genau so war es! Celtic krönte eine überragende Saison zum Abschluss mit dem Gewinn des Scottish Cup und holte damit das »Domestic Treble« aus Meisterschaft, Liga-Pokal und Vereinspokal…

Der letzte Titel: Scottish Cup für Celtic

Zum Saisonabschluss trafen im Pokalfinale Meister Celtic und der Zweite Aberdeen aufeinander. Bekanntlich ist Celtic ungeschlagen durch die Saison gekommen, so dass der Meister natürlich der große Favorit war. Es entwickelte sich aber ein dramatisches Finale. Schon nach 9 Minuten ging Aberdeen nach einer Ecke durch Johnny Hayes in Führung, der in dieser Saison überragende Stuart Armstrong glich zwei Minuten später aus.

Es entwickelte sich eine spannende Kampfpartie, Aberdeen unterband mit höchstem Einsatz das gefährliche Offensivspiel Celtics. Aber als sich alle schon für die Verlängerung bereit machten, erzielte Tom Rogic mit einer schönen Einzelaktion in der zweiten Minute der Nachspielzeit den umjubelten Siegtreffer für Celtic…

Damit gewann Trainer Brandon Rodgers in seiner ersten Saison das »Domestic Treble«, und das ungeschlagen in allen drei nationalen Wettbewerben. Nur vier Teams konnten Celtic diese Saison schlagen: Die Lincoln Red Imps, Hapoel Be’er Scheva (aus Gibraltar bzw. Israel, in der Quali-Runde zur CL im letzten Sommer), der FC Barcelona und Borussia Mönchengladbach.

Die letzte Entscheidung: Dundee United bleibt zweitklassig

Stammleserinnen und -leser wissen es: Dieses kleine Fußball-Blog hat eine heimliche Leidenschaft für Dundee United. Nach einer wechselhaften Saison in der zweitklassigen Championship wühlte sich das Team von Trainer Ray McKinnon durch die etwas mühsame Aufstiegs-Play-Runde (der Tabellenerste steigt direkt auf, der Zweite, Dritte und Vierte spielen in einer Play-Off-KO-Runde das Team aus, das dann gegen der Vorletzten der ersten Liga Relegation spielen darf). Morton und Falkirk wurden bezwungen. Aber in zwei schauerlichen Spielen entschied ein feiner Fernschuss von Hamiltons Jungstar Greg Docherty die Relegation. Die Accies bleiben drin und Dundee United muss in der kommenden Saison einen neuen Anlauf zur Rückkehr in die erstklassige Premiership nehmen…

Prognose und Realität

Jetzt schauen wir doch zum Saisonabschluss einmal, wer hier die Ahnung hat. Zu Saisonbeginn wurde hier der Ausgang der Meisterschaft vorher gesagt:

 PrognoseErgebnis
1.CelticCeltic
2.AberdeenAberdeen
3.The new RangersThe new Rangers
4.HeartsSt. Johnstone
5.St. JohnstoneHearts
6.MotherwellPartick Thistle
7.Ross CountyRoss County
8.Inverness CaleyKilmarnock
9.FC DundeeMotherwell
10.Hamilton AcciesFC Dundee
11.Partick ThistleHamilton Accies
12.KilmarnockInverness Caley

Im Großen und Ganzen endete es so wie erwartet. Dass die New Rangers Celtic herausfordern könnten war von vornherein eine absurde Vorstellung. Erwartungsgemäß sind sie aktuell nicht einmal die zweite Macht. Mit Rang 3 könnten sie als Aufsteiger mehr als zufrieden sein, wäre da nicht der rund um Ibrox und bei ihren Fans in den Medien obligatorische Größenwahn, der Rangers stets als potenziellen Meister sieht. Davon waren sie weit entfernt und werden es auch in der kommenden Saison sein.

Nicht unbedingt zu erwarten war auch, dass Hearts hinter St. Johnstone auf Rang 5 endet. Der »schottische Nagelsmann« Ian Cathro hatte so seine Probleme mit der in der Wintertransferperiode neu zusammengestellten Mannschaft. Von den neun Neuzugängen werden nun deren sechs Hearts gleich wieder verlassen. Cathros Team gewann nur 6 der 26 Spiele seit seiner Amtsübernahme. Das ist natürlich viel zu wenig, Cathro genießt aber das Vertrauen von Sportdirektor Craig Levein und wird in der kommenden Saison bleiben. Aber die Edinburgh Evening News unken schon:

»If recruitment overall is poor once again and Hearts start slowly, fans will be screaming for Cathro and his assistant Austin MacPhee to be sacked. And probably Levein with them. The brutal truth is that business done over the next few weeks in Gorgie will be the most important since Budge signed that Creditors’ Voluntary Arrangement to take Hearts out of administration.«

Überraschungen gab es in der zweiten Tabellenhälfte. Partick Thistle, die »dritte Macht« in Glasgow, spielte eine für diesen kleinen Klub hervorragende Saison und schaffte erstmals in der Vereinsgeschichte den Sprung unter die ersten Sechs und damit in die »Meisterrunde«.

Ebenfalls überraschend endete Kilmarnock auf Rang 8. Nach Killies desaströser Saison 15/16 waren sie für mich der Abstiegskandidat Nummer 1, zeigten sich aber stark verbessert.

Die große Enttäuschung war Absteiger Inverness Caledonian Thistle. Die Highlander vom Loch Ness, immerhin in der Saison 15/16 noch in der Quali für die Europa League dabei, spielten eine schlimme Saison und stiegen wohlverdient in die Premiership ab. Ähnlich wie Killie und Dundee United in der letzten Saison lieferten sie sich am Tabellenende ein Schneckenrennen mit den Hamilton Accies. Beide gewannen in 38 Versuchen nur sieben Mal, letztendlich brachte ein Unentschieden mehr für die Accies (s.o., Relegation) die Entscheidung…

Und sonst?

In der abgelaufenen Saison konnte man dank DAZN und Sport1+ viele Spiele der schottischen Premiership in guter Qualität anschauen. Wir hoffen natürlich, dass das in der kommenden Saison so bleiben wird. Denn wer möchte denn z.B. HSV vs Mainz anschauen, wenn man doch Aberdeen vs Celtic sehen kann? Und das im altehrwürdigen Pittodrie-Stadion, durch das vom Nordseestrand herüberwabernde Nebelfetzen mäandern? Eben!

Nun ist aber erst einmal Sommerpause. Kicken wird nächste Woche in Schottland nur noch die Nationalmannschaft. Diese muss in der WM-Qualifikation daheim gegen England gewinnen, um noch eine einigermaßen realistische Chance auf die Teilnahme an der WM 2018 zu haben…

Und was nächste Saison wird? »Ah dinnae ken«, wie man in Schottland sagt, »ich weiß es nicht«…


Podcast zum Thema »Bekämpft der DFB die Meinungsfreiheit?«

Permalink - Posted on 2017-06-03 08:45

In der Linksammlung hatten wir schon den Text von Lennart Birth aka @slaukopp mit dem Titel »Bekämpft der DFB die Meinungsfreiheit?« verlinkt. Dieser »Longread« erzeugte ein ordentliches Echo auf Twitter und lange Kommentare, so dass 120minuten zum Thema noch einen Podcast nachlegte: Episode 7: »Bekämpft der DFB die Meinungsfreiheit?«.

Ich hatte die große Ehre, bei dem Podcast dabei sein zu dürfen. Es war eine sehr interessante Diskussion, die auch interessante Einblicke in die Arbeit der viel kritisierten DFB-Sportgerichtsbarkeit bot.


Finale mit Freibier: KSC II vs SV Spielberg 2:3 – 20.5.2017

Permalink - Posted on 2017-05-22 17:15

KSC II vs SV Spielberg 2:3

Mit einer 2:3-Niederlage gegen den Lokalrivalen SV Spielberg verabschiedete sich die U23 des KSC aus der Oberliga-Saison 16/17. Lustig war es trotzdem, denn dem Publikum wurde das Bierometer-Freibier der ersten Mannschaft ausgeschenkt…

Die »Amas« des KSC stehen vor einem großen Umbruch. Aus Kostengründen war sogar eine Auflösung der U23 im Gespräch, im nächsten Jahr geht es aber mit reduziertem Budget weiter.

Für Trainer Stefan Sartori und seinen Co Frank Fürniß war es das letzte Spiel, ebenso für den Großteil der Mannschaft. In der nächsten Saison wird die U23 ein komplett neues Gesicht haben.

Im letzten Spiel ging es munter hin und her, Spielberg hatte das bessere Ende für sich und gewann 3:2.

Bierometer-Stand beim Heimsieg gegen Hannover 96…

Für die Zusehenden sehr schön: Bei den Heimspielen des KSC-Profiteams gibt es für jedes erzielte Tor von der Brauerei Rothaus 30 Liter Freibier. Bei den kümmerlichen 18 Toren waren es immerhin 540 Liter. Da aufgrund der tristen Gesamtlage das Kurvenfest, bei dem das Bier bisher ausgeschenkt wurde, entfiel, gab es das Bier beim letzten Heimspiel der zweiten Mannschaft. Was das Spiel trotz Heimniederlage bei bestem Sommerwetter zu einer erbaulichen Veranstaltung werden ließ…

Ein Bierometer-Freibier… Ole Schröder – auch lange Jahre beim KSC II aktiv – wird verabschiedet… KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3 KSC II vs SV Spielberg 2:3


JSON Feed.

Permalink - Posted on 2017-05-20 11:25

Eine technische Durchsage: Dieses kleine Fußballblog kann jetzt auch als JSON Feed in (noch zu programmierenden) Readern und Aggregatoren gelesen werden. Näheres zu diesem neuen Format (wie RSS, aber in JSON statt in XML) habe ich drüben im hauseigenen Nicht-Fußball-Blog geschrieben. der ballreiter ist damit wahrscheinlich das erste Fußball-Blog überhaupt mit einem JSON-Feed. ;-)


Meinungsfreiheit?

Permalink - Posted on 2017-05-20 09:15

Ein vorzüglicher (wie man heutzutage zu einem Text normaler Länge so sagt) »Longread« von Lennart Birth aka @slaukopp beleuchtet ein schwieriges Thema: »Bekämpft der DFB die Meinungsfreiheit?«. Es geht um die Frage, ob Beleidigungen und so genannte »Schmähgesänge« in den Stadien vom DFB zu bestrafen sind oder nicht.

Meine Meinung: Von langer Hand vorbereitete und organisierte Beleidungen konkreter Personen (wie »Dietmar Hopp Du Sohn einer H…«) haben im Stadion nichts verloren und fallen auch nicht unter »Meinungsfreiheit«. Ansonsten sollte sich der DFB ein wenig zurückhalten (besonders wenn es gegen den DFB als Verband geht)…


Eine der besten Rückrunden aller Zeiten…

Permalink - Posted on 2017-05-16 21:40

Nordkurve beim 1:0-Sieg gegen Mainz 05 im Dezember 2016

Es ist soweit, am Samstag ist die Bundesliga-Spielzeit 2016/17 Geschichte! Und die Borussia aus Mönchengladbach wird eine große Party veranstalten! Denn mit einem Sieg gegen Darmstadt wären es in der Rückrunde 30 Punkte, eine wahrhaft »starke Bilanz«. Und Borussia hat schließlich eine »insgesamt ordentliche Saison« gespielt. Wenn das kein Grund zum Feiern ist…

Wat, »ordentliche Saison«?

Ja, verehrte Leserinnen und Leser, diese Einschätzungen lassen Sie ob der Leistungen der Fohlenelf in der nun fast beendeten Saison möglicherweise genauso amüsiert zurück wie mich. Natürlich kann von einer »ordentlichen« oder gar »starken« Saison keine Rede sein. In Wirklichkeit ist die Borussia in dieser Saison in einer bemerkenswerten Weise in das Mittelfeld einer schwachen Liga zurückgestutzt worden.

Was dann am Ende der Saison auch keine Überraschung ist, es deutete sich nach dem fast totalen Absturz in der Hinrunde schließlich schon an. Und wurde in der Rückrunde vollendet. Die Borussia brachte es fertig, wirklich jedes sportliche Ziel in der aus der Hinrunde hinreichend bekannten Art und Weise zu verspielen…

Für die verehrten Leserinnen und Leser dieses kleinen familiären Fußballblogs gab es seit dem Bericht vom grottenlangweiligen 0:0 in Darmstadt nichts mehr über Borussia zu lesen. Das ist das Gute am Bloggen: Wenn man keine Lust hat, über ein Thema zu schreiben, lässt man es halt bleiben. Aber zum Ende der Saison soll es dann doch noch einmal eine kleine Einschätzung geben.

Der Verein mit der Schönredner-DNA

Eine »Debattenkultur« über den sportlichen Weg, wie in anderen Vereinen (gerade in nicht ganz so glorreichen Zeiten) üblich, gibt es im Umfeld der Borussia nicht. In Social Media gibt es unfassbare Sachen zu lesen, eine übergroße Mehrheit ist auf »linientreuem« Vereinskurs und weist jegliche Kritik empört zurück. Man ist sogar schon mehr als zufrieden, wenn man den Klassenerhalt geschafft hat. Jedes Gegenargument endet mit einem »was willst Du denn, 2009 wären wir über Rang 10 froh gewesen…« Und wer das nicht so sieht, hat »überzogene Erwartungen«. Das ist die Borussia-Welt 2017…

Was bei dieser »rosaroten« herrschenden Sichtweise gerne unter den Tisch fallen gelassen wird: Die Borussia im Jahre 2017 ist in jeglicher Hinsicht in einer komplett anderen Situation, als es der Verein 2009 (oder auch 2011) war. Nur weil von Mitte der 90er bis in die Nuller-Jahre hinein miese Arbeit geleistet wurde (die Fohlenelf war auch zweimal der (Beinahe-)Absteiger mit den höchsten Etats aller Abstiegsaspiranten, siehe 2007 und 2009/2011), kann das doch nicht die Beurteilungsgrundlage für sportlichen Erfolg oder Misserfolg bis ans Ende aller Zeiten sein!

Borussia hat seit der Saison 13/14 das sechstmeiste Geld aller Bundesligisten in Spieler investiert, mehr als 90 Mios. Alleine in der aktuellen Saison wurden Spieler für fast 40 Mio. Euro gekauft. Das hat ein Klub wie Eintracht Frankfurt in seiner gesamten Vereinsgeschichte nicht. Und Borussia war in 6 Jahren fünfmal im Europapokal. Das ist das berühmte »sehen wo wir herkommen« aktuell, und das muss dann auch die Beurteilungsgrundlage des sportlichen Erfolgs einer Saison im Jahre 2017 sein.

Eine schlechte Saison kommt vor

Natürlich kann man auch mit vielen Spielern der teureren Kategorie eine schlechte Saison spielen, so etwas passiert immer mal wieder. Das gab es in Dortmund vor 2 Jahren, und das erleben aktuell Leverkusen, Schalke und Wolfsburg ganz genauso.

Was es aber exklusiv nur bei Borussia gibt, ist dieser unfassbare Drang bei den Verantwortlichen, der Haus- und Hofpresse und dem größten Teil des Fan-Umfelds, alles trotzdem zwanghaft positiv sehen zu wollen.

Fakt ist: Die Fohlenelf ist in dieser Saison nur wg. des Zwischensprint/Trainerwechseleffekts zwischen dem 17. und 23. Spieltag mit der Ausbeute von 5 Siegen und 16 Punkten nicht in akute Abstiegsgefahr geraten. Seit dem 23. Spieltag wurde in 13 Pflichtspielen noch genau dreimal gewonnen. Also wie unter Schubert in der Hinrunde nach dem 3. Spieltag. Ein guter Auftakt, und dann nachgelassen.

Die folgende Grafik vergleicht den Verlauf des Punkteschnitts von Hecking und Schubert in der Bundesliga, mit dem erreichten Punkteschnitt auf der y-Achse und der Anzahl der Spiele (nicht die Spieltage!) auf der x-Achse. Und das von ihrem ersten Spiel in der Saison an hochgezählt. Von Dieter Hecking in 16/17 (ab dem 17. Spieltag), bei André Schubert in 16/17 (ab dem 1. Spt.) und 15/16 (ab dem 6. Spt.). Und zeichnet eine Trendlinie dazu, ab dem 3. Spiel, um einen aussagefähigen Schnitt von mehreren Spielen zu haben:

Wir sehen: Zweimal in einer Saison ein starker Start und anschließend ein Absturz. Und letzte Saison war es auch schon ähnlich, wenn auch auf einen deutlich höheren Niveau. Da ist ein ziemlich deutliches Muster, und dieses Muster kann niemandem gefallen, »2009 wären wir froh gewesen« hin oder her.

Kaderdefizite

Borussias Kader (angeblich der beste und breiteste, auf jeder Position hochwertig vierfach besetzte der Geschichte) besteht aus brauchbaren bis (sehr) guten Fußballern. Als Gesamtheit ist die Mannschaft aber deutlich weniger, als sie in der »Summe ihrer einzelnen Teile« eigentlich sein müsste.

Es war nach der Hinrunde »offizielle Vereinsreligion«, dass André Schubert daran schuld war. Nur zeigt die Rückrunde (30 Pkt hin oder her), dass die Probleme so einfach nicht gelagert sind. Besonders die Art und Weise, wie gegen mittelmäßige Mannschaften die Europa League, der DFB-Pokal und am Ende sogar der europäische Strohhalmplatz 7 verspielt wurden, waren schon ziemlich ernüchternd. Und was Gegentore angeht – Abwehrschwäche war stets einer der Hauptvorwürfe in Richtung Schubert – stehen wir einen Spieltag vor Schluss fast auf dem gleichen Niveau (22 Gegentore in der Rückrunde gegen 25 in der Hinrunde).

Diesem Team fehlte es in (zu) vielen Spielen an Mentalität, es gab viel zu oft ein seltsames »blutleeres« Gekicke zu bewundern, dem der letzte »Punch« fehlte. Wie das Fohlenblog treffend feststellt:

»Die Fohlenelf ist Durchschnitt, nicht mehr und nicht weniger, und ihr fehlt jeglicher ›Killer-Instinkt‹.«

Und man sollte auch nicht außer acht lassen, dass die Mannschaft seit Sommer 2015 mittlerweile den dritten Trainer hat. So viele haben in der Zeit nicht mal Schalke oder der HSV verbraten…

Fazit

Borussia ist in einer für die Möglichkeiten, die sie im Jahre 2017 hat, ziemlich schwachen Saison dank des »Trainerwechseleffekts« noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Mit dieser Saison kann man nicht zufrieden sein, dazu wurde zu viel zu leicht verspielt. Wer nur die (wg. des Zwischensprints/Trainerwechsel, s.o., gute) Rückrunden-Punktebilanz anschaut, macht sich selbst was vor.

Die Qualität der Mannschaft sinkt seit Sommer 2015 (2014/15 66 Punkte, 205/16 55 Pkt., 2016/17 44 oder 47 Pkt.) kontinuierlich. Und das war nicht zufällig der Zeitpunkt, an dem Eberl mit dem Wechsel seiner Transferstrategie begonnen hat. Nämlich: Ein Gerüst von Bundesliga-Kickern des gehobenen Durchschnitts zusammenzustellen und ansonsten darauf zu setzen, dass eines/mehrere von in ganz Europa zusammengekauften Talenten, die gerade das Kindesalter verlassen haben, den Durchbruch schafft/schaffen. Die »Wundertüte« als Kaderplanungsstrategie. Aber, wie Eberl sagt, »alternativlos«…

Eberl steht jetzt in der Pflicht, das Gesicht der in dieser Saison in dieser Zusammenstellung offensichtlich nicht gut funktionierenden Mannschaft zu ändern. Und das erfordert dann auch, dass der eine oder andere verkauft wird, da ohne Europapokal kein Kader von 35 Spielern gebraucht wird. Und das durchaus vorhandene Geld (bei der MV holte man sich bekanntlich die Ovationen für das wirtschaftliche Rekordergebnis ab) in den primären Geschäftszweck der Unternehmung Borussia gesteckt wird. Man darf gespannt sein, was in der Hinsicht im Sommer passieren wird…

Und Borussia könnte eine Opposition vertragen. Damit wieder eine gesündere Debattenkultur Einzug hält und das unangenehme »sektenähnliche« des Borussia-Umfelds sich wieder einem normalen Wettstreit unterschiedlicher Meinungen annähert…

Die Aussicht auf Verbesserung des Klimas in Sachen »Debattenkultur und das Umfeld« beziehe ich ausdrücklich auf die, bei allen Widersprüchen in der Sache, in ihrer großen überwiegenden Mehrheit »normalen« Fans der Borussia. In Sachen »organisierte Fanszene«, den Ultras und dem Fanprojekt mit seiner »Hierarchie der Kurve« und deren undurchsichtigen Befindlichkeiten, die mit allem Möglichen, nur nicht mit Fußball zu tun haben, habe ich längst jegliche Hoffnung aufgegeben und lache da nur noch drüber…


SL Benfica.

Permalink - Posted on 2017-05-16 12:50

Im Sommerurlaub gab es einen Besuch am Stadion, mittlerweile sind sie wieder portugiesischer Meister geworden: SL Benfica aus Lissabon. »These Football Times« wirft einen Blick auf das aufwändige und ausgeklügelte Nachwuchskonzept des portugiesischen Rekordmeisters: »How Benfica became a global figurehead in player development«


Paulo Dybala.

Permalink - Posted on 2017-05-09 12:45

Juves Stürmer Paulo Dybala sorgt diese Saison in Liga und Champions League für Furore. »The Gentleman Ultra« (übrigens sehr lesenswert bei Interesse an italienischem Fußball) beschäftigt sich mit Herkunft und Aufstieg des 24-jährigen Ausnahmestürmers: »Paulo Dybala: Rooted in Poland, Made in Argentina, Polished in Italy«


KSC gibt es auch torreich: KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 – 7.5.2017

Permalink - Posted on 2017-05-07 19:05

KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0

Wer in dieser Saison in Karlsruhe Fußballer die Tore schießen sehen möchte, muss zur zweiten Mannschaft gehen. Gesagt getan, auf Platz 2 des Wildparks gab es bei eher herbstlich anmutendem Wetter reichlich frische Luft und einen 6:0-Kantersieg der U23 des KSC gegen den 1. CfR Pforzheim…

Die Lage

Die zweite Mannschaft des KSC, die U23, dümpelt seit dem Drittligaabstieg 2012 bekanntlich in der fünftklassigen Oberliga Baden-Württemberg herum. Und schwebt in dieser Saison wie die »Großen« in Abstiegsgefahr. Wie man regionalen Medien zur Jahreswende entnehmen konnte, war auch das die Schuld von Cheftrainer Tomas Oral, der seine »überzähligen« Profis an die U23 reichte und dabei detaillierte Anweisungen gegeben haben soll…

In der Rückrunde hat sich das Team von Trainer Stefan Sartori gefangen und liegt im Mittelfeld der Rückrundentabelle. Die gefährlichen Plätze (abhängig von Auf- und Abstieg in anderen Liga darüber und darunter könnten bis zu sechs Teams absteigen) sind wg. der schwachen Hinrunde aber immer noch relativ nah.

Der grotesk aufgeblähte Kader der Profimannschaft sorgte dafür, dass die U23 auch in der Rückrunde ein Verschiebebahnhof zwischen Profiteam und U23 blieb. Angesichts dieses Kommens und Gehens kann man mit der Rückrunde zufrieden sein.

Im Zuge des erneuten Abstiegs der ersten Mannschaft in die Dritte Liga kann man glücklich sein, dass die U23 seit dem letzten Abstieg den Wiederaufstieg in die Regionalliga nicht geschafft hatte. Und man muss eine Reduzierung des Budgets für die kommende Saison hinnehmen. Sogar eine Auflösung der U23 aus Kostengründen war im Gespräch…

The Huddle… Trüber Tag – gutes Spiel Trüber Tag – gutes Spiel 149 Zusehende

KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0

Trainer Stefan Sartori, der den KSC am Ende der Saison verlassen wird, bleibt für die letzten Spieltage von »durchgereichten« Profis verschont, da diese wg. Regularien zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen oder in der Oberliga gültigen Ausländerregelungen nicht (mehr) eingesetzt werden dürfen.

So kamen die 149 Zusehenden auf Platz 2 in den Genuss der von Profipersonal befreiten »eigentlichen« U23-Mannschaft. Der Gegner, der 1. CfR Pforzheim, steht ohne Aufstiegsambitionen im Niemandsland der Tabelle auf Rang 6. Vom Anpfiff weg entwickelte sich ein flottes Oberliga-Spiel, in dem der KSC die klareren Chancen hatte und schon nach 6 Minuten durch Kai Luibrand in Führung ging. Daraufhin legte Pforzheim den Vorwärtsgang ein und es ging hin und her, bis Ridje Sprich in der 39. Minute das 2:0 erzielte. Nach der Pause gab es schon in der 51. Minute mit dem 3:0 durch Tim Fahrenholz die Entscheidung. Der KSC spielte sich nun in einen wahren Rausch und erzielte durch Sprich (2) und Luibrand 3 weitere Treffer zum 6:0-Endstand.

Bester Mann war der sehr agile Ridje Sprich mit seinem »unechten« Hattrick. Sprich ist ein mit 1,72 Meter Größe ein wendiger Mittelstürmer und erzielte heute seine Saisontore 7 bis 9. Er war vor der Saison von der zweiten Mannschaft des SC Freiburg gekommen, eigentlich mit der Option auf Profi-Einsätze. Da es dazu nicht kam und Sprich nun »schon« 23 Jahre alt ist, darf man gespannt sein, wie es mit dem Stürmer weiter geht.

Stefan Sartori meinte nach dem Spiel: »Bis auf Marvin Mehlem haben wir heute mit unserem Kader gespielt und das zeigt was wir in der Saison hätten erreichen können.«

Fazit: Eine feine Leistung der U23, der sonntägliche Sportplatzbesuch an der frischen Luft hatte sich gelohnt. Wer guten Fußball beim KSC sehen will, muss anscheinend zur U23 gehen, wenn diese ohne »Profi-Lasten« spielen darf…

Impressionen

KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0

KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0

KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0

KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 KSC II vs 1. CfR Pforzheim 6:0 Die U23 hat ihre eigenen Supporter!


Dritte Liga klargemacht: KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3 – 29.04.2017

Permalink - Posted on 2017-05-01 13:20

KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3

Beim überflüssigsten Stadionbesuch der Saison wurde es endlich vollbracht: Der KSC steht als erster Absteiger in die Dritte Liga fest. Und lieferte gegen den 1. FC Kaiserslautern beim 1:3 eine dazu passende Leistung ab. Ganz so, als wollten sie nochmals deutlich klarstellen, wer hier das schlechteste Team der 2. Bundesliga ist…

Auflösungserscheinungen

Schon die 0:4-Packung beim letzten Auswärtsspiel in Sandhausen (kicker-Spielbericht, Youtube-Video) hatte die Rettungschance auf ein theoretisches Rechenexempel reduziert. Trainer Marc-Patrick Meister hatte daraufhin begonnen, im Kader ein wenig »aufzuräumen«. Den Rest hatte Meister daran erinnert, »dass Fußball ein Kampfsport ist«…

KSC vs FCK 1:3

Ein Derby gegen den ungeliebten Nachbarn aus der Pfalz, das ist normalerweise ein Garant für einen gut gefüllten Wildpark. Dieses Mal verloren sich nur 18.000 Zusehende im Wildpark, 3.000 bis 4.000 von der anderen Rheinseite bevölkerten den gut gefüllten Gästebereich. Und die wg. der Blau-Weißen angereisten waren ob der Gesamtlage ausgesprochen schlecht gelaunt. Auf der Gegengerade war der Support eingestellt worden, statt dessen war der Support-Bereich mit einem fetten Banner dekoriert, auf dem zu lesen war: »Der größte Imageschaden für den Verein steht auf dem Rasen!« Gute Stimmung gab es nur drei Minuten beim Badnerlied…

Ein Gruß an die Mannschaft… Der Gästeblock war voll und besser gelaunt… Gute Stimmung gab es nur beim Badnerlied… Gute Stimmung gab es nur beim Badnerlied…

Die Aufstellung des KSC war, wie eigentlich bei jedem Spiel in dieser desaströsen Rückrunde, ordentlich durcheinandergewürfelt worden. Der Gegner aus Kaiserslautern spielt auch nicht gerade eine Traumsaison, verfügt aber über die zweitbeste Abwehr der Liga, die mit nur 24 geschossenen Toren eine stolze Ausbeute von 8 Siegen und 11 Unentschieden möglich machte…

The Huddle wirkt bei diesem Team wie eine hohle Geste… Anstoß!

Meisters Ansage vom Fußball als Kampfsport war aber wohl auf taube Ohren getroffen. Der FCK nistete sich vom Anpfiff weg vor dem Karlsruher Strafraum ein, passte sich relativ ungestört den Ball zu und ging folgerichtig bereits nach 4 Minuten durch Przybylko in Führung.

Danach dachten sie sich wohl »hier kann man Kräfte sparen« und verwalteten nur noch die Führung. So plätscherte das Spiel vor sich hin, unterbrochen von gelegentlichen hilflosen KSC-Angriffsbemühungen. Aber dann stand es in der 35. Minute zur allgemeinen Überraschung 1:1. FCK-Keeper Pollersbeck hatte wohl Mitleid und ließ einen Freistoß von Kinsombi rein. Nach fast viereinhalb Spielen das erste Tor des KSC in der Ära Marc-Patrick Meister…

Nach der Pause schlief der FCK noch ein wenig vor sich hin, und der KSC hatte etwa 15 Minuten lang die beste Phase des Spiels. Die Blau-Weißen kamen vor das Lauterer Tor, aber, man braucht es eigentlich gar nicht mehr schreiben, die Qualität beim Abschluss im Strafraum ist einfach nicht da. Und wenn der Ball doch noch aufs Tor kommt, stehen Pfosten oder der gegnerische Torhüter im Weg…

Nach einer Stunde wurde der FCK von den eigenen Fans wieder aufgeweckt, verstärkte wieder die Angriffsbemühungen und so kam es, wie es diese Saison fast immer kam. Kerk brachte die Gäste nach 69 Minuten durch einen im Nachschuss verwandelten Elfmeter mit 2:1 in Führung. Damit war das Spiel erledigt, die »Roten Teufel« verwalteten die Führung und machten in der 87. Minute durch Zoua alles klar.

Fazit: Man hätte nichts verpasst, wenn man dieses Spiel nicht gesehen hätte. Und als wäre das nicht genug, gab es aus dem Gästeblock noch einen Gruß in Form eines Banners mit der Aufschrift »Absteigen ist Eure Option« und das obligatorische Gewinke mit Taschentüchern. Es gab wahrlich schon bessere Fußballtage im Wildpark…

Endstand »Absteigen ist Eure Option«

Immerhin, Humor ist wenn man trotzdem lacht, im A4 waren einige Spaßvögel unterwegs und sorgten mit einem großen »Peter Neururer zum KSC! Jetzt!«-Banner für einige Lacher…

Den Humor nicht verlieren…

Die Lage

Damit ist der Abstieg amtlich, und selten war er so verdient. Die mit Abstand wenigsten Tore (22) geschossen, dazu die zweitschlechteste Abwehr (50 Gegentore): Schlechter geht es kaum noch.

Den Neuaufbau soll nun Trainer Marc-Patrick Meister in der Dritten Liga durchführen, der einen Vertrag bis 2019 unterschrieb. Was im Umfeld nun auch schon wieder mit einiger Skepsis zur Kenntnis genommen wurde, zu desolat präsentierte sich das Team unter Meisters Leitung. Null Punkte und 1:10 Tore in vier Spielen ist seine Bilanz. Man braucht kein Prophet sein: Diese Ausbeute wird eine Hypothek für den Neuaufbau sein. Wenn der Start in die Drittligasaison holprig wird, kann es gleich wieder ungemütlich werden…

Andererseits ist er nun schon der vierte Trainer, und irgendwann muss man halt auch mal aufhören, den wechselnden Übungsleitern die schuld zu geben. Diese Mannschaft ist so desolat, selbst Mourinho oder Guardiola hätten damit ihre liebe Mühe…

Lustigerweise muss man im Nachhinein sagen, dass das Team in der Hinrunde unter Tomas Oral noch tabellarisch und auf dem Rasen am besten aussah, auch wenn das damals alle anders wahrgenommen haben. KSC 2017/18 war für keinen der drei Trainer eine dankbare Aufgabe…

Impressionen

»Gestern, heute, ewiglich!«

KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3 KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3 KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3 KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3 Die Gegengerade erinnert an die Derby-Bilanz dieser Saison… KSC vs 1. FC Kaiserslautern 1:3

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Aufstieg in Sicht: Racing Club de Strasbourg vs Havre AC 2:0 – 28.4.2017

Permalink - Posted on 2017-05-01 11:10

Racing Club de Strasbourg vs Havre AC 2:0

Der Tabellenführer der Ligue 2, Racing Strasbourg, traf am viertletzten Spieltag unter Flutlicht auf den Athletic Club aus Le Havre. Grund genug, ein weiteres Mal in dieser Saison hinüber auf die andere Rheinseite zu fahren. 2:0 besiegte Racing im prall gefüllten Stade de Meinau Le Havre und steht nun mit 5 Punkten Vorsprung auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz bei noch drei ausstehenden Spielen vor der Rückkehr in die erste französische Liga Ligue 1…

Allez Racing!

Racing Strasbourg (grundsätzliches zu Absturz und Wiederaufstieg des elsässischen Traditionsvereins Racing gab es anlässlich des ersten Besuchs diese Saison zu lesen) befindet sich rechtzeitig zum Saisonfinale in bestechender Form. Seit dem 6. März (ein 1:2 bei Valenciennes) hat die Mannschaft von Trainer Thierry Laurey nicht mehr verloren und ist mit 5 Siegen und einem Remis an die Tabellenspitze der Ligue 2 marschiert. Die ersten beiden steigen direkt auf, der Drittplatzierte muss eine Relegation gegen den Drittletzten der Ligue 1 (aktuell Dijon) spielen.

Havre Athletic Club

Gegner Le Havre AC ist ein Traditionsverein aus der Küstenstadt Le Havre in der Normandie. Der 1871 HAC wird manchmal als ältester noch aktiver Fußballklubs Frankreichs bezeichnet, Fußball spielt man dort aber »erst« seit 1892. Seit 2012 spielt der Athletic Club im ausgesprochen hübschen Stade Océane.

Der HAC war nach dem Krieg ein »Fahrstuhlteam« zwischen erster und zweiter Liga, aktuell liegt man im Mittelfeldbereich der Ligue 2, in dem sowohl nach oben als auch nach unten nichts mehr passieren wird.

Racing Strasbourg vs Havre AC 2:0

Stadionidylle… »Berlin Strasbourg Karlsruhe« »Allez les bleus« Ruhe vor dem Sturm…

Wer will es den Strasbourgeoises und Strasbourgeois verdenken? Sechs Jahre nach der Insolvenz und dem Absturz in die fünftklassige Amateurliga CFA 2 rennen sie Racing die Bude ein, 25.600 Zusehende wollten die Freitagsabendpartie gegen Le Havre sehen und sorgten für den Saison-Rekordbesuch. Und damit war das Stade de la Meinau (bis auf den gähnend leeren Gästeblock) fast voll. Das war das vierte Spiel hintereinander mit einer Zuschauerzahl jenseits der 20.000. Aufstiegseuphorie im Elsass! Und natürlich gab es wieder einige Besucher aus dem nahen Karlsruhe im Publikum zu sehen, einer hatte sich sogar gedacht »hajo, Aufstieg!« und sogar seine KSC-Aufstieg-2007-Flagge mitgebracht

The Huddle Gut gelaunte Fantribüne »Kop« Volles Haus im Sonnenuntergang… Volles Haus im Sonnenuntergang…

Die Fantribüne hinter dem Tor, die »Kop«, präsentierte sich von Spielbeginn an prächtig gelaunt und hatte allerlei farbige Fähnchen und Banner dabei. Ultra-selbst-feiern und einen gewissen Mitteilungsdrang über bemalte Tapeten gibt es auch in Strasbourg zu »bewundern«…

Das Spiel kam nur zäh in Gang, die Gäste aus Le Havre machten mit einer Fünfer-Mittelfeldkette das Spielfeld eng und attackierten früh (die hatten wohl zu viel Bundesliga geschaut…), Racing tat sich schwer vor das Tor der Gäste zu kommen. In der 29. Minute passierte dann aber das scheinbar Unvermeidliche. Nach einer Ecke des emsigen Dimitry Liénard (seine 10. Torvorlage) vollendete Torjäger Jérémy Blayac mit seinem 7. Saisontreffer per Kopf zur 1:0-Führung.

Racings »Mittelfeldbabo« Dimitry Liénard ist fast schon ein »Symbolspieler« für Racings Marsch zurück in die Ligue 1. 2013 wechselte er als Amateurspieler zum damals in der dritten Liga »National« kickenden Racing und spielt diese Saison mit 29 erstmals in seiner Karriere im Profifußball. Fast schon eine »Lumpi-Lambertz-Geschichte«…

Der HAC blieb aber forsch und gewillt, den Spielverderber zu geben. Und hatte am Ende einen annähernd ausgeglichenen Ballbesitzanteil und mit elf Versuchen sogar dreimal mehr auf das Tor geschossen als die Gastgeber.

Racing blieb vorwiegend nach Standards gefährlich, entsprechend fiel die Entscheidung in der 59. Minute nach einem langen Einwurf von Khalid Boutaib. Der wurde per Kopf vor dem Tor von Blayac auf den Schädel von Bapiste Guillaume verlängert, der zum 2:0 einköpfte.

Danach verteidigten »les Bleus« die Führung ungefährdet. Letztendlich ist es nicht nur die breit aufgestellte und damit schwer berechenbare Offensive (Boutaib 18 Tore, Guillaume 9, Blayac 7, Bahoken 6), sondern auch ihre physisch starke Defensivabteilung (überragend die IV Saad und Mangane und Mittelfeldabräumer Goncalves), die Racing an die Tabellenspitze gebracht hat. Und wenn doch mal einer durchkommt, ist Torwart Oukidja zur Stelle. Zwei herausragende Paraden bei Schüssen aus nächster Nähe animierten das Publikum zu stehenden Ovationen.

So endete das Spiel 2:0, Racing bleibt an der Tabellenspitze und hat es am nächsten Spieltag auwärts bei RC Lens in der Hand, den Aufstieg (je nachdem wie die anderen spielen) klar zu machen. Die Mannschaft macht nicht den Eindruck, sich das kurz vor dem Ziel noch nehmen lassen zu wollen. Es »läuft« einfach und »les Bleus« spielen wie aus einem Guss. Kapitän Jérémy Blayac versprach nach dem Spiel: »Wir werden alles tun, den Straßburgern dieses schöne Geschenk zu machen…«

2:0! Wohlverdiente Ehrenrunde…

Nach dem Schlusspfiff gab es die verdiente Ehrenrunde unter Ovationen der Meinau und das Team ließ sich von der gut gelaunten Kop feiern. Danach ging es für die Strasbourgeoises und Strasbourgeois hinaus in die Straßburger Nacht, und in den Straßen rund um La Meinau waren die Gesänge »Nous sommes les strasbourgeois, et nous allons gagner…« zu hören…

Impressionen

Das Treiben vor dem Spiel… Das Treiben vor dem Spiel… Vor dem Spiel… Vor dem Spiel… La Meinau… Es geht los! Volles Haus! Ultra-Choreo-Gedöns Während des Spiels… Während des Spiels… Während des Spiels… Besuch aus Karlsruhe… Spielszene Spielszene

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Neues aus Schottland #18: Wir haben einen Aufsteiger!

Permalink - Posted on 2017-04-17 21:55

Hibernians Stadion an der Easter Road in Edinburgh

Die Saison neigt sich dem Ende entgegen, Schlag auf Schlag fallen nun die Entscheidungen: Nach dem Meister in der ersten Liga steht nun auch der Sieger der zweiten Liga, der »Championship« fest: Der Hibernian FC, 142 Jahre alter Traditionsklub aus der Hauptstadt Edinburgh, steht vorzeitig als Meister fest und wird nach einem dreijährigen Gastspiel in der Zweitklassigkeit in die Premiership zurückkehren!

Congratulations Hibernian!

Mit Hibernian kehrt endlich der zweite große Traditionsverein aus der großartigen schottischen Hauptstadt Edinburgh in die erste Liga, die Premiership, zurück. Nach der »schwarzen Saison« 2013/14, die den Abstieg Hibernians und des großen Rivalen Heart Of Midlothian (mit denen sie seit 1875 eines der ältesten Derbys überhaupt 334 mal austrugen) sah, sind die beiden Teams, immerhin beide mit jeweils 4 Meisterschaften dekoriert, nun wieder in der Erstklassigkeit vereint.

Hibernian war 2014 in der Relegation überraschend abgestiegen. In einer Saison, die sie eigentlich auf einen Europapokalplatz bringen sollte, spannten sie dem Ligarivalen Inverness Caley mit Terry Butcher während der Saison den Trainer aus und stiegen als Fluch der bösen Tat ab.

Und wie das halt so ist, wenn man erst einmal in der Zweitklassigkeit hängt, stellte sich der Wiederaufstieg als schwieriger heraus als gedacht. In der Saison 14/15 zogen sie gegen Hearts den Kürzeren und scheiterten als Tabellenzweiter in den Play-Off-Aufstiegsspielen. Und in der letzten Saison 15/16 war gegen The New Rangers kein Kraut gewachsen und Hibs scheiterten erneut in den Play-Offs. Immerhin konnten sie sich mit dem ersten Pokalsieg seit 114 Jahren trösten.

In der aktuellen Saison setzten sie sich unter Trainer Neil Lennon letztendlich souverän gegen Dundee United, Falkirk und Morton durch und machten am Wochenende mit einem 3:0 gegen Queen Of The South den Aufstieg klar. Die drei Rivalen müssen nun in den Play-Off-Spielen gegen den Vorletzten der Premiership den zweiten Aufsteiger ausmachen. Da hoffen wir selbstverständlich auf ein erfolgreiches Ende für Dundee United!

Damit kommt ein weiteres interessantes Team in die erste Liga zurück und wird den Kampf um die Plätze hinter Celtic interessant machen. Mit Spielern wie John McGinn, Dylan McGeouch, Jason Cummings und Celtic-Leihgabe Efe Ambrose hatten sie schon diese Saison einen Kader, der (wie sie in Pokalspielen gegen Hearts und Aberdeen zeigten) in der Premiership konkurrenzfähig sein wird. Congratulations, and welcome back!

Hibernians Stadion an der Easter Road in Edinburgh Hibernians Stadion an der Easter Road in Edinburgh »Edinburgh is ours« Hibernians Stadion an der Easter Road in Edinburgh

Liga-Teilung

In der ersten Liga wurde am Wochenende nach dem 33. Spieltag die Liga »geteilt«. Die ersten 6 und die Plätze 7 bis 12 spielen jeweils noch einmal in einer einfachen Runde gegeneinander. Dabei kann es natürlich zu Ungerechtigkeiten kommen, da die Anzahl der Heim- und Auswärtsspiel durch die 5 Spiele in den Tabellenhälften evtl. nicht aufgeht. Dieses Mal hat es Ross County erwischt, die nun ein Heimspiel weniger als alle anderen Teams haben. Andere Länder, merkwürdige Regularien…

Am letzten Spieltag der normalen Runde gab es noch einmal etwas Ärger, weil Meister Celtic durch eine recht dreiste Schwalbe (etwa bei 1:18 im Video) um den Sieg bei Ross County gebracht wurde. Da soll noch mal einer sagen, auf der Insel gäbe es sowas nicht. Außerdem sah Celtic-Captain Scott Brown die Rote Karte nach einer herzhaften Grätsche…

Celtic bleibt trotzdem auch im 33. Spiel ungeschlagen, dieses Spiel war erst das vierte Unentschieden der Saison.

Wechselhaft bleibt es auch für den kürzlich vorgestellten »schottischen Nagelsmann« Ian Cathro und seine Hearts. Hearts spielten in einem grauenhaften Spiel 0:0 in Kilmarnock und demonstrierten erneut ihre fehlende Konstanz. In der Vorwoche gab es einen 1:0-Sieg gegen Dundee, in dem Cathros Team zeigte, was es an guten Tagen leisten kann. Aber es sind halt nicht alle Tage gute Tage…

Apropos Dundee, der FC Dundee verlor nicht nur dieses Spiel und entließ heute Trainer Paul Hartley. Der Lokalrivale von Dundee United befindet sich als Vorletzter in akuter Abstiegsgefahr…

Und sonst?

Das Fußball-Kalenderblatt von 120minuten erinnert an das europäische Rekordspiel zwischen Schottland und England im Glasgower Hampden Park im Jahre 1937. 149.415 Zusehende sahen damals das Spiel, nie mehr waren in Europa so viele Zuschauer bei einem Fußballspiel. Hampden war zu der Zeit ein gewaltiges Stadion mit riesigen Stehplatztribünen. Heute ist Hampden nach diversen Umbauten ein normales Stadion mit knapp 52.000 Sitzplätzen.

Am kommenden Wochenende gibt es in eben jenem Hampden Park die überaus vielversprechend aussehenden Halbfinalspiele des Scottish Cup. Samstag um 13:15 trifft der frische Aufsteiger Hibernian auf den FC Aberdeen, und am Sonntag um 13:00 steigt (dieses Mal auf neutralem Grund, ebenfalls im Hampden Park) das nächste Derby zwischen Celtic und The New Rangers. Da den schottischen Pokal in Deutschland niemand übertragen will, ist man für Übertragungen auf kreative Lösungen in der weiten Welt des Internets angewiesen…


Mit vollem Rucksack Richtung Dritte Liga: KSC vs 1.FC Heidenheim 0:1 – 16.4.2017

Permalink - Posted on 2017-04-17 13:10

KSC vs 1.FC Heidenheim 0:1

»No sympathy for the devil, buy the ticket, take the ride« – dieses Zitat aus Hunter S. Thompsons Epos »Fear and Loathing in Las Vegas« war das Motto für das Heimspiel des KSC gegen den 1. FC Heidenheim. Der »Ride« sah dann so aus: Regnerisches Osterwetter, Minuskulisse, keine Tore und mit einem unverdienten 0:1 die siebte Heimniederlage der Saison. Es lief also fast alles für den »Devil«, dem Abstieg in die Dritte Liga…

Fear and Loathing in Karlsruhe

»The possibility of physical and mental collapse is now very real.« (Hunter S. Thompson, »Fear and Loathing in Las Vegas«)

Wahrlich, »Fear and Loathing« (dt. »Angst und Abscheu«) gibt es derzeit reichlich rund um den KSC.

Sportlich manövrierte die englische Woche mit den Spielen gegen Nürnberg und Würzburg sowie der Niederlage beim Derby in Stuttgart (kicker-Spielbericht, Video-Zusammenfassung auf Youtube) den KSC vor dem Heimspiel gegen Heidenheim in eine fast aussichtslose Lage am Tabellenende. Nach den drei Niederlagen in neun Tagen betrug vor dem Spiel der Abstand zum Relegationsrang 16 schon 8 Punkte und der zum rettenden Rang 15 sogar deren 10. Man musste jetzt möglichst viele Spiele gewinnen und auf Niederlagen der (jenseits des KSC) noch eng beieinanderliegenden Konkurrenz hoffen. Torhüter Dirk Orlishausen merkte zu Recht an:

»Die Hoffnung und der Glaube sterben zuletzt, aber ich bin ja nicht dumm und naiv. Wir haben jetzt den vierten Trainer, wir müssen von sechs Spielen wahrscheinlich fünf gewinnen. Wir haben das ganze Jahr, wenn überhaupt, fünf gewonnen.«

Vier waren es. In 28 Versuchen…

Natürlich werden von den Verantwortlichen, wie immer in solchen Situationen, optimistische Töne angeschlagen. Sportdirektor Oliver Kreuzer verkündete im kicker (31/2017):

»Wenn wir die beiden kommenden Spiele gewinnen, könnte es bei verbleibenden vier Spielen vier Punkte Rückstand sein – dann ist wieder Hoffnung da.«

Auch Neu-Trainer Marc-Patrick Meister blieb optimistisch, das Spiel gegen Heidenheim erklärte er (abseits-ka) zum »großen Saisonfinale«. Und er sah mit Heidenheim eine »Büffelherde« auf sein Team zukommen…

Abstiegsreif präsentierte sich auch ein Teil des Anhangs des KSC beim Auswärtsspiel in Stuttgart. Mit Böllern und Raketen auf Ränge und Spieler brachten sie das Spiel kurz vor einen Abbruch, dazu gab es noch »Kaltverformungen« an Waggons der Bahn. Daraufhin gab es Sanktionen des Vereins nach dem »Gießkannenprinzip«, woraufhin die betroffenen Supporters verbal zurück schlugen:

»Abschließend stellen wir uns die Frage, ob unsere aktuell kritische Position zur sportlichen und vereinspolitischen Situation des KSC im Vorfeld des Stuttgart-Spiels nicht dazu geführt hat, dass diese Sanktionen gezielt gegen uns, die Supporters Karlsruhe 1986 e.V., ausgesprochen wurden.«

Am Spieltag wurde im aktuellen Supporters-Flyers »Blockschrift« (Vorsicht, PDF) noch einmal nachgelegt:

»Wellenreuther hat es nicht verstanden, dem Verein eine Vision zu geben. Der notwendige kontinuierliche Aufbau wurde für den kurzfristigen Erfolg geopfert. (…) Wo es notwendig gewesen wäre, Brücken zu bauen, setzte Wellenreuther stets auf Abgrenzung.«

Was man in allen öffentlichen Meinungsäußerungen der Supporters vermisst: Irgendeine Form der (Selbst-)Kritik in Sachen »Stuttgart«. Nix gegen eine gepflegte Pyro, aber Züge zerlegen und mit Raketen und Böller ein Spiel an den Rand des Abbruchs bringen sind schon Dinge, die ein Verein nicht einfach so passieren lassen kann…

Präsident Wellenreuther wehrte sich gegen die zunehmende Kritik in einem ganzseitigen Interview in der örtlichen Monopolzeitung BNN. Und brachte dazu sogar seine sonst so gut wie nie in der Öffentlichkeit auftretenden Vize-Präsis Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze mit. Das Interview kann man so zusammenfassen: Der im November 2016 gefeuerte (und mittlerweile beim HSV agierende) Ex-Sportchef Jens Todt ist letztendlich an allem Schuld, was seit der verlorenen Relegation 2015 schief gelaufen ist. Und der aktuelle Sportdirektor Oliver Kreuzer, denn der hatte Mirko Slomka verpflichtet…

KSC vs 1. FC Heidenheim 0:1

Trotz aller mitunter ins Surreale abgleitenden Nebenschauplätze geht es um das Spiel auf dem Rasen, der KSC brauchte dringend einen Dreier, um die Mini-Chance lebendig zu halten. Was am regnerischem Ostersonntag offiziell gut 11.000 Zusehende motivierte, sich in den Wildpark zu begeben. De facto waren es vielleicht 9.000, die tatsächlich im Stadion waren. Effektiv leergespielt…

Immerhin gab es frische »Aufgeben ist keine Option«-Aufkleber, die in der ganzen Stadt verklebt wurden. Die müssen wahrscheinlich weg, damit die nicht kartonweise im Keller liegen…

Am »zur Strafe« vom Vorstand geschlossenen Supporters-Verkaufs-Container grüßte ein Protestplakat gegen Kollektivstrafen (siehe Bild, Danke an https://twitter.com/dematic82). »No sympathy for the Devil…«

Motivation durch Aufkleber… Protest am Supporters-Container… »Gegen Kollektivstrafen« Die Gegengerade. Der Gästeblock.

Aber die, die gekommen waren, hatten das nicht wg. der sich mit dem Misserfolg fast zwangsläufig bildenden Nebenschauplätze getan, sondern wollten auf dem Rasen ein Aufbäumen gegen den Abstieg sehen. Es war ja auch nicht so, dass mit Heidenheim ein unbesiegbarer Zweitligagigant in den Wildpark kam. Als der 1.FC Heidenheim das letzte Mal gewonnen hatte (2:0 daheim gegen Würzburg), lag noch Schnee auf der Ostalb. Aber die Blauweißen hatten sich ja schon gegen Fortuna und den Club aus Nürnberg als Aufbaugegner betätigt, die mit ähnlichen Sieglosserien in ihre Begegnungen gegen Karlsruhe gegangen waren…

Das Team aus Stuttgart wurde auf zwei Positionen verändert. Yamada und der junge Buchta mussten raus, Valentini kehrte ins Team zurück. Und überraschend der als »Oral-Verpflichtung« verschrieene Yann Rolim, der seit dem 15. Spieltag genau 9 Minuten in der Zweiten Liga gespielt hatte. Die Spieler-Achterbahn (Stammelf, Bank, Tribüne, Zweite Mannschaft und zurück) in dieser Saison ist der reine Wahnsinn und sicher Teil des Problems…

Yann spielte sogar eine überraschend gute Partie, die beste, die man von ihm bisher im KSC-Dress sah. Und war gleich der neue Standard-Schütze, schoss alle Ecken und viele Freistöße.

KSC vs 1.FC Heidenheim – Anstoß

In der ersten Halbzeit ging es vielversprechend los, in der 4. Minute vergab Valentini eine gute Chance, die sogar mit einer schönen Kombination herausgespielt war. Doch dann gab es mal wieder eines jener Spiele zu sehen, die in den den letzten Jahren im Wildpark üblich geworden sind. Ein abwartender Gegner und ein KSC, dem die Mittel fehlen, in den gegnerischen Strafraum und zu Abschlüssen zu kommen. Bei allem Einsatz der 22 Akteure, die im Mittelfeld zwischen den Strafräumen den regennassen Rasen und den Gegner beackerten, ein ziemlich ödes ereignisarmes Gekicke.

In der zweiten Halbzeit kam Mugosa für den wirkungslosen Kamberi in das Karlsruher Sturmzentrum. Das machte sich bezahlt, das Spiel wurde nun druckvoller und Mugosa suchte den Weg in den Strafraum. Und, siehe da, geht man mal in den Strafraum, bekommt man gleich Chancen. So in der 58. Minute. Kom eroberte im Mittelfeld den Ball, Yann steckte auf Reese durch. Dessen schönes Solo endete mit einer guten Flanke in den Strafraum. Flankenempfänger Mugosa traf aber aus 5 Metern nur den Pfosten. Wenn man solche Chancen nicht verwertet, dann steigt man halt ab…

Denn im Fußball kommt es oft, wie es kommen muss. Acht Minuten später schlägt Heidenheim den Ball aus dem Mittelfeld auf den Flügel zu Feick. Dessen hohe Flanke köpfte Verhoek locker ein – der 0:1-Siegtreffer in der 67. Minute.

Die Blauweißen gaben nicht auf, kamen noch zu weiteren guten Chancen (alleine noch zweimal Mugosa), aber wie so oft wurden die Chancen nicht verwertet. Trainer Marc-Patrick Meister drückte es nach dem Spiel so aus:

»Unser Rucksack ist zur Zeit sehr voll.«

Und so kam der 1. FC Heidenheim zu einem Auswärtssieg ohne genau zu wissen warum. Für KSC-Verhältnisse war es eine gute Leistung, das Team hatte alles gegeben, aber man muss einfach anerkennen dass es für die Zweite Liga nicht genug ist. Und so steht seit dem Schlusspfiff mit nunmehr 10 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16 der Abstieg in die Dritte Liga praktisch fest…

KSC vs 1.FC Heidenheim 0:1

Die Lage

»No, this is not a good town for psychedelic drugs. Reality itself is too twisted.« (Hunter S. Thompson, »Fear and Loathing in Las Vegas«)

10 Punkte Rückstand auf Rang 16, nur noch 5 Spiele – man muss sich schon in einen Drogenrausch von Thompsonschen Dimensionen befinden, um die Chancen auf den Klassenerhalt noch für realistisch zu halten. Zumal der KSC nun gerade eine Serie von 6 sieglosen Spielen mit 1 Punkt und 2:12 Toren hingelegt hat. Unter Neutrainer Marc-Patrick Meister wurde in 180 Minuten noch überhaupt kein Tor erzielt…

So geht das Team nun in den verbleibenden fünf Matches auf Zweitliga-Abschieds-Tournee und Meister wird hoffentlich so schlau sein, ab sofort die Spieler unter Wettkampfbedingungen auszuprobieren, die in der kommenden Saison in der Dritten Liga dabei bleiben sollen…

Impressionen

Spielszene Kein gutes Wetter… 0:0 0:1 Die Trainer in Aktion… Endstand: 0:1


Das Premier League-Paradoxon.

Permalink - Posted on 2017-04-10 18:35

Ein lesenswerter Text bei »Cavanis Friseur« beschäftigt sich mit Problemen der Premier League und des englischen Fußballs: »Das Premier League-Paradoxon und weitere Probleme Englands«. Wobei ich anmerken möchte, dass es gerade die Abwesenheit von taktisch ausgefeiltem Mittelfeld-Pressing ist, die mir ein typisches PL-Spiel kurzweiliger erscheinen lässt als ein typisches Bundesliga-Spiel.


Adiós Calderón: Atlético de Madrid vs Real Sociedad de Fútbol 1:0 – 4.4.2017

Permalink - Posted on 2017-04-06 21:45

Atlético de Madrid vs Real Sociedad de Fútbol 1:0

Nach der aktuellen Saison verlässt unser spanisches Lieblingsteam Atlético de Madrid sein großartiges Estadio Vicente Calderón und zieht in das neue Wanda Metropolitano um. Deshalb machte sich Team ballreiter zum Abschiedsbesuch auf in die spanische Hauptstadt Madrid und sah im sechstletzten Ligaspiel im Calderón einen umkämpften 1:0-Sieg von Atléti gegen die Real Sociedad de Fútbol aus San Sebastian…

Estadio Vicente Calderón

Im Blogeintrag zum ersten Groundhopp ins Calderón im Januar 2016 hatte ich allerlei über den Verein, das Stadion und das Vereinsmuseum geschrieben. Mittlerweile ist der Umzug ins »Wanda Metropolitano« zu Beginn der nächsten Saison so gut wie sicher. »Wanda« ist ein im europäischen Fußball recht aktiver chinesischer Konzern, der Anteilseigner bei Atléti ist und Stadionsponsor des neuen Stadions sein wird. Das »Metropolitano« war das Vorgängerstadion des Calderóns, Atléti spielte dort von 1923 bis 1966. Der Name soll an das alte Stadion anknüpfen ohne gleich Traditionalisten mit dem Namenssponsor zu verprellen, durchaus clever!

Damit naht nach 51 Jahren nun das Ende für das Calderón. Was natürlich ein Jammer ist, es liegt malerisch am Ufer des Manzanares, der aktuell mit ziemlich wenig Wasser am Stadion vorbei durch Madrid tröpfelt. So eine grandiose Szenerie wird das neue Stadion nicht bieten können…

Estadio Vicente Calderón am Rio Manzanares Estadio Vicente Calderón am Rio Manzanares »Droga Dura« Estadio Vicente Calderón am Paseo de los Melancolicos

Am Matchday füllen sich vor dem Spiel die (gesperrten) Straßen rund um das Stadion mit Fans. Es gibt Verkaufsstände für Devotionalien und Bars/Kioske mit Bier-Straßenverkauf, denn im Stadion gibt es nicht viel zu trinken…

Estadio Vicente Calderón vor dem Spiel Estadio Vicente Calderón vor dem Spiel Stadionbier vor dem Spiel Estadio Vicente Calderón vor dem Spiel

Also gab es erst einmal ein Bier vor dem Stadion im Kreise zahlreicher Atléti-Fans. Wie in vielen Ländern üblich, hält man sich nur zum Spiel selbst im Stadion auf, dessen Tribünen sich deshalb in den letzten 10 Minuten vor Spielbeginn füllen.

Wenn man das Stadion betritt, sieht man dem ehrwürdigen alten Kasten in den Gängen und Treppen durchaus sein Alter an. Aber eigentlich auch nix, was nicht mit einem Eimer Farbe zu reparieren wäre…

Etwas renovierungsbedürftig… Etwas renovierungsbedürftig…

Atléti vs Real Sociedad 1:0

Die Saison geht nun die entscheidende Phase, die Spiele im Calderón werden weniger, entsprechend groß ist der Andrang auf die Tickets für die letzten Matches. Heute wurde bekannt, dass es für die letzten 5 Liga-Spiele insgesamt nur noch 500 Karten gibt, es wurde also höchste Zeit für den Abschiedsbesuch.

Aber geht ja nicht nur um »Stadion gucken«, sondern um guten spanischen Fußball. Atléti hat seit Dezember nur auswärts in Barcelona verloren und sich in der Zeit mit einer Serie von 4 Siegen und 1 Remis wieder auf den CL-Rang 3 hochgespielt.

Der Gegner aus dem baskischen San Sebastian (genannt »La Real«) spielt nach Rang 9 in der Vorsaison in der aktuellen Spielzeit wieder um die Europapokalplätze mit. Wie fast alle spanischen (und baskischen) Teams haben sie eine gute spielstarke Mannschaft und bringen stets vielversprechende Spieler aus ihren Nachwuchszentren hervor. Antoine Griezmann ist ein gutes Beispiel dafür, er kam als Jugendlicher zu Real Sociedad, wurde dort ein Star und wechselte dann zu Atléti.

Aktuell schickt sich Außenstürmer Mikel Oyarzabal an, in Griezmanns Fußstapfen zu treten. Das 19-jährige Supertalent hat einen Vertrag mit einer 40-Mio-Ausstiegsklausel und natürlich gibt es schon die ersten Angebote…

Auch bei einem Wochenspieltag wird in La Liga der Spieltag über die ganze Woche verteilt, Spanien ist der Albtraum aller Spieltermintraditionalisten. Für uns Connaisseure hat das den Vorteil, dass man mehr Spiele anschauen kann. Spielbeginn war am Dienstag abend um 21:30. Es fanden sich aber trotzdem 54.400 Zuschauende ein. Für Auswärtsfahrer ist das natürlich nicht gerade ein Traumtermin. Da es in Spanien aber keine typisch deutsche stramm organisierte Allesfahrer-auswärts-dabei-sein-Müsser-Kultur gibt, ist das auch nicht weiter tragisch.

Wer sich etwas früher vom Bierbecher vor dem Stadion löste, wurde mit einer großartigen »blauen Stunde« über den noch leeren Tribünen des Calderón belohnt…

Blaue Stunde im Calderón Blaue Stunde im Calderón  Es geht los! Bestens gefüllte Tribüne.

Als die Sonne untergegangen war, war das Stadion dann pünktlich zu Spielbeginn voller erwartungsfroher Fans. Erfreulicherweise fuhr Trainer Diego »Cholo« Simeone die »ganze Kapelle« auf, mit Griezmann und Torres im Angriff. San Sebastians Trainer Eusebio ließ Jungstar Oyarzabal zunächst auf der Bank und vertraute auf die Vollstreckerqualitäten des brasilianischen Mittelstürmers William José und Mittelfeld-As Xabi Prieto.

Die Gäste aus dem Baskenland wollten etwas mitnehmen und ergriffen vom Anpfiff weg die Initiative, 64% Ballbesitz in der ersten Halbzeit war das Ergebnis. Atléti agierte abwartend, hatte defensiv ordentlich zu tun, vermied aber dabei wirklich klare Torchancen für La Real.

Atléti braucht aber bekanntlich selbst nicht viele Chancen und große Ballbesitzphasen. In der 28. Minute rannte Außenverteidiger Filipe Luis über den linken Flügel Richtung Strafraum, spielte einen Doppelpass mit Griezmann, einen weiteren mit Torres und vollendete gegen zwei Gegenspieler vom Fünfmeterraum zur 1:0-Führung. Ein klasse Tor, das Calderón war in Feierlaune!

Es reden immer alle über Griezmann, Torres, Koke und Co. Aber Filipe Luis ist so etwas wie der »unsung hero« bei Atléti. Er spielt seit Wochen in Topform, ist für einen Außenverteidiger ausgesprochen offensivstark und fängt nun auch noch das Tore schießen an. Innerhalb von drei Tagen erzielte er seine Saisontore 1 und 2.

Kurz drauf ließ »El Niño« Fernando Torres eine Monsterchance liegen, traf nacheinander Pfosten und Außennetz. Mit dem 1:0 ging es kurz drauf in die Pause.

Real Sociedad gab nicht auf, wechselte Jungstar Oyarzabal ein und machte Atléti in der zweiten Halbzeit das Leben schwer. Die Abwehr stand besser, die Rojiblancos kamen kaum zu Torabschlüssen und bauten über Ballbesitz Druck auf. La Real fehlten aber die Vollstreckerqualitäten, Stürmer William José hatte keinen guten Tag erwischt.

10 Minuten vor Schluss wurde es Cholo Simeone zu still im Calderón, mit seinen bekannten Gesten animierte er das Publikum zu Geschrei und Support, und das kam seinem Wunsch natürlich umgehend nach. Diese Maßnahme erfüllte ihren Zweck, Atléti wurde noch einmal stärker und kam noch zu diversen Abschlüssen und hielt so Real Sociedad erfolgreich vom eigenen Tor fern.

Mit dem 1:0-Sieg holte Atléti den fünften Sieg in La Liga hintereinander. Und das mit 10:1 Toren. Und morgen verkünden die DAZN-Experten wieder, dass Atléti »diese Saison nicht so gut ist«…

Spielszene. 1:0

Fazit: Der Abschiedsbesuch im Calderón war ein stimmungsvolles und hochklassiges Spiel in typischer Atléti-Atmosphäre. Nach dem Spiel gab es in der Bar gegenüber noch ein letztes Abschiedsbier. Adios Calderón!

Nach dem Spiel… Das Abschiedsbier…

Schade, dass es den Umzug geben wird, aber es gibt immerhin Indizien dass dieser gelungener ausfallen wird als bspw. das große Fiasko, das West Ham mit dem Auszug aus dem Boleyn Ground in dieser Saison erlebt. Es gibt einen Twitter-Account, der regelmäßig Fotos und Videos vom Baufortschritt postet, und das sieht zumindest nach einem guten neuen Stadion aus. Aber es wird natürlich kein Calderón mehr sein, man darf gespannt sein ob diese ganz eigene Calderón-Atmosphäre einfach so »umgezogen« werden kann…

Impressionen

Richtung Calderón…

Paseo de los melancolicos Aussteigen zum Calderón. Vor dem Spiel Vor dem Spiel

Blaue Stunde

Selfies in der Loge. Bienvenidos Spielszene Vor dem Spiel

Ausverkauft!

Der obligatorische Blumenstrauß für Milinko Pantic. Fanblock 1:0 Strafraumaction

Flutlicht

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Karlsruher Abstiegspanik

Permalink - Posted on 2017-04-06 16:40

»Aufgeben ist keine Option«

Und da ist es schon wieder soweit: Nach dem Unentschieden im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers musste Mirko Slomka nach ca. drei Monaten Amtszeit schon wieder gehen. Die Verantwortlichen beim KSC bekamen es nach dem Abrutschen ans Tabellenende mit der Angst zu tun und wechselten mal wieder den Trainer. Mit Mark-Patrick Meister darf sich nun Trainer Nummer 4 am Projekt »Klassenerhalt« versuchen…

Torarm ans Tabellenende

Seit dem 0:3 gegen Düsseldorf im vorletzten Heimspiel hat sich der KSC am Tabellenende festgesetzt.

Dabei sah es in dem folgenden Auswärtsspiel in Nürnberg (kicker-Spielbericht, Video-Zusammenfassung auf Youtube) eigentlich gar nicht so schlecht aus. Das wg. Verletzungen und Sperren komplett umgekrempelte Team machte beim FCN ein ordentliches Spiel. Es ist klar, dass der KSC, die schlechteste Offensive der Liga, in dieser Saison nicht mehr als fleißig scorende Torfabrik auftreten wird. Darum muss ein Tor zum Sieg reichen. Ein Schiedsrichter aus Stuttgart hatte etwas dagegen. Er verhängte zwei zweifelhafte Elfmeter für den Club und versagte, als Krönung einer bescheidenen Schiedsrichterleistung, dem KSC einen Strafstoß in der Schlussphase. »Gegen 12« kann dieser KSC nicht gewinnen. Die Leistung an sich machte aber durchaus Hoffnungen auf Zählbares im nächsten Heimspiel…

Das war dann in der englischen Woche das Spiel gegen die in der Rückrunde auch ziemlich schwach auftretenden Würzburger Kickers. Aber es gab nur ein 1:1 (kicker-Spielbericht, Video-Zusammenfassung auf Youtube). Zu wenig, um den Anschluss an die rettenden Plätze herzustellen. Und zu wenig für Mirko Slomka…

Von Slomka zu Meister…

Nun ist der mit viel Trara erst im Dezember als Nachfolger von Tomas Oral verpflichtete »Promi-Trainer« Mirko Slomka beim KSC schon wieder Geschichte. Nur zwei Siege gelangen unter Slomka in 10 Spielen. 10 Tore wurden dabei erzielt (5 davon in den beiden siegreichen Spielen gegen Bielefeld und Hannover), 19 mal rappelte es im Karlsruher Tor. Und in den letzten vier Spielen gab es nur einen Punkt und zwei erzielte Tore, aber deren sieben in den eigenen Kasten. Nicht gerade eine Traumbilanz…

Nachfolger ist mit Marc-Patrick Meister der Trainer der Karlsruher U17 und bisherige Co-Trainer von Mirko Slomka. Meister ist einer aus der neuen Generation jüngerer Trainer, die selbst keine großen Spieler waren und sich aus der Jugendarbeit hoch gearbeitet haben. Er hat sich auch noch an der berühmten »Universidad Europea de Real Madrid« fortgebildet und dort noch einen Fußballlehrer-Schein erworben. Beste Voraussetzungen also…

Karlsruher Konzeptlosigkeit

Nur: Diese Option wäre bereits im Winter verfügbar gewesen, man holte aber mit Slomka lieber einen Kreuzer-Spezi aus der großen weiten Bundesliga-Welt. Damals sagte Kreuzer (lt. BNN von 6.12.2016):

»Man kann nicht irgendwo einen U-17-Trainer ausgraben in der Hoffnung, er kann die Situation meistern. (…) Nagelsmänner wachsen nicht auf den Bäumen.«

Zehn Spiele später sieht Kreuzer das ganz anders und es gibt die Wende hin zum Nachwuchscoach aus dem eigenen Haus. Nach dem erfahrenen Zweitligacoach Oral und dem Bundesliga-Coach Slomka nun die dritte Trainervariante. Kein Wunder, dass (nicht nur) der SWR in der sportlichen Führung des KSC eine gewisse Planlosigkeit sieht.

Wie schon zuvor Tomas Oral hatte Slomka viel probiert, um das lahmende Spiel zu beleben und dem KSC mehr Torgefahr zu verabreichen. Das Problem dabei ist, dass dieser Kader tatsächlich der schlechteste der Zweiten Liga ist. Die Tabelle lügt nicht.

Jens Todt hatte im Sommer schon einen schwachen Kader zusammengestellt. Und nach der desaströsen Vorrunde fiel seinem Nachfolger Oliver Kreuzer nichts besseres ein, als den Kader mit Leih- und Nachwuchsspielern aufzublähen, ohne dabei groß an Qualität auf dem Rasen zu gewinnen. Slomka hatte seine liebe Mühe damit. Die über 30 Spieler des Kaders wechselten wild zwischen Startelf, Bank, Tribüne und der zweiten Mannschaft hin und her. Slomka probierte flügellastige Formationen oder vier Mann auf einer Linie. Er probierte es mit einem oder zwei Stürmern. Aber er fand nie eine Formation, die auf dem Rasen »funktionierte«.

Problem Offensive

Das Hauptproblem des KSC in dieser Saison ist und bleibt die Offensive. Der KSC hat mit nur 21 Treffern aus 27 Spielen die wenigsten Tore erzielt. Und schaut man sich an, wie die sich zusammen setzen, sieht es noch finsterer aus:

ToreHinRückGesamt
Herausgespielt538
Gegn. Abwehrfehler/abgefälscht/etc.235
Nach Eckball224
Elfmeter224
Gesamt111021

In 10 Rückrundenspielen wurden von 10 Treffern nur 3 Treffer »normal« herausgespielt. 4 resultierten aus Standards, und 3 aus »unabsichtlichen« Toren, nämlich den Abwehrbock von Hannover beim 1:0, das abgefälschte Tor gegen Nürnberg und Mefferts verunglückte Flanke gegen Würzburg. Das sind natürlich auch Tore die zählen, nur kann man sich darauf halt nicht verlassen. Wenn man gewinnen möchte, muss man ein vernünftiges Angriffsspiel aufziehen und Chancen herausspielen.

Die dritte Trainer dieser Saison, Interimstrainer Lukas Kwasniok, hatte das Offensivproblem erkannt und sein Heil in einer ausufernden Defensive gesucht. In seinen beiden 0:0-Spielen gegen Dresden und Braunschweig standen jeweils 8 defensiv ausgerichtete Feldspieler auf dem Rasen. So wurde zwar nicht verloren, aber halt auch nicht gewonnen. Für diese Taktik ist es nun aber zu spät in der Saison, mit Unentschieden wird man den Tabellenkeller nicht mehr verlassen.

Und nun?

Ich bin und war nie ein Slomka-Fan. Trotzdem ist die Art und Weise des Abgangs ein Armutszeugnis für die sportliche Leitung des KSC. Klar steht der KSC mit einem Fuß in der Dritten Liga. Aber immerhin holte Slomka in 10 Spielen so viele Siege und erzielte Tore wie Oral/Kwasniok in der gesamten Hinrunde. Und wenn man einen Trainer verpflichtet (man hatte ja über die Winterpause Zeit), sollte man von dessen Qualitäten überzeugt sein. Und wenn man das ist, dann wirft man den nicht nach 10 Spielen mit einer dürren Pressemeldung zum Abschied wieder raus. Es konnte ihnen am Abend nach dem Würzburg-Spiel damit gar nicht schnell genug gehen…

Trainer Nummer 4, Marc-Patrick Meister, darf sich jetzt also in den letzten sieben Spielen versuchen. Der Klassenerhalt ist zwar noch nicht unmöglich. Aber ziemlich schwierig. Auch wenn Teams wie Aue, Bielefeld oder St. Pauli keine Bäume ausreißen und in ihren Spielen gerne Chancen in Hülle und Fülle vergeben: Sie haben wenigstens Chancen zum vergeben…

Meisters erstes Spiel ist gleich eine besondere Herausforderung: Im Talkessel steht das Derby beim VfB Stuttgart an. Danach folgt ein Heimspiel gegen Heidenheim. Mit 5 Punkten Rückstand auf den Relegationsrang 16 und sogar deren 7 auf den rettenden Rang 15 helfen jetzt nur noch Siege.

Es sieht derzeit aus wie 2012: Ein aufgeblähter Kader von zweifelhafter Qualität mit öfter wechselnden Trainern spielt zumeist unschönen Fußball und stürzt Richtung Dritte Liga. Dieses Mal würde man in Karlsruhe aber das Relegationsspiel (vielleicht eine Neuauflage gegen Regensburg, durchaus noch möglich) mit Begeisterung nehmen. Finstere Zeiten am Wildpark. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, denn: »Aufgeben ist keine Option!«


Álvaro Dominguez.

Permalink - Posted on 2017-04-03 08:10

Álvaro Dominguez war Fußballprofi bei Borussia Mönchengladbach und Atléti. Bei 11freunde schildert er seinen Weg in die Sportinvalidität. Und Borussia kommt dabei nicht übermäßig gut weg: »Das ist das Ende«.