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der ballreiter

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Peak Bundesliga! Oder: Krise in der Wohlfühl-Liga…

Permalink - Posted on 2017-10-19 20:55

Wohlfühlliga Bundesliga, Symbolfoto.

Aufmerksame Stammleserinnen und -leser werden es bemerkt haben: Die Bundesliga ist in diesem kleinen Fußballblog aktuell kein großes Thema. Weil sie mich zum einen ob ihres langweiligen Fußballs nicht genug interessiert, um regelmäßig zur Tastatur zu greifen. Und zum anderen ist in Sachen »Borussia Mönchengladbach« aktuell keine Motivation für Aktivitäten, die über das reine »Spiel anschauen« hinaus gehen, vorhanden.

Aber: Wenn man doch mal Samstags die Konferenz schaut oder die Europapokal-Auftritte der Bundesligisten begutachtet, so kann man gewisse Krisensymptome längst nicht mehr ignorieren. Was dann andererseits doch wieder ein interessantes Phänomen ist in einer Liga, die auch bei ihren Mittelfeldteams im europäischen Vergleich üppig finanziert ist und doch in den Wettbewerben so wenig gebacken bekommt. Die Bundesliga ist 2017 eine Maschine, in die »oben« ziemlich viel Geld hinein gesteckt wird und »unten« ziemlich schlechter Fußball heraus kommt…

Das europäische Bundesliga-Desaster

Man kann es nicht anders sagen: Die bisherigen Europapokal-Auftritte der Bundesliga-Teams sind ein ziemliches Desaster. Der neueste Katzenjammerkatalysator war das 1:1 des BVB gegen die europäische Fußball-Großmacht Apoel Nikosia. Marktwert des Kaders der wackeren Zyprioten: 18,5 Mio. Euro. Also etwa so viel wie ein Bein von Aubameyang…

So etwas kann mal passieren, es passt aber in die desaströse Bilanz der deutschen Klubs in den europäischen Wettbewerben der aktuellen Saison 2017/18. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels gab es es 9 CL- und 9 EL-Spiele mit Bundesliga-Beteiligung. Die Ausbeute: Zwei Siege für Bayern und ein Sieg für RB Leipzig in der CL. Und ein einsamer Dreier für Hoffenheim in der EL. Dazu kommt das peinliche Ausscheiden des SC Freiburg in der EL-Qualifikation gegen NK Domzale. Eine nicht sonderlich glorreiche Bilanz für die Bundesliga, die im europäischen Liga-Ranking der Gesamt-Marktwerte den vierten Rang belegt…

Woran liegt das? Geld steckt genug in den Bundesliga-Teams, die Teams verlieren ihre Europapokal-Spiele auch nicht gegen übermächtige Startruppen, sondern gegen Teams, deren Gesamtmarktwert 5- bis 10-mal unter dem der teilnehmenden Bundesliga-Mannschaften liegt.

Nun wäre eine Liga, die im Europapokal nix reißt, zwar nicht schön, aber auszuhalten, wenn es ansonsten in der Bundesliga Action, Abenteuer und Fußballspaß gäbe. Aber davon kann keine Rede sein! Und da liegt auch das Problem, das sich diese Saison in Europa so richtig deutlich zeigt.

Problem: Die Nicht-Verlieren-Wollen-Liga

Am ersten Spieltag gab es in 9 Begegnungen kümmerliche 15 Tore zu bejubeln, was für einen ersten Spieltag ein neuer Minusrekord ist. Von den spärlichen 15 Buden gehen auch noch 6 Tore alleine auf das Konto von Bayern und BVB. Die anderen 16 Mannschaften haben also zusammen gerade einmal 6 Tore zu Stande gebracht. An den weiteren Spieltagen ein ähnliches Bild. Am letzten (8. Spieltag) gab es zwar 33 Tore. Davon gehen aber 10 alleine auf das Konto von Bayern, BVB und RB Leipzig. Die weiteren 15 Teams brachten zusammen also ganze 23 Treffer zu Stande.

Die Tendenz zu unattraktiven Bundesliga-Spielen (wenn man das Bundesliga-Durchschnittsspiel mal mit einem Durchschnittsspiel in La Liga, der Premier League oder der Serie A vergleicht) ist auch nichts Neues. Schon während der letzten Saison waren erste kritische Stimmen über die Qualität des Bundesliga-Fußballs (bspw. bei der Süddeutschen und sogar bei der New York Times) inmitten der wie eh und je gedeihenden Jubelpersereien des gemeinen deutschen Sportjournalismus zu hören.

Die Bundesliga-Teams ab Rang 4 gehen nicht in ein Spiel, um es zu gewinnen. Sondern wollen zunächst einmal nicht verlieren. Die Abhängigkeit der Vereine vom Bundesliga-TV-Geld führt dazu, dass diese als allererstes nicht in Abstiegsgefahr geraten wollen. Ein Abstieg reißt ein TV-Geld-Loch in die Kasse, und bei so manchem Bundesliga-Traditionsverein lebt man vor allem von jenen Fernsehgeldern, die die üppig ausgestatteten Kader, eine edle Infrastruktur und einen aufgeblähten Personalapparat rund um das kickende Personal ermöglichen.

Die Konsequenz daraus: Die meisten Spiele sind abwartend gestaltete Mittelfeld-Pressingorgien, bei denen nur Tore fallen, wenn der Pressingriegel bei einem Gegner im Laufe des Spieles durch individuelle Fehler oder taktisches Versagen zusammenbricht. Wenn man nicht gerade glühender Fan eines der beiden Teams ist, sind diese Spiele oft weitestgehend unanguckbar.

Im Europapokal kann man so aber nicht spielen. Denn wer keine Punkte einfährt, übersteht die Gruppenphase nicht. Die typischen Mannschaften des oberen Mittelfelds, wie letzte Saison Köln oder Hertha, schaffen es aber nicht, in der EL dann den Schalter vom Bundesliga-Torverhinderungsfußball umzulegen und ein eigenes produktives Offensivspiel aufzuziehen. Das Ergebnis sieht man an den Tabellenständen der Gruppenphase…

Lösung: Keine in Sicht

Ein wenig peinlich ist das aktuelle Desaster den Verantwortlichen des deutschen Fußballs schon. Bundestrainer Jogi Löw meinte kürzlich, nach dem 2. Spieltag von CL und EL:

»Die sechs Spiele, die in der letzten Woche verloren wurden im internationalen Vergleich, sind schon ein wenig alarmierend, da muss man sich sicherlich Gedanken machen. (…) Wenn gesagt wird, die Bundesliga ist die beste Liga überhaupt, sollte man sich ein bisschen hinterfragen, ob das tatsächlich stimmt.«

Damit ist der Bundestrainer aber eher ein einsamer Rufer in der deutschen Europapokal-Wüste. Die Verantwortlichen der Bundesliga selbst finden sich ansonsten ziemlich großartig. Sie haben ja auch allen Grund dazu. Denn die TV-Gelder schießen in die Höhe, die Stadien sind voll, somit hat die Bundesliga keinen Grund, ein Problembewusstsein in Sachen »Qualität des eigenen Fußballs« zu entwickeln.

Vom Sky-Zusehenden über die Tribünenfans bis hin zu den »Support als Selbstzweck« verstehenden Kurvenfans, die trotz lausiger Darbietungen unverdrossen 90 Minuten singen – sie alle gehen nicht zum Fußball, sondern nehmen an einem »Event« teil, das sich in Medien- und Publikumswahrnehmung spätestens seit der WM 2006 vom sportlichen Wert des Geschehens auf dem Rasen abgekoppelt hat.

Die Bundesliga befindet sich aktuell in der schlimmsten fußballerischen Krise seit den 80er-Jahren. Damals waren aber auch die Stadien halb leer und die Nationalmannschaft lebte von den Spielern, die im Ausland spielten. Als die nicht mehr verfügbar waren, gab es einen sportlichen Niedergang. Und danach setzte das Umdenken, eine Neuorientierung und eine Professionalisierung ein, die zum Höhenflug des deutschen Fußballs in den letzten 11 Jahren führte.

Wenn man genauer hinschaut sieht man, dass die Nationalmannschaft bereits wieder hauptsächlich von Stars bei Bayern und im Ausland lebt. Die Bundesliga entwickelt sich zur Ansammlung von »Selling Clubs«. Richtig gute Spieler bleiben in jungen Jahren ein paar Jahre in der Bundesliga, um dann zum größeren Fußball in England oder Spanien abzuwandern. Selbst die Bayern sehen im »Transferwahn« das Ende ihres eigenen Wachstums am Horizont.

Im Grunde wäre es notwendig, sich langsam darüber Gedanken zu machen, welche sportlichen und organisatorischen Veränderungen in einer sich ändernden Fußballwelt notwendig wären, wenn man als Bundesliga nicht eine mit viel Geld schlechten Fußball produzierende und sich selbst und seinem dauersingenden (und viel Geld in die Kassen spülenden) Stammpublikum genügende »Zirkusliga« werden möchte…


Oh Hampden in the Sun!

Permalink - Posted on 2017-10-16 09:50

Am 19. Oktober gibt es das 60-jährige Jubiläum des als »Hampden in the sun« bekanntgewordenen 7:1-Finalsiegs von Celtic gegen Rangers im Ligapokal 1957/58. Ich hatte die große Ehre, drüben im Fußball-Kalenderblatt von 120Minuten über dieses (aus Celtic-Sicht) große Match schreiben zu dürfen: 19.10. – »Oh Hampden in the sun«.


Duell der Frustrierten: KSC vs Würzburger Kickers 2:0 – 14.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-16 09:30

KSC vs Würzburger Kickers 2:0 (Ein Foto mit »2:0« gibt es leider nicht…)

»Duell der Frustrierten im Wildpark« hatte der Kicker in einer wenig appetitanregenden Vorschau die Begegnung der beiden Zweitligaabsteiger KSC und Würzburger Kickers am 12. Spieltag der Dritten Liga genannt. Da konnte man es ja kaum erwarten, nach einer Pause von gut einem Monat mal wieder in den guten alten Wildpark zu gehen. Aber immerhin gab es bei großartigem Fußballwetter in einem mäßigen Spiel mit 2:0 den nächsten Heimsieg zu bewundern…

»Gefühlt haltlos«

Es sind keine einfachen Zeiten für den Karlsruher SC. Der Neustart nach dem desaströsen Abstieg aus der Zweiten Liga ging in die Hose. Es sind erst 12 Spieltage gespielt, aber es steht schon wieder der dritte Trainer an der Seitenlinie. Von einer »Aufholjagd« in Richtung Aufstiegsplätze ist nichts zu sehen. Der »FC Bayern der Dritten Liga« eroberte in 6 Versuchen auswärts genau einen Punkt. Daheim war man zumindest ungeschlagen, spielte dabei aber einen derartig langweiligen Fußball, dass sich der Wildpark von Spieltag zu Spieltag immer weiter leert. Ein Gefühl der Tristesse hat sich rund um den Wildpark fest gesetzt, oder, wie es die lokale Zeitung BNN ausdrückte:

»Gefühlt haltlos im Moment«

Immerhin, in Sachen »Steine und Gebäude« bewegt sich etwas. Als erster Schritt beim Stadionumbau wurde ein neuer Kunstrasenplatz fertig gestellt und feierlich übergeben (Bilder).

Bei der Gelegenheit gab es für den KSC ein paar mahnende Worte des Oberbürgermeisters Mentrup mit auf dem Weg, der den Stadionneubau aus Steuergeldern gegenüber der Öffentlichkeit verantworten muss (Zitat lt. BNN vom 4.10.17):

»Wenn der KSC es nicht einmal mehr schafft, in der Dritten Liga zu bleiben, dann hat nicht nur (…) der KSC ein dickes Problem mit seinen Mitgliedern, sondern auch ich habe ein dickes Problem mit der Öffentlichkeit. Und diese Diskussion möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.«

In diese Stimmung hinein gab es zwei Tage vor dem Spiel gegen Würzburg die jährliche Mitgliederversammlung. Wer ob der sportlichen Talfahrt mit Kritik an den Verantwortlichen gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Präsidium und Sportdirektor gaben sich ein wenig zerknirscht ob des desaströsen Abstiegs (»2016 sind viele Fehler gemacht worden, und es wurden falsche Entscheidungen getroffen – auch von uns als Präsidium.«), führten die durch den Abstieg nicht minder desaströse Finanzlage aus (Präsident Wellenreuter zu den unterschiedlichen TV-Geldern 10 Mios (2. Liga) vs 700.000 (3. Liga): »Das kommt einem Attentat gleich!«) und ließen Kuttenfan Ronny zum Abschluss ein wenig Mitgliederfolklore betreiben. Das reichte den 478 (von über 7.000) anwesenden Mitgliedern völlig aus. Kritische Nachfragen gab es keine, so dass sich Berichterstatter zu leicht sarkastischen Überschriften hinreißen ließen (Abseits-KA (»KSC-MGV: Attentat, Genickschuss, aber zufriedene Mitglieder«) oder Regio-News (»Trotz sportlicher Schieflage: Ruhige KSC-Mitgliederversammlung«)). Bei den BNN wundert man sich auch und bemerkt dazu:

»Keine Nachfrage gab es zur Talfahrt des Vereins. Das war bemerkenswert, womöglich aber das korrekteste Abbild vom Verein, in dem resignative Züge breiteren Raum einzunehmen scheinen.«

Die Finanzlage sieht durch den Abstieg nicht so toll aus, durch Besserungsscheine in einer mittlerweile angehäuften Gesamthöhe von 6,7 Mio. Euro wurde der Verlust niedrig gehalten, damit dieser keine lizenzbedrohenden Dimensionen annehmen konnte. Lt. Wellenreuter könnte sich der KSC auch noch eine weitere Saison Dritte Liga leisten, obwohl man den Aufstieg noch nicht abgeschrieben habe…

KSC vs Würzburger Kickers 2:0

Der Matchday-Samstag brachte, zumindest was die äußeren Umstände anging, das Kontrastprogramm zu den eher finsteren Zahlen. Herrlicher Sonnenschein im Oktober sorgte für blauen Himmel und allerbestes T-Shirt-Fußballwetter. Trotzdem wollten nur 9.400 Zusehende das Spiel sehen…

Die, die kamen, waren von der Aufstellung überrascht: Drittliga-Rekordtorjäger Anton Fink saß nur auf der Bank, im 4-2-3-1 stürmte Fabian Schleusener als einzige Spitze. Von den zahlreichen frisch verpflichteten »alten erfahrenen Spielern« um die 30 sah man damit nur Gordon und Pisot in der Innenverteidigung und Marc Lorenz auf dem Flügel. Der Rest ist verletzt und/oder formschwach…

Apropos formschwach, der Gegner Würzburger Kickers befindet sich in einer ähnlichen Lage wie der KSC. Nach der desaströsen Rückrunde in der Zweiten Liga, die das noch in der Hinrunde als »Überraschungs-Aufsteiger« bezeichnete Hollerbach-Team ohne einen einzigen Sieg von Rang 6 auf Rang 17 beförderte, tut sich Würzburg in der Dritten Liga ähnlich schwer wie der KSC und hat nun auch vor der Länderspielpause den Trainer gewechselt. Trainer Stephan Schmidt musste gehen, Interimscoach Michael Schiele betreute die Kickers im Wildpark.

KSC vs Würzburger Kickers – los geht‘s!

KSC-Trainer Alois Schwartz pflegt die Beurteilung der Aktivitäten seines kickenden Personals stets in »A-Note« und »B-Note« zu unterteilen. Die »A-Note« steht für das Einfahren der notwendigen Ergebnisse. Die »B-Note« für die dabei an den Tag gelegte Spielweise und den Unterhaltungswert für das Publikum.

Nach dem Anpfiff wurde schnell klar, dass das »Duell der Frustrierten« wieder eher ein »A-Note-Spiel« werden würde. Würzburg zog sich extrem zurück, ließ den KSC ein wenig über die Flügel spielen, machte den Raum vor dem Tor aber mit Mann und Maus dicht. Überraschenderweise kamen trotzdem die Kickers zur ersten (und einzigen wirklich guten) Torchance, als in er 19. Minute Ademi Müller anspielte und dessen Schuss von dem wie immer guten Uphoff im Karlsruher Kasten vereitelt wurde.

Der KSC rannte auf das Würzburger Tor relativ erfolglos an, in Sachen Torchancen aus dem Spiel ging nicht viel. Also musste ein Standard her: Eine Ecke von Wanitzek segelte über alle hinweg ins Mittelfeld. Der zurückgelaufene Mehlem pöhlte den Ball in hohen Bogen Richtung Tor, wo sich Schleusener löste und den Moment der Verwirrung in Würzburgs Abwehr ausnutzte und in der 34. Minute das 1:0 erzielte. Das war zwar eigentlich ein mieser Eckball, aber trotzdem irgendwie ein schönes Tor…

Nach der Pause dachte man, dass Würzburg offensiv etwas mehr tun würde, sofern sie nicht schon wieder ohne Punkte heimfahren wollten. Aber es kam nicht viel, sie drückten ein paar Mal Richtung KSC-Tor, ohne dabei wirklich zwingende Chancen herauszuspielen. Der KSC ließ nicht viel zu, ein offensives Feuerwerk brachten die Blau-Weißen aber auch nicht auf den Rasen. So plätscherte das Spiel wie so oft vor sich hin. Bis zur 88. Minute. Wanitzek pöhlte den Ball lang aus der eigenen Abwehr heraus, der im Mittelfeld herumlungernde Schleusener ließ seinen Gegenspieler Uzelac alt aussehen, eroberte den vom Himmel fallenden Ball und vollendete mit einem sehenswerten Treffer zum 2:0-Endstand. Was dann auch Ihren anwesenden Fußballblogger etwas überraschte und dazu führte, dass selbiger kein Endstandfoto mit einem »2:0« auf der Anzeigetafel machte…

Fazit: Die A-Note stimmte wieder, der KSC ist hinter den beiden Top-Teams Magdeburg und Paderborn die drittbeste Heimmannschaft der Zweiten Liga. An der B-Note müssen sie allerdings noch arbeiten, wenn diese Aktivitäten auch mal wieder von mehr als den ca. 9.000 Zusehenden die immer kommen angeschaut werden soll. »Es war halt wieder dritte Liga« sagte Keeper Uphoff nach dem Spiel. So ist es. Aber andere Teams dieser Liga zeigen, dass man auch in dieser durchaus ansehnlichen Fußball spielen kann…

Die Lage

Hinter den beiden Topteams ist die Dritte Liga eng. Ein Dreier am Wochenende und man katapultiert sich aus dem Dunstkreis der Abstiegsplätze hinauf ins Mittelfeld. Schafft es der KSC, auch einmal auswärts etwas zu holen, könnte man sich von den Abstiegsplätzen deutlicher absetzen. Denn auswärts stimmt auch die A-Note nicht, ein einziger Punkt wurde in sechs Versuchen eingefahren. Nächste Woche gibt es bei Preußen Münster die nächste Gelegenheit. Und da sollte man besser was mitnehmen, denn im nächsten Heimspiel gibt es mit dem Topteam 1.FC Magdeburg eine schwere Aufgabe zu lösen, bei der man den Dreier nicht unbedingt von vornherein einkalkulieren kann…

Impressionen


La Liga, Barça und die katalanische Unabhängigkeit

Permalink - Posted on 2017-10-11 20:15

Die Estelada und die Barça-Flagge vor dem Camp Nou.

Die Krise um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien wirkt sich natürlich auch auf den spanischen Fußball aus…

Das Barcelona Football Blog betrachtet in »Of Sport and Politics« die Haltung des FC Barcelonas unter dem Aspekt »Sport und Nationalismus« und kommt zu dem Schluss:

»Barcelona must denounce the state violence from the Spanish central government in the strongest possible terms as well as point out the blunt nationalism of the Catalan separatist movement. They are not equal statements and they do not need to be, but if FC Barcelona is to remain the Catalan flagship, it must take into account the thoughts, desires, and needs of all Catalans, not merely those who have temporary access to the levers of power.«

Mit den potenziellen Auswirkungen einer katalanischen Unabhängigkeit auf La Liga aus einem mehr spanischen Blickwinkel beschäftigt sich das Fußballblog »By Far The Greatest Team« in »The political discord in Spain means that La Liga is under threat«:

»Since the vote last weekend, which was marred by violence by Spanish police towards voters, relations between the Spanish government and the separatists have reached a new low. La Liga, and the Spanish national team, are examples of establishments that could be descended in chaos if, or more likely, when, Catalonia’s independence comes into action.«

Und kann sich, wie wohl viele Fans des spanischen Fußballs, La Liga ohne den FC Barcelona (und natürlich Espanyol und Girona) nicht so richtig vorstellen:

»It is difficult to imagine La Liga without Barcelona. When football was introduced to Catalonia in the late 19th century by British immigrant workers and visiting sailors, the region led the way in developing football in Spain – Barcelona was, in fact, one of the founding clubs of the football association in Catalonia before moving to compete in La Liga in 1928. But, what about now? It is unfathomable to think of one of the greatest clubs playing anywhere but Spain’s top division but as the political unrest grows, the club’s position is under threat.«

Wer jemals im Camp Nou war merkt an der Lautstärke der stets nach 17:14 Min. angestimmten »in, inde, independència«-Rufen wie stark, bei aller Ausrichtung als »internationale globalisierte Fußball-Marke«, die Verankerung des FC Barcelona in der katalanischen Bevölkerung und der Unabhängigkeitsbewegung ist. Wer durch Barcelona läuft sieht an vielen der für das Stadtbild typischen kleinen Balkone die katalanische Flagge, die Estelada, neben der des FC Barcelona hängen. Der FCB ist in Barcelona »Més que un club«.

Was den Verein in eine schwierige Lage bringt. Denn wenn es eine katalanische Unabhängigkeitserklärung von Spanien geben würde, könnte der FCB wohl nicht mehr in La Liga mitspielen. Eine katalanische Liga mit Barça, Espanyol, Girona, den katalanischen Zweitligisten Tarragona und Reus sowie einigen aktuellen Drittligisten wäre wohl nicht ganz die Kragenweite für den großen FCB. Auch der Champions-League-Startplatz müsste für einen neuen katalanischen Fußballverband erst einmal wieder erobert werden.

Somit ist eine komplette Unabhängigkeit von Spanien unter sportlichen Aspekten für den nach außen stets für die katalanische Identität eintretenden FC Barcelona im Grunde nicht wünschenswert. Man darf gespannt sein, wie Barça diesen Spagat in den nächsten Wochen und Monaten hinbekommen wird. Und man darf befürchten, dass das große politische Thema in den nächsten Spielen seinen Schatten auf das sportliche Geschehen werfen wird, möglicherweise schon am Wochenende beim großen Topmatch Atléti vs Barça…


Tag der Amateure: Bulacher SC vs TV Mörsch 2:1 – 8.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-09 22:15

SC Bulach vs TV Mörsch 2:1

Am Länderspielpausenwochenende stand der »Tag der Amateure« an. Aus der Karlsruher Gegend hatte sich der SC Bulach mit seinem Match gegen den TV Mörsch in der Kreisliga B Staffel 2 als einziger angemeldet. Auch wenn wir hier sowieso ein Herz für »unterklassigen« Fußball haben: Das ist natürlich zu honorieren, entsprechend ging es an einem herbstlichen Sonntagnachmittag hinaus nach Karlsruhe-Bulach…

Tag der Amateure

Bekanntlich gab es in den Jahren 2014 bis 2016, in der Tradition des »Non League Day« auf der Insel (»Non League« nennt man dort den Fußball unterhalb der vier Profiligen), mit der Lokalrunde den Versuch, etwas ähnliches auch hier in Deutschland auf die Beine zu stellen. Die Lokalrunde wurde aber nach der Ausgabe 2016 eingestellt. Das Monatsmagazin 11Freunde hat die Idee übernommen und in diesem Jahr erstmals den »Tag der Amateure« ausgerufen und versucht, diesen mit der »Medienmaschinerie« eines großen Zeitschriftenverlags populär zu machen. Viele Vereine waren dabei und hatten sich auf der Website eingetragen.

Nachdem aus Baden bei der letztjährigen Lokalrunde nur PSG Kleiber Mannheim dabei war, sah es bei der ersten Auflage des Tags der Amateure schon deutlich besser aus. Wie erwähnt, aus dem Karlsruher Fußballkreis hatte sich nur ein Verein angemeldet, der SC Bulach mit seinem Spiel gegen den TV Mörsch.

Der Tag der Amateure selbst hatte zwar noch nicht die große mediale Breitenwirkung. Aber 11Freunde hatte sich alle Mühe gegeben den Tag zu begleiten, am Spieltag selbst gab es sogar einen Liveticker. Auf Twitter ging es unter den entsprechenden Hashtags auch lebhaft zu. Die Leute besuchten die Spiele und twitterten und fotografierten was das Zeug hielt, so dass man einen schönen Eindruck von der Vielfältigkeit des Amateurfußballs »da draußen im Lande« gewinnen konnte.

Ein guter Auftakt für diesen neuen Tag, ich hoffe es gibt nächstes Jahr wieder einen mit entsprechend höherem Bekanntheitsgrad und noch mehr Beteiligung durch die Vereine…

SC Bulach vs TV Mörsch 2:1

Wenn ein Klub mitmacht, muss man natürlich dabei sein. Also ging es hinaus in eine Gegend von Karlsruhe, in der ich vorher noch nie gewesen war. Wofür Fußball alles gut ist!

Im Stadtteil Bulach im Süden Karlsruhes spielt der Bulacher Sport Club 1904/05 in der Kreisklasse B2. Bulach war ab Ende des 19. Jahrhunderts ein Standort für Maschinenfabriken und Gießereien und entwickelte eine entsprechende Arbeiter-Sportvereins-Kultur. Zwei dieser Arbeitervereine, die 1904 gegründete »Freien Turnerschaft« und der 1905 gegründete »Bulacher Fußball­club Viktoria«, fusionierten 1970 zum Bulacher SC.

Der Ort des Gegners Mörsch, ein Stadtteil aus dem Karlsruher Nachbarort Rheinstetten, ist sportlich eher für den Motoball-Serienmeister MSC Taifun Mörsch bekannt. Der 1900 gegründete Turnverein Mörsch entwickelte sich ebenfalls aus der Arbeitersportbewegung und blickt auf eine lange Geschichte von Fusionen und Aufteilungen zurück.

In der aktuellen Kreisliga-Saison hatte der Bulacher SC in 7 Spielen nur 2 Siege feiern können. Gegner TV Mörsch hatte es besser gemacht, mit 5 Siegen aus 7 Spielen hielt man sich in vorderen Tabellenbereichen auf. Entsprechend galten die Gäste als Favoriten für unseren Tag-der-Amateure-Kick.

Bei angenehmen Herbstwetter (und unter den Augen von Cristiano Ronaldo, dessen Bild auf einer Mauer hinter dem Tor aus unbekannten Gründen auf den Platz blickt), ging es vor etwa 50 bis 70 Zusehenden pünktlich um 15:00 am Sonntagnachmittag los.

Und es sah schnell so aus, als sollte das Match der Papierform entsprechen. Sascha See brachte die Gäste nach 25 Minuten in Führung. Doch die Bulacher wehrten sich mit einer für Kreisligaspieler schon bewundernswerten Energie und Ausdauer. Der Ausgleich durch Patrick Barragan belohnte sie kurz vor der Halbzeit.

Und es ging in der zweiten Hälfte gerade so weiter, die Bulacher rannten und grätschten die Gäste nieder, denen immer weniger gelang. Natürlich wurden im Laufe der zweiten Halbzeit die Erholungspausen nach Verletzungen immer länger, und auch das Suchen des Balls in den Bäumen neben dem Platz brachte den Akteuren willkommene Erholungspausen.

In der 75. Minute belohnten sich die Bulacher für ihren Einsatz, Marcus Wernert erzielte das 2:1, das sie dann wacker über die Zeit brachten. Ein verdienter Sieg des heimischen SC.

Und es war ein für eine Kreisklassenbegegnung durchaus unterhaltsames Match, was ich vorher so nicht erwartet hatte. Vielmehr hatte ich vorher schon überlegt, ab welcher Höhe der Gästeführung ich den Heimweg antreten würde. So kann man sich täuschen!

Impressionen

SC Bulach vs TV Mörsch 2:1

Hinter dem Tor grüßt Cristiano von der Wand…


Das nächste Verbandsliga-Derby: FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1 – 7.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-09 21:15

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

Am Wochenende des »Tag der Amateure« gab es in der örtlichen Verbandsliga das nächste Derby im Karlsruher Fußballkreis zwischen Aufsteiger FC Español und Spitzenreiter Germania Friedrichstal. Also gute Gründe, sich das am Länderspielpausen-Wochenende anzusehen. Und es gab eine Überraschung zu sehen, denn die »Spanier« setzten sich gegen den Spitzenreiter aus Stutensee erstaunlich deutlich mit 3:1 durch…

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

Die Ausgangslage vor dem Spiel hätte kaum unterschiedlicher aussehen können: Der Aufsteiger FC Español hatte seit dem ersten Sieg gegen den ASV Durlach keinen weiteren Dreier eingefahren. Im Gegenteil, mit einem 0:5 bei der Spielvereinigung Durlach-Aue und einem 0:7 beim Top-Team VfR Mannheim gab es für die »Spanier« vielmehr zwei herbe Auswärtsklatschen zu beklagen.

Ganz anders der FC Germania Friedrichstal. Dieses kleine Blog war ja letzte Woche dabei, als die »Germanen« mit einem 3:1 im Topspiel gegen den VfR Mannheim die Tabellenspitze eroberten, somit liefen die Stutenseeer mit der »breiten Brust« des ungeschlagenen Spitzenreiters auf.

Schätzungsweise 200 bis 250 Zusehende fanden sich auf dem Sportplatz im Jagdgrund zum nächsten Derby ein.

Español hatte nach den zwei Klatschen das eigene, normalerweise »forsche« Offensivspiel ein wenig eingebremst und agierte in der ersten Halbzeit aus einer soliden Defensive heraus. Was gut funktionierte, das normalerweise flott den Ball laufenlassende und hübsch anzuschauende Friedrichstaler Offensivspiel kam nicht richtig in Gang. Die Friedrichstaler waren, wie Trainer Andreas Augenstein nach dem Spiel zugab, »nicht entschlossen genug«. Entsprechend ging es trotz zweier guter Chancen für die Germanen mit 0:0 in die Pause.

In der zweiten Halbzeit nahm das Match Fahrt auf. Español wurde mutiger, kam zu Chancen und nutzte diese auch. Nach einer Ecke erzielte Pablo Valencia in der 53. Minute das umjubelte 1:0.

Friedrichstal musste nun mehr Gas geben und es entwickelte sich eine spannende Verbandsligapartie. Das Ergebnis dieser Bemühungen war ein zunehmendes Friedrichstaler Übergewicht und der Ausgleich durch Goalgetter Patrick Roedling in der 66. Minute.

Nun schlug aber die »Psychologie des Fußballs« zu. Ein Friedrichstaler Spieler wollte kurz nach dem Ausgleich seine Mitspieler anspornen, indem er in auf dem ganzen Platz hörbaren Lautstärke etwas in der Art wie »auf geht‘s, die können nicht mehr« rief. Man sah förmlich, wie das den »Spaniern« noch einmal einen zusätzlichen »Kick« gab. Sie gaben noch mehr Gas und holten sich das Spiel zurück. In der 72. Minute setzte sich Manual Morilla schön durch und erzielte die 2:1-Führung. Ein erneut per Kopf vollendeter Freistoß brachte in der 88. Minute den zweiten Treffer für Pablo Valencia und den 3:1-Endstand.

Fazit: Ein kurzweiliges knackiges Verbandsliga-Derby, von Español aufopferungsvoll kämpfend für sich entschieden. Friedrichstal konnte seine spielerische Überlegenheit ohne die letzte Entschlossenheit nicht nutzen und kassierte die erste Saisonniederlage, bleibt aber trotzdem Tabellenführer.

Aufsteiger Español holte den zweiten Saisonsieg. Und man kann sagen: Immer wenn der ballreiter dabei ist, gewinnt Español!

Impressionen

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

FC Español vs FC Germania Friedrichstal 3:1

FC Español vs FC Germania Friedrichstal


Gottfried Fuchs und Julius Hirsch.

Permalink - Posted on 2017-10-07 09:10

Die Jüdische Rundschau erinnert an die beiden großen Helden des Karlsruher Fußballs zu Beginn des 20. Jahrhunderts: »Der Karlsruher FV und seine jüdischen Fußballhelden Gottfried Fuchs und Julius Hirsch«. Lesetipp für alle, die die tragische Geschichte der beiden jüdischen Fußballstars der Frühzeit noch nicht kennen. Der Verein von Fuchs und Hirsch, der Karlsruher FV, existiert turbulente 107 Jahre später noch immer und spielt aktuell in der untersten Liga, der Kreisklasse C. Als es im Juli 2016 den 125. Geburtstag des KFV zu feiern gab, wurde hier im Blog ein näherer Blick auf die wechselvolle Geschichte dieses Karlsruher Traditionsverein geworfen


Darth Vader Deutschland.

Permalink - Posted on 2017-10-03 14:05

Vor einem Jahr hatte ich über den Bedeutungsverlust der Nationalmannschaften und ihrer Turniere geschrieben. Eine ähnliche Beobachtung machte Simon Kuper beim Blizzard in »Where’s Darth Vader Gone?«, aber in einem anderen Kontext. Kuper sieht das Ende des Fußballs als »Ersatzkrieg gegen Deutschland« gekommen und sieht die Nationalmannschaften im internationalen Fußball in einer globalisierten Welt jenseits des Nationalen angekommen.


Verbandsliga-Spitzenspiel: FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1 – 1.10.2017

Permalink - Posted on 2017-10-02 17:15

FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

In der Verbandsliga Nordbaden ging es nach dem 7. Spieltag es an der Spitze spannend zu: Vier Teams drängelten sich mit 16 bzw. 15 Punkten auf den ersten vier Plätzen. Grund genug, auf der nächsten Station der großen ballreiter-Verbandsligarunde über die vier Spielstätten des Karlsruher Fußballkreis in eben jener Liga mal wieder an einem herrlichen sonnigen Herbstsonntag in Friedrichstal Station zu machen. Dort stand mit dem Duell Tabellenführer vs -zweiter das absolute Spitzenspiel des 7. Spieltags zwischen dem heimischen FC Germania und dem Traditionsverein VfR Mannheim auf dem Programm. In einem (wie man immer so sagt wenn es ordentlich zur Sache geht) »intensiven« Spiel setzten sich die heimischen Germanen mit 3:1 durch und führen nun nach dem 7. Spieltag mit 3 Punkten Vorsprung die Tabelle an…

Germania Friedrichstal

Über den Verein aus der kleinen Stadt Stutensee vor den Toren Karlsruhes gab es anlässlich des ersten Besuchs schon einmal Grundsätzliches zu lesen. Nach einer Saison in der Oberliga Baden-Württemberg 2014/15 ging es wieder hinunter in die Verbandsliga. Dort spielten sie eine »ruhige« Saison im vorderen Tabellenmittelfeld. In die aktuelle Saison starteten sie mit einem Siegeslauf von 3 Siegen, der erst am 4. Spieltag beim ASV Durlach mit einem Remis gestoppt wurde. Es folgten zwei weitere Siege, so dass der FC Germania vor dem Spitzenspiel (aufgrund der samstäglichen Niederlage des 1.FC Bruchsal in Heddesheim) von der Tabellenspitze grüßte.

VfR Mannheim

Im Stadion des VfR Mannheim im Juli 2016…

Mit dem VfR Mannheim gastierte ein alter Traditionsverein in Friedrichstal. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der VfR eine große Nummer. In der Nazi-Zeit gewannen sie fünfmal die Gauliga Baden. Der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger spielte in den 20er-Jahren für den VfR, nachdem er wg. der »Berufsspieleraffäre« (Ärger um Geld für Fußballer ist nichts Neues…) ein Jahr gesperrt war…

Höhepunkt der Vereinsgeschichte war die Deutsche Meisterschaft im Jahre 1949. Damit war der VfR der erste Meister der neugegründeten Bundesrepublik und auch der erste Deutsche Meister, der die neugeschaffene Meisterschale (vorher bekam der Deutsche Meister bekanntlich die Victoria) überreicht bekam. Es folgten erfolgreiche Jahre in der Oberliga Süd, die vor der Gründung der Bundesliga die höchste Spielklasse war.

Aber 1963 schaffte der VfR nicht die Qualifikation für die Bundesliga und nahm damit den Weg in die dauerhafte Zweit- und Drittklassigkeit, den so viele erfolgreiche Klubs aus den Oberligen der 50er- und 60er-Jahre genommen haben, die den Sprung in die neue höchste Liga nicht schafften. Als 1973/74 die Zweite Bundesliga eingeführt wurde, stiegen die Quadratestädter gleich nach der ersten Saison ab und blieben drittklassig. Bis zum Lizenzentzug 2002. Danach ging es runter in die Fünftklassigkeit, seitdem dümpelt der stolze Traditionsverein zwischen Fünft- und Sechsklassigkeit herum…

Immerhin, in der aktuellen Verbandsligasaison präsentiert sich das Team von Trainer Hakan Atik bärenstark und stand vor dem Spiel punktgleich und ungeschlagen auf Rang 2 der Tabelle.

Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

Allerbestes sonniges Herbstwetter lud zum Fußball auf den Sportplatz ein, etwa 250 bis 300 Zusehende ließen sich den sonntäglichen Verbandsligaknaller nicht entgehen. Darunter natürlich auch einige »Schlachtenbummler« aus Mannheim.

Die bekamen ein »intensives« Spiel zu sehen. Die »Germanen« liefen mit der berühmten breiten Brust auf und berannten vom Anpfiff weg das Mannheimer Tor. Der sehr spielfreudige Futsal-Nationalspieler in Friedrichstaler Diensten, Timo di Giorgio, hatte schon in der 16. Minute die Riesenchance zur Führung für das Team von Trainer Andreas Augenstein. Mit einem Schuss von der Seite traf er aber nur den Innenpfosten. Drei Minuten später setzte sich Torjäger Patrick Roedling schön durch, sein etwas zu zaghafter Abschluss konnte aber noch von einem aufmerksamen VfR-Verteidiger vor der Linie abgefangen werden.

Die Mannheimer wehrten sich nach Kräften und begannen schon früh, Gelbe Karten zu sammeln. Nach robusten Attacken lag der eine oder andere Friedrichstaler Spieler auf dem Rasen. Daneben entwickelten der VfR aber auch einen ordentlichen Druck auf das Friedrichstaler Tor, teilweise nisteten sie sich minutenlang in der Hälfte der Germanen ein.

Die entscheidene Wendung nahm das Spiel schon unmittelbar vor der Pause. Der bereits gelbverwarnte Ajdin Zeric leistete sich ein eher überflüssiges taktisches Foul an der Mittellinie und sah Gelb-Rot. Mit 11 vs 10 und 0:0 ging es in die Halbzeit.

Der Friedrichstaler Druck wurde nach der Pause mit nummerischer Überlegenheit noch größer. Aber es dauerte immerhin 20 Minuten bis dabei etwas Zählbares heraussprang. Patrick Roedling köpfte nach einem Freistoß zum 1:0 ins Tor, Saisontor Nummer 6 des Goalgetters (65.).

Die Freude darüber währte nur 6 Minuten, der ebenfalls recht treffsichere Marc Haffa köpfte eine scharfe Hereingabe vom linken Flügel mit Saisontor Nr. 5 zum Ausgleich ein. Der Mannheimer Edel-Fan »VfR-Lupo« hat davon ein höchst authentisches hübsches Wackelvideo gemacht und bei Youtube eingestellt….

Danach nahm das Mannheimer Verhängnis in Form von weiteren Gelben Karten seinen Lauf. Christopher Hiller riss 15 Minuten nach seiner ersten Gelben seinen Gegenspieler um und sah ebenfalls Gelb-Rot, damit stand es nach Spielern 11 gegen 9.

Trotzdem griffen die Mannheimer unverdrossen an, was ihnen dann auch die Niederlage einbrachte. Bei einem eigenen Freistoß war das Häuflein der acht VfR-Feldspieler viel zu weit aufgerückt, Friedrichstal eroberte den Ball und erzielte mit einem sauber ausgespielten Konter in den von Gegenspielern verwaisten Raum das 2:1 durch den schnellen Claudio Ritter (85. Minute). Fünf Minuten später sorgte ein von Patrick Roedling verwandelter Foulelfmeter für den 3:1-Endstand.

Der mitgereiste Mannheimer Anhang hatte Schiedsrichter Mika Forster als primär Schuldigen ausgemacht (wie auch hier im Spielbericht auf der Website des VfR Mannheim) und bepöbelte selbigen nach dem Schlusspfiff ein wenig. Was ein bisschen zu einfach ist. Beide Gelb-Rote Karten waren vertretbar und, da in der Mitte des Spielfelds passiert, ziemlich unnötig. Und wenn man mit zwei Mann Unterzahl spielt und es steht kurz vor Schluss trotzdem noch Unentschieden, dann rennt man nicht mit allen acht Männern nach vorne. Der Elfmeter am Ende erschien etwas hart, aber nach dem 2:1 war das Spiel sowieso entschieden.

Fazit: Ein spannendes, intensives und ereignisreiches Spiel zweier guter Mannschaften, beste Fußballunterhaltung auf dem Sportplatz. Was kann man von einem sonnigen Sonntag-Nachmittag mehr verlangen? Als Karlsruher würde man ein mit ähnlicher Leidenschaft und Drang zum Tor geführtes Spiel gerne mal wieder ein paar Kilometer südwestlich im Wildparkstadion sehen…

Impressionen

FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

FC Germania Friedrichstal vs VfR Mannheim 3:1

Freistoß für Mannheim.


Französisches Traditionsduell: Racing Club de Strasbourg vs FC Nantes 1:2 – 24.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-25 20:15

Racing Club de Strasbourg vs FC Nantes 1:2

Auch nach vielen Jahren Fußball erlebt man noch Premieren: Dank des Aufstiegs von Racing Strasbourg ging es erstmals zu einem Spiel der französischen Ligue 1! (Außerdem haben wir ja die inoffizielle »Mal anständigen Fußball gucken«-Woche!). Beim Traditionsduell zwischen Racing Straßburg und dem FC Nantes gab es ein spannendes Spiel in großartiger Atmosphäre zu sehen, in dem leider (für unsere Freunde von Racing) der FC Nantes mit 2:1 die Oberhand behielt…

Racing in der Ligue 1

Stammleserinnen und Stammleser werden sich erinnern: Hier im ballreiter haben wir Racings Marsch zurück in die oberste Spielklasse regelmäßig im (von Karlsruhe aus) nahen Straßburg begleitet. Sechs Jahre dauerte der Marsch des französischen Meisters von 1979 von den Niederungen der fünftklassigen Amateurliga CFA2, in die Racing nach der Insolvenz 2011 hinunter musste, bis hinauf in die Ligue 1 (im Artikel zum Spiel vs Red Star wurde diese Geschichte ein wenig ausgeführt).

In allen unteren Ligen sorgte Racing für Zuschauerrekorde. Seit dem Aufstieg ist die Euphorie im Elsass riesengroß und man muss mittlerweile, wenn man Karten in akzeptablen Preisregionen kaufen will, wachsam sein und sofort zum Vorverkaufsbeginn zuschlagen…

Man merkt rund um das Stadion, dass in der Ligue 1 alles eine Nummer größer ist. Mehr Zuschauer (ja, damals in der CFA2 vs Modenheim haben wir die alle nicht gesehen…), mehr Medien und ein neuer Fanshop. Aber die freundliche-familiäre Atmosphäre blieb erhalten. Die leicht angespannte agressive Atmosphäre, die man in so vielen deutschen Stadien viel zu oft erlebt, sucht man in der Meinau vergebens…

Die neue Videowand…

Für die Ligue 1 wurde auch an der Infrastruktur gearbeitet. Das ganze Stadion wurde ein wenig aufgehübscht mit neuen Schildern. Und es gibt nun in den gegenüberliegenden Ecken des 1979 (für die EM 1984) zuletzt umgebauten Stadions schmucke neue moderne Videoleinwände, auf denen während des Spiels das Live-Bild des Fernsehens läuft. »Neumodisches Zeugs!« würden Traditionalisten sagen…

Der Kader veränderte ebenfalls sein Gesicht. Mit Khalid Boutaïb und Baptiste Guillaume mussten zwei Toptorschützen abgegeben werden, 11 Neuzugänge kamen zur Verstärkung des Kaders. Bakary Koné (ausgeliehen vom FC Malaga), Martin Terrier (Leihe von LOSC Lille), Jonas Martin (kam von Real Betis) und Idriss Saadi (von Cardiff) sind wohl die »Prominentesten«. Man darf nicht vergessen, dass der Marktwert des gesamten Kaders im Transfermarkt gerade einmal 20 Mio. beträgt. Diese Summen nimmt man bei PSG in die Hand um zu klären, wer die Elfmeter schießen darf

Entsprechend schwierig gestaltete sich der Start in die Ligue 1. Aus den ersten sechs Spielen wurde nur ein Sieg geholt, ein 3:0 in einem ziemlich verrückten Heimspiel gegen OSC Lille. Es gab unglückliche Niederlagen bei EA Guingamp und daheim gegen Mitaufsteiger SC Amiens, und zwei deutliche Niederlagen bei den beiden »Großen« Lyon und Monaco. Was mit 4 Punkten nach sechs Spieltagen den vorletzten Rang ergibt. Es war also höchste Zeit für einen Heimsieg, um nicht von Anfang tief im Abstiegsschlamassel stecken zu müssen.

Der Gegner FC Nantes

Auch der Gegner FC Nantes ist ein französischer Traditionsverein. Achtmal wurden »Les Canaris« (die Kanarienvögel) Französischer Meister, nur Olympique Marseille (neunmal) und AS Saint Etienne (zehnmal) gelang das öfter. Das letzte Mal feierte man den Titel im Jahre 2001. Berühmt ist der Klub für seine Nachwuchsarbeit, u.a. gingen die Weltmeister Didier Deschamps, Marcel Desailly und Christian Karembeu aus der Jugend des FC Nantes hervor.

Nach der letzten Meisterschaft 2001 ging es bergab mit dem FC Nantes, bis zum Abstieg in die Ligue 2 im Jahre 2011. 2013 kehrten die Kanarienvögel zurück und belegten in den Folgejahren Mittelfeldplätze. Letzte Saison lief es besser, mit Rang 7 wurde die Qualifikation für Europa relativ knapp (8 Punkte hinter Rang 6) verpasst.

In der aktuellen Saison hat man wohl etwas vor, denn niemand Geringeres als der Leicester-Meistertrainer Claudio Ranieri übernahm den FC Nantes im Sommer. Mit 3 Siegen und 10 Punkten gelang der Start in die aktuelle Saison halbwegs, in der tabellarischen Nachbarschaft von Marseille und Nizza bewegt man sich in den Regionen der europäischen Plätze. Mit nur drei geschossenen Toren in sechs Spielen (aber auch nur 4 Gegentoren) ist das eine erstaunliche Punkteausbeute.

Ein Traditionsduell

Als Traditionsvereine haben Racing und Nantes natürlich in der Vergangenheit öfter die Klingen gekreuzt. Als besonders legendär gilt das Pokalendspiel 1966, in dem Racing einen seiner drei Pokalsiege errang. Racing war der Underdog gegen Nantes, die 1965 und 1966 Meister geworden waren. Die Canaris waren damals berühmt für ihren speziellen defensiven Spielstil, das »jeu à la nantaise«. Einer Beteiligten, Roland Merschel, erzählt in einem lesenswerten Beitrag von diesem legendären Pokalfinale

Und am 15. April 1995 endete mit einem 2:0 im Stade de la Meinau eine Rekordserie des FC Nantes von 32 Spielen ohne Niederlage. Diese wurde erst 2016 mit einer Reihe von 36 unbesiegten Spielen durch die »Neureichen« von Paris Saint-Germain überboten…

Racing Strasbourg vs FC Nantes 1:2

 

Racing  vs FC Nantes. Anstoß!

Tradition hin oder her, vom FC Nantes des Septembers 2017 war kein Fußballfest zu erwarten. Wie erwähnt, 3 Tore in 6 Spielen, das spricht nicht gerade für einen hemmungslosen Offensivfußball.

Umso überraschender, dass das Spiel von Beginn ordentlich Fahrt aufnahm. Angetrieben vom lauten Publikum rannte Racing auf das Tor der Kanarienvögel an und wurde schon nach 10 Minuten belohnt. Jonas Martin flankte von rechts vor das Tor, Nuno da Costa vollendete per Kopf! Die Meinau bebte!

Aber die kalte Dusche kam nur 3 Minuten später. Racings Abwehr agierte zu zaghaft, Adrien Thomasson konnte im Strafraum in Ruhe den Ball annehmen, sich um die eigene Achse drehen und ins Tor schießen. Ein unnötiges Gegentor.

Wütende Angriffe der heimischen »Les Bleus« waren die Folge. Wie in den vorherigen Spielen (dank DAZN kann man die Spiele der Ligue 1 ja problemlos verfolgen…) fehlte es den Angriffen Racings an der notwendigen Konsequenz und manchmal auch ein wenig am Glück.

Und wenn man kein Glück hat, kommt im Fußball bekanntlich meistens Pech dazu. In der 24. Minute klärte Racings Abwehr einen Eckball ins Feld, wo Leo Dubois stand, den abprallenden Ball bekam und mit einem Supertor aus 30 Metern zum 1:2 traf…

So ging es in die Halbzeitpause.

Nachdem Nantes für ihre Verhältnisse in Halbzeit ein Torfestival veranstaltet hatte (fast so viele Tore wie in der gesamten Saison vorher), rührte Claudio Ranieri für die zweite Halbzeit Abwehrbeton an. Angetrieben vom unermüdlich brüllenden und singenden Publikum rannte Racing die ganze zweite Halbzeit unermüdlich auf das Tor der Kanarienvögel an, der Ball wollte aber einfach nicht in den vom ehemaligen Fiorentina-Keeper Ciprian Tatarusanu gehüteten Kasten hinein. 68% Ballbesitz und 21 Torschüsse waren für Les Bleus am Ende zu verzeichnen (12 für Nantes). Aber nur 5 davon kamen auf den Kasten…

Nach Spielende gab es trotzdem einen donnernden Applaus. Für Racing wird es nur um den Klassenerhalt gehen, und sie werden sich in Sachen Torabschluss ordentlich steigern müssen, wenn der gelingen soll. Bei Claudio Ranieris Nantes darf man gespannt sein, wie weit nach oben es das Team mit seinem »italienischen Minimalismus« in der Ligue 1 schafft…

Impressionen

Racing  vs FC Nantes, vor dem Anstoß!

Das Stade de la Meinau war gut gefüllt…

Hertha! Racing! Karlsruhe!


Zweitliga-Topspiel: SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0 – 19.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-21 13:50

SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0

Die aktuelle (»englische«) Woche steht im Hause ballreiter unter dem Motto: »Wir wollen anständigen Fußball gucken!« Deshalb ging es mal wieder ins nahe Sandhausen, wo das Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga zwischen dem heimischen SVS und dem 1. FC Union Berlin anstand. Ein Torfestival blieb zwar aus, aber es gab immerhin ein spannendes Match zu sehen, in dem sich die starken Sandhäuser mit 1:0 durchsetzten…

Auf nach Sandhausen!

Die nordbadische Gemeinde Sandhausen, in der lt. Wikipedia 14.900 Menschen wohnen, ist schon ein ungewöhnlicher Standort für ein Profifußballteam in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. Wenn man mit der S-Bahn am Bahnhof ankommt und durch den Ort läuft, deutet nichts darauf hin, dass in diesem Ort in Kürze das Topspiel der Zweiten Bundesliga angepfiffen wird. Es gibt nicht einmal irgendeinen Hinweis auf die Existenz eines Profifußballstadions (was auch schon anderen Leuten beim Sandhausen-Besuch aufgefallen ist

Noch eine Stunde vor Anpfiff sind die Straßen ziemlich leer, und wenn man nach einem etwa 20-minütigen Fußmarsch am Stadion ankommt, rollt der Union-Bus durch einen leeren Kreisverkehr ins Stadion…

SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0

Aber wir kamen ja nicht für Remmidemmi auf den Straßen, sondern für Fußball! Und da ist Sandhausen eine gute Adresse. Das Team von Trainer Kenan Kocak hat in dieser Saison erst einmal verloren, und das höchst unglücklich im letzten Spitzenspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Ansonsten überzeugte der SVS auf der ganzen Linie und hält sich in der Spitzengruppe der Tabelle auf. Selbst Verletzungspausen von Leistungsträgern wie Torjäger Wooten, Mittelfeld-Denker Vollmann oder Kapitän Kulovits bringen die Schwarz-Weißen aktuell nicht aus dem Gleichgewicht.

Der Gegner aus Berlin-Köpenick gilt bekanntlich als einer der Aufstiegsfavoriten und bestätigte das gleich zum Saisonauftakt mit zwei Siegen hintereinander. Seitdem haben die Eisernen aber nicht mehr gewonnen. Entsprechend reagierte Trainer Jens Keller und überraschte mit einer auf 5 Positionen (davon 3 »freiwillig«) geänderten Mannschaft. Man staunte als Zweitligagucker nicht schlecht, als man beim Aufwärmen die beiden Offensiv-Stammkräfte Polter und Hedlund bei der 5-gegen-1-Ersatzspielerbeschäftigung auf dem Rasen bewundern konnte…

Vor leider nur 4.900 Zusehenden ging es dann in der badischen Abendsonne los. Das Spiel hätte mehr Zusehende verdient gehabt. Etwa 500 Gästefans der Eisernen waren an einem Dienstag abend ins Nordbadische gekommen. Diese waren zunächst erstaunlich ruhig. Nach etwa 20 Minuten kam dann eine Ladung Ultras mit Capo und Fahnen und der Block der Unioner agierte in der gewohnten Lautstärke. Die Kurvenfans der Moderne sind offensichtlich ohne Anleitung durch Vorsänger hilflos. »Gegen den modernen Fußball« kann man da nur sagen…

Auf dem Rasen begannen die Sandhäuser das Spiel wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Mit einer Dreierkette, die defensiv zur Fünferkette wurde, setzten sie die Eisernen über die Flügel unter Druck und kamen schon in der 4. Minute zu einer Großchance. Außenverteidiger Philipp Klingmann zog aus dem Strafraum ab und Schönheim musste für seinen bereits geschlagenen Keeper vor der Linie retten.

Nach einer Anfangsphase, in der es hin und her ging, beruhigte sich das Spiel dann im Laufe der 1. Halbzeit. Eine richtig gute Tor-Chance hatte nur Sandhausen, Union-Keeper Busk musste gegen einen Freistoß von Paqarada kurz vor der Pause ran. Mit 0:0 ging es in selbige, für die Unioner eher schmeichelhaft…

Zur Halbzeit 0:0…

Nach der Pause ging es gerade so weiter. Aggressiv und laufstark hielten die Schwarz-Weißen die Berliner Bemühungen von ihrem Tor fern, und kamen immer wieder mit langen Bällen und Pässen auf die schnellen Flügelspieler in Richtung Union-Kasten.

Das Flügelspiel ist bei Sandhausen auch für nicht-taktikfixierte Beobachtende sehr auffällig. Philipp Klingmann und Leart Paqarada lieferten eine überragende Partie ab und finden sich heute mit Fug und Recht in der Kicker-Elf des Tages wieder. Besonders der ex-Karlsruher Klingmann, den man beim KSC 2015 ablösefrei ziehen ließ, hat sich erstaunlich entwickelt. Er lieferte, genau wie sein Gegenpart Paqarada auf der linken Seite, geradezu eine Demonstration des modernen Außenverteidigerspiels ab. Beide agierten defensiv sehr aufmerksam, laufstark und sehr agil in der Offensive. Und dazu suchten sie auch noch permanent den Abschluss vor dem Tor.

So verwundert es nicht, dass das spielentscheidende Tor in der 55. Minute durch einen »Screamer« von Paqarada geliefert wurde. Nach einem Klingmann-Einwurf zog Paqarada aus 22 Meter wuchtig in den Winkel ab. Ein Klasse-Tor, eine Co-Produktion der beiden besten Spieler auf dem Rasen.

Danach hatte Jens Keller genug und ließ seine Sturm-Stars Hedlund und Polter von der Leine. Der SVS zog sich nun zurück und ließ die Eisernen auf das eigene Tor anlaufen. Aber sie verteidigten den knappsten aller Vorsprünge souverän, es gelang den Unionern nicht, regelmäßig in den Strafraum einzudringen. Zumal die Innenverteidiger Kister und der ex-Gladbacher Knipping »Brocken« sind, die es mit einem Polter problemlos aufnehmen können.

So gab es am Ende das fünfte sieglose Spiel hintereinander für den 1.FC Union, und der SV Sandhausen übernahm über Nacht die Tabellenspitze. »Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey« schallte es durch das Hardtwaldstadion hinaus in den ruhigen Abend auf den Straßen Sandhausens…

Fazit: Ein intensives Topspiel der Zweiten Liga, nicht das große Fest mit vielen Torraumszenen und Toren, aber vom Kampf und vom Tempo her gut anzuschauen. Fußball schauen in Sandhausen lohnt sich!

Endstand: SV Sandhausen vs 1.FC Union Berlin 1:0

Impressionen

Stadion-Idylle…

Capo-Verstärker Richtung Haupttribüne…

Stadion-Idylle…


Zum Heimsieg gebolzt: KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0 – 16.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-18 19:05

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0

Von Spiel zu Spiel wächst die Erkenntnis: Die Dritte Liga ist nichts für Fußball-Connaisseure. Aber immerhin: In einem grausig anzuschauenden Spiel fuhr der neue KSC-Trainer Alois Schwarz bei seinem Heimdebüt mit einem 1:0 gleich mal drei Punkte ein und entspannte die tabellarische Lage des selbsternannten Aufstiegsfavoriten ein wenig…

Viertes Heimspiel, dritter Trainer

Alois Schwartz zeigt ab sofort wo es lang geht… (Hier beim ersten Training am 29.8.17)

Mit dem ex-Nürnberger Alois Schwartz gab es im vierten Heimspiel der Saison den dritten Übungsleiter an der Seitenlinie. Stadionsprecher Martin Wacker muss sich mittlerweile echt konzentrieren, wenn er vor dem Spiel beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung sein obligatorisches »Unser Trainer…« anstimmt…

Alois Schwartz hatte von 2013 bis 2016 in der Nähe beim SV Sandhausen gute Arbeit geleistet. Er gilt als »Defensivfanatiker«, was man den ersten Spielen durchaus ansah. Auswärts in Chemnitz hatte er in der Vorwoche sein Debüt gegeben und sorgte dafür, dass in einem von offensiver Harmlosigkeit geprägten und schlimm anzuschauenden Spiel immerhin erstmals in dieser Saison die Null stand. Vorne allerdings auch…

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0

In den bisherigen Heimspielen hatte der KSC ganze Arbeit in Sachen »Stadion leerspielen« geleistet: Gerade einmal 8.400 Zusehende fanden sich im weiten Rund des Wildparks ein. Selbst im Fanblock der Gegengerade gab es Lücken. Und auch in Lotte scheint »Auswärtsfahrt nach Karlsruhe« nicht so der Renner zu sein, bis auf eine Busladung der »Freibierultras« glänzte der Gästeblock mit gähnender Leere. Wenigstens regnete es nicht und es gab keine Wartezeit beim Einlass…

Alois Schwartz hat von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass »Wiedererlangung der defensiven Stabilität« das erste Ziel seiner Arbeit sein wird. Entsprechend stellte er eine »von Erfahrung geprägte« Mannschaft auf den Rasen, mit 6 Spielern rund um das 30. Lebensjahr. Vorne soll dann im Laufe des Spiels ein Ball irgendwie auf die beiden »Drittliga-Tormaschinen« Fink und Stroh-Engel fallen und das Tor ermöglichen…

Der Gegner aus Lotte kam auch nicht gerade in Auswärts-Topform in den Wildpark. In den drei Auswärtsspielen zuvor gab es drei Niederlagen und 1:5 Tore…

KSC vs Sportfreunde Lotte, Anstoß

Dementsprechend sah das Spiel auch aus. Die Sportfreunde ließen von Anfang an keinen Zweifel daran, dass ihr Begehr ein 0:0 im Wildpark war. Sie igelten sich am eigenen Strafraum ein und ließen den KSC rund um diesen mit dem Ball paradieren. Der KSC versuchte sein Offensivspiel durchaus bemüht, aber viel zu langsam und umständlich. Den Zusehenden wurde eine Mittelfeld-Ballverlustorgie allererster Güte geboten. Was ziemlich langweilig anzuschauen war. Dieser Tweet sagt in der Tat alles über das Spiel:

Aber: Der Erfolg heiligt die Mittel. Letztendlich ging des Trainers Plan auf. Lotte hatte nur zwei Torchancen durch Neidhart (37.) und Al Ghaddioui (69.), die Keeper Benjamin Uphoff beide vereitelte. Das ist übrigens eine der wenigen positiven Erkenntnisse dieser Saison: Mit Uphoff hat der KSC wieder einen verlässlichen und guten Keeper im Tor, der auch dann zur Stelle ist, wenn er wenig zu tun bekommt. Er war, wie stets in den letzten Wochen, der beste Karlsruher.

Und auch der Offensivplan ging auf. Genau einmal landete der Ball in den 90 Minuten in guter Position vor dem Tor bei Anton Fink, und der fackelte nicht lange und versenkte das Kunstlederobjekt in der 75. Minute zum 1:0-Siegtreffer. Das ist halt die Qualität des Drittliga-Rekordtorschützen…

Damit bleibt der KSC daheim ungeschlagen, was imposanter klingt als es tatsächlich anzuschauen war, und verhinderte ein dräuendes Abrutschen an das absolute Tabellenende…

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0

Die Lage

Immerhin spielte der KSC in zwei Spielen unter Schwartz zweimal zu Null. Es sieht aus, als würde der Defensiv-Plan funktionieren. Vielleicht spendiert uns der Trainer bei Erreichen einer gewissen defensiven Stabilität dann auch ein bisschen mehr offensive Spielkultur und mehr Tempo im Angriff…

Aber, Siegtorschütze Anton Fink macht uns wenig Hoffnung (lt. abseits-ka):

»Man muss einfach sagen, dass es in der dritten Liga keinen schönen Fußball zu spielen gibt.«

Der Fußballgott sei uns gnädig. Nur noch 15 Heimspiele auf der Dauerkarte…

Als nächstes geht es unter der Woche an den schönen Sonnenhof zu Großaspach. Die SG spielt eine sehr wechselhafte Saison, von einem Heimsieg gegen Aufstiegsfavorit Magdeburg bis zu einer 0:5-Klatsche beim SC Paderborn war alles dabei. Für die Blau-Weißen eine neue Gelegenheit, den aktuellen letzten Platz der Auswärtstabelle zu verlassen. Ein kümmerliches Pünktchen (das 0:0 in Chemnitz) und zwei Törchen ist die ganze Auswärts-Ausbeute der aktuellen Saison. Höchste Zeit für einen Auswärtsdreier…

Impressionen

Flutlicht mit Wolken…

KSC vs Sportfreunde Lotte 1:0


Last-Minute-Remis: ASV Durlach vs FC Germania Friedrichstal 2:2 – 10.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-10 21:30

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Der Sommer neigt sich ja langsam dem Ende entgegen. Und so forderte Pfoschdeschuss-Autor Oli (trotz der kruden Optik eine unentbehrliche Site für Karlsruher Fußballfreundinnen und -freunde) in seiner Kolumne auf regio-news.de zu einer sinnvollen Nutzung der letzten warmen Sonntage auf:

»Bei einer gepflegten Unterhaltung und respektierlicher Rhetorik ein unterhaltsamen Kick gucken und die letzten Sonnenstrahlen des Jahres genießen, denn bald ist Winterszeit und das Frauchen lädt am Sonntag Tante Käthe und Onkel Reinhold zum Kaffeekränzchen. Dann wisst ihr diese Tage zu schätzen…«

Dem kann man wenig entgegnen, deshalb ging es an einem herrlichen Spätsommersonntag auf die nächste Station der großen Verbandsligarunde zu einem weiteren Derby aus dem Karlsruher Fußballkreis: Der ASV Durlach empfing Germania Friedrichstal, und in einem spannenden Match trennte man sich 2:2…

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Die Ausgangslage hätte unterschiedlicher nicht sein können. Der ASV Durlach, trotz eines großen Umbruchs vor der Saison einer der Aspiranten für die erste Tabellenhälfte, startete mit drei Niederlagen in die Verbandsligasaison und zierte gemeinsam mit dem Durlacher Lokalrivalen SpVgg Durlach-Aue das Tabellenende. Gegner FC Germania Friedrichstal hingegen legte mit drei Siegen einen Traumstart hin.

Für 5 Euro war man dabei, das Bier (Hatz, ein bisschen bitter) gab es für 2,50. Schätzungsweise 200 bis 300 Zusehende wollte das Duell am Sonntagnachmittag erleben. Der Run der Fußballtraditionalisten zum Amateurfußball aus Frust über den garstigen und bösen Profifußball-Kommerz findet irgendwie noch nicht so richtig statt…

Im Stadionmagazin »Halbzeit« gab es von ASV-Präsident Robert Venzke Worte zum Geleit:

»Eine Million gefälschter Halbleiter wurden in den letzten Monaten beschlagnahmt. […] Wahre Kunststücke und Unverfälschtes gibt es hingegen noch auf dem Rasen beim ASV Durlach zu bewundern.«

Da waren wir doch sehr gespannt…

Das Spiel brauchte nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Den ersten Angriff der Friedrichstaler in der 4. Minute schloss Abdelrahman Mohamed mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel ab. Der ASV musste, wie schon in der vorigen Woche beim FC Español, einem Rückstand hinterher laufen.

Friedrichstal zog sich mit der Führung zurück und ließ Durlach nun etwas kommen. Das sah ähnlich aus wie in der letzten Woche: Der ASV drückte in die Hälfte des Gegners, richtige Torchancen waren aber Mangelware. Deshalb musste Friedrichstal den Ausgleich selbst erledigen, ein etwas unglückliches Eigentor der Germanen bescherte dem Heimteam den Ausgleich.

Aber nicht lange, nur 5 Minuten später besorgte Patrick Rödling per Kopf etwas überraschend die erneute Friedrichstaler Führung. Überraschend, weil der ballreiter dieses Tor wg. der Suche nach Bier nicht richtig mitbekam. Das sind die Freuden des Amateurfußballs: Der Augenblick passiert wenn er passiert, keine Wiederholungen, keine Aufzeichnungen…

Die zweite Halbzeit sah einen Durlacher Sturmlauf auf das Friedrichstaler Tor. Aber, siehe oben, ohne großartige Torchancen. Nachdem es in der 81. Minute eine Gelb-Rote Karte für den ehemaligen Friedrichstaler (ausgerechnet!) Rudy Vargas Müller gab, schien die Partie »gegessen«, es sah wenig nach einem Durlacher Ausgleich in Unterzahl aus.

Aber so ist Fußball, genau das passierte. Patrick Berecko verwandelte in der 88. Minute einen Freistoß zum Ausgleich. Und in der Nachspielzeit gab es plötzlich gute Chancen für den Durlacher Siegtreffer.

Das 2:2 war das Endergebnis. Durlach hat nun zwar nach 4 Spielen nur einen Punkt, macht aber trotzdem einen guten Eindruck mit einer tollen Moral. So sollte der erste Sieg nur eine Frage der Zeit sein. Sie müssen aber daran arbeiten, aus der Feldüberlegenheit Torchancen zu kreieren.

Die Germanen aus Friedrichstal müssen sich ärgern, in Überzahl den vierten Sieg im vierten Spiel noch aus der Hand gegeben zu haben. Aber groß grämen müssen sie sich im Grunde nicht, mit 10 Punkten stehen sie hinter den Favoriten 1. FC Bruchsal und VfR Mannheim (beide 12 Punkte mit vier Siegen aus vier Spielen) auf einem großartigen dritten Rang in der Verbandsliga nach dem vierten Spieltag.

Fazit: Ein unterhaltsames Match an einem schönen Spätsommersonntag. Überhaupt gab es in den Karlsruher Amateurspielen dieser Saison bisher noch keine Langeweile, ganz im Gegensatz zum Drittligafußball ein paar Kilometer nordwestlich von Durlach…

Impressionen

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Das altehrwürdige Turmbergstadion. Das altehrwürdige Turmbergstadion. Das Schild ist kaputt! The Huddle – Friedrichstal The Huddle – Durlach

Unter den wachsamen Augen der Friedrichsttaler Trainerbank…

ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

ASV Durlach und Coca Cola. Ein Gästekäfig ist auch vorhanden. ASV Durlach vs Germania Friedrichstal 2:2

Die Karlsruher Verbandsligarunde


Neues aus Schottland #21: Fußball in Murrayfield!

Permalink - Posted on 2017-09-07 21:40

Murrayfield Stadium, die temporäre Heimat der Hearts, im Oktober 2016

Gled tae meet ye, Scottish Football, endlich begann wieder der Ligabetrieb. Und, Überraschung, nach vier Spieltagen grüßt nicht Celtic an der Tabellenspitze, sondern der mit 12 Punkten aus 4 Spielen makellos in die Saison gestartete FC Aberdeen!Viel Neues auch bei Hearts: Craig Levein gibt ein Comeback auf der Trainerbank, und es gibt drei Heimspiele im Rugby-Stadion Murrayfield…


Scottish Premiership: Aberdeen an der Spitze

Wir hatten es schon in der Saisonprognose geahnt: Aberdeen macht einen starken Eindruck! Mit vier Siegen aus vier Spielen starteten die Dons souverän in die Saison. Einige Spiele, wie das 2:1 daheim gegen Dundee FC und der 1:2-Auswärtssieg bei Ross County, waren ziemlich eng vom Verlauf her. Aber Aberdeen zeigt eine neue Qualität: In der letzten Saison wurden solche knappen Spiele gegen Teams wie Dundee gerne mal Unentschieden gespielt oder gar verloren.

Ein echter Knaller war der 4:3-Auswärtssieg beim »dritten« Glasgower Team Partick Thistle. Sieben Tore und einen dramatischen Spielverlauf sahen die Zusehenden in Firhill (Aberdeen spielt im Video in Blau):

Ende September beginnen die Wochen der Wahrheit für die Dons: Mit St. Johnstone, Hibernian, den New Rangers und Meister Celtic warten vier Teams auf Aberdeen, die allesamt in der oberen Tabellenhälfte erwartet werden.

Celtic verliert Punkte!

Meister und Topfavorit Celtic liegt mit 2 Punkten Rückstand auf Rang 2. Im letzten Spiel vor der Länderspielpause spielten die Bhoys in einem schauderhaften Spiel »nur« 1:1 gegen St. Johnstone.

Dabei wollten einige schon am ersten Spieltag Celtic zur Meisterschaft gratulieren, als sie die Hearts aus Edinburgh am »Flag day« (der Meister in Schottland bekommt eine Flagge, die am ersten Spieltag feierlich im Stadion hochgezogen wird, deshalb heißt das erste Spiel des Meisters »Flag Day«) mit 4:1 schlugen (Celtic im Video natürlich wie immer grün-weiß geringelt):

In den anderen Spielen tat sich Celtic deutlich schwerer, hatte aber parallel auch englische Wochen um die Qualifikation zur Champions League erfolgreich klar zu machen. Mit Bayern München und PSG bekamen sie für die Gruppenphase zwei dicke Brocken zugelost. Der dritte Gegner Anderlecht wird der sein, mit dem sich Celtic um den Gruppenrang 3 für das europäische Überwintern schlagen wird.

Hearts: Craig Levin und Murrayfield

Bei den Hearts hat die Trainersuche ein Ende: Der Hearts-Sportdirektor und -Vorstandsmitglied Craig Levein, früher Spieler und Trainer bei Hearts, Dundee United und der schottischen Nationalmannschaft, kehrt auf die Trainerbank zurück. Was dann bei Hearts nach dem erfolglosen Versuch mit dem »schottischen Nagelsmann« Ian Cathro eine konservative »Rolle rückwärts« ist.

Vielleicht ist so ein erfahrener Mann auch genau der Richtige. Denn Hearts sind nicht gut gestartet, mit nur einem Sieg und einem Remis stehen sie mit 4 Punkten auf Rang 8. Das Problem: Heart Of Midlothian hatte bisher nur Auswärtsspiele, denn das altehrwürdige Tynecastle Stadium bekommt eine neue Haupttribüne. Die sollte eigentlich zum nun anstehenden ersten Heimspiel fertig sein. Dummerweise vergaß man aber, Sitze für die Tribüne zu bestellen… Was zur Folge hat, dass Hearts nun mindestens die nächsten drei Heimspiele im riesigen Murrayfield Stadium (Bild oben, bietet Platz für etwa 67.000 Zusehende) austragen muss, das normalerweise Rugby-Spiele der schottischen Nationalmannschaft und vom lokalen Profiteam Edinburgh Rugby sieht.

Somit wird es noch Wochen dauern, bis Hearts wieder im heimischen Tynecastle kicken können, was bei der Auswärtsschwäche für eine schwierige Phase sorgen könnte. Was dann keine guten Bedingungen für einen weiteren Versuch mit einem jungen Trainer gewesen wären…

Und die anderen…

Hervorragend gestartet ist, nicht nur wg. des Unentschiedens bei Celtic, der FC St. Johnstone. Die Minimalisten aus Perth schießen plötzlich auch noch reichlich Tore, z.B. beim 4:1 gegen den FC Motherwell. Auch sonst war viel los, am Ende spielte man mit 10 gegen 9 (St. Johnstone spielt im Video in Blau-Weiß):

New Rangers liegen mit 7 Punkten im Mittelfeld. Am letzten Spieltag gewannen sie zwar auswärts 3:1 bei den Highländern von Ross County, ohne aber übermäßig zu überzeugen. Sie profitierten dabei von einem monumentalen Torwartpatzer durch Ross Countys Keeper Scott Fox, der in keinem Jahresrückblick fehlen wird…

Eine »typisch schottische« Geschichte ereignete sich zur Länderspielpause in Glasgow. Aberdeens Neuzugang Gary Mackay-Steven hatte eine »Night Out« in Glasgow. Nach ein paar Pints fiel er von einer Brücke in den Fluß Kelvin und blieb dort längere Zeit liegen, um dann vom Rettungsdienst mit einer Unterkühlung aufgesammelt zu werden. Was Trainer Derek McInnes verständlicherweise nicht so übermäßig gefallen hat. »By all means have a drink« sagte er, aber bitte nicht übertreiben! Yer a chancer, young man! In Schottland sieht man solche Dinge relativ locker, Mackay-Steven wird wohl am Wochenende wieder spielen.

Und weiter geht's!

Am kommenden Freitag (7.9.) tritt Meister Celtic auswärts bei Hamilton Accies an, erfreulicherweise kann man das um 20:45 live bei DAZN verfolgen, Pure dead brilliant! Apropos, DAZN hat die wöchentliche Highlight-Show nun schon Montags im Programm (ist immer etwas versteckt, man muss sich über Sportarten - Fußball - SPFL hinhangeln). In der gibt es 20 bis 30 Minuten Highlights von allen Spielen des Wochenendes, sehr empfehlenswert!

Und am Dienstag (12.9.) startet Celtic daheim gegen die Reichen von Paris Saint-Germain in die Champions League. Das kann man wie immer bei Sky auf einem der Sky-Sport-Kanäle (wahrscheinlich) ohne Kommentator verfolgen…


Urban Goals.

Permalink - Posted on 2017-09-06 21:30

Michael Kirkham fotografiert auf seiner Website »Urban Goals« Fußballtore aller Art, egal ob karges Gestänge auf einer Wiese oder aufgezeichnet auf einer Hauswand. »Box To Box« stellt das Projekt vor und hat ein Interview mit Michael Kirkham. Der stellt sein Projekt so vor:

»Urban Goals is a photographic series that is both a stirring memento of lost youth, and stark reminder of the social inequalities still faced in Britain today.«


Verbandsliga-Derby: FC Español vs ASV Durlach 2:0 – 2.9.2017

Permalink - Posted on 2017-09-05 21:45

FC Español vs ASV Durlach 2:0

Länderspielpause in den großen Ligen! Da lag es nahe, das Fußballvergnügen in den nicht ganz so großen Ligen zu suchen. In der Verbandsliga Nordbaden gab es ein »Karlsruher Derby« zwischen dem Aufsteiger FC Español und dem ASV Durlach, das mit einem 2:0-Heimsieg den »historischen« ersten Sieg des FC Español in der Verbandsliga sah…

Die große Verbandsligarunde

Man muss ja heute alles was man macht mit etwas Getöse in die Welt hinaus verkünden (vgl. »Tag der Amateure«, wo das veranstaltende Heftchen zufällig auch ein Sonderheft parat hat…). Deshalb ruft ballreiter hier »Die große Verbandsligarunde« aus. Ziel ist es, in der aktuellen Saison bei jedem Verbandsligisten aus dem Karlsruher Fußballkreis ein Heimspiel anzuschauen.

Und den Anfang machte Aufsteiger FC Español. Den wir bekanntlich kürzlich schon im Pokal begutachtet haben.

Der 1962 gegründete »spanische« Klub FC Español erlebt gerade die sportlich erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte. Nach dem Aufstieg in die Landesliga 2013 ging es in diesem Jahr sogar noch einmal hinauf in die Verbandsliga Nordbaden. Was für einen kleinen Verein mit etwa 150 Mitgliedern schon eine erstaunliche Leistung ist. Aus den ersten beiden Spielen der Verbandsliga-Saison holte Español einen Punkt, so dass man nun heiß auf den ersten Sieg in der neuen Liga war…

FC Español vs ASV Durlach 2:0

Gegner war der ASV Durlach (wurde hier schon mal vor zwei Jahren ein wenig vorgestellt). Dieser startete mit 2 Niederlagen in die Saison, befand sich also in latenter »Fehlstartgefahr«.

Seine Heimspiele trägt Español auf dem Platz des Gehörlosenzentrum im Stadtteil Daxlanden aus. Mit 5 Euro Eintritt ist man dabei, das Sportplatzflaschenbier gibt es für 2,50…

Ein gutes Karlsruher Pils gab es auch… Es geht los! Ein gut gefüllter Sportplatz – zumindest vor dem großen Regen…

In der ersten Halbzeit gab es ein umkämpftes Match mit wenigen Torchancen zu sehen. Wie schon kürzlich beim Pokalspiel gegen Fortuna Kirchfeld ging Español mit einer gesunden Härte zur Sache, es gab viele Freistöße und Rudelbildungen…

Kurz vor der Pause gab es aber doch ein Tor. Durlachs Abwehr war einmal etwas unaufmerksam, was Kevin Sedeño zum 1:0 in der 41. Minute nutzte.

Nach der Pause drückte Durlach (wir erinnern uns, Fehlstartgefahr!) auf des Español-Tor, ohne zu wirklich guten Chancen zu kommen.

Und dann kam der große Regen. Schon in der Halbzeit grummelte es in der Ferne, ein Gewitter mit viel Regen zog über den Sportplatz und machte eine zehnminütige Unterbrechung nötig.

Die Zwangspause unterband den Spielfluss des ASV – als das Gewitter sich verzogen hatte, wurde Español wieder stärker und kam trotz weiterem Durlacher Druck zu Entlastungsangriffen. Ein Tor von Juan Carlos Delgado in der Nachspielzeit sorgte für die endgültige Entscheidung und großen Jubel über den historischen ersten Verbandsligasieg des FC Español…

Der erste Verbandsligasieg für FC Español, großer Jubel!

Impressionen

Españols Manuel Morilla in Action!

España.

Nach dem Regen.

Die Karlsruher Verbandsligarunde


Hochsommerliches Ballgeschiebe: KSC vs Hallescher FC 1:1 – 26.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-27 21:55

KSC vs Hallescher FC 1:1

Neue Saison, gewohntes Geschehen in Karlsruhe: Nach dem Fehlstart musste Trainer Marc-Patrick Meister gehen und es gab mal wieder einen neuen Übungsleiter an der Seitenlinie. Dauer-Co-Trainer Zlatan Bajramović sollte den Heimdreier holen. Was nicht gelang: In einem schlimmen Spiel unter der badischen Hochsommer-Sonne trennten sich der KSC und Halle 1:1…

»The same procedure as last year, Mister Wellenreuther?« »The same procedure as every year, Oliver!«

An diesen Brüller aus dem Lieblings-Jahresend-TV-Stück aller Deutschen fühlen sich Fans des Karlsruher SC einmal mehr erinnert. Denn schon wieder musste der Trainer nach ein paar Wochen gehen. Marc-Patrick Meisters »Mission Wiederaufstieg« endete nach einer 0:4 Auswärtsniederlage bei Fortuna Köln.

Letztendlich wurden Marc-Patrick Meister nicht die drei schlechten Auswärtsspiele zum Verhängnis. Ein kompletter Neuaufbau mit einer neuen Mannschaft, und nach drei schlechten Spielen muss der Trainer gehen? Eigentlich absurd.

Meisters Problem war letztendlich die Hypothek, die er als »Trümmerverwalter« der Abstiegstruppe nach Mirko Slomkas Abgang mit in die neue Saison gebracht hat. Das hatten wir nach dem desolaten Abstieg im Mai bereits befürchtet:

»Den Neuaufbau soll nun Trainer Marc-Patrick Meister in der Dritten Liga durchführen, der einen Vertrag bis 2019 unterschrieb. Was im Umfeld nun auch schon wieder mit einiger Skepsis zur Kenntnis genommen wurde, zu desolat präsentierte sich das Team unter Meisters Leitung. Null Punkte und 1:10 Tore in vier Spielen ist seine Bilanz. Man braucht kein Prophet sein: Diese Ausbeute wird eine Hypothek für den Neuaufbau sein. Wenn der Start in die Drittligasaison holprig wird, kann es gleich wieder ungemütlich werden…«

Genau so ist es gekommen.

Aber Meister muss sich nicht grämen. Wenn man sich beim SWR die Galerie der entlassenen Trainer und Sportdirektoren anschaut, so befindet er sich in guter Gesellschaft. Die Kultur des »Heuerns und Feuerns« beim Karlsruher SC unter der Präsidentschaft Ingo Wellenreuthers liegt ganz sicher nicht nur an den Trainern…

Randaspekte

Da die sportliche Lage einige Herrschaften auf der Gegengerade nicht auslastet, gab es auch wieder in Stil und Botschaft höchst zweifelhafte Karlsruher Beiträge zum aktuellen »Großen Krieg der (Selbst-)Gerechten gegen den bösen DFB« zu bewundern…

KSC vs Hallescher FC 1:1

Aber in Karlsruhe hat man andere Sorgen. Dauer-Co-Trainer Zlatan Bajramović, der mit Mirko Slomka kam und seitdem erstaunlicherweise jeden Übungsleiterwechsel überlebt hat, durfte sich gemeinsam mit ex-KSC-Spieler Christian Eichner als fünfter Trainer seit Sommer 2016 (Interimstrainer eingerechnet) an den kickenden Helden des KSC versuchen…

Etwas Positives gab es aber auch: Das erste Heimspiel der Saison ohne Regen! Der badische Hochsommer drehte auf und lieferte eine sonnenbeleuchtete Kulisse bei 30 Grad.

Stadionbier! War schon mal voller im Wildpark… Gästeblock im Sonnenschein…

Die glorreichen Spiele der letzten Wochen haben das Stadion allerdings effektiv leergespielt, gerade einmal 9.580 Zusehende (ca. 300 davon im Gästeblock) wollten die Bemühungen des »Superteams aus Baden« im Stadion verfolgen…

Das Interims-Trainer-Duo stellte das Team ordentlich um. Die bisher enttäuschenden Routiniers Hofmann, Bülow (verletzt) und Stoll mussten ebenso raus wie der erfolglose Stürmer Zawada. Dafür kehrten Wanitzek, Gordon und Bader zurück, und Fabian Schleusener gab sein Startelfdebüt als Angreifer neben Anton Fink.

Der Gegner aus Halle erschien noch gebeutelter im Wildpark: Rico Schmitts Team ist noch sieglos und dazu noch von einer Verletztenserie gebeutelt. Auf der Ersatzbank nahmen nur vier Feldspieler Platz…

KSC vs Hallescher – Anstoß!

Nach dem Anpfiff von Schiri Willenborg war schnell klar, was der Hallesche FC wollte: Mit einer massiven Defensive einen Punkt holen. Wie üblich fand der KSC keine Mittel dagegen, es entwickelte sich ein furchtbares Mittelfeldgerumpel und uninspiriertes Ballgeschiebe. Der KSC war zwar durchaus bemüht, fand aber gegen die zwei üppig bestückten Ketten vor dem Hallenser Tor kein Mittel.

Schlimmer noch: Wenn Halle einmal Richtung KSC-Tor kam, wackelte die blau-weiße Defensive sofort bedenklich. Folgerichtig landete der erste (und einzige) zu Ende gespielte Angriff der Hallenser in der 13. Minute gleich zum 0:1 im Tor…

In der Folge ordnete Rico Schmitts Team alle 10 Feldspieler in zwei Ketten vor dem Tor an und ließ den KSC seine harmlosen Angriffsversuche ausüben. Mehr als ein guter Schuss in der 38. Minute nach einer schönen Aktion von Muslija war nicht drin.

Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurde das »Superteam aus Baden« in die Pause verabschiedet…

Nach der Pause kam Dominik Stroh-Engel für den blassen Siebeck ins Spiel. Das brachte ein wenig Belebung und die zweite (und letzte) richtige Torchance für den KSC: In der 48. Minute traf Schleusener nach einer schönen Einzelaktion von Schleusener nur den Pfosten.

Der Ausgleich war gar keine Torchance. Ein harmloser Freistoß von Fink landete in der Mauer und prallte unkontrolliert herum, Schleusener bekam den Ball und sorgte in der 66. Minute für den 1:1-Endstand.

Fazit: Wenn man durch den Trainerwechsel einen »Ruck« durch die Mannschaft gehen lassen wollte, so scheiterte das grandios. Eine wackelige Defensive und ein Angriffsspiel, das gegen eine harmlose Mannschaft aus Halle lediglich zwei richtige Torchancen zu Stande brachte. So spielt kein Aufsteiger…

Endstand: KSC vs Hallescher FC 1:1

Die Lage

Nun steht der KSC, als Top-Aufstiegsfavorit in die Saison gegangen, nach dem 6. Spieltag auf Rang 16 mit 5 Punkten. Und hat nach Halle die meisten Gegentore kassiert. Wer das Team demnächst trainieren wird, ist unklar (Leiten Sie das KSC-Training am Dienstag? – »Ich weiß es nicht«). Der Rückstand auf das Saisonziel Aufstieg beträgt schon 10 Punkte…

Der Strohhalm ist die Aufstiegssaison 2012/13, als der KSC unter Markus Kauczinski nach 6 Spieltagen sogar nur 4 Punkte hatte und am Ende trotzdem mit 79 Punkten als Drittligameister aufstieg. Nur war die Situation damals ganz anders, bis auf zwei schwache Auswärtsspiele spielte der KSC von Beginn an gut und hatte ziemliches Pech im Torabschluss. Die Mannschaft Anno 2017 erspielt sich aber kaum Torchancen, die sie vergeigen könnte…

Um aufzusteigen, brauchte man in der Dritten Liga meistens mindestens 70 Punkte. D.h., der KSC müsste jetzt ab sofort mit einem Schnitt von 2 Punkten pro Spiel unterwegs sein. Der KSC 2012/13 verlor in den 35 Spielen nach dem 6. Spieltag nur noch dreimal und holte 23 Siege. Wer den KSC Anno 2017 auf dem Rasen sieht, kann sich eine Wiederholung dieses Durchmarschs nur schwer vorstellen…

Mit dieser Abwehr sowieso nicht, wenn der KSC wirklich aufsteigen möchte sollte Oliver Kreuzer noch einen Innenverteidiger und einen Außenverteidiger verpflichten. Ein Angreifer mit Drang zum Tor würde auch nicht schaden…

Impressionen

Vor dem Spiel

KSC vs Hallescher FC 1:1


»Strahov-Stadion.« Prag, 2005.

Permalink - Posted on 2017-08-16 16:45

»Game of the People« verbrachte »A morning in Strahov«. Das Strahov-Stadion in Prag war ein gewaltiges Stadion (es passen 9 Fußballfelder und 250.000 Zusehende hinein) für die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überaus beliebten Massenturnveranstaltungen Sokol und später der Spartakiade. Heute ist es in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand und beinhaltet diverse Trainings- und Spielfelder von Sparta Prag. Ich war 2005 im Strahov, lt. Artikel von Game of the People scheint sich in der Zwischenzeit nicht viel getan zu haben…


Fast eine Pokal-Überraschung: KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V. – 11.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-13 11:20

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V.

Schade! In einem großartigen Pokalfight im regennassen Wildpark unterlag der KSC dem Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen mit 0:3 n.V. Und wurde damit unter Wert geschlagen…

Endlich mal wieder DFB-Pokal im Wildpark!

Dank des Abstiegs in die Dritte Liga kam der KSC nach drei Jahren endlich mal wieder in den Genuss eines Heimspiels im DFB-Pokal. Das letzte Mal war das 2014 beim Erstrunden-Aus gegen den VfL Wolfsburg (1:3) der Fall gewesen. In den Jahren dazwischen schied der KSC stets zuverlässig auswärts in Runde 1 oder 2 aus…

Immerhin 17.000 Zusehende wollten das Pokalspiel an einem regnerischen Freitagabend sehen. Das ist für aktuelle Karlsruher Fußballverhältnisse ein ordentlicher Besuch, der Verein hatte aber wohl, wenn man den nach der Auslosung entfachten Hype mit gestaffeltem Vorverkauf und Event-Trikot anschaut, mit mehr gerechnet…

Randaspekte: »Fußballmörder DFB«

»Fußballmörder DFB«

Kaum hatte man den Block betreten, war man mit Blick auf die Gegengerade gleich wieder peinlich berührt. »Fußballmörder DFB« las man dort auf einer großen Tapete. Und während des Spiels gab es die neuerdings üblichen »Scheiß DFB«-Wechselgesänge…

Der »Protest« der so genannten »organisierten Fans« in Deutschland gleitet zunehmend auf ein für erwachsene Menschen erstaunlich regressiv-infantiles Niveau hinab. Angenommen, dieser »Protest« soll eine über ein kindlich-trotziges »Manno, wir finden im Fußball aber alles doof!1!!11!!!Einself!!« hinausgehende Dialogaufforderung in Richtung DFB sein, so muss man kein Einstein sein um zu erkennen, dass sich dieser Stil diesbezüglich eher als kontraproduktiv herausstellen könnte…

Ein Treppenwitz ist dabei, dass die mitgereisten Leverkusener Fans in den »Scheiß DFB«-Wechselgesang einstimmten. Genau, die Fans jenes Werksklubs Bayer 04 Leverkusen, die nur dank des ihrem Verein und seiner Werksklub-Herkunft gegenüber äußerst zuvorkommenden DFB (und die DFL wollen wir da auch nicht vergessen) überhaupt als Teil des deutschen Profifußballs in ihrem Gästeblock standen. Deutsche »Fankultur« 2017, man hat immer was zu lachen…

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:3 n.V.

Zurück zum Sport. Man muss kritisch anmerken, dass es im dritten Pflicht-Heimspiel der Saison 2017/18 zum dritten Mal regnete. Und bekanntlich stehen wir Fußball-Traditionalisten stets im unüberdachten Stehplatz-Block (was auch der Qualität der Fotos bei diesem Spiel nicht zuträglich war…). Da muss sich das Wetter einfach mal hinterfragen, so kann das jetzt nicht die ganze Saison weitergehen!

Immerhin: Nach den Bierpreis-Irritationen des letzten Heimspiels wurden alle Preise wieder auf das Niveau der Vorsaison zurückgefahren. Geht doch!

Stadionbier im Regen! Wir Traditionalisten… Gerade mal 17.000 Zusehende. Trotzdem Schlange am Einlass… War schon mal besseres Wetter im Wildpark…

Wie schon erwähnt, eine eher enttäuschende Kulisse von 17.000 Zusehenden wollte das freitägliche Pokalspiel sehen. Und trotz des nur halb gefüllten Stadions gab es lange Schlangen am Eingang, da viel zu wenige Eingangstore geöffnet waren. Da kann man fast froh sein, dass es nicht voller war…

Fußball wurde natürlich auch gespielt. KSC-Coach Mark-Patrick Meister nahm an der siegreichen Elf vom letzten Heimspiel nur eine Änderung vor. Für den (noch vom Reutlingen-Pokal-Desaster 2015) rotgesperrten Gordon rückte Martin Stoll in die Abwehr.

Bei den Gästen aus Leverkusen gab neu-Bender Sven sein Debut, während Bruder Lars verletzt fehlte. Ansonsten waren alle unter der Woche angeschlagen gemeldeten Akteure dann doch fit geworden…

Flutlicht und strömender Regen – das waren doch beste Voraussetzungen für einen großen Pokalfight!

Und nachdem Karim Bellarabi mit einer vergebenen Großchance in der 3. Minute bei der noch etwas »kalten« KSC-Abwehr für die notwendige Aufmerksamkeit sorgte, wurde es genau das. Die in den ersten Drittligapartien wackelige KSC-Defensive präsentierte sich gut, alle Akteure fighteten aufopferungsvoll gegen die immer wieder gefährlich vor das Tor kommenden Leverkusener Angriffe. Auch der von Spiel zu Spiel immer besser werdende neue Stammkeeper Benjamin Uphoff hielt stark.

Das große Manko des Karlsruher Spiels: Die Offensive. Zawada hatte schon in der 13. Minute eine große Chance, vergab diese aber. Wenn da der verletzt ausgefallene Stroh-Engel an seiner Stelle gewesen wäre…

Das war auch der einzige Torschuss von Zawada, Anton Fink wurde von der Leverkusener Abwehr offensiv völlig abgemeldet und hatte gar keinen Abschluss. Die Blau-Weißen starteten zwar ein ums andere Mal vielversprechende Angriffe über Lorenz und Muslija, deren Flanken fanden aber nie einen Abnehmer.

So war die Marschrichtung für den KSC schnell klar: Verteidigen was das Zeug hält, und offensiv auf einen Glücksschuss oder das Elfmeterschießen hoffen. Das klappte auch 90 Minuten lang recht gut, zumal die Wucht der Leverkusener Angriffe in der zweiten Hälfte deutlich abnahm und erst in der Schlussphase wieder gefährlich wurde. Mit etwas Glück brachten die Blau-Weißen das 0:0 über die 90 Minuten – Verlängerung!

KSC vs Bayer 04 Leverkusen 0:0 nach 90 Minuten!

Verlängerungen sind aber nichts für uns in Karlsruhe. Das zeigte sich 2015 beim berüchtigten Relegationsspiel, es zeigte sich wieder. Das Heimpublikum hatte den Gedanken »jetzt noch 30 Minuten verteidigen dann hauen wir sie im Elferkicken raus« noch gar nicht zu Ende gedacht, da stand es schon 0:1. Einen Freistoß von Julian Brandt vollstreckte Kohr per Kopf in der 93. Minute. Nur 6 Minuten später traf der eingewechselte Pohjanpalo zum 0:2, ehe Baily in der 105. Minute mit dem 0:3 die Pokalschlacht für beendet erklärte. Aus Protest ließ es der Karlsruher Himmel für den Rest der Verlängerung mit an diesem Abend noch nicht erlebter Intensität auf den Wildpark hinab regnen…

Fazit: 90 Minuten eine große Pokalschlacht, als sich der Bundesligist in der Verlängerung zusammenriss, war sie aber schnell beendet. Wie das dann immer so ist, außer Komplimenten (Rudi Völler: »Das war ein hartes Stück Arbeit gegen einen unbequemen Gegner…«) nimmt man nix mit.

Trotzdem war es eine große kämpferische Leistung der Blau-Weißen. Mit der Einstellung braucht den Karlsruher Fußball-Freundinnen und -Freunden vor den nächsten Aufgaben in der Dritten Liga nicht bange sein…

KSC-Trainer Meister meinte in seiner blumigen Art (lt. abseits-ka):

»Das Spiel birgt heute für uns zwei große Schätze, zwei Erfolgsmomente, woran ich es messen will. Das erste ist das 0:0 nach 90 Minuten nicht ohne eine Chance zuzulassen sondern einfach, dass wir mit viel Leidenschaft und einem riesigen Engagement verteidigt haben. Und das zweite ist für mich, dass mit Ende des Spiels die Fans, die unüberdacht da standen nicht heim sind und der Mannschaft Respekt zollten und sie verabschiedet hat.«

Impressionen

Schal hoch zum Badner-Lied!

Der wahrscheinlich letzte Pokalabend im aktuellen Wildpark…


Scottish Premiership 2017/18: Die Saisonvorschau zum Meisterschaftsstart

Permalink - Posted on 2017-08-10 07:55

Scotland!

It‘s been dunky‘s since a last saw ye, Scottish Premiership! Umso besser, dass diese am letzten Wochenende in die neue Saison startete! Und es ist im relativ kurzen Leben dieses kleinen Fußballblogs schon eine Tradition (siehe 2015/16 und 2016/17):

Wenn in Schottland die Meisterschaft startet, gibt es hier die kleine Saisonvorschau dazu. Macht ja sonst keiner! Also werfen wir auch in diesem Jahr einen Blick auf die Vereine der Premiership und prognostizieren deren Abschneiden…

Modus: The Scottish Premiership

Zunächst die alljährliche Auffrischung bezüglich der Organisation der Liga. Die »Premiership«, wie die erste schottische Liga seit 2013 heißt, spielt 38 Spieltage mit 12 Vereinen, in einem etwas seltsamen Modus, den die vollständige Wikipedia erklärt und der 5 Spieltage vor Schluss zu einer Teilung in zwei Ligen à 6 Teams führt.

Der Tabellenerste nach 38 Spieltagen wird Schottischer Meister und »darf« alle Runden der Champions-League-Qualifikation durchspielen. Titelverteidiger ist der Celtic FC aus Glasgow.

Der Zweit-, Dritt- und Viertplazierte (in der Vorsaison der Aberdeen FC, die neuen Rangers und der FC St. Johnstone) dürfen bzw. durften die Europa-League-Quali spielen (Rangers und St. Johnstone haben sich bereits in der ersten Quali-Runde verabschiedet). Der Letzte steigt ab in die zweite Liga, die »Scottish Championship« (das war 2016/17 Inverness Caledonian Thistle). Und der Vorletzte muss eine Play-Off-Relegation gegen die Vereine auf den Rängen 2 bis 4 der Championship (die zweite Liga) spielen. Letzte Saison setzte sich dabei der Erstligist Hamilton Academical gegen unsere »heimlichen Lieblinge« von Dundee United durch.

Als Meister der Championship kehrte Hibernian aus Edinburgh in die Premiership zurück.

Die Scottish Premiership 2016/17

Karte der schottischen Erstligisten Nur in der deutschen Bundesliga ist die Frage nach dem kommenden Meister ähnlich leicht zu beantworten wie in Schottland. Natürlich wird der neue Meister auch der alte Meister sein, niemand (auch nicht die 2012 neugegründeten Rangers, wenn dt. Journaille so etwas schreibt ist das faktenferner Unfug, Aye, Right!) wird Brandon Rodgers Team das Wasser reichen können.

Das mag man beklagen oder auch nicht (hängt wohl von den individuellen Präferenzen des Betrachtenden ab), wer nach dem Motto »Glasgow‘s green and white« durch das Leben läuft, findet das eigentlich gar nicht so schlimm…

[Karte: Positionskarte von Schottland, Vereinigtes Königreich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 von Nordnordwest (Variante von Wikipedia) unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Licence, thanks!]

Vereine

Das sind die zwölf Klubs der Premiership 2017/18, in der mit einer geballten Ladung »ballreiter-Schottland-Fußball-Checkertum« prognostizierten Reihenfolge ihres Tabellenendstandes.

  1. Celtic
  2. Aberdeen
  3. The New Rangers
  4. Hearts
  5. Hibernian
  6. St. Johnstone
  7. Partick Thistle
  8. Ross County
  9. Kilmarnock
  10. Dundee FC
  11. Motherwell
  12. Hamilton Accies

(Ein Klick auf den Namen springt auf den Text zum Klub, von dem aus man mit dem »Zurück zur Übersicht«-Link wieder zu dieser Übersicht gelangt.)

Der Meister

Celtic

Celtic Park, Glasgow

Nach der letzten Saison hat Celtic den neuen Spitznamen »The Invicibles« bekommen. Im ersten Jahr unter Trainer Brandon Rodgers eroberte Celtic ungeschlagen das »Domestic Treble« aus Meisterschaft, Liga-Pokal und dem schottischen Pokal. Nur vier Teams konnten Celtic in der Saison 16/17 besiegen (Lincoln Red Imps, Hapoel Be’er Scheva (in der CL-Quali), der FC Barcelona und Borussia Mönchengladbach).

Mit Ausnahme von Flügelflitzer Patrick Roberts, dessen Leihe von Manchester City auslief, hat Celtic aktuell noch keinen namhaften Abgang zu beklagen. Ein Transfer von Topstürmer Moussa Dembélé geistert zwar immer wieder durch die einschlägigen Transfergerüchtekanäle, Trainer Rodgers wies jedes dieser Gerüchte bis jetzt ins Reich der Fabel.

Neuverpflichtungen gab es zwei: Von Vizemeister Aberdeen kam Flügelflitzer Jonny Hayes, der wohl Ersatz für Patrick Roberts werden soll. Und von ManCity kam mit Olivier Ntcham ein wuchtiger zentraler Mittelfeldspieler, der den langsam älter werdenden Kapitän und Mittelfeld-Babo Scott Brown entlasten soll.

In den »domestic« Wettbewerben ist die eigentlich spannende Frage, wann Celtic mal wieder ein Spiel verliert. Zwei ungeschlagene Saisons hintereinander sind extrem unwahrscheinlich. Noch zwei ungeschlagene Spiele in schottischen Wettbewerben und Celtic ist 50 mal ungeschlagen. Der absolute Rekord von 62 ungeschlagenen Spielen liegt ebenfalls bei Celtic, dem legendären Willie Malley (war 43 Jahre lang Celtic-Trainer, von 1897 bis 1940) gelang diese Serie von 1915 bis 1917.

Die eigentliche Herausforderung der Saison wird die Performance im Europapokal sein. Celtic möchte natürlich in die Champions-League-Gruppenphase und dann mal wieder europäisch überwintern. Was letztes Jahr im Duell mit Borussia denkbar knapp scheiterte.

  • Der Spitzname: Bhoys
  • Der Trainer: Brandon Rodgers.
  • Der Topmann: Moussa Dembélé. 32 Tore und 9 Vorlagen in der letzten Saison.
  • Der Toptransfer: Olivier Ntcham
  • Der Funfact: Die letzte Niederlage von Celtic in Schottland passierte am 12. Mai 2016 noch unter Rodgers Vorgänger Ronny Deila, ein 1:2 beim FC St. Johnstone.
  • Die Prognose: Meister! Und in den beiden Pokalen müssen sie schon einen verdammt schlechten Tag haben, um auszuscheiden…
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Die »Verfolger«

Die Spannung muss die Premiership (der Bundesliga nicht unähnlich) aus dem Kampf um die Positionen hinter dem designierten Meister beziehen.

Aberdeen

Fassade des Stadions des FC Aberdeen. »Pittodrie Stadium‘s granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain

Die Nummer 2 der Premiership, wie schon in den letzten drei Spielzeiten, wird auch in der kommenden Saison der FC Aberdeen sein.

Das Team von Derek McInnes muss sich zwar mit den Abgängen von Jonny Hayes (zu Celtic) und Niall McGinn (nach Süd-Korea zu Gwangju) von zwei Bestandteilen ihres 74-Tore-Sturms verabschieden, mit den Neuzugängen Greg Stewart (ausgeliehen von Birmingham) und dem ein wenig im Talentstatus hängengebliebenen Gary Mackay-Steven sollte das aber kompensiert werden können.

Leistungsträger wie Mittelfeldstratege Graeme Shinnie, Tormaschine Adam Rooney und Torhüter Joe Lewis bleiben den Dons ebenso erhalten wie Trainer Derek McInnes, der den Verlockungen »down South« widerstehen konnte…

Aberdeen hatte Celtic in der letzten Saison im Pokalendspiel am Rande einer Niederlage (den Pokal entschied Celtic erst in der Nachspielzeit für sich), vielleicht können die Dons näher heranrücken und sich auch mal einen silbernen Pott sichern. Für den Titel wird es wohl nicht reichen, dazu müsste Celtic schon eine Katastrophensaison spielen. Zumal das Ausscheiden aus der Europa-League-Quali gegen Apollon Limassol andeutete, dass auch für den FC Aberdeen die Bäume nicht in den Himmel wachsen…

[Foto: »Pittodrie Stadium's granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain von Discosebastian, thanks!]

  • Der Spitzname: Dons
  • Der Trainer: Derek McInnes. Übernahm die Dons 2013, etablierte Aberdeen mit den Abschlussrängen 3, 2, 2 und 2 sowie dem Gewinn des Liga-Pokals 2014 als zweite Macht im schottischen Fußball. Lehnte in der Sommerpause ein Angebot von Sunderland für die zweite englische Liga ab und verlängerte lieber seinen Vertrag…
  • Der Topmann: Adam Rooney, nicht verwandt mit Wayne, Mittelstürmer und seit Jahren der Torgarant der Dons.
  • Der Toptransfer: Gary Mackey-Steven
  • Der Funfact: Pittodrie, das Stadion der Dons, liegt direkt an der Nordseeküste. Was dem Verein seit Jahren ein Möwenproblem beschert, das jetzt auch noch zum Problem für das geplante neue Stadion werden kann
  • Die Prognose: Rang 2.
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New Rangers

Ibrox Park, das Stadion der Rangers. Bild: »ibrox gates« von Whitey1982, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ja, die New Rangers, sie sind schon ein spezieller Fall. Anlässlich ihres jämmerlichen Ausscheidens aus der Europa-League-Qualifikation gegen die Luxemburger Feierabendkicker von Progrès Niederkorn wurde das bereits ausführlich thematisiert. Nirgendwo in Schottland stehen die eigenen Ansprüche und das tatsächliche sportliche Leistungsvermögen in einem derartigen Missverhältnis wie rund um den Ibrox-Park.

Nur dort ist es denkbar, dass der Kapitän Lee Wallace in einem Zeitungsinterview das Triple als Saisonziel ausgibt. Nach einer Saison, die sein Team mit 39 Punkten Rückstand auf Celtic auf Rang 3 in der Abschlusstabelle enden sah…

Um den großen Worten Taten folgen zu lassen, wurde (für schottische Verhältnisse) groß eingekauft. Für 8 Millionen Pfund wurde Altstar Bruno Alves, Mittelfeldmann Ryan Jack aus Aberdeen und eine Armada von Spielern aus Südeuropa/Südamerika verpflichtet. Mit Fabio Cardoso ist immerhin auch ein 23-jähriges portugiesisches Abwehrtalent dabei, das die in der letzten Saison hölzern agierende überalterte Abwehr verjüngen soll.

Trainer Caixinha steht nach dem Europapokal-Desaster bereits unter Druck, sollte der Start in die Premiership misslingen könnte es gut sein, dass er schneller wieder weg ist, als seine Neuverpflichtungen brauchen, um sich einzuspielen.

Wenn das neue Team aber einigermaßen funktioniert, sollte Rang 3 wieder drin sein. Für mehr ist das Team zu »zusammengewürfelt« und es scheint, als würde Caixinha auch nicht in derselben »Trainerliga« wie Rodgers und McInnes agieren…

[Foto: »ibrox gates«, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 von Whitey1982, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International, thanks!]

  • Der Spitzname: Gers. Auf der grünen Seite Glasgows: »Sevco«
  • Der Trainer: Pedro Caixinha. Portugiesischer Trainer-Wandervogel, Rangers sind seine 11. Trainerstation in 14 Jahren. Hat die großmäulige Rangers-Attitüde erstaunlich schnell verinnerlicht…
  • Der Topmann: Kenny Miller. 37 Jahre alt, aber treffsicher wie eh und je.
  • Der Toptransfer: Bruno Alves, Europameister mit Portugal und vor einigen Jahren sehr erfolgreich mit dem FC Porto. Mittlerweile aber auch schon 35 Jahre alt…
  • Der Funfact: Stürmer Kenny Miller ist einer von nur 5 Spielern seit 1945, die sowohl für Rangers als auch für Celtic gespielt haben.
  • Die Prognose: Rang 3.
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Heart Of Midlothian

Die Haupttribüne des Tynecastle Stadium im Oktober 2016

Beim Vorsaisonfünften aus Edinburgh hat es schon vor der Saison ordentlich gerappelt. Der vor einigen Wochen hier im Blog vorgestellte junge Trainer Ian Cathro stellte sich dann doch nicht als »der schottische Nagelsmann« heraus. Am Ende der Saison gab es in der extrem kritischen Fanszene bereits Unwillen gegenüber Cathro. Das Ausscheiden aus der Gruppenphase im Ligapokal in der letzten Woche durch Niederlagen gegen Viertligist Peterhead und Zweitligist Dumfernline war dann der berühmte Tropfen im ebenso berühmten Fass: Cathro wurde 5 Tage vor Meisterschaftsbeginn entlassen. Das erste Meisterschaftsspiel (ein 1:4 bei Celtic) leitete ein Interimstrainer aus Cathros Stab.

Das macht eine Einschätzung der Saison für Hearts schwierig. Wahrscheinlich kommt nun wieder einer der üblichen Verdächtigen aus der Riege ehemaliger schottischer Spieler und Trainer zum Zuge. Paul Hartley, letzte Saison beim FC Dundee rausgeflogen, brachte sich schon selbst ins Gespräch…

Dabei sind die Voraussetzung für eine Saison in den Europapokal-Rängen eigentlich durchaus gut. Mit Christophe Berra kehrte ein schottischer Nationalspieler aus England in seine Heimatstadt Edinburgh zurück. Mittelstürmer Kyle Lafferty, nordirischer Nationalspieler und EM-Teilnehmer, wurde aus Norwich geholt um der lahmenden Torproduktion auf die Sprünge zu helfen. Weitere Transfers für die wackelige Defensive wurden getätigt, u.a. kehrte der junge Jordan McGhee von einer Leihe aus Wolverhampton zurück.

Das waren alles Transfers von Ian Cathro. Die Neubesetzung der Trainer-Position bringt natürlich eine gewisse Unsicherheit und man wird sich fragen, ob der Kader mit dem neuen Trainer Mister X. so funktioniert wie bei der Planung unter Cathro vorgesehen.

Trotzdem sollte Hearts stark genug sein, um sich mit Lokalrivale Hibernian (kommt als nächstes dran) um den vierten Platz zu duellieren.

  • Der Spitzname: Hearts, Jambos
  • Der Trainer: Muss noch gefunden werden…
  • Der Topmann: Kyle Lafferty, Mittelstürmer und »Enfant Terrible«…
  • Der Toptransfer: Christophe Berra.
  • Der Funfact: Die historische Klinkerfassade des Tynecastle Stadium (Bild oben), 1919 vom berühmten Stadionarchitekten Archibald Leitch errichtet, wurde abgerissen und wird aktuell durch einen Tribünenneubau mit mehr Kapazität ersetzt. Deshalb teilte Hearts schon früh mit, dass sie die ersten Wochen noch keine Heimspiele austragen können. Der Spielplan kam heraus, und was bekamen sie am 2. Spieltag zugeteilt? Genau, ein Heimspiel! Only in Scotland…
  • Die Prognose: Rang 4. Könnte aber auch Rang 5 werden.
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Hibernian

Hibernians Easter Road Stadium im Oktober 2016

Nach einem zweijährigen Ausflug in die zweitklassige Championship ist Hearts großer Lokalrivale Hibernian zurück in der Premiership. Unter ex-Celtic-Trainer Neil Lennon gelang souverän der Wiederaufstieg. Damit hat die Premiership und die Hauptstadt Edinburgh ihr altehrwürdiges Derby zurück, das es in den letzten Jahren nur im Pokal gab und das erstaunlicherweise Zweitligist Hibernian jedesmal gewann.

Den Aufstieg erreichte Hibernian durch ein hervorragend funktionierendes Kollektiv ohne Starspieler auf dem Rasen. Mit Ausnahme von Mittelstürmer Jason Cummings, der die Tore schoss. Und sich nun dummerweise Richtung Norwich verabschiedet hat.

Somit steht Trainer Lennon vor der Aufgabe, seine Tormaschine ersetzen zu müssen. Simon Murray von Dundee United und Deivydas Matulevicius vom belgischen Erstligisten Royal Mouscron wurden dazu verpflichtet. Für die Abwehr wurde Efe Ambrose, letzte Saison schon von Celtic ausgeliehen, fest verpflichtet. Mit Ofir Marciano kommt ein routinierter Nationaltorhüter (Israel) für das Tor.

In der Defensive blieb das Personal der Vorsaison erhalten, sie ist das Prunkstück der Hibs. Das Problem könnte die Offensive werden, der »ruhige« Kollektivfußball Lennonscher Prägung könnte ohne Torjäger Cummings schnell in eine »Ergebniskrise« führen. Man spielt zwar ordentlich, aber gewinnt zu selten, weil man dazu Tore braucht.

Aber Neil Lennon weiß normalerweise, was er tut. Deshalb wird Hibernian eine gute Rolle spielen und sich mit dem Lokalrivalen um den europäischen Platz 4 kloppen.

  • Der Spitzname: Hibs
  • Der Trainer: Neil Lennon
  • Der Topmann: Efe Ambrose
  • Der Toptransfer: Ofir Marciano. Israelischer Nationaltorhüter.
  • Der Funfact: Mit »Sunshine on Leith« (Leith ist der Stadtteil Edinburghs in dem Hibernian zu Hause ist) haben die Hibs wahrscheinlich die großartigste Vereinshymne Schottlands…
  • Die Prognose: Rang 5. Könnte aber Rang 4 werden, es wird eng werden zwischen den beiden Klubs aus Edinburgh.
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St. Johnstone FC

Das Stadion von St. Johnstone in Perth. »McDiarmid Park« von Markus Schroeder auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die altehrwürdigen Saints aus Perth (gibt es schon seit 132 Jahren) haben eine gute Saison gespielt. Leider sollte die Freude über den errungenen Europapokalplatz 4 nur von kurzer Dauer sein, sang- und klanglos schieden sie schon in der ersten Quali-Runde aus.

Trotzdem wird das Team von Tommy Wright auch in dieser Saison wieder um einen Top-6-Platz mitspielen. Wright ist ein unauffälligerer Vertreter der oft lauten Trainer-Zunft, er lässt lieber seine Mannschaft auf dem Rasen sprechen. Ähnlich wie Hibernian ist St. Johnstone eine Mannschaft ohne Stars, die als Kollektiv hervorragend arbeiteten. 50 Tore (die wenigsten der Top 5) reichten aus um 58 Punkte einzufahren, obwohl die Abwehr fast genauso viele (46) kassierte. Viele enge Spiele (1:0 und 2:1 waren ihre Lieblingsresultate) entschieden die Saints für sich. Selbst auswärts bei Celtic verloren sie zuletzt nur unglücklich 0:1.

Bis jetzt hat St. Johnstone nur wenige Ab- und Zugänge zu verzeichnen. Dummerweise mit Tam Scobbie einen der drei erfahrenen Abwehr-Haudegen. Und mit Danny Swanson eine der Stammkräfte aus dem Mittelfeld, auch noch zu Konkurrent Hibernian. Mit Stefan Scougall kam immerhin von Sheffield United ein vielversprechender Mann für das offensive Mittelfeld.

[Foto: »McDiarmid Park« auf flickr von Markus Schroeder, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Saints.
  • Der Trainer: Tommy Wright, einst Nationalkeeper von Nordirland.
  • Der Topmann: Steven Anderson, Kapitän und Abwehrchef.
  • Der Toptransfer: Stefan Scougall, Zehner von Sheffield United.
  • Der Funfact: Der Name »St. Johnstone« ist gar kein Ort, sondern wurde aus der bis ins 17. Jahrhundert üblichen Bezeichnung »St John's Town« für Perth gebildet.
  • Die Prognose: Rang 6. Tommy Wright wird es schon richten…
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Das Mittelfeld

Partick Thistle

Firhill Stadion von Partick Thistle in Glasgow. Bild: »IMG_7987« von Stuart Crawford auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

In Glasgow gibt es, was Fußball angeht, nicht nur Celtic und Rangers (und Queen‘s Park), sondern auch den kleinen Klub Partick Thistle aus dem Stadtteil Maryhill (»Partick« heißen sie nur).

Die Jags waren die Überraschung der Saison, erstmals in ihrer 141-jährigen Vereinsgeschichte erreichten sie die Top-6 der ersten Liga. Trainer Alan Archibald lässt einen modernen »europäischen« Fußball spielen. Seine Jungs spielen meistens 4-2-3-1, wandeln dieses aber bei Bedarf in ein 3-5-2 um und stellen sich damit ziemlich gut auf das statischere »schottischere« Spiel ihrer Gegner ein. Bemerkenswert: Nur in einem einzigen Spiel (3:1-Auswärtssieg bei Ross County) schossen sie mehr als 2 Tore.

Bis auf Verteidiger Liam Lindsay blieb das erfolgreiche Team zusammen, dieser sollte durch Neuzugang Niall Keown aus Reading gut ersetzt werden. Somit gibt es keinen Grund, warum das »Fußball-Hipster-Lieblingsteam« (wg. des studentisch geprägten Publikum im Stadion) in der kommenden Saison nicht wieder eine gute Rolle spielen sollte.

[Foto: »IMG_7987« auf flickr von Stuart Crawford, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Jags
  • Der Trainer: Alan Archibald
  • Der Topmann: Kris Doolan. Mittelstürmer und zum x-ten Male bester Torjäger.
  • Der Toptransfer: Niall Keown. Innenverteidiger, der in seiner ganzen Karriere zwischen Partick und Reading hin- und her wechselt.
  • Der Funfact: Colin and Christine Weir gewannen 2011 161 Millionen Pfund in der EuroMillions-Lotterie. Colin ist ein lebenslanger Partick-Thistle-Fan, so dass er seine gewonnenen Millionen flugs in den Klub steckte und ihn schuldenfrei machte. Und u.a. eine moderne Jugendakademie aufbaute. Mittlerweile ist Colin zu Ehren sogar eine Tribüne in Particks Firhill Stadium nach ihm benannt.
  • Die Prognose: Rang 7, mit ein bisschen Glück vielleicht sogar wieder die Top-6!
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Ross County

Das malerische Stadion von Ross County am Loch Ness. Bild: »Drochaid Chromba« von Màrtainn MacDhòmhnaill auf flickr, CC BY-NC 2.0

Nach dem Abstieg der Nachbarn aus Inverness ist Ross County aus Dingwall der letzte Klub aus den schottischen Highlands in der ersten Liga.

Nachdem es 15/16 Rang 6 und den Gewinn des Ligapokals zu feiern gab, endete die letzte Saison weniger spektakulär auf Rang 7. Dabei lebten die Staggies von 26 Toren (von 48 insgesamt), die Mittelstürmer Liam Boyce schoss. Der wechselte nun zu Burton Albion in die zweite englische Liga (und verletzte sich in einem Testspiel tragischerweise so schwer am Knie, dass er wahrscheinlich die ganze Saison ausfallen wird). Der Ersatz soll Billy McKay werden, der von Wigan Athletic kam.

Im Frühjahr hatte Ross County eine kleine Krise mit nur 1 Sieg aus 9 Spielen, und weil sie stets den selben »4-4-2-Stiefel« herunter spielen gab es Kritik an Trainer Jim McIntyre. Aber die Staggies werden auch diese Saison wieder im Mittelfeld landen. Wenn es mal eng wird in Richtung Tabellenende, öffnet Chairman »Uncle Roy« McGregor stets seine Schatulle und sorgt für Verstärkung der Mannschaft in der Wintertransferperiode.

[Foto: »Drochaid Chromba« auf flickr von Màrtainn MacDhòmhnaill, Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Staggies
  • Der Trainer: Jim McIntyre, schrieb 15/16 mit dem Ligapokalsieg und Rang 6 Vereinsgeschichte.
  • Der Topmann: Christopher Routis, französischer Defensiv-Chefstratege auf der Sechs.
  • Der Toptransfer: Billy McKay, Mittelstürmer. War bei seinen vorherigen Stationen in Schottland durchaus treffsicher.
  • Der Funfact: Der vor zwei Monaten verstorbene Tommy Ross erzielte für Ross County 1964 gegen Nairn County in 90 Sekunden den schnellsten Hattrick der Fußballgeschichte.
  • Die Prognose: Rang 8. Uncle Roy sei Dank.
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Kilmarnock

Rugby Park, das Stadion von Kilmarnock. Bild: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« von Tom Hodgkinson auf Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Den 148 Jahre alten Traditionsverein aus East Ayrshire hatte ich im letzten Jahr zum heißen Abstiegskandidaten auserkoren. Aber Killie überraschte alle und hielt, trotz kleiner Krise und Trainerwechsel während der Saison, mit Rang 8 mit 6 Punkten Vorsprung die Klasse.

Neu-Trainer Lee McCulloch schaffte es, dem notorisch zu offensiv ausgerichteten Mittelfeld Defensivspiel beizubringen. Was den Nachteil hat, dass das Tore schießen ausschließlich an dem 34 Jahre alten Haudegen (und Zeitungskolumnisten der meistgelesensten Boulevardzeitung Schottlands) Kris Boyd hängt. Killie schoss letzte Saison mit 36 Toren die wenigsten aller Erstligisten.

Mit Lee Erwin wurde ein Stürmer von Leeds United geholt, der das abstellen soll. Dazu bekam Defensiv-Chef Gary Dicker Verstärkung durch den schottischen England-Legionär Kirk Broadfoot.

Kilmarnock spielt nicht gerade Spektakelfußball, aber scheint mit Lee McCulloch einen Trainer gefunden zu haben, der sie in sicheren Gefilden hält. Zumal von den Leistungsträgern keiner den Verein verließ. Ergo landen sie wieder auf einem unspektakulären Rang 9.

[Foto: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« auf Wikimedia Commons von Tom Hodgkinson, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Killie
  • Der Trainer: Lee McCulloch
  • Der Topmann: Gary Dicker. Der Mann der die Defensive zusammenhält.
  • Der Toptransfer: Kirk Broadfoot. Verstärkung aus England für die Abwehr.
  • Der Funfact: Kilmarnock ist neben dem Queen‘s Park FC der letzte »Überlebende« der acht Vereine, die 1867 den schottischen Fußballverband »Scottish FA« gründeten.
  • Die Prognose: Rang 9
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Der Abstiegskampf

Dundee FC

Fassade von Den‘s Park, Stadion des FC Dundee, im August 2013

Es war verdammt knapp. Es hat nicht viel gefehlt, und der FC Dundee wäre seinem Lokalrivalen Dundee United in die Championship gefolgt. Langzeittrainer Paul Hartley musste gehen und wurde fünf Spieltage vor Schluss durch den TV-Pundit Neil McCann ersetzt, der zur allgemeinen Überraschung den Klassenerhalt schaffte. Danach hatte McCann eigentlich keine Lust mehr und kündigte am 29. Mai, nur um es sich am 1. Juni anders zu überlegen und einen neuen Vertrag zu unterschreiben…

Niemand weiß ob McCann wirklich ein Trainer ist, weshalb praktisch niemand den Blauen aus Dundee etwas zutraut. Mit dem Tunesier Sofien Moussa wurde ein für Dundees Verhältnisse exotischer Transfer aus der zweiten bulgarischen Liga realisiert. Celtics Scott Allen soll als Leihgabe endlich den Durchbruch schaffen. Mittelfeldmann Randy Wolters kam von den Go Ahead Eagles aus den Niederlanden.

Im Ligapokal schlug Moussa mit 5 Toren schon gut ein. Aber das Team wirkt ansonsten nicht sonderlich stärker, dazu kommt der seltsame Trainer. Es wird wieder eng, am Ende reicht es mit Rang 10 zum direkten Klassenerhalt…

  • Der Spitzname: The Dee
  • Der Trainer: Neil McCann
  • Der Topmann: Paul McGowan, der Chef im Mittelfeld.
  • Der Toptransfer: Scott Allan, talentierte (und mit 25 etwas stagnierende) Mittelfeld-Leihgabe von Celtic.
  • Der Funfact: 1893 gegründet, wäre der FC 1898 fast schon Pleite gegangen. Die Steigerung der Zuschauerzahlen durch den Umzug in den noch heute benutzten Den‘s Park, in unmittelbarer Nachbarschaft von Rivale United, rettete den Klub vor dem frühzeitigen Bankrott.
  • Die Prognose: Rang 10.
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Motherwell

Die alte Klinkerfassade von Motherwells altehrwürdigem Stadion Fir Park. Bild: »Fir Park« von Paul Macrae auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die Steelmen aus Motherwell, aus dem alten Kohle- und Stahlrevier Lanarkshire, haben nicht die beste aller Saisons hinter sich. Gerade mal 3 Punkte trennten sie am Ende vom Relegationsplatz, Trainer Mark McGhee musste während der Saison nach einer 2:7-Klatsche in Aberdeen gehen. Am Ende hatte Motherwell die zweitschlechteste Abwehr der Liga.

Und es gibt nicht viel Hoffnung auf Besserung. Es herrscht zwar ein reges Kommen und Gehen im Kader, ohne dass Qualität dazu kam. Die Abwehr ist wackelig und das Mittelfeld überaltert. Einzig der Verbleib des treffsicheren Stürmers Louis Moult gibt Anlass zu Optimismus.

[Foto: »Fir Park« auf flickr von Paul Macrae, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Well, The Steelmen
  • Der Trainer: Steve Robinson, beerbte als Mark McGhees Assistent seinen Chef als Interimstrainer und bekam, als Dank für den knappen Klassenerhalt, einen Vertrag als Cheftrainer
  • Der Topmann: Louis Moult, Mittelstürmer und die Lebensversicherung der Steelmen.
  • Der Toptransfer: Cédric Kipré, 20-jähriger Verteidiger aus dem Fundus von Leicester City.
  • Der Funfact: Motherwells Stadion Fir Park ist das einzige (mir bekannte) Stadion mit einer überdimensionalen Aufforderung am Tribünendach das Rauchen bleiben zu lassen.
  • Die Prognose: Rang 11. Diesmal wird es knapp und die Relegation muss es richten…
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Hamilton Accies

Stadion von Hamilton Accies. Bild: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« von Alasdair Middleton auf Wikimedia Commons, CC BY 2.0

In der Saison nach dem überraschenden Aufstieg 2014 unter Spielertrainer Alex Neil war Hamilton Academical mit seiner erfrischenden »unschottischen« Spielweise und einer jungen Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs das schottische Lieblingsteam der Fußball-Hipster. Leider wechselte Neil schon im Januar 2015 nach Norwich. Unter Nachfolger Martin Canning sind die Accies sehr »gewöhnlich« geworden und rutschten mit dem kleinsten Budget der Liga langsam aber sicher ans Tabellenende. Mit einem Pünktchen Vorsprung konnten sie sich auf Rang 11 in die Relegation retten und dort gegen Dundee United die Klasse halten.

Hamilton bleibt seiner Nachwuchsphilosophie treu und kauft praktisch keine »fertigen« Spieler ein. Nur einige wenige erfahrene Schlüsselspieler wie Mittelfeld-Babo Ali Crawford verstärken das junge Team. Crawford ist als Mittelfeldmann mit 10 Toren auch der erfolgreichste Torschütze der letzten Saison, was schon zeigt, wo die Probleme liegen.

Da alle anderen Teams ordentlich eingekauft haben, muss Hamilton mit dem »Prinzip Hoffnung« darauf bauen, dass einige der hochgeholten jungen Spieler gleich in der ersten Saison einschlagen. Aber es ist zu befürchten, dass das nicht reichen wird und es die sympathischen Accies in der kommenden Saison erwischen wird…

[Foto: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« auf Wikimedia Commons von Alasdair Middleton, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Accies
  • Der Trainer: Martin Canning
  • Der Topmann: Ali Crawford, Schlüsselspieler im Mittelfeld, mit seinen 26 Jahren neben Verteidiger Skondras der Leitwolf der Accies.
  • Der Toptransfer: Xavier Tomas, routinierte französischer Innenverteidiger vom FC Lausanne. Neben Torhüter Ryan Fulton bis jetzt auch der einzige Neuzugang…
  • Der Funfact: 1994 mussten die Accies ihr Stadion an eine Supermarktkette verkaufen, um nicht bankrott zu gehen. Und tingelten sieben Jahre lang über alle möglichen Plätze in der Region, bis 2001 ihr aktuelles Stadion New Douglas Park errichtet wurde.
  • Die Prognose: Rang 12. Und damit Abstieg in die Championship.
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Weitere Saison-Ausblicke und -Prognosen

Schottische Liga im Fernsehen

Die Lage in Sachen »schottischer Fußball auf deutschen Bildschirmen« hat durch DAZN eine erfreuliche Wendung bekommen. DAZN hat die schottische Liga im Portfolio und zeigt regelmäßig Samstags- und Sonntagsmittags die Livespiele des Spieltags. Außerdem gibt es eine wöchentliches zwanzigminütiges Highlights-Magazin, mit dem einen hervorragenden Überblick über das Geschehen auf den schottischen Fußballfeldern erhält. So war es zumindest in der letzten Saison, wir gehen mal davon aus dass das so bleiben wird.

Ab und an werden zusätzlich sublizenzierte Matches auf Sport1+ übertragen. Am Eröffnungswochenende gab es gleich das Duell Celtic vs Hearts zu sehen.

Daneben unterhalten die großen Vereine noch eigene Pay-Video-Plattformen für die Spiele, die nicht im TV übertragen werden. Besonders Celtic tut sich da mit seinem Celtic TV hervor, hat allerdings auch »gesalzene« Preise…

Wie man sieht, dank der modernen Zeiten mit ihren vielen Diensten und Sendern wird man heutzutage gut versorgt mit schottischem Fußball. Es lebe die Fußball-Moderne!

Los geht‘s!

Nun freuen wir uns auf die neue Saison in Schottland. Höchstwahrscheinlich endet vieles anders als gedacht, denn, es gilt ja wie immer im Fußball: Ah dinnae ken! (Ich weiß es nicht.)


Badenpokal-Schlacht: FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2 – 6.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-09 20:40

FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2

Der »unterklassige« Fußball ab der Regionalliga wird in diesen Zeiten des wg. »Transferwahnsinn« und Co. grassierenden Fußbalkulturpessimismus gerne als Refugium des »Schönen, Wahren, Guten, Authentischen« im Fußball benutzt. Kein Kommentarthread zum Thema ohne »ich habe genug, ich gehe nur noch zum Amateurverein nebenan«. Nun, in der Realität werden die Sportplätze der Region nicht voller…

Stammleserinnen und -leser dieses kleinen Fußballblogs wissen, dass hier Spiele in Oberliga oder Verbandsliga durchaus auch ohne fußballkulturpessimistischen Überbau goutiert werden. So auch am letzten Sonntag ein Knaller im badischen Verbandspokal zwischen den beiden Karlsruher Teams FC Fortuna Kirchfeld (Landesliga) und dem FC Español (Verbandsliga-Aufsteiger aus der Landesliga). In einer echten Pokalschlacht setzten sich die »Spanier« vom FC Español mit 2:0 beim ehemaligen Ligarivalen durch…

Badenpokal

Der Badenpokal, amtlich »bfv-Rothaus-Pokal«, ist der Verbandspokal des Badischen Fußballverbandes. Dieser ist für 613 Vereine in Nordbaden zuständig, spielberechtigt sind Vereine ab der Dritten Liga abwärts. D.h., auch der Karlsruher SC (Dritte Liga) und Waldhof Mannheim sowie Astoria Walldorf (Regionalliga Südwest) als »ranghöchste« Vereine des Verbandsgebiets nehmen ab der 3. Runde teil. Diese ist auch die erste Runde im gesamten Verbandsgebiet, die beiden ersten Runden werden in regionalen Gruppen ausgetragen.

In eben jener 3. Runde waren neben dem KSC (spielt am 22.8. gegen den SV Rohrbach/Sinsheim) noch Germania Friedrichstal, die SpVgg Durlach-Aue, FV Weingarten und eben FV Fortuna Kirchfeld und der FC Español aus Karlsruhe Stadt und Land noch im Wettbewerb. Da lag es nah, sich an einem sonnigen Sonntag das Derby anzuschauen. Zumal wir ja auch noch »hispanophil« sind…

FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2

Das Duell bezog seine Brisanz aus der Tatsache, dass Fortuna Kirchfeld und der FC Español letzte Saison noch gemeinsam an der Tabellenspitze der Landesliga gegeneinander kämpften. Wobei die Fortuna zweimal als Sieger vom Feld ging. Die »Spanier« stiegen aber trotzdem als Meister in die Verbandsliga auf, die Fortuna endete auf Rang 5.

Schätzungsweise 200 bis 300 Zusehende fanden sich bei warmen Sommerwetter im 2008 neu erbauten »Sportpark FV Fortuna Kirchfeld« im Karlsruher Nordwesten ein.

Das Spiel entwickelte sich in der ersten Halbzeit zu einer verbissenen Pokalschlacht ohne große Torszenen. Es wurde eine »gesunde Härte« an den Tag gelegt. Insbesondere die Akteure der Fortuna (auf den Fotos in grünen Trikots) fielen dabei nach jedem härteren Foul durch ein übertrieben theatralisches Wälzen auf dem Rasen auf. Sollte das schlechte Vorbild mancher Profi-Fußballer im Fernsehen schon seine Auswirkungen auf den Badenpokal zeitigen?

Auch neben dem Rasen ging es schwungvoll zu, ein Spieler von Fortuna meinte zu Español-Trainer Sirus Motekallemi nach einer Meinungsverschiedenheit wg. »Ball ins Aus spielen«, dass man das doch nach dem Spiel draußen klären könnte. Motekallemi seinerseits fiel durch permanenten Redebedarf mit den Unparteiischen auf. Alles wie bei den »Großen«…

Als alle schon mit einem 0:0 zur Pause rechnete, marschierte Jose Carlo Tijeras Martinez in der 45+2. Minute durch die Kirchfelder Abwehr und vollendete mit einem Schlenzer zur 1:0-Führung. Die Fortunen waren da wohl schon auf den berühmten »Pausentee« eingestellt…

Nach der Pause wurde die Partie noch verbissener, der Schiri hatte alle Hände voll zu tun um die giftigen Duelle nicht ausufern zu lassen. Den diesbezüglichen Höhepunkt gab es in der 64. Minute, als Fortunas Kevin Clussman seinen Gegner erst von hinten umhaute und sich dann zu ihm runterbeugte, um ihm noch etwas zu sagen. Dummerweise stand der Schiedsrichter daneben – Rote Karte!

Die Überzahl dauerte aber nur 6 Minuten, weil Españols Michael Stoltz seinen Gegner im Mittelfeld foulte. Der rollte sich einmal mehr theatralisch auf dem Boden, der Schiri zog Gelb-Rot…

Danach wurde es ruhiger, Español konzentrierte sich auf‘s Fußballspielen und sorgte mit dem 2:0 in der 79. Minute durch Pedro Henrique Guedes da Silva für die Entscheidung.

Fazit: Für 4 Euro Eintritt (und ein Bier für 2,50) ein intensiver und über weite Strecken spannender Pokalfight bei warmen Sommerwetter. Kompliment an beide Teams, die wirklich »alles rausgehauen« hatten. Sieger Español muss nun im Achtelfinale beim Sieger der Drittrundenpartie TSV Neckarbischofsheim - SG HD-Kirchheim antreten.

Impressionen

FV Fortuna Kirchfeld vs FC Español Karlsruhe 0:2

Zuschauen im Sonnenschein gibt den einen oder anderen roten Kopf…

Action vor dem Tor.

Eckfahne!


Die Wende? KSC vs SV Wehen Wiesbaden 2:1 – 5.8.2017

Permalink - Posted on 2017-08-09 15:15

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden 2:1

Na also, geht doch! Der KSC fährt am 4. Spieltag den ersten Sieg in der Dritten Liga ein. Der bisherige Tabellenführer SV Wehen Wiesbaden wurde mit einer überzeugenden Leistung 2:1 besiegt und schon sieht die Lage viel freundlicher aus!

Offizielles Sommereuphorieende

Die englische Woche vor dem samstäglichen Spiel war aus Karlsruher Perspektive durchaus ernüchternd gewesen. Nach der Pleite in Haching gab es auf einem Bremer Sportplatz in einem für die Dritte Liga unwürdigem Ambiente gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen ein 0:2 (Video auf Youtube). (Ich bin übrigens gegen zweite Mannschaften in der Dritten Liga.)

Danach brach an den einschlägigen Orten des Karlsruher Fußballdiskurs schon wieder eine Trainerdiskussion los…

Dass es mit der Geduld aktuell rund um den KSC nicht zum besten bestellt ist, ist im Grunde verständlich. Vor dem Spiel gegen Wehen hatte das »Superteam aus Baden« aus den letzten 39 Spielen 5 Siege, 12 Unentschieden und 22 Niederlagen geholt, bei einer Bilanz von 32:66 Toren. Und dabei 27 von 117 möglichen Punkten geholt. Von den 35 Heimspielen seit dem Relegationsspiel im Sommer 2015 wurden lediglich 10 gewonnen…

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden 2:1

Es war also höchste Zeit, mit einem Dreier für die Verbesserung der allgemeinen Stimmung zu sorgen! Das Heimspiel gegen den Tabellenführer war genau die richtige Gelegenheit dazu.

Der SV Wehen (das »Wiesbaden« ist nur Marketing, das ist ein Dorfklub aus dem Stadtteil Wehen in Taunusstein, der nach dem Zweitligaaufstieg 2007 nach Wiesbaden in ein Stahlrohrstadion importiert wurde) startete grandios in die Saison: Drei Spiele, drei Siege, 6:0 Tore.

Nur 9.646 Zusehende wollten das »Fußballfest im Stadion« sehen. Das ist der harte Kern, der immer kommt, mag das Gekicke noch so trist sein. Auch der Gästeblock war trotz der nur knapp 150 Autobahnkilometer zwischen Wiesbaden und Karlsruhe nur spärlich gefüllt. Wiesbaden ist keine Fußballstadt…

Skandalös: KSC/Caterer nutzten die Umstellung auf Pfandbecher für eine versteckte Bierpreiserhöhung, was zum süffisanten Banner »Bei überteuerten Bierpreisen werden wir zum Sicherheitsrisiko« auf der Gegengerade (s. Bild) führte…

Wie schon beim Auftaktmatch gegen Osnabrück fing es, passend zur eher tristen Gesamtstimmung, pünktlich zum Spiel wieder an zu regnen…

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden, Anstoß im Regen

Was es dann auf dem Rasen zu sehen gab, vertrieb die dunklen Wolken aber schnell. Der KSC zeigte von Beginn an, wer Herr im Hause ist, zog ein ordentliches Offensivspiel auf und kam zu guten Chancen. Die schon unter der Woche vorgenommene Umstellung auf nur einen zentralen defensiven Mittelfeldspieler und die Hereinnahme von Wanitzek und Muslija tat dem Spiel der Blau-Weißen sichtlich gut. Zum ersten Mal in der Saison sah man das Offensivspiel, das sich Trainer Meister wohl vorgestellt hatte. Druckvoll im Mittelfeld, gefährlich über die Flügel, es fehlten eigentlich nur die Tore.

Dem Spiel des SV Wehen Wiesbaden war dagegen nicht anzusehen, dass diese Mannschaft der Tabellenführer war. Umso bitterer, dass der SVWW nach einem leichtfertigen Ballverlust von Gordon in der 44. Minute (der berühmte »psychologisch ungünstige Zeitpunkt«) die Führung von der erneut etwas wackeligen KSC-Defensive geschenkt bekam. Alf Mintzel bedankte sich und vollstreckte…

Mit 0:1 ging es in die Pause, bei den Bierstandgesprächen spekulierte man, ob dieser Nackenschlag vor der Pause dem guten Spiel des KSC wohl den Garaus gemacht hatte…

Nach der Pause waren die Blau-Weißen noch ein wenig geschockt, der SV Wehen hatte seine beste Phase im Spiel und kam nun häufiger vor das von Uphoff gut gehütete KSC-Tor. Doch der KSC rappelte sich auf und griff wieder unverdrossen an, der sehenswerte Ausgleich durch Anton Fink nach einer tollen Flanke von Marc Lorenz in der 56. Minute war die Belohnung.

Der KSC wollte den Sieg, blieb dran, musste aber bis zur 83. Minute auf die Belohnung in Form des Siegtreffers warten. Erneut flankte Marc Lorenz, Kapitän Kai Bülow köpfte zum 2:1-Siegtreffer ein! Der Wildpark versank im Jubel, der Regen hatte sich verzogen und die Sonne schien wieder vom badischen Himmel hinab. Endlich der erste Dreier, endlich mal wieder was zu jubeln im Wildpark (der letzte Grund zu jubeln war nun ja auch schon 5 Monate her)…

KSC vs SV Wehen-Wiesbaden 2:1, Sieg im Sonnenschein!

Fazit: Eine überzeugende Offensivleistung, das Team deutete endlich an, was eigentlich in ihm steckt. Es gab spielstarke Außen mit Muslija und Lorenz zu sehen, ebenso erneut ein gutes Spiel des treffsicheren Fink als hängende Spitze. An der noch immer etwas wackeligen Defensive muss noch ein wenig gearbeitet werden. Gelingt das, können die Karlsruher Fußballfreundinnen und -freunde beruhigt auf die kommenden Aufgaben in der Dritten Liga warten…

Die Lage

Als Nächstes steht der Pokal auf dem Programm. Am Freitag kommt Bundesligist Bayer Leverkusen in den Wildpark. Vielleicht gelingt eine ähnliche Erstrundenüberraschung wie in der letzten Karlsruher Drittligaspielzeit, als 2012 in der ersten Runde der Bundesligist HSV mit 4:2 nach Hause geschickt wurde

In der Dritten Liga wartet am 18.8. ein Freitag-Auswärtsspiel bei Fortuna Köln.

Impressionen


10 Jahre Dritte Liga.

Permalink - Posted on 2017-07-26 08:30

Am 25.7.2006 wurde das erste Spiel der eingleisigen Dritten Liga angepfiffen. Im Fußball-Kalenderblatt von 120minuten schaut @slaukopp zurück auf die erfolgreichen ersten 10 Jahre der Dritten Liga: »25.07. – Zehn Jahre Dritte Fußball-Liga«. Erstaunlich ist, dass in 10 Jahren schon dreimal (RB Leipzig, Würzburger Kickers und Jahn Regensburg) ein »Durchmarsch« in die 2. Bundesliga gelang…


Wo die blauen Blitze zucken: KSC vs VfL Osnabrück 2:2 – 21.7.2017

Permalink - Posted on 2017-07-23 10:45

KSC vs VfL Osnabrück 2:2

Genau 83 Tage nach dem Klarmachen des Abstiegs in die Dritte Liga durch eine 1:3-Heimniederlage gegen Kaiserslautern gab der KSC sein Comeback in eben jener Dritten Liga. Immerhin wollten trotz Konkurrenz durch »das Fest« (ein populäres Musik- und Kleinkunst-Open-Air-Festival in Karlsruhe) 14.800 Zusehende das Eröffnungsspiel der Drittligasaison gegen den VfL Osnabrück sehen. Und bekamen ein spannendes Auftaktmatch geboten, das der KSC nach einem 0:2-Pausenrückstand immerhin noch zu einem 2:2 ausgleichen konnte…

Gegen Ende der desaströsen letzten Abstiegssaison hörte man im Stammblock vielfach ein »ich geh nächste Saison nimma raus, das Gekicke kann ja keiner angucken«. Aber, Überraschung, zum Saisonauftakt sah man im Block wie immer die üblichen Gesichter. Der komplette Umbruch mit den Neuerwerbungen im Kader haben den »harten Kern« (der eigentlich immer kommt) über den Sommer wieder besänftigt. So wurden trotz Abstieg und Dritte Liga fast 6.000 Dauerkarten verkauft, das ist für Karlsruher Verhältnisse schon eine ordentliche Menge.

Der Aufstiegs-Favorit

Das komplett neuformierte Team machte in den letzten Testspielen einen guten Eindruck, was auch den Trainern der 19 Konkurrenzteams nicht entgangen ist, die den KSC in einer Vorsaison-Umfrage von Liga3-Online mit 17 Nennungen vor Würzburg (14) und Magdeburg (10) auf den Favoritenthron hoben.

Auch beim KSC ist das Ziel klar formuliert, Trainer Marc-Patrick Meister sagte im Interview auf Liga3-Online:

»Wir wollen bestenfalls nur ein Jahr in der 3. Liga spielen. Das ist das Ziel des Vereins und darauf war auch die Kaderplanung bereits ausgerichtet. Um das zu schaffen, ist aber harte Arbeit notwendig.«

Mit dem neuen Stadion am Horizont sollte der KSC auch schleunigst wieder in den DFL-Fußball mit seinen üppigen TV-Geldern zurückkehren, nicht nur Christoph Ruf unkt in baden online und der SZ über die ökonomischen Zwänge und die ungesunde Abhängigkeit des Vereins von der Geldbörse des Vize-Präsidenten…

KSC vs VfL Osnabrück

Der Vorberichte und Prognosen sind nun aber genug abgelassen worden, es wurde höchste Zeit, dass wieder der Ball rollt! Das Karlsruher Wetter wollte dem Drittligaauftakt eine besondere Note geben. Die ganze Woche war Karlsruhe von einer heißen Sommersonne gebraten worden, kurz vor dem Auftakt entschied sich das Wetter, erst einmal einen mörderischen Regenguss abzulassen und rund um das Stadion Gewitter aufziehen zu lassen…

Der Regen begoss eine skurrile Szenerie am Haupteingang, denn an den Stadionkassen waren lange Schlangen zu bewundern. Und warum, bei einem letztendlich gerade mal halb gefüllten Wildpark?Weil jede(!) am Spieltag verkaufte Eintrittskarte über ein umständlich zu bedienendes zentralisiertes Computersystem »live« auf einem langsamen und anfälligen Drucker erstellt wird. Das führte schon beim Testspiel gegen Braunschweig bei nur knapp 1.500 Zusehenden zu Schlangen und Wartezeiten an den Kassen. Bei der Pflichtspielpremiere sollen dann auch noch diverse Kartendrucker ausgefallen sein, so dass Interessenten bis zu einer Stunde an der Kasse anstanden und den Anpfiff verpassten. Und dafür darf man dann auch noch 2 Euro Zuschlag zahlen. Es gibt halt immer wieder neue erstaunliche Sachen beim KSC zu bewundern, als würde man es drauf anlegen, etwaige Zuschauer möglichst effektiv abzuschrecken…

Vor dem Spiel gab es zur Begrüßung der Saison eine üppige Choreografie der Gegengerade zu sehen, die ein »Unsterblicher Karlsruher SC, Du bist alles und bleibst für immer« in die Welt hinaus verkündete. Und eine offizielle Eröffnungszeremonie der Drittligasaison durch den DFB, die eher an ein Turnfest erinnerte…

Die Gegengerade und der Gästeblock (Osnabrück liegt ja nicht gerade um die Ecke, und das an einem Freitag abend) waren gut gefüllt und erwartungsfroh. Es konnte nach dem glücklichen Überstehen der Eröffnungszeremonie endlich losgehen.

KSC-Trainer Mark-Patrick Meister schickte die Startelf aus der gelungenen Generalprobe gegen Braunschweig auf den Rasen. Gegner Osnabrück ging mit der Empfehlung von vier Testspielpleiten bei 1:9 Toren ins erste Spiel und galt allenthalben als krasser Außenseiter…

Aber wie das so ist, mit dem Anpfiff des ersten Spiels ist alles Makulatur. Als Zeichen für das, was in der ersten Halbzeit kommen sollte, verdunkelte sich der Himmel über dem Wildpark bedrohlich und rund um das Stadion herum zuckten Blitze…

Anstoß!

Und auch auf dem Rasen verfinsterte es sich. Von der souverän auftretenden Mannschaft aus den Testspielen war nichts mehr übrig, es schien fast so, als hätte sich die Truppe der letzten Saison wieder auf den Rasen geschlichen. Es lief nichts zusammen, der Gegner aus Osnabrück machte die Räume vor dem eigenen Tor dicht und rannte ein ums andere Mal blitzartig über die Flügel Richtung KSC-Tor, wenn der Ball erobert wurde. Nach einem missglückten Spiel auf Abseits stand es schon nach 12 Minuten 0:1 durch den schnellen Reimerink. Der Blitz war im Tor eingeschlagen! Es folgte ein Karlsruher Fehlpassfestival, auf den Rängen war die »neue-Saison-Euphorie« schon verflogen und das Gebruddel ging los.

Nach dem 0:1 verfinsterte sich der Himmel…

Der VfL zog sich nach der Führung zurück und verteidigte relativ mühelos die Führung. Und war brandgefährlich bei eigenen Kontern, unterstützt durch eine konfus wirkende KSC-Abwehr. Das 2:0 kurz vor der Pause war daher fast schon folgerichtig. Stoll ließ sich von Wriedt ausspielen, der flankte und Danneberg netzte mühelos ein (38. Minute). Zur Halbzeit gab es ein Pfeifkonzert, das hatten sich alle etwas anders vorgestellt…

Auf dem Weg zum Bierstand gab es schon die ersten Kommentare wie »des isch koin Trainer« oder »die hennt koin Syschtem« zu hören. Einer der Sportsfreunde aus meinem Stammblock stapfte sogar zur Halbzeitpause wutentbrannt nach Hause. Nach der letzten Saison ist die Geduld keine im Wildpark häufig anzutreffende Tugend…

In der zweiten Hälfte änderte sich zunächst nicht viel, nach einer Stunde ackerten sich die Blau-Weißen ins Spiel hinein und deuteten an, dass in ihnen doch mehr steckt als in dem willenlosen Haufen der letzten Saison. Der KSC stellte sein Spiel ein wenig um. Camoglu rückte auf die Zehn neben der hängenden Spitze Fink, was dem KSC-Angriffsspiel gut tat. Auf den Flügeln wurden die Anspiele von Lorenz in den Strafraum auf den großen Stroh-Engel präziser. Und letzterer braucht dann auch nicht viele Chancen, in der 69. Minute hielt er den Fuß zart an eine scharfe Flanke und fälschte unhaltbar zum 1:2 Anschlusstreffer ab.

Trainer Meister wechselte den jungen Florent Muslija ein, der sich mit seiner Schnelligkeit belebend auswirken sollten. Besonders als er in der 74. Minute im Strafraum zu Boden ging und der Schiri auf den Punkt zeigte. Elfmeter ist, wenn der Schiri pfeift. Anton Fink ließ sich das nicht entgehen und vollendete zum 2:2-Ausgleich.

Das Publikum war nun wieder da und der KSC drückte, nahm sich aber in der Schlussphase durch Auswechslungen der beiden Sturmroutiniers Stroh-Engel und Fink selbst die Torgefahr aus dem Spiel, so dass es am Ende ein verdientes 2:2 Unentschieden gab.

Die Lage

Nach der Euphorie der Vorbereitung kehrte der Alltag der Dritten Liga schneller ein, als sich das alle vorgestellt hatten. Dass das Leben als Favorit in der Dritten Liga hart ist, sollte nach der Partie allen klar sein. Wer gestern das Spiel Meppen gegen Würzburg gesehen hat, konnte beim anderen Absteiger ähnliches beobachten. Räume eng machen, Kontern und mit Härte verteidigen können sie in der Dritten Liga alle.

Wichtig war, dass der KSC das Spiel in der letzten halben Stunde noch ausgleichen und damit den Stimmungstöter »Fehlstart« vermeiden konnte. Die erfahrenen Drittliga-Torjäger Stroh-Engel und Fink zeigten schon, dass sie auf jeden Fall ihre Tore machen werden. Und es war gut, dass Kampfmoral gezeigt und sich nicht wie letzte Saison willenlos ins Verlierer-Schicksal ergeben wurde. Was auch Trainer Meister anmerkte:

»…wir haben eine halbe Stunde hingelegt, wie es sich jeder vorstellt, emotionaler, mit Zweikämpfen. Irgendwann war ein Blitz über der Anzeigetafel, vielleicht war das das Zeichen für meine Jungs. Sie haben es hinten raus gut gemacht.«

Vielleicht zeigte das Spiel auch, dass in der Dritten Liga gegen tiefstehende Gegner mehr Kreativität in die Mittelfeldzentrale muss. Die beiden defensiv orientierten Bülow und Hofmann hinter Fink und Stroh-Engel zu stellen ist gegen diese Gegner etwas arg vorsichtig. Als Burak Camoglu (kam von der zweiten Mannschaft des BVB, ein feiner Fußballer) in der zweiten Halbzeit die »Zehn« übernahm, wurde das Angriffsspiel gleich präziser und druckvoller. Und mit Marvin Wanitzek hat Meister noch einen zweiten Aspiranten für das offensive Mittelfeld auf der Bank.

Und man darf bei allem örtlich bedingten Hang zum Bruddeln auch nicht vergessen, dass die Mannschaft in dieser Zusammensetzung vor gerade mal einem Monat das erste Mal gemeinsam auf dem Rasen stand. Das ist ein Totalumbruch, wie ihn normalerweise kaum ein Verein freiwillig durchführt. Der wird noch seine Zeit brauchen. Deshalb sollte man die ersten 10 Spiele abwarten, bevor man in den Chor der badischen Bruddler einstimmt…

Am Freitag kann man beim Auswärtsspiel bei Aufsteiger Unterhaching den ersten Dreier einfahren!

Impressionen

Flutlicht-Freitag…

Ein Himmel, so düster wie der Spielstand zur Halbzeit…

KSC vs VfL Osnabrück 2:2


Gelungene Generalprobe: KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1 – 15.7.2017

Permalink - Posted on 2017-07-16 11:00

Testspiel KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1

Nix gegen Radrennfahrer auf französischen Straßen und europäische Qualispiele mit Vereinen aus den kleineren Ligen, aber es wird höchste Zeit, dass es wieder mit dem »richtigem« Fußball los geht. Zum Glück startet in einer Woche die Dritte Liga in die neue Saison. Und der KSC darf in selbiger den Versuch unternehmen, die überaus desaströse abgelaufene Zweitligasaison mit dem Wiederaufstieg in den DFL-Fußball vergessen zu machen.

Traditionell gibt es in Karlsruhe eine Woche vor dem Saisonstart den Familientag und ein Testspiel als »Eröffnung« gegen einen interessanten Gegner. Nachdem wir in Karlsruhe in den letzten Jahren mit Derby County, Valencia CF oder dem FC Malaga verwöhnt wurden, war es in dieser Saison mit Eintracht Braunschweig eher ein Gegner aus der Kategorie »Naja«. Da es aber Samstag und sonst nix zu tun war, reihte sich der Blogger dieses kleinen Fußballblogs unter die 1.147 Zusehenden beim 2:1-Sieg des KSC gegen die Eintracht ein…

KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1

Nun ist Eintracht Braunschweig sicher nicht so glamorös wie Teams aus England und Spanien. Aber als Gegner für die Generalprobe eigentlich keine schlechte Wahl. Als Spitzenteam der abgelaufenen Zweitligasaison hatte der BTSV bekanntlich deutlich an das Tor zur Bundesliga geklopft und scheiterte recht unglücklich am VfL Wolfsburg in der Relegation. Und hatte vor knapp 10 Tagen mit dem 1. FC Magdeburg ein Spitzenteam der Dritten Liga mit 6:1 geschlagen. Also durchaus ein aussagekräftiger Gegner.

Extrem gefährlich und gewaltbereit wirkender Braunschweiger Mob im Gästeblock…

Um ein Haar hätte das Spiel gar nicht stattgefunden. Ursprünglich war geplant, den Testkick beim FV Ubstadt, etwa 25 km nördlich von Karlsruhe auf dem Land gelegen, stattfinden zu lassen. Dort wurde er aber ein Opfer der grassierenden Hysterie der »Sicherheitsbehörden« und musste in den Wildpark verlegt werden, wo sich dann ca. 30 extrem gefährlich wirkende Eintracht-Fans (siehe Bild) im Gästeblock verloren…

Schade für Ubstadt, gut für mich, denn für ein Testspiel wäre ich wohl eher nicht raus auf‘s Land gefahren. So bot sich die Gelegenheit, das neue Team eine Woche vor dem Saisonstart im Wildpark anzuschauen.

Trainer Marc-Patrick Meister hatte vorher angekündigt, dass sich die Startelf vor dem Auftakt nun nicht mehr groß ändern würde. Und dass das Spiel eine Entscheidung über den Stammtorhüter bringen würde. Umso interessanter war natürlich die Startelf, die da lautete:

Uphoff
Bader, Pisot, Stoll, Föhrenbach
Camoglu, Hofmann, Bülow, Lorenz
Fink, Stroh-Engel

Der neue Stammtorwart heißt also Benjamin Uphoff, 23 Jahre, Neuzugang vom VfB Stuttgart. Der immerhin 34 Mal bei der zweiten Mannschaft des VfB in Drittligaspielen im Tor stand.

Ansonsten sahen wir hier ein äußerst routiniertes Team. Mit Pisot, Stoll, Hofmann, Bülow, Lorenz, Fink und Stroh-Engel standen gleich 7 Spieler aus der Alterskohorte 28+ auf dem Rasen. Der Plan beim KSC ist offensichtlich: Mit viel Erfahrung und bewiesener Zweit- und Drittliga-Qualität sofort den aus ökonomischen Gründen so bitter nötigen Wiederaufstieg zu schaffen.

Überraschend ist, dass Oldie und »KSC-Fossil« Stoll den Vorzug vor dem Heimkehrer Gordon bekam. Stoll ist übrigens auch der einzige übrig gebliebene Akteur aus der Startelf der Generalprobe gegen Derby in der letzten Saison

Das Testspiel ging denkbar ungünstig für die neue Nummer 1 im Tor los, nach vier Minuten schätzte Uphoff einen Aufsetzer nach einer Braunschweiger Ecke falsch ein und packte sich den Ball mehr oder weniger selbst ins Tor. Nicht gerade das, was man bei seinem Debut als Nummer 1 im eigenen Stadion erleben möchte…

Trotz der danach gelegentlich etwas hämischen Reaktionen des Publikums auf der Gegengeraden (muss ja auch nicht sein…) steckte Uphoff das gut weg und machte danach ein gutes Spiel.

Wie auch seine Kollegen auf dem Feld, trotz Rückstand wurde das Braunschweiger Tor berannt und diverse gute Chancen erspielt. Eintracht-Keeper Fejzic bekam mehr zu tun, als ihm lieb war.

Direkt nach der Halbzeit wurde der KSC belohnt, Neuzugang Stroh-Engel erzielte nach einer schönen Flanke des jungen Camoglu in der 46. Minute den Ausgleich. Nur sieben Minuten später flankte die Freiburger Leihgabe Föhrenbach scharf in den Strafraum, Baffo verlängerte ins eigene Tor zur 2:1-Führung für den KSC.

Das wollten die Braunschweiger nicht auf sich sitzen lassen, die durch eine gewisse Unzufriedenheit gespeisten lauter werdenden Kommandos von Braunschweigs Coach Lieberknecht hallten durch den Wildpark…

Es entwickelte sich bis zum Schluss ein (für einen Testkick) durchaus lebhafter Kick mit Torchancen auf beiden Seiten. Das Offensivspiel des KSC wirkt wie ausgewechselt, auch wenn natürlich noch nicht alles klappt.

Das in der Vorsaison so wackelige Flügelspiel hat deutlich an Qualität gewonnen, die beiden Außenverteidiger Bader und der starke Neuzugang Föhrenbach standen hoch und gingen immer wieder mit nach vorne. Auf der linken Seite sah das Zusammenspiel Föhrenbach – Lorenz schon gut aus. Die Bälle gehen nicht mehr sofort in halbgaren Dribbelversuchen auf den Außenpositionen verloren, sondern wurden behauptet und landeten (für KSC-Zusehende fast schon irritierend oft) bei den Mitspielern in der Mitte.

Mit Anton Fink steht im Bereich zwischen offensivem Mittelfeld und Sturmspitze ein Mann auf dem Rasen, der auch mal einen Ball halten und vernünftig weiterverteilen kann. Im zentralen Mittelfeld machten die beiden »großen starken« Routiniers Bülow und Hofmann einen kampfstarken und souveränen Eindruck.

Auch wenn man so ein Testspiel nicht überbewerten sollte: Nach diesem Spiel kann man als Karlsruher mit einem gewissen Optimismus in die neue Saison gehen. Dafür, dass dieses Team praktisch komplett neu zusammengestellt wurde und erst seit vier Wochen zusammen spielt, sieht das schon sehr ordentlich aus.

Entsprechend wurde das Team mit einem optimistischen Applaus von den 1.147 Zusehenden verabschiedet…

Dritte Liga ante portas!

Und am kommenden Freitag wird es dann auch schon ernst, der KSC eröffnet die Saison der Dritten Liga um 20:30 gegen den VfL Osnabrück. Dann werden wir sehen, wie weit das neu formierte Team ist und ob der Optimismus nach der Generalprobe angemessen war. Das wird übrigens das erste live übertragene Drittligaspiel beim neuen Anbieter »Telekom Fußball«, der erfreulicherweise alle Spiele der Dritten Liga live überträgt. Was gerade für KSC-Fans sehr schön ist, zeigt sich doch der lokal zuständige ÖR-Sender schon zum Auftakt von seiner in Sachen KSC hinreichend bekannten Seite. Der Wildpark steht halt nicht in Bad Cannstatt…

Zur Vorbereitung auf die Saison der Dritten Liga ist der Podcast drüben im Magdeburg-Blog »Nur der FCM« sehr zu empfehlen. Alex und Thomas haben sich die Mühe gemacht, sich für jedes Team der Dritten Liga die Ab- und Zugänge anzuschauen und eine Einschätzung zu den Teams in den drei Kategorien »Aufstiegsaspirant«, »Mittelfeldteam« oder »Abstiegskandidat« abzugeben. Hört man sich auch noch den (recht langen ;-)) Podcast-Rückblick auf die letzte Saison der Dritten Liga bei 120minuten an, so hat man als Karlsruher Fußballfreund(in) ein gutes Rüstzeug zur Einschätzung der Gegner in der für Karlsruhe »neuen« (obwohl, so lange ist der letzte Drittligabesuch ja noch nicht her…) Liga im Kopf.

Vor der Saison muss man natürlich einen Tipp abgeben. Ich erwarte KSC, Würzburg, Magdeburg, Aalen und ein bis jetzt noch unbekanntes Überraschungsteam im Aufstiegsrennen. Letzteres gibt es in der Dritten Liga eigentlich immer, vielleicht wird das Hansa Rostock. Oder der SC Paderborn legt einen »Darmstadt-Stunt« (sportlich absteigen, wg. Lizenzkalamitäten anderer Klubs doch drin bleiben und aufsteigen) hin…

Generell zeichnete sich die Dritte Liga in den letzten Jahren dadurch aus, dass es über weite Phasen der Saison ausgesprochen eng zuging. Letzte Saison lagen zwischen dem Sechsten Osnabrück und dem 16. Fortuna Köln nur 8 Punkte.

Für den KSC muss es darum gehen, sich möglichst schnell einzuspielen und die Favoritenrolle anzunehmen. Mit den beiden Drittligatormaschinen Fink und DSE auf dem Rasen werden es die meisten Gegner, gerade im Wildpark, ziemlich defensiv angehen lassen.

Wir werden es sehen. Alles ist bereitet, es kann wieder losgehen!

Impressionen


Hornbostels Erben: Monumente des Provinzialismus

Permalink - Posted on 2017-07-11 18:55

Sie erinnern sich vielleicht, wir hatten es kürzlich in dieser kleinen Traditionalismus-Watchblog-Rubrik von der chinesischen Bedrohung der armen Regionalliga Südwest. In diese kam heute eine neue Dynamik, vier Regionalligisten knickten ein und sprangen wieder ab, so dass nur noch eine »chinesische Bedrohung light« übrig bleibt. Außerdem haben wir noch eine Podcastempfehlung und ein eindrucksvolles musikalisches Meisterwerk…

[Foto: »夜間足球 Nighttime Soccer / 馬鞍山遊樂場 Ma On Shan Recreation Ground / SML.20130216.EOSM.02197« auf flickr, CC BY 2.0 von See-ming Lee, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

»China light« im Südwesten

Die Idee, eine chinesische U-20-Auswahl außer Konkurrenz in der Regionalliga Südwest mitspielen zu lassen, war bekanntlich sofort Zielscheibe des deutschen generalfrustrierten Fußballtraditionalismus. Einige »organisierte Fans« beteiligter Regionalligisten verfassten einen offenen Brief an den für die RL-Südwest zuständigen DFB-Vize Ronny Zimmermann. Da man ja ein bisschen mehr als »passt uns nicht, wollen wir nicht« schreiben musste, wurden alle möglichen Argumente (inkl. Unterstellungen bezüglich finanzieller Interessen des DFB und von Astoria Walldorf, sehr dünnes Eis…) zusammengeklaubt und schließlich noch die ganz große moralische Keule ausgepackt (Zitat):

»Außerdem wollen wir zu bedenken geben, dass der Ausbau der Kooperationen mit dem chinesischen Fußball auch weit über den Fußballkontext hinaus einige Fragen aufwirft. Die Volksrepublik China gilt nach wie vor als einer der autoritärsten Staaten weltweit, in dem Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt, Todesurteile massenhaft vollstreckt (Amnesty International schätzt, dass in China mehr Menschen hingerichtet werden, als in allen anderen Staaten weltweit zusammen), Menschen gefoltert, sowie zahlreiche Kritiker in Gefangenschaft genommen werden. Die Frage muss erlaubt sein, warum ausgerechnet mit einem solch menschenverachtenden Regime die Kooperation der Fußballverbände gestärkt werden soll? Überwiegen hier finanzielle Interessen gänzlich der Moral?«

Schrieben sie so dahin, mit einem Smartphone aus chinesischer Fertigung in der Tasche, und evtl. Sneakers aus chinesischer Fertigung an den Füßen. Die Moral ist eine gute Sache, man kann sie bei Bedarf aus der Schublade ziehen, wenn sie einem gerade nützlich erscheint…

Alles in allem ist dieser offene Brief ein bemerkenswertes Dokument. Er bestätigt wieder einmal die These: Nicht mal ein SPD-Ortsverein im Ruhrgebiet ist so konservativ wie der deutsche Fußball-Traditionalismus…

Aber es scheint zu wirken. Heute wurde bekannt, dass es nur »China light« in der Regionalliga Südwest geben wird. Denn vier Vereine haben, anscheinend auf Druck ihrer organisierten Fans, ihre ursprüngliche Zusage zurückgezogen.

Nun wird es ab November für jeden der 15 übriggebliebenen Regionalligisten ein Freundschaftsspiel gegen die chinesische U20 und 15.000 Euro geben. Wahrscheinlich waren die Chinesen einfach zu höflich, um sich mit den Worten »Entschuldigen Sie, dass wir Ihre provinzielle Idylle heruntergekommener Traditions- und Dorfvereine mit etwas Ungewöhnlichem belästigt haben, wir suchen uns was anderes…« einfach wieder aus der RL Südwest zu verabschieden…

Podcast

Unterhaltsamer als die China-Posse mit ihrem beschämenden Provinzialismus ist da schon ein Sommer-Podcast bei »drei90« mit dem schönen Titel »Lasst uns die Welt retten, sie hat es nicht anders verdient«. Protagonisten aus diversen Bundesliga-Podcasts setzten sich bei »drei90« zusammen und schwelgten in durchaus unterhaltsamer Weise im Fußballkulturpessimismus.

Erstaunlicherweise sahen sie die sportliche Qualität der Bundesliga sehr kritisch. Nur ziehen sie IMHO die falschen Schlüsse, indem sie »Beharren auf 50+1« als Lösung ausgaben. Die einzige europäische Top-Liga mit 50+1 produziert seit Jahren einen Abonnementsmeister und zunehmende Langeweile. Diese Liga ist auch in Europa die einzige, in der Konstrukte wie Leipzig und Hoffenheim in der Liga und da auch noch ganz vorne zu finden sind. Vielleicht besteht da ein Zusammenhang…

Nach etwa anderthalb Stunden geht ein wenig der rote Faden verloren und es wird etwas arg theatralisch-traditionalistisch, aber trotzdem: Hörempfehlung, eine kurzweilige Podcast-Runde!

Elegie des Monats

Die Elegie des Monats ist diesmal ein liebliches Liedchen. Ein Ruhrgebiets-Lokalrapper namens M.I.K.I. greift die faschistoid-militaristisch angehauchte Symbolik des Dresdner Einmarsches in Karlsruhe kürzlich beim Spiel gegen den KSC auf und erklärt ebenfalls dem DFB den Krieg:

»M.I.K.I - Krieg dem DFB«

Das Beste an diesem Video ist der groteske Typ bei ca. 2:34 Min. der, in Dresdner Camouflage gehüllt, mit sogar unter seiner Balaclava erkennbar grimmigen Gesichtsausdruck aus unbekannten Gründen einen LKW-Reifen auf dem Rücken trägt. Herrlich!

Mit diesem Song und diesem Video hat sich der Fußball-Traditionalismus nicht unbedingt einen Gefallen getan. Oder würden Sie, verehrte Leserinnen und Leser, das Anliegen eines Typen in Camouflage-Shirt, der einen LKW-Reifen auf dem Rücken trägt, ernst nehmen? Eben!

In diesem Sinne: Packen Sie sich einen alten Reifen auf den Rücken, schauen Sie grimmig, um dann weiterhin fröhlich am schönen Sport auf dem grünen Rasen zu verzweifeln …

Der Oldenburger Landwirtschaftsrat Ernst Hornbostel, von 1962 bis 1975 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes, war schon 1963 Fußballkulturpessimist und befand angesichts der damals bevorstehenden Bundesliga-Einführung: »Ein ganzer Teil der Vereine, die heute mit stolzen Hoffnungen in die Bundesliga einziehen, werden bei Halbzeit ein schauerliches Erwachen erleben.« Ernst Hornbostel ist somit der Urahn des modernen Fußballkulturpessimismus, ihm zu Ehren heißt diese Rubrik »Hornbostels Erben«…

Weitere Beiträge zum Fußballkulturpessimismus


150 Jahre Queen‘s Park FC

Permalink - Posted on 2017-07-09 20:00

Die Mannschaft des Queen‘s Park FC mit dem gewonnenen Scottish Cup im Jahre 1874 (Bild gemeinfrei)

Wenn man an »Fußball in Glasgow« denkt, so fallen einem natürlich sofort die beiden großen Klubs Celtic und Rangers ein. Der älteste (und damit nach landläufiger Lehre des Fußballtraditionalismus »traditionsreichste«) Fußballklub Glasgows ist aber der Queen‘s Park FC. Dieser wurde im Jahre 1867 gegründet und feiert am heutigen 9. Juli 2017 seinen 150. Geburtstag. ballreiter gratuliert und stellt den ungewöhnlichen und für die Entwicklung des Fußballs erstaunlich wirkungsmächtigen Verein vor. Queen‘s Park war die Keimzelle des schottischen Fußballs, schenkte Schottland die blauen Nationalelf-Trikots und das Nationalstadion Hampden Park.

Und erfand das Passspiel! Es gibt eine Entwicklungslinie vom Queen‘s Park FC im 19. Jahrhundert bis hin zum Tiki-Taka der Moderne bei Barça unter Pep Guardiola…

Der erste »richtige« Fußballklub in Schottland

Mit den Worten »Tonight at half past eight o'clock a number of gentlemen met at No. 3 Eglinton Terrace for the purpose of forming a football club« (lt. Wikipedia) wurde am 9. Juli 1867 der Queen‘s Park FC (QPFC) gegründet. Benannt nach einer nahegelegenen Grünanlage, war der QPFC der erste schottische Fußball-Klub, der nach den Regeln des englischen »Association Football« spielte. Es gab natürlich schon andere Fußball-Klubs in Schottland, deren Spiel aber noch stärker von den Regeln des etwa zeitgleich entstandenen »Rugby Football« (aus dem sich die heutigen Varianten des Rugby entwickelt haben) beeinflusst war.

Queen‘s Park FC nahm nach der Gründung die Entwicklung des schottischen Fußballs in die Hand. Sie legten die Regeln fest, die sich an den Cambridge Rules der 1863 gegründeten englischen Football Association FA orientierten.

1872 organisierte der Klub das erste Länderspiel zwischen Schottland und England. Die schottische Mannschaft bestand ausschließlich aus Spielern des QPFC. Die Schotten trugen dabei jene dunkelblauen Trikots, die die schottische Nationalmannschaft noch heute trägt. Denn dunkelblau war zu der Zeit die Farbe des QPFC, die dann, nach der Gründung des schottischen Fußballverbands »Scottish Football Association« 1873, die Trikotfarbe der Nationalmannschaft wurde. QPFC wechselte zu jenen schwarz-weiß geringelten Trikots (s. Foto oben), die sie noch heute tragen. Wg. dieser schwarz-weißen Trikots nennt man Queen‘s Park auch »the Spiders«.

Neben den Trikots gab der QPFC dem schottischen Fußball auch sein Nationalstadion. Denn der Hampden Park in Glasgow ist (in seiner dritten Variante) seit 1903 das Heimstadion der schottischen Nationalmannschaft und gehört dem Queen‘s Park FC. Der Verein spielt bis heute seine Heimspiele in der dritten schottischen Liga »League One« in dem riesigen Stadion mit seinen fast 52.000 Plätzen. Und hat einen Zuschauerschnitt von 539 Zusehenden in der abgelaufenen Saison gehabt…

Mit der Verbandsgründung 1873 wurde auch der »Scottish Cup« eingeführt. Der QPFC gewann ihn zwischen 1874 und 1893 zehnmal. Und ist damit bis heute nach Celtic (37 Pokalsiege) und Rangers (33) das dritterfolgreichste Team in diesem Wettbewerb.

Der QPFC war auf der Insel so berühmt, dass er mehrere Male zum Mitspielen in den englischen FA-Cup eingeladen wurde. Dort schafften sie es 1884 und 1885 jeweils ins Endspiel, scheiterten aber beide Male an den Blackburn Rovers. Schade eigentlich, sonst wären sie heute das einzige Team, das beide Pokale gewonnen hätte…

150 Jahre Amateurideal »Ludere causa Ludendi«

Logo Queen‘s Park FC (Quelle: Wikipedia, Fair Use)

Diese große erfolgreiche Zeit als berühmtester und »erster Klub« Schottlands endete um 1900 herum. Denn mit dem seit der Gründung hochgehaltenen lateinischen Motto »Ludere causa Ludendi« (»Zu spielen um des Spieles willen«) hält der QPFC bis heute eisern am »Amateurideal« fest. Bei Queen‘s Park durften und dürfen keine Profi-Fußballer spielen, die »Spiders« sind heute der einzige Amateurklub im professionellen schottischen Ligasystem. Was auch daran lag, dass die dominierenden Persönlichkeiten des QPFC der Gründerzeit aus der reichen Oberschicht des Landes kamen und »Fußball spielen für Geld« als weit unter ihrer Würde stehend ansahen.

Da auf der Insel die Professionalisierung des Fußballs bekanntlich schon 1888 mit der Gründung der englischen Liga einsetzte, konnte QPFC als Amateurmannschaft gegen Profiteams nicht mehr mithalten. Bis 1922 bekamen sie, wg. ihres schon damals legendären Status als Keimzelle des schottischen Fußballs, eine Ausnahmeregelung, die sie vor dem Abstieg bewahren sollte. Nachdem das beendet war, stiegen sie dann auch gleich für ein Jahr ab. Nach dem Wiederaufstieg schafften sie es bis zum Zweiten Weltkrieg, sich in der ersten Liga zu halten. Danach verschwanden sie langsam aber sicher in den Niederungen der zweiten bis vierten Liga. Die dominierenden großen Teams Schottlands waren längst die beiden Glasgower Stadtrivalen Celtic und Rangers geworden. In den 90er Jahren war QPFC in der vierten Liga angekommen…

Die Erfinder des Passspiels

Aber nicht nur für den schottischen Fußball war der QPFC prägend. Denn sie »erfanden« als erstes Team das Pass- und Kombinationsspiel auf dem Rasen. Zur Gründerzeit bestand das englische Spiel in erster Linie aus Dribbeln und Krafteinsatz. Da QPFC in der Anfangszeit kaum Gegner hatte (das erste Spiel fand erst ein Jahr nach Vereinsgründung statt, ein 2:0-Sieg gegen den bereits 1895 aufgelösten Thistle F.C. aus Glasgow), spielten sie untereinander Trainingsspiele und entwickelten dabei ein in England unbekanntes Pass- und Kombinationsspiel. Ein Zeitungartikel aus jener Zeit beobachte beim ersten Länderspiel von Schottland (also QPFC) gegen England im Jahre 1872:

»The Englishmen had all the advantage of weight, their average being about two stones heavier than the Scotchmen and they had also the advantage in pace. The strong point of the home club was that they played excellently well together.«

Die »Spiders« erzielten ihre Tore weniger mit individuellen Fähigkeiten wie Kraft, Schnelligkeit und Dribblings, sondern im Zusammenspiel auf dem Rasen. Wie Jonathan Wilson im Guardian ausführte, lässt sich eine Entwicklung des Passspiels vom QPFC der Gründerzeit bis hin zum Tiki-Taka unserer Tage nachweisen. Ein Spieler namens RS McColl, genannt »Toffee Bob«, wechselte 1901 vom QPFC nach Newcastle, denn er wollte mit Fußball Geld verdienen. Was bei den »Spiders«, s.o., nicht möglich war. Einer seiner Mitspieler in Newcastle, Peter McWilliam, wurde später Trainer und nahm diese Spielidee mit nach Tottenham. Dort trainierte er u.a. Vic Buckingham, der später seinerseits Trainer wurde und, nachdem er jahrelang West Brom trainiert hatte, 1964 in die Niederlande zu Ajax wechselte. Dort war er als Trainer für das Debüt eines gewissen Johan Cruyff verantwortlich und entwickelte die Grundlagen jenes Fußballs, der später als »Voetbal total« weltberühmt wurde. Danach wechselte Buckingham nach Barcelona und nahm den Voetbal Total mit nach Katalonien. Wo er später durch Rinus Michels und Johan Cruyff zur gelebten Spielkultur perfektioniert wurde und seinen Höhepunkt im »Tiki-Taka« moderner Prägung fand.

Wie man sieht, in gewisser Weise hat auch das seinen Ursprung beim QPFC…

Queen‘s Park heute

In diesem Jahrhundert erholte sich Queen‘s Park wieder ein wenig und kehrte in die Dritte Liga »League One« zurück. Besonders in der Aufstiegssaison 2006/07 sorgten die »Spiders« unter Trainer Paul Paton wieder für Furore, als sie mit ihren Amateurspielern ein bemerkenswertes laufintensives Ballbesitzspiel praktizierten und sogar den Erstligisten Aberdeen aus dem Pokal warfen.

Seit 2016 hat sich QPFC endgültig wieder in der League One etabliert und erreichte in der letzten Saison einen Mittelfeldplatz. Der rigorose Amateurstatus wurde seit Ende der 90er-Jahre etwas aufgeweicht, mittlerweile dürfen ehemalige Profi-Spieler bei den »Spiders« spielen und der Verein leiht Spieler von anderen Profiteams aus.

Wenn man bedenkt, dass von den anderen sieben Gründungsvereinen der Scottish FA im Jahre 1873 nur noch der FC Kilmarnock übrig geblieben ist, ist es schon eine erstaunliche Leistung, dass es den Queen‘s Park FC 150 Jahre später immer noch gibt. Mit seinem verschrobenen Beharren auf den antiquierten Amateurstatus und mit seinem Selbstverständnis, als Begründer und »Gastgeber« des schottischen Fußballs in »seinem« riesigen Stadion Hampden Park zu spielen, ist der Verein ein Unikum in den vier Profiligen Schottlands.

Happy Birthday, Queen‘s Park FC!


Neues aus Schottland #20: Wenn die Kelpies heiser wiehern…

Permalink - Posted on 2017-07-06 21:50

Die Kelpies wiehern vor sich hin ob der schlechten Leistungen…

Das 2:2 im WM-Quali-Spiel zwischen Schottland und England hatte leise Hoffnungen geweckt, dass der schottische Fußball sich langsam aus seinem internationalen Abwärtstrend befreien kann. Aber die Saison hat noch nicht einmal richtig begonnen, da haben sich in der ersten Runde der Europa-League-Quali mit den New Rangers und dem FC St. Johnstone bereits 50% der potenziellen schottischen Teilnehmer aus Europa verabschiedet…

Rangers-Debakel gegen Progres Niederkorn

Die neuen Rangers aus dem blauen Teil Glasgows sind ein sehr spezieller Fall. Trotz Bankrott, Auflösung, Neugründung, Trainerwechsel, einem wenig überzeugenden Start von Neu-Trainer Pedro Caixinha und einem tabellarischen Rückstand auf Celtic von 39 Punkten in der vorigen Saison sehen sie sich in ihrer eigenen Wahrnehmung als »natural born scottish champion«. »Demut« ist ein Konzept, dass ihnen vollständig fremd ist.

Der Rangers-Vorsitzende Dave King amüsierte entsprechend die schottische Fußballszene mit der kruden These, dass Celtic nicht sechs Meisterschaften hintereinander gewonnen habe, sondern nur »two in a row«. Denn schließlich sei eine Meisterschaft ohne Rangers nichts wert. Und bekanntlich waren Rangers 5 Jahre abwesend wg. des Bankrotts und einer fünfjährigen Tour durch die unteren Ligen…

Trainer Caixinha kaufte für 10 Mio Pfund in aller Welt Spieler ein. Er ließ zur Motivation das Rangers-Fan-Motto »We are the people« (ein »sektiererischer« Kampfslogan des protestantisch-königsloyalen Schottland) an die Wände der Kabine in Ibrox malen. Und verbot seinen Spielern, grüne Fußballschuhe zu tragen, denn Grün ist »the colour of celtic«…

Der Mund wurde also voll genommen, man beschäftigte sich mehr mit Celtic statt mit der Entwicklung einer Mannschaft, die ja zunächst einmal Vize-Meister Aberdeen hinter sich lassen müsste, um überhaupt an Celtic denken zu können. »Haud yer wheesht!« wollte man ihnen auf gut schottisch zurufen. Doch dann schlug die Realität auf dem Rasen zu. In Form des Tabellenvierten der luxemburgischen Liga, den »Feierabendkickern« vom FC Progrès Niederkorn

Das Hinspiel war schon eine bescheidene Vorstellung, Rangers gewannen 1:0 durch ein Tor des 37-jährigen Kenny Miller. 1:0 war als Polster etwas dünn, aber rund um Ibrox ging man von einem hohen Sieg im Rückspiel in Luxemburg aus…

Stattdessen flogen die New Rangers in der peinlichsten Vorstellung der schottischen Europapokalgeschichte sang- und klanglos mit 0:2 bei Progrés raus. Man muss sich das vorstellen, Progrés hatte in 13 EL-Qualispielen 13-mal verloren, ein einziges Tor geschossen und 41 kassiert. Und dann gewinnen sie 2:0 gegen Rangers und ziehen in die zweite Runde…

Besonders beeindruckend: Rangers waren nicht in der Lage, gegen die Luxemburger ein organisiertes Angriffsspiel aufzuziehen. Sie trafen zwar dreimal die Latte, aber immer aus Standards und Einzelaktionen.

Entsprechend hämisch waren die Reaktionen aus dem grünen Teil Glasgows, vielfältige Variationen von »Rangers are making Progrés« waren in Social Media zu lesen. Und Trainer Caixinha steht schon unter Druck, bevor die Saison überhaupt richtig begonnen hat. Selbst der durchaus Rangers-freundliche Daily-Record-Pundit Keith Jackson sieht Caixinha »one more humiliation away from the sack«. Prognose: Pedro Caixinha wird die Saison nicht als Rangers-Trainer beenden…

FC St. Johnstone macht das Desaster komplett

Der Tabellenvierte FC St. Johnstone zog nach und machte das totale schottische Debakel in der ersten Runde der EL-Qualifikation komplett. Gegen den litauischen(!) Vertreter FK Trakai verloren die Saints das Hinspiel zu Hause mit 1:2. Im heutigen Rückspiel setzten sie noch einen drauf und verloren 0:1. Und das in Überzahl, Trakai spielte über eine halbe Stunde nach einer Roten Karte mit 10 Mann…

Dadurch haben sich bereits zwei der vier potenziellen Europapokalteilnehmer aus der schottischen Premiership verabschiedet. In vier Spielen, gegen Teams aus Luxemburg und Litauen, gelangen gerade mal 2 Törchen und derer 5 wurden kassiert. Nicht gerade ein Ruhmesblatt für den stolzen schottischen Fußball, die Kelpies wiehern heiser vor sich hin…

Next: Aberdeen und Celtic

Als nächstes hat Vizemeister Aberdeen die Aufgabe, es besser zu machen. Sie steigen in der zweiten Runde ein, gegen den bosnischen Klub NK Siroki Brijeg.

Und natürlich Meister Celtic, der gegen den nordirischen Klub Linfield antreten muss. Was dann wg. der Oranier-Märsche am 12. Juli zu einem Politikum wurde.

Am 12. Juli laufen die protestantischen Loyalisten durch die Straßen von Belfast, singen Lieder über das Abschlachten von Iren und verbrennen Puppen vom Papst. Und genau aus diesem Milieu rekrutiert sich die etwas seltsam anmutende Anhängerschaft Linfields. Was dann in einer Begegnung mit dem aus dem Viertel irischer Einwanderer in Glasgow stammenden Celtic, über dessen Stadion stets eine irische Flagge weht (und kein Union Jack), zu Ärger führen könnte. Wg. der Oranier-Märsche wurde die Partie auf den 14. Juli verlegt, und Celtic verkauft keine Gästetickets für das Spiel. Die blutige Vergangenheit Nordirlands ist auch 2017 noch stets präsent, und wenn es nur um ein Fußballspiel geht…

Für das »Standing« des schottischen Fußballs wäre es gut, wenn wenigstens Aberdeen und Celtic die Gruppenphase der EL bzw. der CL erreichen würden. Sonst hören die Kelpies (siehe Bild oben) ob der schottischen Europapokalperformance gar nicht mehr auf, heiser vor sich hin zu wiehern…


Wir lesen Fußball: »ballesterer«

Permalink - Posted on 2017-07-01 20:25

ballesterer-Hefte

Fast zwei Jahre nach dem Artikel über das auch 2017 noch stets vorzügliche Magazin »Zeitspiel« wird es mal wieder Zeit für Lektüreempfehlungen. In den fußballfreien Tagen der Sommerpause kann man sich schließlich entspannt mit einem kühlen Getränk draußen irgendwo hinsetzen und sich das lange Warten auf den Saisonbeginn mit guten Texten über unseren Lieblingssport ein wenig verkürzen.

Wir starten mit dem wohl besten deutschsprachigen Fußballmagazin: Dem »ballesterer«…

Der »ballesterer« ist ein im Jahre 2000 in Wien gegründetes »Magazin zur Erweiterung des Fußballhorizonts«. Vorbild war, wie beim deutschen »11 Freunde«, das englische Fußballkulturmagazin »When Saturday Comes«.

Der Name ist kein erfundenes Wort, lt. Wikipedia ist Ballesterer ein Wiener Wort aus der Zwischenkriegszeit des letzten Jahrhunderts für »technisch versierte Fußballer«. Wohl das, was man bei uns am Niederrhein einen »Fummler« nennt…

In den Anfangsjahren war der ballesterer ein »handgemachtes« Fanzine, dass sich mehr schlecht als recht im Stadion verkaufte (potenzielle Käufer fragten: »San da a Nackerte drin?«). Mittlerweile ist es ein über Österreichs Grenzen hinaus geschätztes hintergründiges Fußball-Magazin. Der Schwerpunkt liegt zwar ein wenig auf Österreich, aber man schaut gerne über den nationalen Tellerrand.

Jede Ausgabe hat ein Schwerpunktthema, das gründlich aufgearbeitet wird. Den besten Artikel über das mit üppigen Ablösen bei Spielereinkäufen auftrumpfende China habe ich im ballesterer (und natürlich in Zeitspiel Nr. 7) gelesen. Den besten Artikel über Red Bull ebenso. Und in der aktuellen Ausgabe gibt es einen Schwerpunkt »Fußball und Krieg«, der das Ergebnis anderthalbjähriger Recherchen und Reisen ist. Da schlägt man fast schon ehrfürchtig das Heft auf…

In der Haltung zum Fußballgeschehen macht der ballesterer keinen Hehl aus seiner Herkunft »von Fans für Fans«. Im Gegensatz zur ähnlich entstandenen deutschen »11 Freunde« fehlt dem ballesterer aber dessen, an K-Gruppen-Konvolute aus den 80ern erinnernde, traditionalistisch-messianische Einseitigkeit. Beim ballesterer weiß man, dass die Realität selten so eindeutig schwarz-weiß ist, wie uns das mancher schreibende selbsternannte Fußballtraditionshüter weismachen will. Wer einmal die Artikel über Red Bull Leipzig in 11 Freunde und im ballesterer liest und vergleicht, wird schnell merken, was gemeint ist.

Der ballesterer ist im Abo und im Bahnhofsbuchhandel erhältlich, und ich kann jeder und jedem, die oder der gerne Hintergründiges über den Fußball liest, nur empfehlen, einmal ein Exemplar zu kaufen und zu lesen. Es wird dann nicht bei dem einen Exemplar bleiben…

Artikel zum Thema »Lektüre« im Blog:


Hornbostels Erben: 60 Minuten, und dann auch noch Chinesen!

Permalink - Posted on 2017-06-22 20:00

Symbolfoto: Alles kaputt im Fußball! So wie hier das Bökelberg-Stadion während des Abrisses im März 2006.

Die Älteren unter Ihnen werden sich noch an Waldorf und Statler erinnern, die beiden Alten auf dem Theaterbalkon in der Muppet-Show, die an nichts und niemanden ein gutes Haar gelassen haben. Die beiden Plüsch-Herren sind offensichtlich das Role-Model für die Erregungskultur des deutschen Fußballtraditionalismus. Diesmal am Start: 60 Minuten Spielzeit, RBL in der CL und eine chinesische U20…


60 Minuten, Ihr spielt nur 60 Minuten…

Die Leute wissen in der Sommerpause anscheinend nix mit sich mit anzufangen. Deshalb regen sie sich alle drei Tage über irgendetwas den Untergang des Fußballs beschleunigendes »Schlimmes« auf. Was dann nach knapp 14 Tagen schon wieder den nächsten Blick in die Abgründe des real existierenden deutschen Fußballkulturpessimismus notwendig macht!

Am letzten, einem fußballsommerpausig-ruhigen Wochenende, kochte die Fußballvolksseele plötzlich hoch wie ein auf dem Herd vergessener Suppentopf. Was war nun wieder los?

Ein vom IFAB herausgegebenes Diskussionspapier für eine »Play Fair«-Strategy (Achtung, PDF!) war bekannt geworden. Von diversen Medien (der Journo an sich hat halt keine Zeit zu lesen und zu verstehen…) fälschlicherweise als »angekündigte Regeländerung« bekannt gemacht, sorgte es gleich für Aufruhr. Besonders der Diskussionsvorschlag (Diskussionsvorschlag, keine »angekündigte Regeländerung«!), die Spielzeit eines Fußballspiels zur Bekämpfung der latenten Spielverzögerei auf 60 Minuten reine Spielzeit zu ändern, erregte gleich die Gemüter. Ganz vorne dabei natürlich das Traditionsblatt Nr.1:

Sicher, geht in jedem Handball- oder Basketball-Spiel schon immer. Aber im Fußball natürlich undurchführbar. Aber auch die normale Fanseele kochte:

Es ist offensichtlich, dass einige diesen Vorschlag gar nicht verstanden haben. Denn es geht natürlich nicht um die Verkürzung der 90 Minuten auf deren 60, sondern um 60 Minuten reine Spielzeit. Was bei einer aktuell in der Bundesliga üblichen durchschnittlichen Spielzeit von 56 Minuten de facto eine Verlängerung der Spielzeit wäre.

Den Vogel schoss ein »Journalist« namens Tobias ab, der im Express flugs eine Tabelle der letzten Bundesliga-Saison nach 60 Minuten errechnete. Tobias ist ein armer Kerl, niemand in der Redaktion hat ihm den Unterschied zwischen »Verlängerung der Nettospielzeit auf 60 Minuten« und »Verkürzung der Bruttospielzeit auf 60 Minuten erklärt«…

Wenn man sich, statt gleich loszunöhlen, lieber einmal das Dokument der IFAB durchgelesen hätte, so wäre schnell klar gewesen, dass es hier um durchaus sinnvolle Ziele und Diskussionsvorschläge geht. Selbst die eher traditionalistisch angehauchte BVB-Fan-Site »schwatzgelb.de« hat das erkannt und kommt zu dem Schluss:

»(…) dieses Papier ist mutig und frisch, eine ernsthafte Diskussion über dessen Inhalt kann dem Fußball nur gut tun.«

Eines hat der Aufruhr aber mal wieder gezeigt: Nur ein SPD-Ortsverein im Ruhrgebiet oder einer der CSU in Niederbayern ist konservativer und fortschrittsfeindlicher als der Mainstream der Fußballfans…

RB Leipzig darf in die CL

Kurz drauf der nächste Aufreger! Durchaus erwartungsgemäß wurden RB Leipzig und RB Salzburg zur CL zugelassen, da die UEFA zu dem Schluss kam, dass die formalen Voraussetzungen im Sinne ihres Artikel 5 des Wettbewerbsreglements vorliegen. Dieser besagt:

»Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben (…)«

Dass das bei den beiden RB-Klubs tatsächlich so ist, darf man durchaus bezweifeln, ein Artikel bei 11 Freunde (war ja nicht alles schlecht bei 11 Freunde!) liefert diesbezüglich einiges an Stoff. Diese Zweifel hatte die UEFA ebenfalls. Nur sollte auch jedem klar sein, dass die UEFA nur nach belastbaren Fakten und nicht nach mehr oder weniger bewiesenen Indizien wie »pflegt dabei ausgiebige Business-Beziehungen zu Red Bull…« oder hat »Mitarbeiter, die für beide Vereine arbeiten« (s.o., 11-Freunde-Artikel) urteilen kann. Geschäftsbeziehungen zu Red Bull pflegt z.B. auch eine der Firmen des 11-Freunde-Herausgebers Hörstmann

Ein paar Tage vorher wurden auch die Champions-League-TV-Rechte ab 2018 neu vergeben und wanderten mit Sky und DAZN zu »kostenpflichtigen« Anbietern. Was sich deutsche Guckende bei Netflix für irgendeine Serie aus USA ohne mit der Wimper zu zucken für einen monatlichen Zehni herbei klicken, ist bei der Champions League ein veritabler Skandal. Die beste Fußball-Meisterschaft der Welt darf nix kosten, »Game Of Thrones« schon. Sogar das hanseatische Hausblatt des liberalen Kapitalismus, die gute alte »Zeit«, entdeckte plötzlich ihre antikapitalistische Ader:

»Es klingt platt, aber die Fans haben es in der Hand. Sie sind die Konsumenten, sie haben die Macht. Sie können ihre Ablehnung an der Stadionkasse artikulieren, und nun eben auch vor dem Fernseher. Indem sie ein Abo fürs Bezahlfernsehen abschließen oder eben nicht. (…) Fürs Fernsehschauen bezahlen und gleichzeitig Helene Fischer auspfeifen, weil der Fußball doch ach so kommerziell geworden ist, funktioniert dann nicht mehr. Fans können das Rädchen aufhalten.«

Die Chinesen kommen!

Okay, also »Rädchen aufhalten«. Und Champions League schauen »wir vom Fußballtraditionalismus« sowieso nicht. Lieber die guten ehrlichen Amateurligen besuchen, unterhalb des hässlichen kapitalistischen TV-Fußballs, wo nur noch das Geld regiert…

Aber dann, heute, das: »Regionalliga Südwest: Team Nummer 20 kommt aus China«

15.000 soll jeder Regionalligist dafür bekommen. Die FK Pirmasens, Absteiger durch das seltsame Timing des Insolvenzantrags von Hessen Kassel, findet das verständlicherweise doof. Nur werden da wie so oft Dinge miteinander vermischt, die nichts miteinander zu tun haben. Ich bin schon lange dafür, dass Vereine, die während oder vor der nächsten Saison insolvent gehen, grundsätzlich absteigen sollten.

Paradebeispiel für die unreflektierte Fußball-Wutbürger-Ablehnungsfront ist dieses Pamphlet einer »Interessengemeinschaft Unsere Kurve«, das einfach alles, was in der Regionalliga aktuell kritisch ist, in einen großen Topf wirft. Was die Integration der chinesischen U20 bis Olympia mit den Aufstiegsregelungen in die Dritte Liga zu tun hat, erschließt sich Lesenden auch nach mehrfacher Lektüre nicht…

Elegie des Monats

(Eigentlich ist es schon die zweite Elegie für diesen Monat, aber, wie die UEFA bei Red Bull, wollen wir das alles nicht so eng sehen…)

Für manch einen sind die ganzen bösen Dinge einfach zu viel des Schlechten, man kann die Kragen in der sommerlichen Hitze vor den vernetzten Endgeräten förmlich platzen sehen! So wie bei Thilo Huntemöller, der angesichts der nahenden »Endstation Fußballstrich« zum Aufstand aufruft:

»Die Instrumentalisierung des Fußballsports zu Marketing- und Profitmaximierungszwecken hat mittlerweile ein für viele Sportfreunde (mich eingeschlossen) untragbares Niveau erreicht. Ich finde, es ist Zeit für einen Aufstand. (…) … hier meine Tipps wie man den Fußball dem Marketinggott wieder entreißen kann:

  • geht nicht mehr ins Stadion und kauft keine Fanartikel;
  • lasst die Glotze aus wenn Fußball im TV läuft;
  • unterstützt mit den Geldmengen die ihr so spart Euren Amateurverein um die Ecke;
  • engagiert Euch ehrenamtlich beim Verein - lebt Fußball als ihn nur zu konsumieren.«

Ja. Nur ist auch der Amateurfußball nicht gar so frei von diesen Dingen (z.B. Dietmar Hopp nimmt die Frauenmannschaft nach Hoffene und baut dafür Sportplätze…), wie sich das so mancher in seinem Idealbild vom edlen Amateursport vorstellt. Die Vorstellung, man könnte einen Profisport wie Fußball in einer durch und durch kapitalistischen Gesellschaft von selbigem »rein« halten, hat in ihrer ganzen Naivität schon etwas Rührendes an sich…

In diesem Sinne: Fröhliches Verzweifeln am schönen Sport auf dem grünen Rasen…

Der Oldenburger Landwirtschaftsrat Ernst Hornbostel, von 1962 bis 1975 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes, war schon 1963 Fußballkulturpessimist und befand angesichts der damals bevorstehenden Bundesliga-Einführung: »Ein ganzer Teil der Vereine, die heute mit stolzen Hoffnungen in die Bundesliga einziehen, werden bei Halbzeit ein schauerliches Erwachen erleben.« Ernst Hornbostel ist somit der Urahn des modernen Fußballkulturpessimismus, ihm zu Ehren heißt diese Rubrik »Hornbostels Erben«…

Weitere Beiträge zum Fußballkulturpessimismus


Hoffnungsfroher Trainingsauftakt

Permalink - Posted on 2017-06-19 21:15

KSC-Trainingsauftakt

Der bittere Abstieg aus der Zweiten Liga scheint beim KSC vergessen: Mit einem runderneuerten Kader und einer für Karlsruher Verhältnisse ungewöhnlich großen Kulisse nahm der frischgebackene Drittligist aus der Fächerstadt das Training für die neue Saison auf. Einer neuen Saison, an deren Ende der sofortige Wiederaufstieg in die Zweite Liga stehen soll…

Es geht wieder los

Der Platz 2 am Wildparkstadion platzte aus allen Nähten, als bei sommerlichen Wetter Trainer Marc-Patrick Meister seine Männer zum ersten Training bat. Offensichtlich haben alle die grausige Abstiegssaison abgehakt und freuen sich auf die kommende Saison in der Dritten Liga, von der man wieder anschauenswerten Fußball, bessere Spiele und (vor allem) mehr Tore und Siege erwarten darf.

Vom Andrang zum Trainingsauftakt wurde auch der Verein überrascht. Genau eine Getränkebude war offen, die bei heißem Sommerwetter in Sachen »alkoholfreie Getränke« schnell ausverkauft war. Aber immerhin es gab ausreichend Bier, was will man mehr?

Marc-Patrick Meister war vom Andrang begeistert und sah einen »überragenden Trainingsstart«.

Das Team absolvierte unter dem immer wieder aufbrausenden Applaus der Zusehenden eine Trainingseinheit mit ein wenig Lauferei und einem ausgefeilten Trainingsspielchen, in dem drei Teams auf drei Tore spielten.

Der große Kaderumbruch

Die vielen Fans rund um den Trainingsplatz hatten nur ein Problem: Man kannte kaum einen der Spieler. Das Gesicht der Mannschaft hat sich radikal geändert, 19 Spieler des Absteigerteams haben den Verein verlassen, 14 Neue sind dazugekommen!

Im Gegensatz zur (auch im Nachhinein angesichts der schon im Januar bedrohlichen Lage noch unfassbar schlechten) Transferperiode im Winter 16/17 scheint die Mischung dieses Mal zu stimmen. Routinierte Spieler aus der Zweiten und Dritten Liga wie Kai Bülow (kam von 1860), Marc Lorenz (SV Wehen-Wiesbaden), David Pisot (Würzburg) und Andreas Hofmann (Fürth) wurden geholt. Dazu mit Alexander Siebeck (von RB Leipzig II), Burak Camoglu (BVB II), Jonas Föhrenbach (SC Freiburg) und Marvin Wanitzek (VfB II) vielversprechende junge Spieler, die aber in der Dritten oder Regionalliga trotzdem schon Leistungsträger waren und ausreichend Spiele »auf dem Buckel« haben.

Bei der Problemzone Nummer 1 der letzten Saison, dem Angriff, wurde richtig zugeschlagen. Mit dem baumlangen Dominik Stroh-Engel (von Darmstadt 98) und dem quirligen Drittliga-Rekordtorjäger und KSC-Rückkehrer Anton Fink (Chemnitz) wurden zwei erfahrene Männer mit »Torgarantie« verpflichtet. Dazu kommt mit Fabian Schleusener (SC Freiburg), Nathaniel Amamoo (SC Freiburg II) und dem 17-jährigen Talent Malik Karaahmet (Eintracht Frankfurt) weiteres neues Personal für das in der letzten Saison darbende Offensivspiel.

Auf dem Papier sieht diese Mannschaft für die Dritte Liga gut aus, das Ziel ist klar und darum wird auch nicht groß herumgeredet: Der sofortige Wiederaufstieg!

Beim gestrigen Trainingsauftakt stand diese Mannschaft zum ersten Mal gemeinsam auf dem Rasen. Trainer Marc-Patrick Meister hat jetzt die schwierige Aufgabe, bis zum Saisonauftakt in gut einem Monat die neue Mannschaft zu einer funktionierenden Einheit zu formen, die von Anfang an auf Punktejagd für die große Mission »Wiederaufstieg« gehen kann…

Impressionen

Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt Trainingsauftakt


»Saisonende.« Karlsruhe, 2017.

Permalink - Posted on 2017-06-17 19:00

Mit den letzten Relegationsspielen ist die Saison 2016/17 nun endgültig beendet. Und damit auch die zweite Saison dieses kleinen Fußballblogs. In dieser wurden 37 Spiele in sechs Ländern besucht und dokumentiert. Von der Champions League bis zur Verbandsliga war alles dabei. Die Highlights waren sicher das Champions-League-Match in Glasgow und das Dabeisein bei einem der letzten Spiele im Vicente Calderón. Sportlich war die Saison weniger glorreich. Borussia stürzte ins Mittelfeld, und der KSC stieg sang- und klanglos ab. Dazu wurde in den letzten Monaten genug geschrieben, nun heißt es, in der Sommersonne auf die neue Saison zu warten. Denn das ist bekanntlich das Gute am Fußball: Nach jeder Saison kommt eine neue Saison, in der jeder bei null Punkten anfängt…


Girona FC.

Permalink - Posted on 2017-06-17 18:25

Das katalanische Team aus der kleinen Stadt Girona (in der Nähe der Badeorte an der Costa Brava) schaffte erstmals in seiner 87-jährigen Geschichte den Aufstieg in die erste Liga. »These Football Times« beleuchtet die Hintergründe zu Gironas Aufstieg: »The rise of Girona: a tale of late drama and Guardiolas«. Beeindruckend ist, wie professionell in Spanien selbst so kleine Vereine aufgestellt sind, was Kooperationen und Eigentümerstrukturen angeht. Wenn man das mit der »Vereinsmeierei« in Deutschland vergleicht…


Hornbostels Erben: Das traditionalistische Investorentourette

Permalink - Posted on 2017-06-07 21:35

Symbolfoto: Alles kaputt im Fußball! So wie hier das Bökelberg-Stadion während des Abrisses im März 2006.

Investoren sind böse! Deshalb warnt der deutsche 50+1-Traditionalismus beharrlich, und mit dem Abstieg der Ismaik-Sechzger in der Relegation (und den daraufhin einsetzenden personellen Kalamitäten, die den Münchner Traditionsklub in die Regionalliga beförderten) hat das 50+1-Lager endlich seinen Modellfall für das Unheil, das aus jeglicher Investorentätigkeit im Profifußball zwangsläufig dräut…


Ismaik und das traditionalistische Investorentourette

Es ist ja nicht so, dass Abstiege und finanzielle Schieflagen wg. schlechter Arbeit, chaotischer Personalpolitik und intriganter Vorstandsstrukturen eine von Hasan Ismaik in den deutschen Profifußball eingebrachte Neuheit wären. Die Liste der Vereine mit Insolvenzen, Lizenzentzügen und Zwangsabstiegen, die von gewählten Vorständen »guter deutscher Mitgliedervereine« verursacht wurden, ist schließlich ausgesprochen umfangreich. Von Bonn, Herne, Wanne-Eickel, 1860 (1982 schon einmal…) oder Oberhausen in den 70ern und 80ern bis zu den aktuellen Fällen in Aachen oder Gütersloh reicht da die lange Reihe…

Und doch wird so getan, als wäre die aktuelle Malaise des TSV 1860 eine zwangsläufige Folge des Investoreneinstiegs. Und nur des Investoreneinstiegs. Von der Zeit bis zur »Schottischen Furche« war der Schuldige schnell ausgemacht: Hasan Ismaik natürlich.

Und wurde schnell zum Role-Model des »bösen Investors« aufgebauscht. Es dauerte natürlich auch nicht lange, bis sich der diesbezüglich notorische St. Pauli-Sportvorstand Andreas Rettig (von dem aus seiner Zeit bei der DFL keine Aktivitäten gegen die 50+1 untergrabenden Ausnahmen aller Art bekannt sind…) in der MoPo zu Wort meldete, Zitat:

»1860 und Herr Ismaik zeigen auf eklatante Weise, dass Geld alleine, wenn es nicht richtig eingesetzt wird, mehr Fluch als Segen ist. (…) 50+1 ist für mich das letzte Stopp-Schild auf dem Weg zur totalen Kommerzialisierung.«

Motto: »Mit 50+1 wäre das nicht passiert!« Der kleine Schönheitsfehler dabei: Ist es aber, denn 50+1 gilt ja noch, oder habe ich etwas verpasst?

Und schauen wir doch mal kurz zurück, ins Jahr 2011. 1860 München war ein Musterbeispiel für die glorreiche deutsche Fußball-Vereinsmeierei. Ständig wechselnde Vorstände hatten den Verein so weit gebracht, dass er mal wieder vor der Insolvenz stand. Und dann kam Hasan Ismaik als Retter, sonst wäre es 2011 schon zu Ende gewesen. Begleitet von durchaus wohlwollenden Artikeln, wie hier bei Spox oder im Sechzger-Fanblog »die blaue 24«, Zitat:

»Was man gar nicht oft genug sagen kann, ist, dass Ismaik uns vor dem Untergang gerettet hat. Ich denke nicht, dass 1860 im Falle einer Insolvenz es jemals wieder in den Profi-Fußball geschafft hätte.«

Im Nachhinein betrachtet war Ismaik bei den Sechzgern nur ein weiterer Akteur neben den zahllosen Akteuren aus dem Mitgliederverein, der sich in das chaotische Konstrukt 1860 nahtlos einfügte und mit dem Verbrennen von Millionen das bittere Ende nur von 2011 ins Jahr 2017 verschoben hat. Die Lehre ist nicht, dass Investoren grundsätzlich böse sind, sondern das schlechte Arbeit im Fußball einfach schlechte Arbeit ist, unabhängig von wirtschaftlichen und organisatorischen Strukturen. Mit Eitelkeiten, Fraktionsbildung und Grabenkämpfen um Personen hat noch kein Verein sportlichen Erfolg eingefahren.

Aber der Mainstream des deutschen Fußballs wird daraus wieder einmal die falschen Schlüsse ziehen und sich weiter an seinen rückständigen, unfairen und die Liga sportlich ruinierenden Strukturen erfreuen. Bis ein Gericht 50+1 den Garaus macht, vielleicht sogar durch Hasan Ismaik. Was wäre das für eine grandiose Pointe der ganzen 50+1-Geschichte…

Den besten Artikel zum 1860-Drama findet man übrigens beim Zeitspiel-Magazin, der die billige Schuldzuweisung an Ismaik vermeidet und nebenbei richtig konstatiert, dass der deutsche Fußball ein massives Fan-Problem hat. Dazu ein anderes Mal mehr…

Oh Helene!

Der Kulturkampf der Traditionalisten hat sich schon so im Schützengraben eingegraben, dass sogar eine seltsame Schlagersängerin in der Halbzeitpause des DFB-Pokal-Finales zum Fanal des dräuenden Untergangs der Fußball-Kultur wird. Alles wird nur noch zum kommerziellen Event, so die Klagen der Traditionalisten. »Selber Event« antwortet Johannes Kopp in der taz:

»Auf der einen Seite stehen die Vereine und Verbände, welche die Eventisierung und Kommerzialisierung des Sports vorantreiben, auf der anderen Seite die Fans, zu deren Sprachrohr sich die Ultras aufgeschwungen haben. Ihrem Selbstverständnis nach sind sie die Bewahrer der Fußballkultur. Was sie da beschützen, weiß keiner so genau. (…) Der Grenzverlauf der Fronten ist aber bei Weitem nicht so eindeutig, wie es scheint. Denn auf fußballferne Selbstinszenierungen verstehen sich die Ultras ebenso gut wie Helene Fischer. Sie geben auf den Tribünen den Takt vor, weshalb selbst spektakulärste Aktionen auf dem Spielfeld kaum Einfluss auf ihre monotonen Gesänge haben.«

Elegie des Monats

Zum Abschluss darf eine schöne Elegie über die Schlechtigkeit des zeitgenössischen Fußballs natürlich nicht fehlen. Die von Schwatzgelb in der letzten Ausgabe dieser kleinen Kolumne war schon nicht schlecht, das Scarico-Blog liefert unter dem Titel »Muss ich mir einen neuen Sport suchen?« einen würdigen Nachfolger, Zitat:

»Nein, ganz vom Profifußball abwenden werde ich mich nicht. Dafür liebe ich diesen Sport einfach zu sehr. Aber öfters Mal einen Blick zum Amateurklub um die Ecke zu werfen kann nicht schaden. Dort, wo es noch ein Schnitzel und ein Bier gibt und wo eine Eintrittskarte nicht 45 Euro kostet.«

In diesem Sinne: Fröhliches Verzweifeln am schönen Sport auf dem grünen Rasen…

Der Oldenburger Landwirtschaftsrat Ernst Hornbostel, von 1962 bis 1975 Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes, war schon 1963 Fußballkulturpessimist und befand angesichts der damals bevorstehenden Bundesliga-Einführung: »Ein ganzer Teil der Vereine, die heute mit stolzen Hoffnungen in die Bundesliga einziehen, werden bei Halbzeit ein schauerliches Erwachen erleben.« Ernst Hornbostel ist somit der Urahn des modernen Fußballkulturpessimismus, ihm zu Ehren heißt diese Rubrik »Hornbostels Erben«…

Weitere Beiträge zum Fußballkulturpessimismus


Verbandsliga-Relegation: VfB St. Leon - TSV 05 Reichenbach 1:2 – 3.6.2017

Permalink - Posted on 2017-06-04 16:05

Relegation: VfB St. Leon vs TSV Reichenbach 1:2

Die Saison ist fast überall beendet, in den regionalen Amateurklassen finden die letzten Relegationsspiele statt. So wie in der Verbandsliga Nordbaden, wo sich im Relegations-Halbfinale der VfB St. Leon, Tabellenzweiter der Landesliga Rhein-Neckar, und der TSV 05 Reichenbach, Viertletzter der Verbandsliga, in Friedrichtstal gegenüber standen. Da Friedrichstal immer einen Ausflug wert ist (und man eingedenk der kommenden Sommerpause alles mitnehmen muss!), ging es mal wieder hinaus ins Karlsruher Umland. Neben reichlich frischer Luft, dem Duft eines vorzüglich gepflegten Friedrichstaler Rasens und gutem Karlsruher Flaschenbier gab es ein spannendes Relegationsspiel zu sehen, in dem sich der Verbandsligist Reichenbach knapp mit 2:1 durchsetzte…

VfB St. Leon

In St. Leon, wo der VfB zu Hause ist, liegt der Golfplatz von Dietmar Hopp, das Epizentrum des Dietmar-Hopp-Imperiums. So verwundert es nur wenig, dass der VfB St. Leon einer der zahlreichen Sportvereine in der Rhein-Neckar-Region mit Dietmar-Hopp-Einfluss ist. Die heutige Frauen-Bundesliga-Mannschaft der TSG Hoffenheim entstand 2007 durch eine Übernahme der Frauenmannschaften der Spielgemeinschaft 1. FC Mühlhausen/VfB St. Leon. Zur Belohnung finanzierte die Dietmar-Hopp-Stiftung einen Kunstrasenplatz und u.a. die Sanierung des Vereinsheims

In der aktuellen Saison sicherte sich das Landesliga-Team von Trainer Benjamin Schneider mit einem starken Endspurt von 15 ungeschlagenen Spielen hintereinander den Relegationsrang 2.

TSV 05 Reichenbach

Der TSV, aus dem südlich der Karlsruher Stadtgrenze gelegenen Waldbronn, entging in der Verbandsliga am letzten Spieltag durch einen 7:2-Kantersieg gegen den Auf- und Absteiger Strümpfelbronn dem Abstieg. Aber auch nur, weil FV Lauda gleichzeitig gegen den Aufsteiger Heddesheim eine 1:3-Heimpleite einfuhr. Entsprechende dankbar und motiviert zeigte sich das Team von Trainer Haris Serifovic über die Chance, durch die Relegation doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.

VfB St. Leon - TSV 05 Reichenbach 1:2

Ausgetragen wurde das Relegationsspiel im kleinen aber feinen Stadion des FC Germania Friedrichstal, das hier im Blog schon angemessen gewürdigt wurde. Relegation, Sonnenschein und Flaschenbier hatten gut 400 Zusehende angelockt. Lautstark präsentierte sich der gut zwei Busladungen starke gelb-schwarze Anhang aus St. Leon, der, ausgestattet mit guten alten Tröten und Druckluftsignalhörnern, einen ordentlichen Radau veranstaltete. Auch Reichenbach hatte Anhang mitgebracht, so dass es eine für ein Amateurspiel sehr ordentliche und stimmungsvolle Kulisse gab…

Das Spiel begann ziemlich zerfahren, die Bedeutung der Relegation lähmte die Beine wohl ein wenig. In der 17. Minute wurde das Scoren eröffnet, als der VfB-Torwart Merz (beide Torhüter heißen übrigens Merz…) eine Kopfball-Kerze nach einer Flanke von außen unterschätzte und das 0:1 durch Julian Slotty ermöglichte (Fupa-Video). Schon fünf Minuten später erzielte der auffällige Oliver Bitz mit einem schönen Drehschuss den Ausgleich für St. Leon (Fupa-Video). Nach diesen turbulenten 5 Minuten spielte sich das Geschehen bis zur Halbzeit vorwiegend im Mittelfeld ab.

Damit war zwei Minuten nach der Pause Schluss, denn Nico Ruppenstein erzielte mit einem herrlichen Freistoß ins obere Eck die erneute Führung für Reichenbach (Fupa-Video). Da soll mal einer sagen, beim Amateurfußball gäbe es keine technisch feinen Tore zu sehen…

Das war das Startsignal für eine Offensive des VfB. Reichenbach zog sich zurück, wie man so liest soll das Spielen aus einer massiven Abwehr mit gelegentlichen Kontern sowieso die Reichenbacher Spielanlage sein. Entsprechend schwer tat sich St. Leon, vor das Tor des TSV zu kommen. Mit allen Tricks retteten die Reichenbacher die Führung über die Zeit. Wg. wiederholten Zeitspiel des Reichenbacher Torhüters Merz gab es, zum lautstark geäußerten Unwillen der Reichenbacher Fans auf der Tribüne, fast 10 Minuten(!) Nachspielzeit. In der schoss der VfB wild auf das Reichenbacher Tor ein, den Schüssen fehlte es aber an Präzision, um wirklich gefährlich zu werden.

So setzte sich im Relegationshalbfinale Verbandsligist Reichenbach durch und trifft nun nächste Woche im Relegations-Endspiel auf den Sieger der zweiten Halbfinal-Partie Kirrlach vs Mosbach, die am morgigen Pfingstmontag ausgetragen wird.

Fazit: Ein spannendes Relegationsspiel, auch in den mittleren Amateurklassen gibt es guten und spannenden Fußball zu sehen…

Impressionen


Neues aus Schottland #19: Saisonende!

Permalink - Posted on 2017-06-03 13:15

Celtic Park, 2016

»…cheers us up when we know the Scottish Cup, is coming home to rest at Paradise…« heißt es im altehrwürdigen »Celtic Song« von Glen Daly, der bei jedem Spiel im Celtic Park gespielt wird. Und genau so war es! Celtic krönte eine überragende Saison zum Abschluss mit dem Gewinn des Scottish Cup und holte damit das »Domestic Treble« aus Meisterschaft, Liga-Pokal und Vereinspokal…

Der letzte Titel: Scottish Cup für Celtic

Zum Saisonabschluss trafen im Pokalfinale Meister Celtic und der Zweite Aberdeen aufeinander. Bekanntlich ist Celtic ungeschlagen durch die Saison gekommen, so dass der Meister natürlich der große Favorit war. Es entwickelte sich aber ein dramatisches Finale. Schon nach 9 Minuten ging Aberdeen nach einer Ecke durch Johnny Hayes in Führung, der in dieser Saison überragende Stuart Armstrong glich zwei Minuten später aus.

Es entwickelte sich eine spannende Kampfpartie, Aberdeen unterband mit höchstem Einsatz das gefährliche Offensivspiel Celtics. Aber als sich alle schon für die Verlängerung bereit machten, erzielte Tom Rogic mit einer schönen Einzelaktion in der zweiten Minute der Nachspielzeit den umjubelten Siegtreffer für Celtic…

Damit gewann Trainer Brandon Rodgers in seiner ersten Saison das »Domestic Treble«, und das ungeschlagen in allen drei nationalen Wettbewerben. Nur vier Teams konnten Celtic diese Saison schlagen: Die Lincoln Red Imps, Hapoel Be’er Scheva (aus Gibraltar bzw. Israel, in der Quali-Runde zur CL im letzten Sommer), der FC Barcelona und Borussia Mönchengladbach.

Die letzte Entscheidung: Dundee United bleibt zweitklassig

Stammleserinnen und -leser wissen es: Dieses kleine Fußball-Blog hat eine heimliche Leidenschaft für Dundee United. Nach einer wechselhaften Saison in der zweitklassigen Championship wühlte sich das Team von Trainer Ray McKinnon durch die etwas mühsame Aufstiegs-Play-Runde (der Tabellenerste steigt direkt auf, der Zweite, Dritte und Vierte spielen in einer Play-Off-KO-Runde das Team aus, das dann gegen der Vorletzten der ersten Liga Relegation spielen darf). Morton und Falkirk wurden bezwungen. Aber in zwei schauerlichen Spielen entschied ein feiner Fernschuss von Hamiltons Jungstar Greg Docherty die Relegation. Die Accies bleiben drin und Dundee United muss in der kommenden Saison einen neuen Anlauf zur Rückkehr in die erstklassige Premiership nehmen…

Prognose und Realität

Jetzt schauen wir doch zum Saisonabschluss einmal, wer hier die Ahnung hat. Zu Saisonbeginn wurde hier der Ausgang der Meisterschaft vorher gesagt:

 PrognoseErgebnis
1.CelticCeltic
2.AberdeenAberdeen
3.The new RangersThe new Rangers
4.HeartsSt. Johnstone
5.St. JohnstoneHearts
6.MotherwellPartick Thistle
7.Ross CountyRoss County
8.Inverness CaleyKilmarnock
9.FC DundeeMotherwell
10.Hamilton AcciesFC Dundee
11.Partick ThistleHamilton Accies
12.KilmarnockInverness Caley

Im Großen und Ganzen endete es so wie erwartet. Dass die New Rangers Celtic herausfordern könnten war von vornherein eine absurde Vorstellung. Erwartungsgemäß sind sie aktuell nicht einmal die zweite Macht. Mit Rang 3 könnten sie als Aufsteiger mehr als zufrieden sein, wäre da nicht der rund um Ibrox und bei ihren Fans in den Medien obligatorische Größenwahn, der Rangers stets als potenziellen Meister sieht. Davon waren sie weit entfernt und werden es auch in der kommenden Saison sein.

Nicht unbedingt zu erwarten war auch, dass Hearts hinter St. Johnstone auf Rang 5 endet. Der »schottische Nagelsmann« Ian Cathro hatte so seine Probleme mit der in der Wintertransferperiode neu zusammengestellten Mannschaft. Von den neun Neuzugängen werden nun deren sechs Hearts gleich wieder verlassen. Cathros Team gewann nur 6 der 26 Spiele seit seiner Amtsübernahme. Das ist natürlich viel zu wenig, Cathro genießt aber das Vertrauen von Sportdirektor Craig Levein und wird in der kommenden Saison bleiben. Aber die Edinburgh Evening News unken schon:

»If recruitment overall is poor once again and Hearts start slowly, fans will be screaming for Cathro and his assistant Austin MacPhee to be sacked. And probably Levein with them. The brutal truth is that business done over the next few weeks in Gorgie will be the most important since Budge signed that Creditors’ Voluntary Arrangement to take Hearts out of administration.«

Überraschungen gab es in der zweiten Tabellenhälfte. Partick Thistle, die »dritte Macht« in Glasgow, spielte eine für diesen kleinen Klub hervorragende Saison und schaffte erstmals in der Vereinsgeschichte den Sprung unter die ersten Sechs und damit in die »Meisterrunde«.

Ebenfalls überraschend endete Kilmarnock auf Rang 8. Nach Killies desaströser Saison 15/16 waren sie für mich der Abstiegskandidat Nummer 1, zeigten sich aber stark verbessert.

Die große Enttäuschung war Absteiger Inverness Caledonian Thistle. Die Highlander vom Loch Ness, immerhin in der Saison 15/16 noch in der Quali für die Europa League dabei, spielten eine schlimme Saison und stiegen wohlverdient in die Premiership ab. Ähnlich wie Killie und Dundee United in der letzten Saison lieferten sie sich am Tabellenende ein Schneckenrennen mit den Hamilton Accies. Beide gewannen in 38 Versuchen nur sieben Mal, letztendlich brachte ein Unentschieden mehr für die Accies (s.o., Relegation) die Entscheidung…

Und sonst?

In der abgelaufenen Saison konnte man dank DAZN und Sport1+ viele Spiele der schottischen Premiership in guter Qualität anschauen. Wir hoffen natürlich, dass das in der kommenden Saison so bleiben wird. Denn wer möchte denn z.B. HSV vs Mainz anschauen, wenn man doch Aberdeen vs Celtic sehen kann? Und das im altehrwürdigen Pittodrie-Stadion, durch das vom Nordseestrand herüberwabernde Nebelfetzen mäandern? Eben!

Nun ist aber erst einmal Sommerpause. Kicken wird nächste Woche in Schottland nur noch die Nationalmannschaft. Diese muss in der WM-Qualifikation daheim gegen England gewinnen, um noch eine einigermaßen realistische Chance auf die Teilnahme an der WM 2018 zu haben…

Und was nächste Saison wird? »Ah dinnae ken«, wie man in Schottland sagt, »ich weiß es nicht«…